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Kleine historische Kartographie Nauwieser Cafékneipen

April 16, 2012

Work in Progress. Bislang ein Faß ohne Boden

Inhalt, bzw. Abfolge der Beschreibung (erst zeitlich-historisch, dann räumlich): Von der Drogenszene zu Sozialprojekten >> Uff de Nauwies: Gleich eingangs tief im Viertel >> Dr. Nilles Bleistifteck: Treffpunkte der Unprätentiösen >> Die schrille Ubu et al Ecke >> Die Kurze Monobingertbar Ecke >> Keine „Arschlochmagneten“: innovative Gastrobetriebe >> Ränder und Satelliten (letzte Aktualisierung am 1. April 2017)

Kleine historische Kartographie Nauwieser Cafékneipen © Ekkehart Schmidt

Aus Köln kommend fragte ich 1994, nach der allerersten Unterschrift unter einen Arbeitsvertrag, den neuen (schon etwas älteren) Chef, wo es denn in der Gegend nette Wohnviertel gäbe? Ich solle mich bloß nicht versuchen lassen, im nahen und attraktiv wirkenden Nauwieser Viertel zu suchen: „Drogen und Prostitution“ raunte er. In den 1980er-Jahren hatte das Viertel wohl wirklich einen denkbar miesen Leumund. Schade. Aber wenngleich so die Mainzer Straße zum ersten Saarbrücker Wohnort wurde, war diese Warnung genau das richtige, um hier in der Cafékneipenszene meine Heimat zu finden. Da ich niemanden kannte und (auch) gerade eine Trennung zu verarbeiten hatte, ging ich mittags ins „Café Kostbar„. Das Kalkül: Wenn ich nur oft genug da bin, lerne ich irgendwann Leute kennen. Hier roch es nicht nach Provinz, sondern fast nach Berlin: Das Lokal ein Kollektiv, rundum im Hof ein Dutzend selbst verwaltete Strukturen und soziale Projekte vom Notruftelefon für vergewaltigte Frauen und der AIDS-Hilfe über den DAJC bis zum Netzwerk Saar. Das war spannend. Ich verguckte mich in den Hintern einer stillen Kellnerin, wurde liebesbedürftig von einer anderen, mitteilsameren aufgegabelt und in das Team von „Real Café Kostbar“ gelotst, um am Waldhausweg meinen ersten Voyeur Cup zu spielen. Die Integration lief letztlich doch über Männer und fünf weitere Spaßfußballteams von „Roter Stern Bingert“ bis zu den „eckschwalben“.

Seit Oktober 2010 zeichne ich spontan und in wechselnden Cafés und Kneipen, was zufällig in meinem Blickfeld liegt und mich aus irgendeinem Grund fasziniert. Das geschieht spontan, aber wohl nicht ganz intuitiv, gründet mal bewußt, meist eher unbewußt in spezifischen Erfahrungen mit der Viertelsszene. An dieser Stelle ist dies in Worte zu fassen.  Die Szene läßt sich allerdings nicht so einfach linear und objektiv, sondern nur als großes Netz aus Beziehungen, eigenen Beobachtungen, fremden Gerüchten, unüberprüfbarer Stories und in unterschiedlichster Konnotation kolportierter Anekdoten und manchmal willkürlichen Einschätzungen beschreiben. Es sei denn, man würde sich auf eine von fünf möglichen Sichtweisen, ja sogar Wissenschaften, beschränken: Wirtschaftswissenschaften (welches Angebot, welche Nachfrage, welche Marktnischen,  Konkurrenzen etc.), Wirtschafts- und Stadtgeographie (welche ökonomische Aktivität besteht warum an welchem Ort und welche räumlichen Dynamiken gibt es?), Soziologie (welche Gruppen und Subkulturen treffen sich wo und sind wie und warum verknüpft?), Psychologie (wer verhält sich warum, wie und mit welchen Folgen?) und schließlich vielleicht noch Ethik und Philosophie (welche Werte haben sich in diesem lokalen Gebräu entwickelt?). Dann wäre es aber schade, so viel in diesem Mikrokosmos unerwähnt zu lassen. Es sei also ein Amalgam aus all dem versucht.

Es gibt Lokale, in denen die Bandbreite des Altersunterschieds bei etwa 15 Jahren liegt (also etwa 16 bis 30) und es gibt andere, in denen sie bei fast 50 Jahren liegt. Letzteres ist sehr sympathisch und in Deutschlands Großstädten eher ungewöhnlich, wo sich die Welten meist in Subkulturen trennen, die sich nach Generationen, Lebenswünschen und -erfahrungen sortieren. Es gibt Lokale, die zu bestimmten Tageszeiten voll, zu anderen leer sind, gleiches gilt nach Jahreszeiten.

Typisch sind die „Kneipaurants“ und „Esscafés“: Lokale, in denen man mittags ein richtiges Essen bekommt oder wenigstens ein Sandwich und abends auch eine Pizza, in denen sonst aber Cafébetrieb herrscht. Und Kneipen, in denen man auch etwas essen kann, ehe man nur noch dem Alkohol zuspricht. Ab wann aber ist ein Etablissement zu deutlich  nur ein Restaurant oder zu klar exklusiv nachtclubbig, um hier dazu gerechnet zu werden? Als Viertelsbewohner würde ich sagen: Wenn ich nicht auf die Idee käme, hier nach der Arbeit oder am Wochenende einen Kaffee zu trinken. Nur die wollte und sollte ich eigentlich im Auftrag der „Saarbrücker Hefte“ beschreiben. Aber die Grenzziehungen erwiesen sich als äußerst schwierig und so ist das Ganze etwas ausgeufert. Im Ergebnis habe ich mich in Nr. 107 auf die Dorfmitte beschränkt, während hier der ganze recherchierte Kladderadatsch der werten Nachwelt und interessierten Forschungstreibenden erhalten bleiben soll…

Von der Drogenszene zu Sozialprojekten

In keiner anderen Ecke Saarbrückens gibt es so viele Beratungsstellen auf so kleinem Raum. Für soziale und kulturelle Projekte, Institutionen und Vereine war das Viertel seit jeher ein Anziehungspunkt. Das liegt aber eher an der zentralen Lage, nicht zwingend, weil die Bezugsgruppe hier leben würde. Das ist eine Ursache für viele Mißverständnisse und Mythen: Es gab hier nie besonders viele Jugendliche, ehemals in China eingesetzte Soldaten, Kurden und andere Flüchtlinge, AIDS-Infizierte oder Schriftsteller. Zwei Gruppen allerdings haben das Viertel bis in die 90er-Jahre deutlich geprägt: Junkies und Prostituierte.

Das „AWO Stadtcafé“ war früher sonntags, jetzt donnerstags von 14-19 Uhr (Stand: Jan. 2017) ein gemütlicher offener Treff vor allem für ältere Leute. Ein 70-jähriger Nachbar erzählt, was hier früher los war: Das „Octopus“, ein berüchtigtes Vorgängerlokal, sei irgendwann in den 80ern zu einer Drogenkneipe geworden, in der gedealt wurde und in deren Toilette  sich Junkies Spritzen setzten. Damals war die Szene nahebei an der Alten Feuerwache. Ursprünglich war es eine angesagte 68er-Kneipe, in der auch getanzt wurde. Zu der Zeit war das „Gambling House“ in den Räumen des heutigen „Ubu Roi“ mit damals noch zwei Billardräumen der allererste sichtbare Junkietreff und wurde allmählich zu der Drogenkneipe der Stadt. Nachdem es aber geschlossen (worden) war, ist ein Teil der Szene ins „Octopus“ ausgewichen. Dessen Besitzer habe es etwas schleifen lassen und nicht rechtzeitig eingegriffen, heißt es. Als die Situation untragbar wurde, auch für die Kinder im Haus, hat sich erwähnter Nachbar  einige Abende auf die Lauer gelegt und anhand von Toilettenspülvorgängen und aufleuchtenden Feuerzeugen vom Garten aus beobachtet und notiert, was da vor sich ging (und vermutlich von den Inhabern toleriert wurde). Nach seiner entsprechend fundierten Beschwerde bei der Stadt dauerte es „nur eine Woche“ und das Octopus bekam die Konzession entzogen. Es folgte mit der „Wilden 13“ ein Versuch von Andreas Wagner, gegenüber seiner „Uff de Nauwies“ etwas zweites, ähnliches aufzuziehen. Dann übernahm die AWO.

Die Szene muß wohl ähnlich als Teil städtischen Lebens akzeptiert/ geduldet gewesen sein, wie heute die zwei letzten verbliebenen Sexworker-und Liebesdienstetablissements eingangs der Nauwieser Straße. Jedenfalls, wenn man keine direkte Berührung hatte. Wenn Kinder jedoch Spritzen auf dem Spielplatz fanden, morgens ein Toter  im Durchgang zum Nauwieser Hof lag (Ender der 80er) oder neben der Schule lag (Mitte der 90er), hörte auch im Viertel die Toleranz auf.

Weitere  Drogenkneipen waren in den 1970ern und 80ern offenbar zeitweilig die „Billardklause“ (seit kurzem „Maxim“) in der Johannisstraße und die Bar/ Disko „Kater Karlos“ vorne/ „Ballhaus“ hinten (vorher existierte hier von 1976 bis 1984/85 das Musik- und Kleinkunstpodium „Barrelhouse„, einem Projekt des ehemaligen Inhabers des legendären „Smuggler’s Inn“ in Dudweiler), wo man Tischfußball spielen (der Kicker steht heute im „Zing„), tanzen, aber auch „ein Pils und einen Keks“ bestellen konnte. Denn dort landete regelmäßig ein „Flieger“ aus Luxemburg (also Amsterdam), der im Kofferraum seines Mercedes meist so etwa ein Kilo Haschisch transportiert hatte (was aber wohl gemerkt nur für einen Teil der Gäste des von Judith Tricoit, Chris Wroblewski und später auch Peter „Piet“ Eifel, Mitbegründer der von 1982-85 aktiven Coverband „Kater Karlos Kaos Kombo“ und ab 1993 Leadsänger der Rockcombo  „Dreist„, geführten Szenelokals  ein relevanter Aspekt war). In ähnlicher Weise, aber proaktiv seitens der Kellner wurde man, war das äußere Erscheinungsbild nur abgebrochen genug, drei bis vier Häuser weiter die Dudweilerstraße hoch in einem türkischen Lokal (vielleicht das „Cornalon„) gefragt: „Was willste denn für einen Tee?“. Dealer gab es auch im „Anker“ (heute „Fleur de bière“). Der heute nicht wirklich gediegene „Conti-Pub“ im Hotel Continental war als „Conti-Bar“ Treffpunkt der hiesigen Unterwelt, mit allem was dazu gehörte. Aber das sind alles  so gehörte Stories. Selbst gesehen hab ich nur die schwarze Ecke, in die sich in den 90ern die Junkies hinter der Alten Feuerwache zurückzogen und mich als Vorhof der Hölle stark beeindruckte.

Die Zweiteilung Kater Karlos/ Ballhaus hatte offenbar zum einen mit häufig von Judith ausgesprochenen Hausverboten, zum anderen mit dem Wunsch einiger Künstler und Schauspieler nach einem Theaterraum zu tun. So wurde für die Führung des „Ballhaus“ ein Verein gegründet, zu dem man durch eine Tür im Hofdurchgang Zugang hatte, während ein Vorhang den Raum symbolisch nach vorne hin abgrenzte. Zu den Versuchen, dort ein Theater namens „Blaue Maus“ zu etablieren, liegen leider keine Informationen vor. Eine andere Folge der Hausverbote war der Aufbau des feinen Popperlokals „Testa“ gegenüber neben der Synagoge. Ein Enrico, der auf einem Saarkahn wohnte und später den Zuschlag für die Sanierung des Hofs Nauwieser 19 bekam und sich da verdient machte, schaffte hier am Beethovenplatz mit edlem Mobiliar und gediegener Musik einen dezenten Ort, der wie von einem anderen Stern wirkte. Nachdem das mittlerweile von Roland Brycz, dann Michael Uhrig und Klaus Thiery geführte Ballhaus 1995 nach einer Anzeige teure Lärmsschutzmaßnahmen umzusetzen hatte, ging es bald zu Ende. Das Viertel verlor einen wichtigen Katalysator für die Bandszene und einen ausreichend kleinen Auftrittsort. Es folgte ein Salsa-Tanzlokal namens „Mambo„. Heute findet sich hier ein Lokal namens „Ekin„.

In der Blumenstraße schließlich gab es in der Nachbarschaft des heutigen Waschsalons noch „Das Ding„, das Gaby als „erste Haschhöhle des Viertels“ benennt (später „Schluckspecht„). Und gegenüber, im heutigen Nauwieser Copy gab es in den 70ern bis Mitte der 80er die Disko „Scotch Club„, geführt von Samy Zougari, der später das „Number 1“ eröffnete. Das Guckloch für die Gesichtskontrolle existiert noch im (heutigen) Seiteneingang, damals der Haupteingang. Ob der plüschig ausgestattete Keller nicht nur ein Ort zum Anschaffen, sondern auch ein Vercheckerschuppen war (was damals mit „Suq“ bezeichnet wurde) oder auch konsumiert wurde ist nicht aktenkundig. Fazi, eni und Hamdid vom Copyshop haben jedenfalls damals die alten Tanzbodenbretter für den Einbau von Trennwänden verwendet. Mit der Einrichtung des Drogenhilfezentrums 1992 in der Brauerstraße verlagerten sich Junkieszene und Straßenstrich ausreichend weit an den Ostrand des Viertels. Wirklich clean ist es heute nur in Sachen harte Drogen, doch ist darauf aus Gründen des journalistischen Spannungsbogens erst später einzugehen.

Aber natürlich: Damals gab es nicht nur Spießerkneipen und Drogenschuppen im Viertel. Das „Octopus“ etwa, hatte ein erstes Leben vor der Junkiezeit. In den 70ern wurde es liebevoll „es Oc“ genannt, weil man dort seine eigenen Cassetten spielen lassen konnte. Diejenigen der damaligen Stammkundschaft, die nicht verstorben sind oder im Drogenhilfezentrum betreut werden, schwören darauf, dass es keine heutige Kneipe mit dem Oc aufnehmen könne. Am schönsten war es offenbar, wenn um 3 Uhr Klaus der Brezelmann auftauchte. Jedenfalls bis 1989. Und vor dem Oc war hier mit dem „Lords Inn“ eine Motorradkneipe.

In den späten 60er-Jahren zogen allmählich verschiedene Gruppierungen der „antiautoritären Jugendbewegung“ (wie man damals so schön sagte) und Student/innen ins Viertel. Erste WGs entstanden. In Dudweiler, nahe der stetig wachsenden Universität oben im Wald, waren schon früh erste Studentenkneipen wie „Smuggler’s Inn„, „Grobes Versteck“ und „Monsieur Hulot“ entstanden. Von 1961 bis 1969 war dort ein gewisser Franz-Josef Degenhardt wissenschaftlicher Mitarbeiter. Der Jurist lebte in Brebach und dichtete dort nebenher auch einige Texte, die er im kleinen Kreis zur Gitarre begleitete. Mit einem 1965 veröffentlichten Song, der sicherlich von dem Arbeitermilieu in Brebach beeinflusst war, gelang ihm 1966 bei einem Auftritt in Berlin der Durchbruch: „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ wandte sich gegen die spießigen sozialdarwinistischen Vorstellungen des aufstiegsorientierten Nachkriegs-Bürgertums. Es erzählt die Geschichte eines Jungen aus „besserem“ Hause, der gerne mit Arbeiterkindern spielte, dann aber in die Oberschule gezwungen wurde und die gesellschaftliche Karriere machte, die Eltern und Lehrer von ihm erwarteten. Das antiautoritär zu verstehende Lied wandte sich gegen die Arroganz der Leute in der „Oberstadt“ und kann auch so interpretiert werden: Streng dich an, leiste was, sonst endest Du uff der Nauwies. Die Sprengkraft dieses deutschsprachigen (!) Textes, dessen Refrain sprichwörtlich geworden ist, beeinflusste die Studentenbewegung. Sicherlich hat Degenhardt, dem aufgrund des riesigen Erfolgs und Promotion 1966 leider keine klassische juristische Karriere vergönnt war (stattdessen verteidigte er RAF-Mitglieder und wurde zu einem der Sprecher der „68er“, worauf auch im SR ab Ende der 70er-Jahre das Spielen seiner Songs verboten war), auch im Nauwieser Viertel so manches Bier getrunken, allein: Es gab damals keine „Szenekneipe“, die sich für einen Besuch aufgedrängt hätte, sondern nur Schenken einfacher Arbeiter und Handwerker, die ab und an zu einer „Dirne“ gingen.

Rotlichtbars waren außer dem legendären und weiter existierenden „City Love“ in Hausnummer „8“ und nebenan Tina’s namenloses Etablissement in Nr. 10, das heutige „Zum Bleistift“, als es noch „Die Insel“ hieß und man drüber oder im Séparée Zimmer stundenweise mieten konnte, die „Pfeffermühle“ in der Nauwieser Str. 33 (heute „Mono“), eine Kaschemme mit Alkis und Huren, der „Anker“ (im heutigen „Fleur de bière“), in dem auch prollige Zuhälter in Erscheinung traten, „Zum alten Seemann“ (später „Ziehwäänsche“, heute „Zing„) sowie das damalige „Försters Eck„, einem Treffpunkt von Nachtschwärmern und Taxifahrern, das eine Nachtkonzession bis 3 Uhr hatte und vor dessen Tür der Straßenstrich war, in dem selber wohl auch manche anschafften (oder sich auch nur mal zurück zogen). Nach Schließung des Anker empfingen zwei Frauen im Nebeneingang links vom heutigen „Mono“ privat weiterhin Freier. Wahrscheinlich war das ganze Haus „vermietet“, wie wohl auch Hausnummer 23 in der Nauwieserstraße. Mit der seit den 80ern nur noch am Viertelseingang und in der Bleichstraße bestehenden Szene hat der gemeine Viertler heute nur noch bei spät abends plötzlich auftretendem Döner-Heißhunger Kontakt, wenn einen das quasi immer geöffnete „Peace Kebap Haus“ (früher „Istanbul Kebab„) wenige Schritte von Hausnummer 8 unwiderstehlich anzieht. Oder beim sonntäglichen Flohmarkt auf dem Ophülsplatz, wenn man Lust auf einen guten türkischen Tee bei Murat bekommt.

Am Markt sah es nicht anders aus: Anfang der 70er-Jahre war St.Johann der „faule morsche Kern der Stadt“. Die Kappengasse wimmelte nur so von „Trottoirschwalben“ vor bordellartigen Kneipen und wurde zum Synonym für Unzucht. Möglicherweise wurde dort schon „Crémant“ getrunken, aber der kam erheblich teurer als heute. Mit der Sanierung der Altstadt ab 1976/77  entstand nicht nur die heutige Fußgängerzone, auch das verruchte Gewerbe wurde per Sperrbezirksverordnung verdrängt, auf dass man sich als rechtschaffener Bürger wieder auf den Markt trauen konnte, der sich schnell zur „gudd Stubb“ der Stadt entwickelte.

Einer der allerersten Orte, der vor allem die aufbegehrende Jugend ins Viertel zog, war das „SOG„, eine Pinte in der Grünstraße,  dessen Keller zu den Zeiten, als die Kundschaft außerhalb noch als Haschbrüder, Gammler oder Hippies beschimpft wurde, sich selbst aber als Sponti oder Stadtindianer sah, nach zu viel Pepperonischnaps „immer für einen Absturz gut „war. Hier entfaltete sich etwa ab 1969 rund um die Gründerfiguren Johannes Bunge und Ulla Dreher schleichend das „sogenannte Theater“ (sog.theater), das einem Sog gleich die junge linke Szene anzog und heute Legende ist. Damals gab es im Keller eine kleine Bühne für Vorträge, Revuen und politisches Kabarett. Angesagt waren Brecht, Tucholsky und Kurt Weill. Zu den Interpreten zählten Hans Husel, zum Beispiel 1972 mit dem Multimedia-Western “Schwierigkeiten mit Crazy Horse”, Arnfrid Astel mit Poetiklesungen, Jochen Senf, damals noch Hörspieldramaturg beim SR, und Bob Ziegenbalg, der später zum Überzwerg wurde.

Infolge interner Dispute, aber auch bestandener Examen, wanderten 1975 das Theater und wesentliche Akteure ab, das „Bingert“ entstand und die Geschichte des sog verlor sich nach einer Phase als sog 2 mit Jochen Senf, Alice Hoffmann und Ingrid Braun, in der man abends hin und her pendelte, im heute Vergessenen. Bis Rolf Lerner, der übel beleumundete Peter „E-Pit“ Hell und die Verbliebenen die Türen schlossen.

In den frühen 90ern hatte das SOG ein drittes Leben als anarchische Kellerkneipe, „in der Punk neben Nutte, Oberfeldwebel neben Geschäftsmann sowie frei stehendem Klo auf der Tanzfläche standen“, bis die Stadt dem Lokal wegen fehlender Notausgänge die Konzession verweigerte (Varianten: geschlossen wurde, nachdem das Team Puma und  Bernd „schubkarrenweise das Geld heraus fuhr, bis die Steuerfahnung kam“ bzw. „die Stadt wollte unbedingt einen linken Laden verhindern“). Bernd machte noch eine Weile weiter, während Puma nach einem Jahr das Viertel verließ und am Markt das „Sing Sing“, dann das „Ovid“ und das „Piaf“ aufmachte. Die Tradition der Saarhexendisko führt er bis heute alle paar Monate in der seit 2001 bestehenden „Malzeit“ in der Scheidterstraße fort. Die Räume des SOG gestaltete nach einigen Jahren verschlossener Tore etwa 2004 ein Schotte zum „BarCode“ um. Der Club öffnete um 20 Uhr und schloß um 5. Der Insiderladen mit Minimal Ambiente, Underground-Atmo im Keller, guten Cocktails und Tanzen auf 2 qm oben vor der Theke, machte jedoch schon 2007 wieder zu. Es folgte eine Werbeagentur, die sich jedoch nicht lange hielt.

Eine vergleichsweise unterschätzte Institution ist das „Gasthaus Klein“ , das „schon seit vor dem Krieg“ (also als die Cecilienstraße noch Kaiser-Wilhelm-Straße hieß) existiert, erzählt Inhaberin Therese Kraus, eine Tochter von „Tante“ Frieda Fischer, der legendären Köchin, die bis zu ihrem Tod am 20. Dezember 2010 noch 89jährig in ihrer Kittelschürze hinter der Theke stand. Und, wie es heißt, als Stammgericht nicht nur wunderbare Hausmannskost (Blumenkohl mit Frikadellen oder Kotelett mit Plattgeschmelzte!) bereitete und damit neben Handwerkern und Arbeitern auch Szeneoriginale wie Armin anzog, sondern zudem – wann auch immer – ein Verhältnis mit Weinhändler Walter Schmidt gegenüber gehabt haben soll („Frühverlobte“). Walter starb 84jährig schon 2008 – ein herber Doppelschlag für die Identität dieses Teils der Cecilienstraße, nicht nur, weil es heute nichts mehr zu Essen gibt. Daß nach 35 Jahren Weinhandel seit 2010  das ähnlich alteingesessene Antiquariat Mang aus der Johanniststraße ins große Lokal gegenüber einzog, ist freilich nicht negativ. Zur wissenschaftlichen Exaktheit sei das exakte Datum nachgetragen, als Vater Klein den Schankbetrieb aufnahm: 1921 (vor Christi, wohlgemerkt, wie es in Ausgabe 16 des  „ViertelVor“ so schön vermerkt ist). Damit ist das später vom Sohn Klein geführte Gasthaus mit der „Stadtschenke“ das älteste im Viertel. Bei aller Persistenz im Innen- und Außendesign verdeutlicht die zur WM 2006 erstmals aufgestellte Großbildleinwand, dass man Innovationen gegenüber nicht resistent ist. Tatsächlich ist es längst in der jungen Szene angekommen.

Auch nur ein Tanzlokal für Erwachsene, die Jazz und so was hörten, war die „Rumpelkammer“ im Souterrain des  City-Hotels in der Richard-Wagner-Straße (oder liege ich da falschen Infos auf und sie befand sich doch in der Caecilienstraße neben dem Gasthaus Klein?), in dem die 13jährige Patricia Kaas mit einem allerersten Vertrag 1979 erste Gesangsauftritte mit „Dob’s Lady Killers“ hatte und nachdem sie Gérard Dépardieu entdeckt hatte – vom Lokal her schwer vorstellbar, daher als Begegnungsort hier auch umstritten – ihre Weltkarriere begann. Mit dem von drei der fünf Bandmitglieder betriebenen Lokal ging es dagegen bergab, ab 1985 hieß das Lokal „Route 66„, danach bis etwa 2015/16 „Bistro summa cum laude“ mit Jazz- und Latino-Jam-Sessions jeden Mittwoch, seitdem „Sam’s Bistro marocain„.

Neben dem AWO-Stadtcafé bietet das Viertel heute sechs weitere zielgruppenspezifische Lokale mit sozialem Anliegen: das „Jugendcafé Exodus„, den „Anderen Jugendclub“ mit der Zielgruppe Migrantenkinder in der Johannisstraße, im Caritashaus zwischen beiden das „Café Jederman“, das Ausbildungslokal des SOS Kinderdorfes in der Seilerstraße, das „JUZ Försterstraße“ und schließlich am Ende der Nauwieser Straße das „Family Café“. Sie liegen alle schon halb außerhalb des Viertels.

Zielgruppe des von der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle betriebenen „Café Jederman“ sind trockene Alkoholiker, Medikamenten-, Spiel-und Onlinesuchtabhängige. Weitere Selbsthilfegruppen verarbeiten sexuellen Mißbrauch und sexualisierte Gewalt. Besucht wird es freilich auch von Leuten, die für ihr Selbstwertgefühl keine coole Umgebung nötig haben, um für 3,60 Euro ein ehrliches Gulasch mit Semmelknödeln zu essen. Es ist für jederman offen, natürlich auch für Frauen – daher hat der Name ein „n“ weniger als im Duden. Der von Alois Daniel geleitete Verein besteht bereits seit Ende der 1970er-Jahre als „Club 14“ (damals in der Karcherstraße) und zog 2005 ins Erdgeschoß der Caritas in der Johannisstraße 2, nunmehr geführt von Volker Sante. „Leider besteuert das Finanzamt unseren Cafébetrieb, trotz Gemeinnützigkeit, wie ein ’normales‘ Wirtschaftsunternehmen, und wir können im Selbstverständnis, ein wichtiger Kommunikationspunkt und Anlaufstelle für Suchtkranke zu sein, auch dadurch nicht kostendeckend arbeiten“, beschreibt Kassenwart Alois Orth im September 2015 die finanzielle Situation. Trotzdem hat man das Preisniveau sehr niedrig gehalten.

Bislang aus dem Rahmen fiel bislang das etwa 2006 nahe des St. Johanner Marktes eröffnete „Family Café„, das im Mai 2010 hierher umzog. Der agilen Inhaberin Habibeh Daregh gab ihr iranischer Landsmann Fazi vom Copy Shop nebenan den Tipp, die überdimensionierten  Flächen seines Nachbarlokals zu übernehmen, in denen früher ein kurdisch-türkischer Supermarkt bestand, dessen Inhaber sich nach dessen Scheitern notgedrungen – aufgrund eines fünfjährigen Mietvertrages – gezwungen sah, mit einem schlecht besuchten Internetcafé zu retten, was (nicht) zu retten war.  In das Family Café hat Habibeh viel investiert: Doppelglasfenster, dunkle Parkettböden und die von einer Freundin bemalte lange Wand mit Szenen aus dem Dschungelbuch erzeugen eine Atmosphäre, in der sich Eltern mit Kleinkindern wohlfühlen sollen. Die Mütter aus dem Viertel nahmen das Lokal anfangs nur zögerlich an, es dominieren Besucher von außerhalb. Da manche auch glaubten, dass es sich um ein städtisches Angebot handelt, betonte Habibeh den „kommerziellen Charakter“ ihres Cafés. Für Viertler war es einer dieser „Nicht-Orte“. Es gebe dort leckeren Kuchen, aber ohne Alibikind komme man schlecht rein, scherzt ein kinderloser Singlekünstler, ohne dies böse zu meinen. Alle waren froh, daß nach langem Leerstand wieder Leben in der Ecke war. Zumindest in der kalten Jahreszeit. Im Sommer machte das Café nachmittags zu, weil junge Familien dann eher auf Spielplätze gehen. Das Café wurde aber auch von älteren kinderlosen Personen besucht. Besonders zu empfehlen war es für Kindergeburtstage. Im Oktober 2016 machte es jedoch zu bzw. Habibeh zog mit ihrem Café in die Halbergstraße 43-45, wo sie unter dem Namen Bibis Bistro nun auch eine Art Restaurant integriert hat.

Vielleicht hat das ursächlich damit zu tun, das Family Café seit März 2014 einige Häuser weiter in der Nauwieserstr. 35 mit dem deutlich schöner designten „Gelümmel+Getümmel“  Konkurrenz bekommen hatte: Ein liebevoll im Retrostil gestaltetes Bio-Café mit angehängtem großem Spielraum voll modernen Holzspielgeräts und einer dreistöckigen Kletterwand sowie einem Seminarraum für Veranstaltungen mit werdenden Müttern und einer Verkaufsecke für ökologisch hergestelltes Spielzeug und Textilien. Im ehemaligen Family-Café entstand Ende März 2017 das neue „Café im 4tel„, das auch eine Kinderecke bietet, vor allem aber auch eine halbe Bäckerei ist. Mal sehen, was sonst noch dazu zu sagen sein wird.

Nur noch verklärte Geschichte ist das im Verein „Alter Feuerdrache“ von 1982 – 2004 selbstverwaltete links-autonom-antifaschistisches internationalistische Kulturzentrum mit AWO-Beratungsbüros für Migrant/innen, kurdischem und persischem Kulturverein und anderem in der ehemaligen preußischen Kommandantur zur Rechten der Alten Feuerwache am Landwehrplatz. Die Stadt kündigte dem Verein 2003, hatte hier Großes vor, konnte dies aber nicht finanzieren. So blieb es nach jahrelangem Leerstand bislang beim Einzug des TiV. Aus Viertelssicht ist die Lokalität an den Rand gerückt.

Uff de Nauwies: Gleich eingangs tief im Viertel

Zurück in die Nassauerstraße und ins Jahr 2012. Seitdem Thomas Poller nach 2001 das von Andreas Wagner aufgebaute Bistro „Uff de Nauwies“ zur „Nauwies“ gemacht hat, sind zumindestens einige Ältere nicht mehr ganz glücklich mit diesem prominenten Eckcafébistro an einem der drei Viertelseingänge. Natürlich war früher alles besser: Als Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums konnte man hier schon ab 10 Uhr blau machen. Was damals Spaghettipizza oder Pizza mit Sauerkraut waren, ist heute die Auswahl aus neun opulenten Frühstücksvarianten zum Wochenende. Hier sitzen heute jedoch kaum Viertler, sondern abenteuerlustige Landeier, die sich nicht wirklich tiefer rein ins Geviert trauen, als zum 7. Längengrad Ost, um dann Franziskaner zu trinken. Was auch in Ordnung ist.

Jahrzehnte nach den Junkiezeiten bleibt es hier für die Anwohner an Wochenenden problematisch, aber nur, wenn man sein Schlafzimmer zur Straße hat: In den Vorgängerlokalen des heutigen „Feinkost Schmitt“ und im 1997 eröffneten „Karateclub Meier“ gab es oft Konzerte und seit dem Rauchverbot geben sich militante Raucher ähnlich wie vorm „Kurzen Eck“ und dem „Mono“  und anderswo minütlich die Klinke in die Hand. Aber das war mehr oder weniger schon immer  so und führt trotz Lärms und Kippenansammlungen wohl auch kaum zu ernsten Beschwerden. Es sei denn, das Ordnungsamt würde überraschend zu Besuch kommen und feststellen, dass im Club gar nicht draußen gequalmt wird. Das edle, 2004 eröffnete  „Feinkost Schmitt“ war in den 1980ern noch die „Pickelhaube„, in den 1990ern dann die „Haifischbar“ und ab 1999 das „Hellmut“ mit Live-Club und „Kiss“-Altar – immer aber hip und eines der ganz wenigen Lokale, in denen Independant- und andere Musik life gespielt oder aufgelegt wurde. Das Team präsentiert sich Vergnügungssuchenden  online mit scharfen „Shots“. Miriam mixt „B 52“ kurz und knapp: „2 cl Klasse, 2 cl Feinkost und ein heisser Schuß Sex Appeal“, was aber wohl der Chef Dieter Seiwert getextet hat, der eigentlich sehr cool drauf ist. Dagegen bringt Anna den Cocktail „69“ nicht ganz so peinlich auf den Punkt: „2 cl Herz, 2 cl Zeit“. Aber wahrscheinlich finden das die Abiturienten, Erstsemester, ältere BWLer und andere noch bei Mutti wohnende Studies ja ausreichend cool. Leider gibt es auch eine „Feinkost Ode“: „Oh du mein Feinkost, ohne dich wäre meine Kehle voller Rost …“. Die Stimmung bei Retro-Tapeten und 70er-Jahre-Lampen ist trotz alledem nicht schlecht.

Den Karateclub kenne ich nur als coole Truppe in kurzen Hosen, die als KFK Meier in der Bunten Liga uns eckschwalben gerne unter Wert geschlagen hat. Vorgängerlokal war der „Elch„, ein Versuch einer irischen Bar mit allem, was dazu gehört.Was bei dieser Name-Inhalt-Inkongruenz scheitern mußte.  Das „Hellmut“ zog 2004 ins vorherige „Horst“ an der „Garage„, aber der Umzug bekam ihm offenbar nicht wirklich gut. Auch die Kicker vom „Horst“ spielten noch in der Bunten Liga. All diese Lokale leben von der Nähe zum Markt, von dem sich wochenends spät abends so mancher auf den Weg zu etwas Authentischerem macht. Dies kommentiert ein Grafitti vom Frühjahr 2012 am Förster-JUZ: „Wer nicht feiert, hat verloren“.

Kinderreiches Familienleben spielt sich im Sommer neben „Ubu“ und „Familycafé“ vor allem rund um den Spielplatz am Ophüls-Platz am etwa 2013 entstandenen „Herzenslust Restaurant“ (vorher „Gasthaus Kunterbunt„, in den Räumen der früheren griechischen Taverne „To Steki„, die vor einem Jahrzehnt mitsamt meinem Stammgericht „Gyros Bauernart“ an den Kieselhumes umzog) ab. Während das Herzenslust eher etwas für Gourmets ist, bot das Kunterbunt leckere saarländische Küche. Die Inhaberin hatte auch nebenan das „Eiscafé Feinkost“ mit dem chemisch-zuckrig-blauen Schlumpfeis, um das es Ärger gab (also das Café, nicht das Eis), weil das Ordnungsamt eigentlich keine neuen gastronomischen Einrichtungen zulassen darf – aber wer wollte schon bei Eis am Spielplatz auf Nutzungsordnungen beharren? Eine Weile ging es gut, dann hat sich die Stadt hat offenbar durchgesetzt: Das Eiscafé machte jedenfalls zu und im August 2015 eröffnete hier ein Laden bzw. SuBStore namens „Schönemann/ Both„, der äußerlich wie ein Antiquitätenhändler wirkt, aber ein Café war, in dem DIY Arcade Kits verkauft werden, also Bedienpulte für Computerspiele, wenn ich das richtig verstanden habe. Das ging gar nicht, der Laden machte nach etwas über einem Jahr zu, aber ich war froh, vom Spielplatz aus ab und an einen wirklich guten Espresso rübergereicht bekommen zu haben. Im Winter 2016/17 entstand hier ein weiterer Friseursalon: „A & G Abschnittsgefährten“.

Lange bevor hier gerutscht und geschaukelt wurde, bestimmten das „Gasthaus Nauwieserplatz“ (von 1967-1985), „Zum Hans“ (beide vielleicht im ehemaligen „To Steki“, wo sich heute das „Herzenslust“ befindet) und das „Café Max“ am damaligen Nauwieser Platz 3 (heute umbenannt nach dem Filmregisseur Max Ophüls, dem auch das „Max“ gewidmet war, in dem später die „Trattoria da Pepeund heute die edle und teure „Trattoria Angelini“ residiert),  und wie sie alle hießen, als die Zeitzeugen noch mit Bismarck auf die Jagd ritten, die Szenerie. Es waren bis Ende der 70er stinknormale Erwachsenenkneipen, vielleicht mit Musikbox und Billard, jedenfalls keine Jugend- oder Szenekneipen. Nirgends in Saarbrücken, außer in Uninähe in Dudweiler. Am Markt gab es vor der Sanierung nur heruntergekommene Kneipen, Prostitution und Kriminalität. Also gingen die Schüler/innen des Otto-Hahn-Gymnasiums in den 70ern zum „Hans“ nebenan, der offenbar „noch nicht mal im Ansatz ein Problem damit hatte, schon am Vormittag Alkohol an Minderjährige auszuschenken“, so eine Zeitzeugin 2008 in einem Online-Forum.

Dr. Nilles Bleistifteck: Treffpunkte der Unprätentiösen

Ebenfalls eher in den Randlagen finden sich die „Pootschies“, wie Gaby vom Café Schrill sagt. Der Begriff stamme aus den 1990ern, als viele Polen in die Stadt zogen und in bestimmten Kneipen offenbar durch einfache Filzpantoffeln auffielen: Pootschies eben. Man könnte auch von Jogginghosenkneipen oder Schmuddelerwachsenen sprechen, aber das klingt zu kompliziert und zu despiktierlich. Kleinbürgerlich uncool, bodenständig und etwa prekär irgendwie, den halben Abend mit Pils an der Theke stehen, saarländisch babbeln und politisch Unkorrektes von sich geben. Wer dem Volk aufs Maul sehen will, politische Meinungsforschung betreiben möchte, wenn es um Oskar, Guttenberg, Griechenland und den Euro geht, der höre in Pootschiekneipen genau hin. So lange es sie noch gibt jedenfalls.

Die letzte Stunde der miefigen Eckkneipenüberbleibsel „Bubi’s Eck„, betrieben von Frank Nilles‘ Vater Bubi und „Ziehwäänsche“ (vorher „Seemann„)  in der Richard-Wagner-Straße wurde längst geschlagen: Ersteres wurde diesen Winter umgebaut in eine Wohnung. Letzteres wurde vor gut fünf Jahren zur „Al-Salam Shisha Bar“ mit seinen stetig blubbernden Wasserpfeifen, dann 2013 von einer ehemaligen Prostituierten namens Tina als „die Hex“ re-rustikalisiert, ehe im Juli 2015 mit dem „Zing“ frische Luft hineinkam. Nur wer selbst erlebt hat, dass beide in den 70ern ein erstes, sagen wir wilderes Leben hatten, kann ermessen, was dies bedeutet: Der Seemann machte um 3 Uhr auf und wurde deshalb nach „Krottenschenke“ und „Försters Eck“ zur letzten Station junger Nachtschwärmer: Für ein letztes Bier oder ein erstes Frühstück nach Diskoschluß. Da war dann Frankensteins Monsterparty und die Luft zum Schneiden dicke.

Diese Lokale vom alten Schlag, die das Gegenteil von Konzeptgastronomie darstellen, erkannt man als Nicht-Stammgast daran, dass man als solcher sofort erkannt und gründlich gescant wird und danach sofort sein Schwätzchen bekommt. Unprätentiös, schlicht man selbst, ist auch die Kundschaft im „Bleistift„: Das Nachfolgelokal der „Insel“ mit seinem Séparée, in dem heute Dart gespielt wird, entstand Ende der 70er-Jahre, wurde dann zu einer der genannten sechs Becker-Kneipen mit gelben Kacheln an der Außenwand, dann aber 1998 von Marwan Amre modernisiert und zu einer Oldschool Bluesrockkneipe mit dominantem Billardtisch und hoher Konzentration an Altrockern mit vollem oder ausgedünntem Langhaar gemacht, denen vor gut zwei Jahren der „Guitar Shop“ und damit ein wichtiger Bezugspunkt verloren ging. Uwe von gegenüber tritt mit seinen „Crocodile Cowboys“ aber weiterhin regelmäßig im Bleistift auf. Ursprünglich gab es hier etwa ab 1932 eine Hofeinfahrt links des heutigen Lokals, was man sich bei einem Besuch hinten links von der Theke – übrigens mit 11,93 m Länge Rekordhalter im Viertel – noch wunderbar vorstellen kann.

Försters Eck“ war in den 1980ern, was heute wohl – zumindest spät in der Nacht – das 2002 entstandene „Nilles“ oder die „Bauernschänke“ in der Försterstr. 31 sind: Sympathische Kaschemmen, in denen sich am frühen Abend die uncoolen Handwerker und Arbeiter sowie der eine oder andere mit Schaffschuhallergie, später in der Funktion einer Kontaktstätte die jüngere Szene und nach Mitternacht dann alle Fertigen und Noch-Aufgedrehten treffen, „wenn die Nacht noch länger dauern soll, rundherum aber schon alles zu ist bzw. wieder aufmacht“, wie sich eine heute 50jährige erinnert. Damals gabs im Förster Eck bis 3 Uhr Bier und Fritten. Im vergangenen Jahrzehnt folgten gefühlte vier Versuche, hier an der Ecke Försterstraße/ Blumenstraße erfolgreich Gastronomie zu betreiben. Das Angebot – ob mexikanisches Lokal „La Fonda del Sol“ in den 90ern, später Cocktailbar oder Loungebar und anbiedernden Namen wie „Im Viertel“ (etwa 2001-2003, mit neuem Pächter ab 2014)  fand nie ausreichend Nachfrage. Von Dezember 2011 bis Sommer 2013 versuchte es Kerstin Simon unter dem alten Namen mit einer Billard-, Tischfußball- und Glücksspielkneipe für ein älteres alteingesessenes Publikum. Aber an der Riesentheke der Vorgänger fühlt sich das anvisierte ältere Publikum wohl etwas verloren. Auch dieser Funktion funktionierte nicht: Wieder ein Leerstand, bis das Lokal irgendwann (mir fiel es erst im Januar 2015 auf) wieder geöffnet war und zwar erneut unter dem Namen „Im Viertel“.

Auch das „Nilles“ hat – abgesehen von manchen Billard-, Dart- und Glückssspieltragödien – schon ähnlich viel erlebt. In den 1980ern wurde hier das „Gasthaus Schneider“ betrieben, von dem es heißt, ein Sohn der Wirtin habe zwei Prostituierte getötet. Es folgte eine „Beckerklause„, ehe das Nilles-Zeitalter anbrach. Frank Nilles übernahm nach einer Lehrzeit als Zeitsoldat und Inhaber einer Autobahnraststätte 2001 die Pinte und machte daraus besagte Kneipe mit zwei Leben. Dass er dieser kürzlich den Beinamen „Kneipe der Hoffnungslosigkeit“ gab, beweist aber auch ein selbstironisches Augenzwinkern, es intellektuell mit dem Bingert aufnehmen zu können. Franks legendäre Rohesser haben früh am Morgen schon manches Leben gerettet, heißt es. Zuletzt wurde im Winter 2016/17 die authentische, aber abgefuckt wirkende Fassade sauber neu gemacht, so neu, dass man wirklich froh ist, drinnen die alte Atmosphäre wieder zu finden.

Im Nachbarhaus des Nilles ist das „Café de Paris“ nach der Cocktailbar „Ego“ (geschlossen Anfang 2012) seit Oktober 2012 nach den Restaurants „Kerwan“ und einem Griechen der vorerst letzte Versuch einer Nachfolge zur legendären „Steckdose“ (bevor diese ins heutige „Fleur de bière“ umzog) vor Ort. Der vom Künstler Hilger Schmitz und seiner Freundin Sieglinde und später einem gewissen „Blauen Klaus“ geleitete Laden war Mitte der 70er-Jahre neben dem SOG-Theater praktisch die einzige Kneipe für Jüngere im Viertel. Legendär war neben der leckeren Spaghettisoße, dass man nach 1 Uhr schön nach unten gehen konnte: „Sperrstunde arschlecken“. Es folgte das „Wacke“ mit einer Bühne für Lifemusik: eine Sensation in Saarbrücken und daher immer zum Bersten gefüllt.

Christina Tsiakiris gelang es, mit ihrem „Café de Paris“ in der Blumenstraße 10 in einer Mischung aus Bistro und Café mit riesigem Pizza- und Flammkuchenangebot endlich wieder etwas Bleibendes zu installieren. Die Gerichte sind mit 5 Euro sehr preiswert. Gedacht ist es aber als Lokal für Kaffee und Kuchen (inklusive selbstgebackener Apfeltarte). Und beworben wird es als „Café mit französischem Flair“ (Wochenspiegel, 07.11.12), was zunächst eher als Floskel wirkt. Als eine – für das Viertel ungewöhnliche – Maßnahme erscheint das Drucken von Flyern in edlem Design, immer schön zweisprachig, Plakaten, Aufklebern und einer Webpräsenz. Ob das einschlägt? Im Winter 2012/13 sassen die beiden Bediensteten tagsüber eher beschäftigungslos am Fenster. Schauten aber freundlich. Und sind es auch tatsächlich. Im Frühjahr 2013 wurde das Café vielleicht genau wegen dieser gelegentlichen Trostlosigkeit zum „Opfer“ des ersten  „Carrotmob“ in Saarbrücken – neben dem kräftigen Umsatzplus der 120 Gäste dieses Tages hatte dies den Effekt, dass für Nachhaltigkeit sensibilisiert und die Karte nun durch regionale Speisen und Getränke erweitert wurde. Die Lage ist etwas abseits, was den Vorteil in sich birgt, abends ruhig zu sein. Daher bietet sich das Café als Treffpunkt für Vereine und Initiativen an: zum Beispiel einem Polnischen Stammtisch oder der Initiative Nauwieser Viertel. Ein Jahr nach seiner Eröffnung war es am frühen Abend einigermaßen belebt. Dazu trugen auch die Konzerte mit Schwerpunkt Chanson/ Pop, aber auch Jazz, folk und Country bei, die hier etwa zwei Mal pro Woche stattfinden. 2015 gab es erstmals ein regelrechtes Programmheft mit 15 Konzerten von Januar und Juli, meist mit freiem Eintritt. Interessant fand ich Laura Cahen, Emaline Delapaix und Gilles Maire, hab’s aber nie dahin geschafft. 2016 kann man sagen, dass das Konzept offenbar funktioniert.

Irgendwo und irgendwann gab es in der Blumenstraße auch einmal die „Pianobar„, vielleicht im späteren türkischen Lokal „Komsu„? Die Pianobar könnte ein Vorgänger des „Horst“ gewesen sein. Und in Nr. 10 gab es „Massimo’s Alte Steckdose„, ehe dieses legendäre Lokal als „Steckdose“ in die Cecilienstr. 31 umzog)

Das für seine Riesenportionen Scaloppina Crema zu 9 Euro berühmte  „Dr. h.c.“ gleich um die Ecke in der Blumenstraße überlebte gut 30 Jahre in der Nachfolge von Lokalen namens „Max“ und „Femina Bar„. Damals hat es im Viertel vielleicht auch mehr studierende Kunden gegeben als heute, die mit der eingestandenen Resignation dieses Titels etwas anfangen konnten. Der 2009 verstorbene Wirt Gerd „Hippo“ Hilbert jedenfalls hätte ihn verdient gehabt, wie die Eintragungen im Online-Kondolenzbuch eindrucksvoll beweisen. So kann kaum noch ermessen werden, welches wunderbare Gefühl mitklang, wenn man in den 90er-Jahren sagte: „Laß uns zum Hippo gehen“. Ein Tröster war er nicht, aber ein direkter Typ. Heute geht man zu Jenny, der früheren Angestellten mit mandarinfarbenem Haar, um neben Schnitzel mit Pommes Dutzende Pizza- und Nudelvarianten in sehr gesundem Preis-Leistungsverhältnis zu essen. Die frühere Wirtin der „Billardklause“ war 2005 als Kellnerin zugegen, als Hippo der Koch abhanden kam. Es hieß: „Wer sich nicht wehrt, steht morgen am Herd“. Und so ist es bis heute geblieben. Jenny führt das schlicht gemütlich holzvertäfelte Lokal voll Herzblut in Hippos Sinne fort, der Versuchung widerstehend, die dunkle Inneneinrichtung aufzuhübschen: Das Dr.h.c. wird mangels Außenbestuhlung nie eine Sommerkneipe werden, also macht auch Jenny dann Betriebsferien. Aber nicht mehr so lange wie Hippo, der auch deshalb drei Monate zu machte, weil seine Köchin das „Catering“ für das ARD/ZDF-Team während der Tour de France besorgte, wovon immerhin ein Teil der heutigen Inneneinrichtig zeugt. Das Rauchverbot war ein herber Schlag, „die Theke ist abgebrochen“, sagt sie. Aber es wurde weiter Doppelkopf gespielt und gut gegessen. Voll war es aber nicht mehr und so wunderte es wenige, als das Lokal Ende Juni 2013 schliessen mußte (bis heute im April 2017 ohne Nachfolgebetrieb).

Nebenan hängt seit 2011 ein selbstgemaltes Holzschild „Cafe DS„, das spaßig-privat und liebenswert wirkt, ist doch von einem öffentlich zugänglichen Café nichts zu sehen. Und tatsächlich: Nachdem Althanasios, der Inhaber des dortigen Ladens „Elektro Danopoulos“ in Rente ging, trafen sich hier seine griechischen Freunde auf einen Kaffee. Wahrscheinlich in typisch minimalistischer Ausstattung, durch die sich die Καφενεíο in der Heimat traditionellerweise auszeichnen. Wichtig im Kafenion ist schließlich vor allem das Gespräch. Spaßvogel Althanasios, der wohl „Sakri“ genannt wurde, hat dann wohl eines Tages das Schild mit seinen Initialien gebastelt.Die Rolläden sind aber bleibend unten. Im Nauwieser Copy am Ende der Blumenstraße könnte Fazi eine ähnliche Tafel aufhängen, treffen sich dort doch ähnlich gerne Iraner um die 55 zum Klönen bei leckerem Ahmadi-Chay oder auch rund um einen im Keller gekochten Topf dampfendem Reis.

À propos: Auch im von 1970-2014 bestehenden „Frisör Valente“ (seit 2015 ein zweites Wahlkampfbüro der LINKEN neben dem in der Talstraße) bekam man als Kunde oder Freund des Hauses einen Espresso. Nicht nur offiziell als Café oder Bar firmierende Lokale sind im Viertel kommunikative Begegnungsstätten. In der 2007 entstandenen „Spielbar“ gibts für Kunden und Freunde von Nicole („Haga“) und Vanessa auch Kaffee und Tee – die nur hier und (bis 2016) im Family Café fair gehandelt sind. Nebenan im „Internetcafé“ stehen auch ein Kühlschrank und eine Kaffeemaschine. Der etwa zwei bis drei Jahre bestehende Spezialitätenladen „Konkrete Utopie“ hatte wohl ebenso wenig eine ordentliche Schankerlaubnis, was an sonnigen Tagen niemanden daran hinderte, auf dem Trottoir einen guten Espresso zu trinken (bis hier 2013 ein Künstleratelier einzog). Überhaupt sitzt  man im Viertel im Sommer gerne einfach  improvisiert draußen, ob auf den Simsen der Nachbarläden der Bar Central oder – bei Kunstausstellungen – vorm „NN„.

Auch das „Café Becker“ in der Cecilienstraße 33 trug als eines der ganz wenigen Cafés im Viertel bis Mitte 2016 diese Bezeichnung im Namen, war aber nur eine Bäckerei. Wieso also  dieser Name des Nachfolgebetriebs der Bäckerei Schauss, bei der es seit Urzeiten leckeren Streuselkuchen gibt? Die Informantin Nicole erweist sich als allwissend: Das ist eine von sieben Filialen des Hauptgeschäfts am Markt, unter anderem am Ilseplatz oder in St. Arnual. Das ganz unverändert echt, nicht nur retrochic innendesignerisch aus den 1950er-Jahren stammende Café wurde kaum wahrgenommen, zumal seit 2006 die legendären Zeiten vorbei sind, in denen man hier gegen 5 Uhr in der früh vom Bermudadreieck heimwärts taumelnd ofenfrische Croissants und Brötchen bekam. Und dass milchglasfensterversteckt im Lokal nebenan der Künstler Otto Lackenmacher arbeitete, weiß auch kaum noch jemand. Der 1988 verstorbene Maler von Haltlosen, Gebrochenen und Verzweifelten, vor allem aber auch von Frauenakten, zählte in den 70ern zur Viertelsprominenz und im Bingert zum Inventar. Im Winter 2012 wurde das Milchglas entfernt, um Kunst zu zeigen: „Cecilien 33 – 183 Tage Kunst“ nennt sich das Projekt. Wenn es den Nachtbäcker auch nicht mehr gibt: Erst die Persistenz des „Schauss“ machte das Viertel zum Viertel. Das ist nun aber vorbei: Eine Mitarbeiterin übernahm das Lokal und hat hier im Juli 2016 das Café „Luma“ eingerichtet, wo sie italienische Backwaren anbietet und jetzt tatsächlich auch ein paar Sitzplätze zum Kaffeetrinken (siehe SZ vom 7.7.16). Das Flair ist deutlich anders als in der seit gut 80 Jahren bestehenden sehr konventionellen  „Bäckerei Adam“ am Ausgang der Blumenstraße zur Dudweilerstraße, in dem mittags eher Büromenschen vom Beethofenplatz am Plastikstehtisch Kaffee trinken.

Nun aber geht es von den Rändern her mitten rein in die heutige Viertelsszene, deren Spezifikum die Mischung paralleler Welten ist. Es gibt hier zwei Zentren. Wir beginnen mit der  Tageslichtszenerie und setzen mit dem Nachtleben fort.

Die schrille Ubu et al Ecke

Der allmähliche Einzug der Studentenszene hatte viel mit billigen Mieten zu tun, aber auch mit der Ansiedlung studentischer Anziehungspunkte wie ausdrücklich politischen Buchläden, Theatern und erst viel später auch Cafés. Aus einem studentischen Büchertisch hervorgegangen, gründete sich 1973 das Kollektiv „der buchladen“  mit Räumen erst in der Johannisstraße, ehe 1977 der Umzug in die Försterstraße folgte. Räumlich gesehen zog die studentisch-intelektuelle Szene allmählich vom Quartier Dudweiler-/Kaiserstraße/ Beethovenplatz in Richtung Cecilien-/Försterstraße. An deren Kreuzung machte 1988 Judith Tricoit aus dem „Gambling House“ das „Ubu Roi“ . Hier entstand mit der Sanierung des Viertels und einem neuen Platz etwa 1995 die Dorfmitte, in der man ganztags ab 9 Uhr bei breiter Zeitungsauswahl, legendär gutem, in französicher „Bol“ serviertem  Milchkaffee und ehedem auch freakigen Kellner/innen alleine oder mit Freunden bis 15 Uhr frühstücken und in unaffektiertem Ambiente die Seele baumeln lassen kann. Das Ubu symbolisiert in Atmosphäre und Mischung der Gäste das Viertel mehr als irgendein anderer Ort, hat aber in den letzten Jahren etwas seine Seele verloren.

Der Viertelsbewohner ist gesellig, da meist Single oder zumindest familiär nicht eingebunden. Zu verschiedenen Tageszeiten sucht er das Lokal seiner Wahl auf, wobei es zu mehr oder weniger intensiven sozialen Kontakten kommt. Zum Ubu etwa sagt der Fotograf und Filmreporter Günther Ruschel: „Hier wird nicht gesoffen, sondern auf anspruchsvollem Niveau kommuniziert“. Er ist oft monatelang weltweit unterwegs und hat beobachtet, dass die Unterhaltungen in Deutschland immer unverbindlicher werden. Nicht aber im Ubu, findet er. Aus Homs, Kairo oder Birma kommend zieht es den Neunkircher deshalb immer erst hierher ins „Aquarium“. Durch dessen riesige, seit 2003 pflanzenlose Fenster sieht jeder Jeden, was zu einer unendlichen Abfolge an Blick- und Smalltalk-Kontakten führt, aber auch Lästermäulern stetig neues Futter bietet und schüchterne Neulinge erst einmal mutlos woanders hinführt. Eine Bühne des Lebens, intime Dorfmitte eben, vor allem seitdem Josefine „Fine“ Rühl nach dem Tod von Judith 1991 das Ubu weiter führte. Seitdem gab’s hier auch „Le Monde“ zu lesen. Und französisches Radio, dezent im Hintergrund.

Den Platz hier könnte man als „Hängematte der saarländischen Bohème“ oder „linksalternative Kuschelecke“ bezeichnen. Wer lange nicht mehr hier war, wundert sich über das „Wirtschaftswunder“: So viele Kneipen. „Ob die Leute hier so viel Zeit haben? Nein, aber sie lieben die Kommunikation“, konstatierte Johannes Menard schon 1989. In den 80ern und zu Beginn der 90er hatten viele „junge“ Geschäfte, Kneipen und Cafés neues Leben ins Viertel gebracht. Wer „andere“ Weltanschauungen leben will, fand das attraktiv. Miriam Hoffmann hat nach jahrelanger Ubu-Thekenerfahrung aus dem Panoptikum menschlichen Da-Seins und Kommunizierens eine Typologie der Gäste erarbeitet. Natürlich gibt es Mischformen, ihr sind jedoch vor allem folgende begegnet: Die Verirrten (darunter solche mit Style statt Stil, sowie solche, die selten außerhäusig Getränke konsumieren), die sich meist nur an die Theke setzenden Kontaktschnecken (darunter solche, bei denen es zu einem netten Gesprächsthema kam, sowie solchen, die aufdringlich werden), die Besserwisser und Nörgler, die Freaks (die Tag für Tag kommen und freakig oder irre sind, „je nach Dosis der Medikamente und Therapieverlauf“), die Ungäste (sich unhöflich und wie zu Hause benehmend) sowie die Netten, „bei denen man sich freut, dass sie kommen oder die einfach nicht auffallen, weil sie das nicht wollen und nicht müssen“ , die also zum Inventar gehören.

Nachdem Fine Ende 2007 ihre Konzesssion nicht verlängert bekam, übernahm ihr Kaffeelieferant Winnie Schmidt den Pachtvertrag. In anderer Lesart hat er ihr „das Ubu unterm Hintern weggezogen“. Der Nichtviertler führte – erstmals seit den späten 80ern, als in den 6 qm Küche der Argentinier Eduardo als Untermieter Pizza produzierte und durchs Fenster verkaufte – zwar wieder warme Speisen ein und beließ im Unwesentlichen alles beim Alten. Er sparte freilich die „Konkret“, „Titanic“und „Le Monde“-Abos ein und setzte damit ebenso ein Signal wie durch das Streichen der Umsatzbeteiligung der mäßig entlohnten Thekerinnen und Theker. Ein Skandal entwickelte sich, nachdem denjenigen gekündigt wurde, die darob eine interne Betriebsversammlung abhielten bzw. an dieser überhaupt teilnahmen. Zwei Theker blieben, die anderen wechselten zu Fines zweiter Lokalität, der Bar Central, während sich die frühere Stammkundschaft nachhaltig in angegraute Ubu-Abhängige und grimmige Boykotteure spaltete. Von all dem unberührt frühstücken hier vor allem sonntags mittlerweile konventionell Etablierte, um ausgiebigst in Erinnerungen an die selbstredend wilde Studienzeit zu schwelgen. Unverändert auch: Abends ist das Ubu, abgesehen von Schachspielern, tot. Das erste echte Szenecafé des Viertels ist eben keine Bar.

Auch die Nachbarn des Ubu, das „Café Schrill“ und das „Caffè et al“ (siehe weiter unten) sind familiäre Tagesbetriebe.  Gaby Andres ist die letzte verbliebene eines Viererkollektivs, das 1980 das „Café Jonas“ gründete. Sie erzählt: „Als wir damals einen Namen suchten, lief grad der Kultfilm vom Walfisch Jonas. Von dem hieß es, dass er im Jahr 2000 20 Jahre alt sein würde. Das lag  für uns 20jährige damals unvorstellbar weit in der Zukunft. Wir dachten: Mit 40 bist du scheintot…“ 32 Jahre später ist sie immer noch da, genauso wie die fünf zu Riesen gewachsenen Pflanzen, die das Café so gemütlich machen – in Kombination mit den bunten Stühlen und Tischen, die aus einer Gaststätte in Forbach stammen und „sicher schon 50 Jahre auf dem Buckel haben“. Aber es war ein langer Weg. „Wir pflegten einen etwas chaotischen Umgang mit unseren Finanzen. Umsatzsteuer und so was kannten wir nicht. Und dann meldete sich das Finanzamt. Wir waren erstaunt: finanzamt? Wir wollten doch autark sein, raus aus dieser Gesellschaft, etwas Eigenes gründen. Und waren gar nicht aufs Geldverdienen ausgerichtet. Um 12 machten wir Pause, fragten kurz, wer noch ‚was will und dann waren wir erstmal weg…  Uns wollte dann niemand mehr etwas geben, wir waren illiquide. So brauchten wir 1981 einen Kredit vom Netzwerk Saar, um über die Runden zu kommen. Es gab dann auch Beziehungsknatsch, 1982 verließen die ersten das Kollektiv, 1983 haben wir das in einem neuen Kollektiv übernommen und versucht, das Café nicht mehr wie die Chaoten zu führen. Wir haben renoviert und alles umbenannt.“ Wie es zu dem Namen kam? „Wir hatten verschiedene Ideen, zum Beispiel „Wirtschaftswunder“, konnten uns aber nicht einigen. Also haben wir gesagt: Wir fragen einfach den ertsen Gast, der kommt. Das war Reinhard. Er sagte: Nennt es doch ‚Schrill‘. Hätte er ‚Käsfuß‘ gesagt, würde es noch heute ‚Café Käsfuß‘ heißen.“ Seit fast 30 Jahren sind Gaby und ihr Lebenspartner Thomas Giebel die alleinigen Erben des „Café Jonas“.

Das Café war schon immer etwas anders, wenn auch nicht wirklich schrill, auch wenn seit fast 25 Jahren diese Pumuckelpuppe in einem Riesenloch unter der Decke sitzt, welches dort einmal zur Be- und Entlüftung in die Mauer gebrochen worden war. Ab 1980 war hier samstags Frauenkneipe. 1975 war mit dem „Frauenladen“ in der Cecilienstraße 29 (später die Optikerin vom „Sehwerk“, jetzt der Verlag „Neue Erde“) ein Jahrzehnt lang der erste öffentliche Raum ausschließlich für Frauen entstand. Es ging damals zunächst um das Suchen und sich selbst Finden. Die Zeiten der autonomen Frauenbewegung, der Kampf um den § 218 und die Auftritte des feministischen Kabaretts „Saarhexen“ kamen später. Es gab im Schrill auch schon immer Ausstellungen unterschiedlichster Qualität, eine kleine Comic-Bibliothek unter einer der wichtigsten Aushängeboards für „WG-Zimmer-frei“-Zettel, jede Menge Zeitungen. Dazu die bis vor kurzem einzige Kinderspielecke im Viertel. Anders als das Ubu, wo man gesehen werden will und die Passanten betrachtet, zieht man sich ins Schrill eher zurück und schmaust Gabys selbstgebackene Kuchen. Zur unbekannten Lokalprominenz zählt übrigens Dieter Drabiniok, grüner MdB der ersten Stunde, der hier nach eigener Aussage zufrieden harzt.

Von 1990 bis 2000 hat Gaby zudem die schon erwähnte „Billardklause“ übernommen, um eine weitere Einnahmequelle zu haben, nachdem sie ihren Zweitjob im JUZ aufgegeben hatte. Nach einem halben Jahr wollte sie wieder raus: „Es war eine Drogenhöhle und gleichzeitig kamen dort Managertypen hin, die am Billardtisch Karambolage spielten.“ Als dann jedoch zwei Nachbarkneipen dicht machten, brummte der Laden richtig. Die Drogenszene wurde vertrieben, stattdessen kamen Spieler vom Schachverein und die früheren Erstligaspieler vom Saar 05 Karambolageverein. Von 2000 bis 2004 übernahm Jenny, die heutige Wirtin des „Dr. h.c. die Klause, wurde mit dem Wohnzimmergehabe mancher Gäste aber nicht froh. Svetlana, eine ihrer Thekerinnen, die zeitweilig auch das „Bolay’s“ in der Türkenstraße führte, übernahm 2004 das Lokal. Im Winter 2012 renovierte sie und benannte die Lokalität in „Maxim“ um. Diese strahlte für Unwissende den Willen aus, so etwas wie eine edle Kaffeebar für Arme werden zu wollen, war aber der bitte Ernst zu nehmende Versuch eines russischen Speisebistros mit Piroschki und anderen Spezialitäten. Ich habe den Satz im Juni 2015 in Vergangenheitsform umschreiben müssen: Das Lokal wurde durch ein koreanischen Restaurant namens „Gu Xiang“ ersetzt.

Wenngleich ich dort nie einen Kunden gesehen habe: Der geräumige „Big Ben Gay Club“ in der Försterstraße, eingerichtet im 70er-Jahre-Stil mit „Sofas für Romantiker“, Darkroom und „Disko für Danceboys“, öffnete um 18 Uhr 30.  „Er sucht ihn“ stand draußen unmißverständlich. Inhaber Lothar gehörte das Haus, hieß es, und er hat noch ein zweites am Mittelmeer, daher war mangelnder Besuch offenbar nicht existenzgefährend. Im November 2014 schloß der Club allerdings, vielleicht wegen Zwangsversteigerung des Hauses, vermutet ein Mitarbeiter des „buchladens“ gegenüber. Im Juli 2015 begannen jedenfalls Sanierungsarbeiten im gesamten Haus, unten soll erneut eine Kneipe entstehen, die im Frühjahr 2016 eröffnet werden soll, sagte mir ein Bauarbeiter. Im Mai 2016 war das neue Lokal „Nautilus Bar“ mit dem auf eine Cocktail-Bar verweisenden Untertitel „Deep in the world of drinks“ startklar und verspricht damit nicht zu wenig.

Eine andere vom gleichnamigen schwulen Päarchen „Peter & Paul“ geführte  Kneipe war bis 1995 Vormieter des heutigen italienischen Restaurants „Fellini“ Ecke Rotenberg-/ Nauwieserstraße. Das erste Pendant für Lesben war ab den 70ern bis Mitte der 90er das zuletzt von Heike und Petra geführte „Café Ultra“ in der Dudweilerstraße im heutigen Büro der LINKEN. Das Ultra war unmißverständlich lila aufgemacht, mittwochs und freitags war Frauendisko, an anderen Tagen wurden Männer toleriert. Auch die „Femina Bar“ im heutigen Dr. h.c. war bis in die 80er ein Nachtclub, deren Kundschaft eventuell auch lesbisch war. Etwas weiter oben, Ecke Schumannstraße gab es jedenfalls einmal eine Lesbendisko, ehe die Glückspielcasinopest Einzug hielt. Heute findet sich die Regenbogenszene in der Mainzerstraße rund um die „Madame„, der in den 60ern entstandenen ältesten schwulen Kneipe im südwest-deutschen Raum.

Die Kurze Monobingertbar Ecke

Einer der Protagonisten der Punkrockszene, die im linksalternativen Humus des Viertels gedieh, ist Helge Jungfleisch. Da man allein als Bassist der „Steakknife“ kaum leben kann, machte er 1992 aus der Becker-Bier-Kneipe „Fässje“ (zwischenzeitlich „Elch„) den schon erwähnten „Karate Klub Meier„. Andrack sprach mit ihm: „Warum Karate Klub, warum Meier? – ‚Weil es ein bescheuerter Name ist. Etwas Besseres ist uns damals nicht eingefallen.‘ Seitdem laufen in der Kneipe, um den bescheuerten Namen halbwegs zu begründen, Karatefilme, und dazu gibt es viel Punk auf die Ohren.“ Der Klub ist klein und verraucht und trotz Kicker irgendwie cool, strahlt aber auch etwas Negatives aus. Irgendwie. Aber einen Mangel an Fröhlichkeit kann man auch vielen anderen Lokalen attestieren. Auf Nachfrage, ob ich so etwas schreiben sollte, ist ein Körperverlängerungskünstler ziemlich klar: „Wenn, dann mußt Du schon alle beleidigen“. Und ergänzt: „Du kannst ja schreiben: ‚Wenn einer vergessen wurde, es sind alle mit gemeint'“. OK? Im Karate Klub kellnert von Anfang an auch Lee Hollis, den manche als besten Schriftsteller des Saarlands einschätzen (mit seiner Spoken-Words-CD „Selling the Ghetto“ von 1998 und Büchern wie „Driving in A Dead Man’s Car“ von 1996). Der heute 48jährige kam als Grafiker der US-Army Anfang der 80er nach Kaiserslautern, wurde Sänger der Punkrockbands Spermbirds und Steakknife (mit Helge) und zog 1995 nach Saarbrücken. Cocktails mixen mag er nicht: „All you need is a beer“ erklärt er in einem Doku-Video.

Ob Lee wirklich so bedeutende Texte produziert hat, ist noch zu prüfen. Volker sagte jedenfalls in anderem Zusammenhang, als Viertelshistoriker dürfe man sich keinen (Diane ergänzt: mehr oder weniger struppigen) Bären aufbinden lassen, der einem möglicherweise extra vor die Nase gelegt worden ist, um einen neuen Mythos in die Welt zu setzen. Viertelsmythen und -zuschreibungen gibt es schließlich einige, für die es zwar zeitweilig einen Bezugspunkt gab, die sich aber auch nach dessen Verschwinden hartnäckig halten, so daß alles zu einem scheinbar gleichzeitig existierenden großen Konglomerat wird: Aus dem gründerzeitlichen Chinesenviertel wurde so ein bedrohliches Drogen- und Prostituiertenquartier, in dem sich ein gammliges Studentenparadies mit 68er-Helden entwickelte, das von Ausländern und Autonomen überlagert wurde – ein Humus aus dem verschiedene Künstlergenerationen wuchsen, weshalb das alles dann im Ganzen erst yuppisiert, dann gentrifiziert und nun wohl auch prenzlauerbergisiert wurde. Letzteres, weil plötzlich auftretende Jungmütter mit teuren Kinderwagen an der Bar aggressiv würden, weil sie zwischen schräg abgestellten Fahrrädern und den dort sich flärzenden aufstrebenden Musikern nicht ohne Kratzer im Lack vorbeikommen.

Zurück zu Helge: 2001 eröffnete er nach dem Karateclub noch das „Mono“ und komplettierte damit, schräg gegenüber von „Bingert“, „Kurze Eck“, „Bar Central“ und Fleurs de Bière“ das historisch junge Bermudadreieck, in dem schon so mancher abgesoffen ist. Wobei das Eck nicht etwa deshalb auch gerne „Kotz Eck“ genannt wird, weil von dessen Stufen schon so mancher in die Gosse gestürzt wäre, sondern weil der frühere Besitzer gelegentlich ziemlich schlecht drauf sein konnte (was man verstehen kann). So jedenfalls die schrille Gaby für die wohl Gleiches gilt. Das Mono jedenfalls ergänzt abends mit seinem blauen eckigen Leuchtdiodenband rund um die Tür das langgezogen gelbe Leuchten über dem Eck. Und ist ab Mittwoch ebenso voll wie das Kurze Eck, nur weiblicher. Außer wenn hier, genauso wie im „Fleurs de Bière“ Champions League läuft. In einer Publikation wird das Mono sybillinisch charakterisiert als „Kneipe für Junggebliebene und die, die es werden wollen“, worüber man gleich nochmal in eine dritte Midlifecrisis stürzen könnte, säßen da nicht tagsüber wirklich ausreichend schräge Gestalten auf dem Trottoir. Aber auch: Es kursierte ein schon nicht mehr frisches, also zuverlässiges Gerücht, dass der Inhaber eines Delikatessenladens auf dem Rotenbühl bemerkenswert schöne Eckhaus gekauft habe, die letzten beckerbräu’schen Gelbkacheln abschlagen und im Mono so etwas wie einen Schnöselmagneten namens „Feinkosthaus Diesinger“ aufmachen könnte. Das Gerücht war nur ein solches: Im Winter 2017 wurden die Kacheln durch Backsteine ersetzt, die zum Rest des Hauses passen.

Kein Lokal im Viertel ist so häufig in seriöser Literatur erwähnt worden wie das „Gasthaus Bingert„. Also möchte man das gerne hinterfragen. 1952 wurde das Gasthaus von Klara und Paul Bingert eröffnet, nach ihnen herunter gewirtschaftet, ehe 1977 aus dem damaligen SOG-Theater-Kollektiv der Künstler Hans Husel und Dorothee Schmitz ausstiegen, um mit dem Schriftsteller Chris Schrauff und Marina Ehrendreich ab Mai 1978 das Lokal zu übernehmen und ab 1979 als einen von damals etwa 20 Kollektivbetrieben aufzubauen. Dr. Mohsen Ramazani Moghaddam und Jupp kamen später als Kneipiers dazu. Der unverändert übernommene rauchvergilbte Schankraum rund um einen Bollerofen wurde zum Treff für linke Intellektuelle, Humanisten, Poeten wie Arnfrid Astel sowie Politakteure inklusive der hiesigen APO und aller, die sich ihr zugehörig fühlten. Die kultige Musikbox, die heute im AWO-Antiquariat steht, wurde immer mittwochs gemeinsam mit neuen Singles bestückt . Bis etwa 1977 – jedenfalls wirkte die Auswahl bis tief in die 90er so, als sei die Zeit stehen geblieben.

1987 schrieb Klaus-Michael Mallmann: „Heilige Kuh der Subkultur, alternative Sozialstation, Perpetuum mobile, Depressobar für Generationen. Die linke Stehbierhalle mit dem dezenten Charme eines Wartesaals und dem subversiven Dunst der Bratkartoffeln, mit den Infos an der Wand und Zarah Leander in der Musiktruhe. Persisch und das konsonantenschwangere Idiom der Nordsaarländer sind gleichberechtigte Verkehrssprachen.“ 20 Jahre später schrieb Ralf Leis, daß sich diese „Mutter aller Viertelsszenekneipen“  mit einer „schon an Starrsinn grenzender Beharrlichkeit“ in unserer Mitte halte. Übrigens auch, nachdem das Kollektiv 1998 auseinanderbrach.

Spricht man Mohsen, den sicherlich reflektiertesten ehemaligen Bingert-Kollektivisten, auf einen Zusammenhang an, der in mindestens zwei viel beachteten Publikationen  und danach sicherlich zahlreichen davon abgeleiteten Varianten viertelsspezifischer Oral history weiter getragen wird, reagiert er verärgert, fast persönlich beleidigt. Das jüngste Zitat stammt von Manual Andrack: „Häuser besetzen war das Ding der Viertler nicht, da traf man sich lieber in einer der zahlreichen Kneipen, zum Beispiel im ‚Bingert‘, und wartete auf die Weltrevolution. In diesem links-maoistisch-trotzkistisch-frauenbewegten Gasthaus saßen zwischen saarländischen Pseudo-Revolutionären  manchmal auch Berufspolitiker wie Joschka Fischer und Ottmar Schreiner, Oskar Lafontaine sowieso.“ Er wiederhole, was schon anderswo falsch zu lesen war.

Mohsen, der 1973 zum Studium aus dem Iran gekommen war und fast die gesamte Zeit des Kollektivs hinter der Theke stand, stellt klar: Das sei den Autoren von der zwischenzeitlich  alleinigen Inhaberin Marina geflüstert worden, habe aber keinerlei Relevanz für das, was das Bingert wirklich war: „Personen sind nicht das entscheidende, sondern die Debatten, Kämpfe und Visionen, in denen wir gelebt haben“. An denen waren die genannten Prominenten überhaupt nicht beteiligt, wenngleich dieser Typus Aussage das suggeriert. Schreiner sei als Juso-Vorsitzender und ASTA-Präsident öfters im Bingert gewesen: Anonym und als noch kleines Licht. Lafontaine war exakt drei Mal im Bingert: einmal, als man mit Arnfried Astel nach der Verleihung eines Literaturpreises noch einen trinken ging, einmal als Tatort-Kommissar Jochen Senft nach einer Hochzeit oder ähnlichem einlud und ein weiteres Mal, als man ebenfalls genauso in ein anderes Lokal hätte gehen können. Joschka Fischer schließlich sei tatsächlich zwei bis drei Mal hier gewesen (aber auch anderswo). Mit der gelebten Diskussionskultur im Bingert hatten sie überhaupt nichts zu tun. Aber es macht sich gut, weshalb die Mär von deren Beteiligung immer weiter kolportiert wird. Im Oktober 2014 war es endlich soweit: Mohsen publizierte seinen „Hauch Vergangenheit“, eine kleine feine Wiederauferstehung der glorreichen Bingertjahre auf 110 Seiten (erhältlich im buchladen).

Die im Bingert stark vertretenen Spontis gründeten den Sterbeverein Saar, in Revolutionszeiten (wohlgemerkt: iranischen) bildeten sich Stammtische von Exilanten und debattierten auf hohem Niveau. Später wurde das Bingert zum Ort der Voyeur-Cup Gruppenauslosung und -Siegesfeiern (das hiesige Team hieß „Roter Stern Bingert“, ist aber nicht verwandt mit dem heutigen „Roter Stern“). Seit 2007 trifft sich hier donnerstags der Stammtisch der Bunten Liga. Nach dem Tod von Jupp übernahm Marina 2002 das zunehmend skurile Lokal, bis dieses wiederum 2011 von Dirk Blank, dem gerne kickenden Wirt des „Fleur de bière“ übernommen wurde.

Viel älter als das Bingert war die „Stadtschenke“ in einem Haus von 1897, das mutmaßlich seit Anbeginn der Zeiten eine Kneipe beherbergte, über die niemand nichts weiß. Sie muss dann aber bis Mitte/ Ende der 1980er ein echter Hot-Spot mit reichlich legendärem Trubel gewesen sein. Der Besitzer der „Tante Anna“ übernahm das Lokal in den 90ern, es gab hier wohl auch zeitweilig eine wirklich gute Küche. 2000 pachtete Berthold König die Schenke, um der eigenen „Kurze Eck“ gegenüber Konkurrenz zu machen, dann übernahm 2001 Fine. Sie nannte das Lokal später in „Bar Central“ um, „weil Stadtschenke zu sehr nach Sauerkraut und Haxe klang“. Hier dominieren mehr als anderswo Künstler, Grafiker und Musiker. Trotz Rauchverbot darf man seit März 2011 nur noch hier im Viertel weiterhin innen rauchen, muß dafür aber für einmalig 3 Euro Mitglied im „Smokey-Raucherclub“ werden. Dieser beharrliche Widerstand gegen die Bevormundung durch staatliche Verbote klingt nach geschickter Lösung, hat aber Anzeige erstattende Neider. Abends ist die Bar nicht mehr so voll wie früher, dafür ist jetzt morgens auf: Es gibt jetzt nichts wunderbareres, als hier an einem Frühsommermorgen auf dem Bürgersteig in der Sonne einen Espresso zu trinken. Oder sich nach der Arbeit vom Mundschenk einen Pastis kredenzen zu lassen. Darin ähnelt die Bar dem Ubu. Programmatisch interessant im simplen Konzept „Abends Bar, tagsüber Café“. Dem Bingert ähnelt sie, als auch hier so mancher Alki an der Theke steht, der ungern alleine zu Hause Seelentrost sucht. Und da sind so einige Ü 40er, die viel Pseudo-Intellektuelles reden, aber eher wenig umsetzen – was keineswegs barspezifisch ist, hier aber auffällt. Einmalig ist allerdings das stilvolle Innere mit original erhaltenen 115 Jahre alten Wandvertäfelungen, die erst nach einem Besitzerwechsel in den 70ern wieder freigelegt wurden und die Umbenennung von Schenke in Bar rechtfertigen. Im Januar 2017 hörte ich das Gerücht, dass Fine aufhören will die Bar schließt. Und tatsächlich: Am 24. Februar 2017 wurde gemeinsam ein letzter Absacker getrunken. Anfang April 2017 eröffnete das Lokal unter der Leitung einer einschlägig bekannten Person unter dem alten Namen „Stadtschenke“ neu. Mal sehen.

Das ethymologisch eigentlich auf der ersten Silbe zu betonende „Kurze Eck„, in dem bei der WM 2010 ausnahmsweise Fußball lief, hat wie der Karateclub auch keine  schlechte Punkrockvergangenheit. Die Bands, die hier heute auftreten sind für einen 47jährigen Beobachter freilich stilistisch nicht mehr einzuordnen. Laut, heftig und ehrlich allemal. Am schönsten ist es, wenn Barkeeper Tommy mit Afropolar auftritt, sich Martial Frenzel beim Nauwieserfest 2011  mit seinem Trio Uhl  vor der Tür die Seele aus dem Leib trommelt oder gelegentlich innen „alle Menschen zu verrückter Musik tanzen“. Das Eck ist dennoch der Inbegriff einer Generationenkneipe mit breit gefächertem Publikum: Schon die Eltern der 50er-Jahrgänge waren oft hier. Das etwa 1962 entstandene alte Eck war nach einigen Jahrzehnten Existenz 1989 durch Berthold übernommen worden, der sich erst kürzlich nach über 20 Jahren Kneipiersdasein zurückzog. Er machte aus dem von einer Emmi geführten Kneipe eine der ersten Szenebars des Viertels. Wunderbar der Blick in die Küche mit Honecker-Porträt und französischem Schild „sauf autorisation“. Ja. „Es ist immer voll: Die Kneipe und die Gäste“. Außer im Sommer: Dann bildet sich rund um die Stehtische draußen an der Theken-Durchreiche eine laut plappernde Menschentraube, die bis auf die Kreuzung reicht und sich fast mit denen vor Mono und Bar vereint. Es kommt vor, dass man irgendwann nicht mehr weiß, Gast welches Lokals man ursprünglich war. Daher ist im Eck immer direkt zu bezahlen.

Helge vom Karateclub ist auch Pächter des seit etwa 2003 in einem wunderschönen Eckbau residierenden „Mono“ (früher „Pfeffermühle“). Während das Eck wochenendabends eher vom Mainstrem frequentiert wird, gehen sich als cooler empfindene Leute eher ins Mono. Aber das sind sehr subjektive aktuelle Zuordnungen, die man eher unterlassen sollte, wechselt man im Dreieck doch gerne hin und her.Die gelbe Leuchtlinie des Eck mit einem blauen Leuchtrahmen ergänzend, versucht das Mono äußerlich von den das Haus verunstaltenden gelben Kacheln abzulenken. Heinz vom Waschsalon weiß, daß es früher sechs durchnummerierte solcher Becker-Bistros gab, alle mit diesen Kacheln. Die vom Mono haben als einzige überlebt, der neue Hausbesitzer (Herr Feinkost-Diesinger?) wolle sie aber in Bälde abmachen. Und tatsächlich: Im Februar 2016 wurden sie abgeklopft. Und nicht ersetzt. Cool?

Im Bermudadreieck geben sich freitags und vorher die Viertler die Kante, samstags dominieren eher die Burschen und Mädels vom Lande, die alle paar Wochen mal nicht in der Kufa oder am Markt  „einen trinken gehen“ wollen. Jedenfalls etwa seit der Jahrtausendwende, als das Viertel zu dem Ausgehviertel zwischen Luxemburg, Kaiserslautern und Metz wurde. Echte Viertler stört das. Wenn die blaue Stunde vorbei ist, ziehen sie und er sich dann zurück, ehe die Fremden kommen, „um eine Kuh abzuschiessen“. Echte Liebhaber bleiben eben doch lieber unter sich, statistisch ist man zwischen 20 und 50 , zu zwei Dritteln deutsch, noch deutlicher im Singlehaushalt lebend und zu 90 Prozent ohne Kinder lebend.

Die Räume des Café Kostbar und die anschließenden Gebäude der Nauwieser Str. 19 dienten seit der Erbauung im Jahre 1906 bis Ende der 1970er Jahre verschiedenen Handwerksbetrieben. 1988 begann der alternative Zusammenschluss „Nauwieser 19 e.V.“ unterstützt durch Stadt und Land mit aufwendigen Renovierungsarbeiten. 1990 wurde der Kultur- und Werkhof Nauwieser 19 e.V. und damit auch des Café  (ursprünglich „Café Nauwieser Hof„) eröffnet. Als Kollektiv, das aber nicht allzu lange funktionierte. Im Laufe der Jahre hat sich das etwa ab 1996 ausschließlich von Christine Engisch und Michael „Micky“ Meyer (einem gelernten Koch und Schlagzeuger von „Extreme Noise“ und „Dreist“, der früher das „Fleur“ betrieben hatte) sowie Bastian „Basti“ Sumarsono geführte Café zum kommunikativen Mittelpunkt des Kultur- und Werkhofs entwickelt, hat einen guten Ruf als Ort für Kontakt suchende Singles und wird auch gern frequentiert, wenn Studierende ihren Eltern mal zeigen wollen, wie alternativ der Stadtteil ist. Der idyllisch ruhige Biergarten unter mittlerweile hoch gewachsenen Linden bietet je nach Wetter auch schon im März oder April exklusiv im Viertel einen entspannenden Rückzugsort im Grünen. Im November 2011 hat Calogera Lunetta den Betrieb übernommen und saniert. Rot und Blautöne dominieren jetzt. Sie bietet noch konsequenter als Christine regionale und Bioprodukte an, hat den Sonntagsbrunch beibehalten, versucht aber auch Spargelwochen, spanische Weinproben, Irish Halloween, Abende im Wonnemonat oder mit Frühlingsgefühlen, womit sie den Hof für die Generation Ü40 erfolgreich wiederbelebt hat.

Das 1996 entstandene, heute von Dirk Blank geführte „Fleur de bière“ (ehedem „Anker“ und dann zweiter Standort der „Steckdose“) ist heute eine stark männlich-studentische Fußball-Life-Übetragungskneipe mit auf dem Kopf stehender Seenlandschaft inklusive ermordeten Gartenzwergen als Deckeninstallation. Und seit 2011 auch eigenem Bunteligateam namens Fleur de balles. Und trotzdem oder gerade deswegen auch für Frauen sehr attraktiv und beliebt.

Keine „Arschlochmagneten“: innovative Gastrobetriebe

Das schon erwähnte „Caffè et al“ schräg gegenüber vom Ubu war bis zu seiner Schließung Ende August 2014 das erste Café im Saarland, in dem man nicht nur eine heiße Schokolade in 20 Geschmacksrichtungen trinken und noch mehr Schokospezialitäten erstehen kann. Neben anderen edlen Köstlichkeiten, Biolimonaden, edlen Weinen und Geschenkartikeln in modern-witzigem Design – das alles auf gefühlten sechseinhalb Quadratmetern. Geführt wurde das Lokal von Eni und Maryam Farahani sowie ihrer Schwester Tuba. Außerdem hatte es sich, wie Maryam betont, unter Mitwirkung der Gäste und ihrer Wünsche zu einer der ganz wenigen wirklich interkulturellen Lokale entwickelt, in denen Persisch und Saarländisch gebabbelt und erzählt sowie mittags sehr preiswert leckere Duftreisspezialitäten angeboten werden. Zereschk Polo zum Beispiel, also mit Safran und Berberitzen. Sehr beliebt waren ganztags auch die Sandwichs: von Nun Panir ( mit Schafskäse) bis Nun Zabzi (mit Kuku Zabzi, in Farsi „grünes Zeugs“: eine köstliche Kräutermischung).

Das größte Verdienst von Maryam ist wohl, vor neun Jahren allen demonstriert zu haben, dass hier auch etwas anderes geht als Café, Eckkneipe oder Bar. Etwas, das den Tick edler ist, nicht so nachlässig (un)gestaltet altdurchgesessen, sondern mit anspruchsvoll-durchdachtem Konzept. „Konzeptgastronomie“ nennt man das. Manchen war es hier aber fast schon zu intim. Dennoch ist es ein großer Verlust, dass der Pachtvertrag im Sommer 2014 nicht verlängert wurde und das Lokal schließen musste (ein Teil des Mobiliars – die bunten französischen Weinkisten – stehen seitdem bei uns im Wohnzimmer, während im leeren Lokal seit Oktober jetzt Tische und Stühle des Tesorito gelagert werden, was auch immer für ein Zusammenhang da besteht – ein Gerücht besagt, man wolle dort die Rösterei unterbringen…, seit Mitte 2015 verbirgt eine schwarze Gardine den Einblick, davor wurden zur Ansicht Beleuchtungsapparaturen eines hier aber nicht verkaufenden Händlers platziert).

Wenige Zeit nach dem Caffè et al entstand in den Räumen einer ursprünglichen Metzgerei (gegen 1920), in denen zuletzt der „Santha Weltmarkt“ Lebensmittel anbot, mit ähnlichem Anspruch  die „Brunch Box“ . Die von zwei ehemaligen Versicherungsangestellten im September 2007 eröffnete Frühstücksbar wurde vor allem von modernen jungen Frauen frequentiert, die auf Bagels zu Smoothies oder einer Latte stehen. Ab 7 Uhr lieferten die beiden Blondinen in der Namen gebenden Pappbox Frühstücks-Sandwichs an Designerarchitektenrechtsanwaltsselbstständige und andere Büromenschen, die schnell ein Kräuterciabatta oder ähnliches gesundes Fastfood fertig zum Mitnehmen haben wollen.  Und machte dann einfach schon mittags zu. Egal: Mittags kann der Nauwieser Büromensch dann eben ins Caffé et al oder zu Nilani in den Bioladen „Ringelblume“ gehen, wo es seit einigen Jahren auch einen Mittagstisch gibt. Im Sommer 2012 schloss dann die Brunch Box urplötzlich.

Ebenfalls einfach zu machte jahrzenhtelang das Eiscafé gegenüber der Johanniskirche, wenn im Winter niemand mehr nach eis war. Seit den 1960er-Jahren besteht hier ein Eiscafé, das gut 30 Jahre lang „San Marco“ hieß. Dann hatte der größer gewachsene der zwei im Viertel aktiven Giovannis zusammen mit Karate-Mono-Helge Jungfleisch 2005 die Idee, es im Winterhalbjahr während des Heimaturlaubs von Inhaber Vincenzo Valzano als Zwischenmieter die drei Monate bis zum Beginn der nächsten Eissaison zu einer Bar zu machen: der „Hunderttagebar„. Gut drei Jahre vorher war die bislang hässliche Wendehammersituation mit breitem Parkplatz und der kleine Garten an der Johanniskirche als nicht viel mehr als Obdachlosenpisswand umgestaltet worden: Der Trottoir zwischen Kirche und Dudweilerstraße gewann stark an Breite und ein schöner Kirchgarten entstand (wofür gerade einmal ca. 6 Parkplätze verloren gingen). 2008 übernahmen dann der gelernte Eventmanager Giovanni D’Arcangelo mit seiner Frau neben dem „Modul Club“ in der Kaiserstraße auch im Sommer den Betrieb des in „Eisbar Amore“ umbenannten Lokals im Bella-Italia-Ambiente. Das stadtplanerische Ziel, eine attraktive Visitenkarte als Viertelseingang zu schaffen, gelang exemplarisch. Auch die Lage der alteingesessenen Pizzeria „Mingo Due“ (später „Leonardo“, dann „Massimo“ und im Winter 2014/15 erneut geschlossen) und des exquisiten „Hashimoto“ gewann stark.

Der Italiener hatte etwa Anfang der 90er mit einer Mini-Pizzeria „Da Mingo“ in der Blumenstraße 16 begonnen, ist dort mit Gitarre von Tisch zu Tisch gewandert, ehe er in dieses größere Lokal umziehen konnte. Seit der Umgestaltung des Viertelseingangs kann man am Mingo auch draußen auf dem verbreiterten Trottoir in der Sonne sitzen. Ab April sitzt man vor allem nebenan in der Eisbar auf einer rot gepunkteten Bank am Eistresen oder in edlen Sofas – gefühlt – mitten im Getöse der Dudweilerstraße, kann aber die Cecilienstraße bis zum „Esszimmer“ durchschauen und über den goldenen Toren des Parks die Fassade der – im Übrigen durch das Citykirchen-Engagement von Pfarrer Jörg Mertzinger seit 1994 wirklich ins Viertel integrierten – Kirche hochgucken. Und dabei ein nach dem Inneren eines Snickers schmeckendes Erdnusseis oder andere Spezialkreationen aus Biomilch vom Bliesgau probieren: Orange-Basilikum oder Rhabarber-Ingwer zum Beispiel.

Ehe wir auf das „Eßzimmer“ eingehen, ist das in der Försterstraße, in den Räumen eines Secondhandladens eingerichtete „Tesorito“ zu nennen. In den acht Jahren seiner Existenz als Kaffeerösterei mit integrierter Espressobar hat es sich mindestens genauso viele Freunde wie Verächter gewonnen (überprüfter und aktualisierter Stand: 2015). „Die Inhaberin hätte in den 1990ern noch nicht mal ihren Hund im Viertel kacken lassen, aber dann ist es ihr wohl plötzlich chic erschienen“, spöttelt eine Gesprächspartnerin über Daniela Wiedemann. Das Café hat mit seiner Riesenauswahl frisch vor Ort gerösteter Kaffeebohnen aus aller Welt die Cafégourmets angelockt, macht schon um 8 Uhr auf, ängstigt aber viele in gleicher Weise als möglicher Gentrifizierungsvorbote, wie die 2009 plötzlich aus dem Boden schießenden edlen Friseursalons. Vielleicht stand dahinter auch Neid oder Unwissen, dass es sich beim Tesorito keineswegs um die Filiale einer Kette, sondern um originelle und authentische Konzeptgastronomie handelt, die gut ins Viertel passt. Wahrscheinlich hat auch ihr schicker Mini-Cooper stereotype Vorstellungen geweckt, mutmaßt Daniela. Ihr Hund jedenfalls ist die gelassene Freundlichkeit in Person, der gern ums Eck beim Caffè et al ein Nickerchen macht.

Unverziehen bleibt freilich der direkt zum Start von Wiedemann im März 2009 begangene Fauxpas, bei einem Infoabend ihre ablehnende Haltung eine Bürgerinitiative gegen den Secondhand-Buchladen der AWO weiter oben ins Leben gerufen zu haben, um den vermeintlich drohenden Wiedereinzug der Drogenszene bzw. substituierter Dosenbiertrinker zu verhindern: Das moderne Antiquariat war bis zu seiner Schließung 2014 jedoch ein Beschäftigungsprojekt für lediglich drei substituierte Ex-Junkies. Zwar wurde auch überlegt, dort eine Beratungsstelle anzusiedeln, aber das wurde verworfen, aber schlecht kommuniziert (mehr dazu: 1 und 2) . Damals war Wiedemann mit der Apothekerin gegenüber und Leuten aus dem Ferrumhaus in der Mainzerstraße eine Bedenkenträgerin, die das Entstehen eines neuen Drogensumpfs im Viertel befürchtete und hinter Plakaten stand, in denen es hieß: „Wir bezahlen Steuern und nun so was … Junkies weg vor unsrer Tür“. Sich dadurch  als intoleranter und unsolidarischer Eindringling disqualifizierend, erlebte die hochgewachsen Blondine und in Teilen auch die Apotheke einen stillen Boykott ihrer Geschäfte seitens all jener, für die gerade die Mischung der Lebenswelten den Charme des Viertels ausmacht. Ähnliches und zeitgleich erlebte das „Ubu Roi“ nebenan, allerdings aus anderen Gründen, zu denen wir noch kommen werden.

Jedenfalls war es wohl das Tesorito, das vom Fraktionsvorsitzenden der Grünen im nahen Rathaus, Thomas Brück, gemeint war, als er 2010 seinen legendären Ausbruch hatte: „Wir wollen keine weiteren Arschlochmagneten„. Mit etwas Abstand kann das als völlig überzogene Angst der Linksalternativen vor der schlimmen Gentrifizierung interpretiert werden: Sie, die längst Etablierten 40-50jährigen mit ausgewachsenen neubürgerlichen Tendenzen, die gerne in sanierten Altbauwohnungen mit Holzparkett wohnen, fürchten die noch besser verdienenden jung-dynamischen Yuppies, die sie als mittlerweile auch schon ziemlich alt Eingesessene aus den Gründerzeithäusern verdrängen könnten. Fragt sich natürlich, was als Selbstbild das Gegenteil dieser vermeintlichen Arschlöcher sein soll, war man doch vor 25 Jahren in einer ähnlichen Rolle. Daniela jedenfalls bringt dem AWO-Buchladen ihre ausgelesenen Bücher und die Ex-Junkies kommen zu ihr zum Kaffeetrinken.

Hintergrund war die 2010 wieder einmal hoch kochende Frage, wie viel Gastronomie das Viertel aushält. Die Stadt beantwortete sie mit der vorläufigen Entscheidung, im Viertel keine weitere Gastronomie zuzulassen. Vielleicht war der zweite, eher klein gewachsene Giovanni Tangaro einer der Auslöser dieser Debatte, als er 2010 in einer ehemaligen Boutique in der Cecilienstraße die Dependance seiner „Konkreten Utopie“ in der Hohenzollernstraße zu entwickeln begann: Während erstere vor allem Restaurant war, war zweitere bis zum Frühsommer 2013 (Nachfolgebetrieb waren erst ein Künstler-Atelier und ab Sommer 2014 die Kinderspielzzeugtauschbörse „Tausch & Plausch„) eine Tapas-Bar mit Vinothek und exquisiten mediterranen Lebensmitteln. Zwar bekam man trotz Schiefertafel mit Kreideaufschrift „Privat“ umstandslos einen Espresso, lecker essen konnte man mangels Konzession aber nur bei Events oder in einem als Privatfeier deklarierten Abend mit Anmeldungspflicht.

Sein Namensvetter Giovanni d’Arcangelo begann im Herbst 2011 dann das in die Alte Feuerwache umgezogene „Theater im Viertel“ zu sanieren und zu einem locker wohnlich und doch exquisiten Restaurant umzubauen, obwohl auch ihm klar war, daß die Stadt keine Konzession für weitere Gastrobetriebe erteilen würde. Mit dem aufwändig voller 50er-Jahre Sessel und sofaumrahmten WG-Tischen auf dunklem Parkett zum „Eßzimmer“ sanierten ehemaligen „Theater im Viertel“  ging Giovanni D’Arcangelo tatsächlich erfolgreich mit dem Kopf durch die Wand behördlichen Beharrens, konnte sein Speiselokal jedoch nie eröffnen. Inoffiziell kann man sich aber per Facebook anmelden und beim bunten, aber auch etwas arroganten Vogel, der schon „C’est dur la culture“ und anderes initiiert hat, „privat“ und eher teuer speisen, heißt es. Auch das Eßzimmer könnte Schnösel aus Saarlouis anziehen, würde aber auch die nicht wirklich dynamische Alternativkultur des Viertels bereichern. Mit dem ersten wirklich erfrischend signifikant „anderen“ Lokal seit dem „Café Jonas“ 1980. Der Pachtvertrag lief im September 2016 aus, es hieß damals, man suche einen Nachmieter, aber noch ist nichts passiert. Stattdessen ist Giovanni schon im April 2016 in ein Eckhaus der Paul-Marien-Straße/ Mainzer Straße außerhalb des Viertels ausgewichen und hat dort mit der Bar „Jules Verne“ einen einzigartigen, selbst eingerichteten Raum zum Chillen geschaffen, in dem man auch essen kann und in dem Konzerte und ähnliches stattfinden: Zur Zeit einer der coolsten Orte der Stadt. Mitte November eröffnete in den Räumen des „Eßzimmers“ die „Malbar„, in der man zwar auch einen Kaffee bekommt und die wie ein Lokal eingerichtet ist, in der es aber darum geht, Keramik selbst zu bemalen: Super Konzept einer Frau aus Saarlouis, die lange Jahre außerhalb des Saarlands gelebt hat und mit dieser erstmals 1997 in Berlin erprobten Idee zurück kam.

Letztlich ist als „Innovation“ auch die erste Shisha-Bar im Viertelskern zu nennen: das 2014 entstandene „Mavi“ (türk.: Blau) schräg gegenüber von Ubu und Spielbar. Ob es länger überleben wird als die erfolglosen Vorgängerbetriebe Arabesk, El Greco und Tierlieb? Im Januar 2015 ist zu konstatieren: Das „Mavi“ hat nicht überlebt, das Lokal heißt jetzt „Alhambra“ – ist aber immer noch eine Shisha-Bar. Es scheint ein Fluch auf der Örtlichkeit zu liegen. Man sollte vielleicht einmal die Milchglasscheibenklötze entfernen, dann kämen Passanten auch auf die Idee hineinzugehen. Oder traut man sich nicht?

Ränder und Satelliten

Der typische Viertler verlässt seine Szene der Unangepaßten selten und schaut auf die Möchtegern-Snobs am St. Johanner Markt herab (zu denen übrigens auch Viertelbewohner gehören). Aber  es gibt einige Satelliten, halb oder ganz außerhalb des Viertels, aber soziologisch dazu gehörend, die von Viertlern gerne frequentiert werden. Da ist das vom früheren Kostbar-Koch Basti betriebene indonesische Suppen- und Teeparadies „Bali“ in der Rotenbergstraße (vorher „Perspektive“), das zuerst von den OHG-Schüler/innen entdeckt wurde. Dann das indische Restaurant „Star of India“ (früher „Auflauf“ mit geschätzten 3000 wählbaren Auflaufsorten) und natürlich der Parkdeck-Kebab „Arian-Grill“ („imma noch de beschde“) am Rathaus. Zum Tanzen gehts in den „Modul Club“ in die Kaiserstraße oder den „Jazzkeller“ in der Dudweilerstraße.

Dann natürlich die alteingesessene (zeitweilig von Ubu- und Kater Karlos-Wirtin Judith Tricoit geführte)  „Tante Anna“ in der Türkenstraße, die im Dezember 2009 mit dem „Thonet“ nebenan einen erfrischend schrägen Nachbarn bekam. Jibrail Kaya, ein Geo-Techniker ohne Gastro-Erfahrung hat die einheitlich metallen ausgestattete Anna hier ästhetisch sehr charmant im Shabby-Chic aus unverputzten Wänden, niedlich durcheinander gewürfelten Tischen, Stühlen und Geschirrteilen mit einer Art HBK-Dépendance ergänzt. Das Lokal ist freilich nicht, was es scheint: Alt und stark sanierungsbedürftig. Im Gegenteil: Diese Illusion ist von Kaya bewusst geschaffen worden, erzählt er: Die Räume waren vorher sauber verputzt, ohne Ecken und Kanten. Das Frühstück und die überbackenen Chèvre-Mirabelle- oder Blauschimmelkäse-Pflaumenmus-Tartines sind wunderbar, der Service ist freilich von beeindruckender Langsamkeit, schlecht koordiniert, verpeilt und lahmarschig – was nicht nur eilige Amateur-Restauranttester online schnöselig bemängeln, sondern auch Pseudo-Hipstern, die hier lässig bei Putumayo-Weltmusik herumlungern möchten, auffallen muß (wobei der Autor weiß, was das Putumayo-Label produziert, aber immer noch nicht verstanden hat, was ein Hipster ist). Die beiden Nachbarlokale sind zwei weitere  Marktkneipen (der Markt begint schräg gegenüber), die auch von Leuten besucht werden, die sonst nur ins Viertel gehen (OK, vielleicht noch „Tante Maya“ und „Odéon„). Das „Thonet“ aber hatte zur Jahreswende 2014/15 sich nun manifestierende Probleme mit der Nachbarschaft und/ oder dem Vermieter und sollte in deren Folge im März 2015 geschlossen werden (was dann tatsächlich erst im Winter 2016/17 erfolgt ist). Rund 1100 Leute hatten vergebens eine Petition gegen dieses Vorhaben unterzeichnet. Das pikante daran: Das Haus mit den beiden Lokalen gehörte früher einer Prostituierten namens Anna, die es nach ihrem Tod an die Kirchengemeinde nebenan vermachte. Fragt man Kaya, wird mit ihm hier nicht gerade christlich verfahren (was er so freilich nicht sagen würde).

Eine weitere der ca. 200 spannenden Fußnoten dieser Doku: Der Vorgängerbetrieb, dessen Schild Kaya einfach da beliess und romantisch zuranken läßt, war bei Betriebsübernahme schon 30 Jahre zu. Der Nachfolger hieß Fischer und verkaufte Gießkannen und anderes Nützliches, vor allem Gaskanister, weshalb ihn zeitweilig jeder Altbauviertler irgendwann aufsuchte. Fußnote 201: Es gibt in Mitteleuropa nur zwei Familien mit dem berühmten Namen Thonet (ja, die mit den Stühlen, die damals die ersten Kaffeehäuser in Wien ausstatteten): eine in Frankenberg und eben eine hier im Saarland. Fußnote 202: 2013 eröffnete am Osthafen das „Thonet im Silo„. Und schließlich noch Fußnote 203: Im März 2017 fand ich den Namenszug „Thonet“ abmontiert vor. Frevel!

Am anderen Viertelsende in der Rotenbergstraße eröffnete am 6. Juli 2015 die „Veganeria„, in der man nicht nur vegan essen, sondern auch vegane Backwaren, Marmeladen und Kaffee kaufen kann. Etwas weiter außerhalb in der Richard-Wagner-Straße sind der Pizzaservice „alla Chittara„, in der man auch einen Kaffee bekommt, das ab 2000 am Markt und dann in der Martin-Luther-Straße entstandene schräge Kleinkunstrestaurant „Die Winzer“ und natürlich zu Beginn der Scheidter Straße seit 2001 die „Malzeit“ im Kunstwerk mit ihrem schönen Biergarten und den „Saarhexe“-Diskos zu erwähnen. Der „Saarbrücker Kultur-Salon bei den ‚Winzern'“ wurde wohl deshalb so kryptisch benannt, weil auch hier keine weitere Gastronomie erlaubt war, dies also zu verstecken war. Der Kultur-Salon ist Teil eines Konglomerates, das schwer auseinander zu dröseln ist. Dahinter steht die Aufkündigung des Vertrags des früheren Studiotheaters mit seinem Mitbegründer und Großintendanten Jürgen Wönne, der darob „KIR-Resonanz“ gründete. Mit Wolfgang Reeb mietete Wönne die ehemalige Drogerie Roth an und benannte das Ganze „Winzer – Kunst- und Kulturclub“. 2007 wurde dann die angrenzende Fahrschule angemietet, 2010 auch der ähnlich alteingesessene Getränkemarkt – dies alles, ohne ernsthaft nach außen preiszugeben, dass sich hier etwas Neues, geschweige denn Gastronomisches, versteckt. Dazu muß man sich zwecks Weinprobe, eingeladen zu einer Kleinkunstveranstaltung oder aus anderem „privatem“ Anlaß in die Tiefen des scheinbaren Leerstandes begeben, um eine wirklich nette Kneipe mit köstlich gutbürgerlicher Küche zu entdecken.

Der „Schlosskrug“ an der Ecke Schmollerstraße/ Bruchwiesenstraße ist eine dieser Kneipen, die man völlig übersieht, weil sie Teil des gleichnamigen Hotels ist. Hier findet sich aber noch ein wirkliches nachbarschaftliches Eckkneipenleben eher älterer Leute.

Ab 2010 zog auch die zur Hafenkneipe „Dock IV“ umfunktionierte frühere Kaschemme „Alligator“ an der Ecke Dudweiler/Schumannstraße vor allem den Teil der Viertelsszene an, der gegenüber im preiswertem Wohn-, aber kneipenlosen Raum des Mühlenviertels lebt. Roman Conrad entwickelte hier in aller Gemütsruhe sein Nachfolgeprojekt des Szenekunst-,  Indie-Lifemusik- und Tanzraums „Silo am Osthafen„, einem früheren Viertelsatelliten, der im August 2010 schließen musste. In dieser neuen „Eckboje des Viertels“ installierte er ein staubiges Gewusel aus Fischernetzen und anderem Hafeninventar. „Es hat eine Weile gedauert, die alteingesessenen Thekensteher zu verdrängen und die jungen Alkis vom Silo rüber zu ziehen“, schildert Stammgast Volker süffisant den schleichenden Eroberungsprozess in der neuen Location. Dieser wurde durch die Zweiteilung des Raums in Theke vorne und Retrowohnzimmerbereich hinten begünstigt: Während vorne noch Altalligatoren im Stehen ihr Pilsglas hielten, flärzten sich hinten schon Künstler und Szeneleute in Sesseln vor einer Wand mit riesigem FC St.Pauli-Logo. Roman führte für letztere – aus mir unbekannten Gründen – coole Astra Bier Fläschchen ein, während über dem Eingang unverdrossen ein etwa 40 Jahre altes Schild weiter für „Becker Pilsener vom Fass“ wirbt.

„Wir haben überwiegend Stammkundschaft“, sagte Roman der HBK-Künstlerin Miriam Houba, die im April 2012 ihre analgoge Zeichenarbeit „Uff da schnerr“ als Diplomarbeit im Blattlaus Verlag veröffentlichte. Denn: „Die Laufkundschaft wird sofort zur Stammkundschaft“. Seit März 2012 wird mit einer Mittwochsdisko mit DJ Wilfredo Torpedo experimentiert. Anfang Mai wurde die St.Pauli-Mauer feinsäuberlich herausgebrochen, im Zwischentrakt abgestellt und der neu angemietete frisch weiß verputzte Raum dahinter als Tanzfläche offeriert. „Wenn Roman schlau ist, beläßt er das so im rohen Baustellenzustand“, spielt Diane auf den aus der Underground-Atmo resultierenden früheren Erfolg des Silos an. Ihr gefält, dass sie hier so ganz ohne Erwartungen hingehen kann, sich nicht zu stylen hat, entsprechend angenehm fühlt und in Ruhe einen der sechs „Offenen Bücherschränke“ inspizieren kann, die 2011/12 in Saarbrücken eingerichtet wurden: In diesem hier darf man Abenteuer- und Seefahrerliteratur einstellen oder kostenlos mitnehmen. Bis im Dock IV mittwochs wirklich getanzt wird, muss der Astraspiegel freilich sehr hoch sein (meist erst donnerstags). Vorher wartet alles, bis jemand anderes mit ersten Körperzuckungen beginnt.

(Nachtrag:  2013 gab es das „Dock IV“ so nicht mehr. Roman hat wohl stattdessen wieder etwas neues in einem Hinterhof am äußeren Ende der Mainzer Straße eröffnet: Halb privat und offenbar gemütlich. Mehr weiß ich nicht. Im Oktober 2014 war das Lokal zwar sauber weiß saniert, aber noch ohne Nachfolgebetrieb).

Umgekehrt gibt es am Rande des Viertels Lokale, die fast nur von Auswärtigen besucht werden: Neben dem „Hashimoto“ an der Johanniskirche sind die Vorgänger des schon genannten „Mavi“ (das arabische Restaurant „Arabesk“ als kurzzeitiger Nachfolger des bis Anfang 2013 ebenso kurz überlebenden griechischen Restaurants „El Greco“ und davor bis Ende 2011 „Tierlieb“) mit seiner schönen Terrasse nach hinten zu nennen, dann das edle „Hauk“ am Landwehrplatz, in der Richard-Wagner-Straße seit gut fünf Jahren im ehemaligen „Seemann“ und später „Ziehwäänche“ die „Al-Salam Shisha Bar“ mit seinen Wasserpfeifen (die allerdings im Oktober 2012 etwas abrupt das Blubbern einstellte und 2013 durch die im altrustikalen Stil eingerichtete Kneipe „die Hex“ ersetzt wurde, ehe im Juli 2015 das „Zing“ übernahm und wieder zu einer Nachbarschafts-Kaffeekneipe wurde), vor allem aber das Ecklokal am Ende der Nauwieserstraße, in der gegen 2000 zuerst die 50er-Jahre Retrobar „Blue Moon“ (mit Pinacolada, Caipirinha, Erdbeermargarita sowie Mittagstisch und Easylistening, Acidjazz und Chillout-Musik), dann ab 2004 die Restaurant- Lounge/Bar „Makassar“ ein deutliches Gentrifizierungszeichen setzten, bevor letzteres 2008 als „Moloko“ in die Betzenstraße umzog und durch das Edelrestaurant „Giuseppe“ ersetzt wurde, das sich seitdem hält. Butterzarte Steaks und perfekt aufmerksamer Service bei zu Recht gehobenen Preisen freilich nicht viertelstypisch. Während das Makassar die wohl erste Cocktailbar im Viertel war, bestach das Blue Moon durch seine Nierentische im 50er-Jahre-Stil, seine Milkshakes und die Mischung aus Restaurant und Café mit holzgetäfelt edlem Biergarten.

Ach: Und dann ist da noch die im Juli 2015 in den Räumen des ehemaligen edlen Einrichtungsladens Canapé eröffnete „Esplanade“ am Ophüls-Platz: einem edlen Restaurant mit Verkauf von regionalen Produkten, guten Weinen und anderem mehr, wie ich vom Spielplatz aus einsehen konnte. Ich mag da irgendwie nicht hineingehen und dessen angesicht in die Zukunft des Viertels schauen, die mir zu edel erschiene. Es heißt, dies sei vor allem ein Steuersparprojekt eines Großinvestors, dem die Stadt so dankbar zu Füßen gelegen habe, da das Haus schon viele Jahre leer stand und im Keller arg feucht geworden war, dass man im Rathaus kurzerhand per Federstrich die Bezirksgrenzen so verschob, dass das Haus nicht mehr zum Nauwieser Viertel gehört – wodurch ein gastronomischer Betrieb genehmigt werden konnte…

Wenngleich das Gesamtaufkommen und die Kneipenfrequentierungsquoten empirisch nicht einwandfrei gesichert sind, erfolgte der große Umbruch im Viertel eindeutig mit der Stadtsanierung in den 80ern. Seitdem sind viele Geschäfte des täglichen Bedarfs durch gastronomische Betriebe ersetzt worden. Es gab jedoch zunächst keine typischen Tagescafés (bis das „Ubu Roi“ entstand) und auch keine Nachtkneipen. Denn: In den 80ern war um 1 Uhr Sperrstunde. Das änderte sich mit Liberalisierungen der Öffnungszeiten. Es gab nur noch die Pflicht, eine Stunde am Tag und einen Tag in der Woche zu schließen. Auch der Außenausschank war in den 1990er-Jahren nur bis 22 Uhr erlaubt, wurde dann aber auf 24 Uhr ausgedehnt. Seitdem lief das Geschäft für viele besser, bis dann das Rauchverbot kam.

So. Ich muß zum Schluß kommen. Ach ja der Spannungsbogen: „Aus dem einst verruchten Problemviertel wurde der aufregendste Stadtteil Saarbrückens“ ist so ein Zitat, vielleicht von Andrack. Als wär da ein Gegensatz. Es gibt aber tatsächlich nichts Vergleichbares weit über die Grenzen des Saarlands hinaus: Keinen Quadratkilometer, der so dicht so viel unterschiedlichste Lebenswelten beherbergt, die weiterhin gut miteinander klar kommen. Ein städtischer Raum, der die unterschiedlichsten Bedürfnisse zu befriedigen vermag und deshalb von vielen geliebt und als einzig mögliche Heimat empfunden wird. Unter anderem gibt es hier erlaubte und nicht erlaubte Rauschmittel. Heroin ist aber nicht mehr gefragt. Heute werden nur noch Pillen und Pulver verkauft. Auch in Kneipen und kleinen Clubs. „Man kann noch immer am Theker sehen, was nachgefragt wird“, sagt einer, der es wissen muß, aber eher auf braungrüne Pressware aus ist. Und preisgibt, dass im jahrelang leer stehenden SOG Theater während einer Zwischenmiete ohne Schankbetrieb (vor oder nach der „BarCode“-Episode) dennoch immer das Licht an war. Vielleicht macht er sich auch nur wichtig.

Ich kann das nicht wirklich beurteilen. Was für vieles in diesem Text gilt. Ich bitte daher um Nachsicht für manche Fehler und bin für jede Korrektur (simple schnelle mail an akihart@gmx.de) sehr dankbar! 🙂

Viertelsplan

Wissenschaftlicher Apparat:

Historische Angaben ohne Gewähr.  Quellen, Informanten, Lieferanten von ungesicherten Gerüchten und Zitaten: Andrack, Manuel: Wo das Glück wohnt, in: Merian: Saarland, Hamburg 02/2912, S. 92-96 (auch erschienen auf Spiegel-online, 02.02.12: Das Einerseits-Andererseits-Viertel); Bauer, Anke: Konsumieren für den Klimaschutz, Arbeitnehmer, Heft 5/2013, S. 26; Bunge, Johannes: Der Weg zur Droge, in: Saarbrücker Hefte, Heft 66, Dezember 1991, Bunge, Johanes: sog.theater Saarbrücken Försterstraße 22, AQ-Verlag Saarbrücken, 2016; S. 34-40; Busse, Silvia/ Ochs, Eva: „…die im Dunkeln sieht man nicht…“. Ein Frauenrundgang, in: Albers, Jürgen/ Blaß, Ursula/ Bubel, Dirk/ Glaser, Harald (Hg.): Saarbrücken zu Fuß, Hamburg 1989, S. 85-99; Busse, Silvia: Charme des Retro-Stils soll weiter wirken, in: Saarbrücker Zeitung, 10.10.08; Conrath, Martin: Wanderer kommst Du ins Nauwieser Viertel, in: tabou 3/1995, S. 26; Derselbe: Brennpunkt Chinatown: Immer weniger Kinder und Alte, in: Saarbrücker Zeitung, 11.04.95; db: Greenburner-Scheck für das „Café Jederman“, Wochenspiegel, 23.09.2015; Franke, Peter W.K.: Restaurants in Saarbrücken, 1993, aktualisiert 1996 und 2001; Gaspers, Mazze/ Leis, Ralf: Zum schüchternen Barbar, in: Viertel Vor. Das Heft fürs Nauwieserviertel, Nr. 5, 08/2005, S. 40-45; Hartmann, Michelle: So kann’s gehen. Das legendäre Smuggler’s Inn, Saarbrücker Zeitung, 28.12.2016: https://www.pressreader.com/germany/saarbruecker-zeitung/20161228/282183650714123; Hoffmann, Miriam: The Good, The Bad And The Ugly. In: Viertel Vor, Nr. 6, 12/2005, S. 24-29; Hoffmann, Miriam: Der Theker. Das unbekannte Wesen. In: Viertel Vor, Nr. 9, 07/2008, S. 43-45; Houba, Miriam: Uff da schnerr. Saarbrücker Kneipenportraits, Saarbrücken 2012; Griesser, Patrick: Trotz Rauchverbot gründet sich in Saarbrücken Raucherclub, in: Saarbrücker Zeitung, 28.04.2011; Leis, Ralf: Warten auf die Revolution, in: Viertel Vor, Nr. 6, 12/2005, S. 38-43; Derselbe: Geburtstag II, in: Viertel Vor, Nr. 8, 07/2007, S.9; Derselbe: Auf einen Milchkaffee mit Dr. Mohsen Ramazani Moghaddam, in: Viertel Vor, Nr. 11, 07/ 2010, S. 42-45; Lukasczyk, Tanja: Entwicklungstendeznen innerstädtischer Wohngebiete, dargestellt am Beispiel Nauwieser Viertel (Saarbrücken), Diplomarbeit, Universität des Saarlandes, 2007; Majer, Philipp: Vierviertel from Bunkhouse, Video, Saarbrücken 2010; Mallmann, Klaus-Michael u.a. (Hg.): „Richtig daheim waren wir nie“, Bonn, 1987; Marketing Kommunikation Thom: Nachlesungsverzeichnis Sommersemester 2012, Völklingen 2012; Menard, Johannes: Gemütliche Alternative und viel Kneipen.Theater. Das Nauwieser Viertel, in: Albers et al (Hg.), a.a.O., S. 60-77; ; mh: Kein Mangel an Kneipen, Saarbrücker Zeitung, 22.06.1995;  N/4 Interessengemeinschaft (Hg.): Nauwieser Viertel. Der Stadtteilführer, Saarbrücken 2000; Petrenz, Johannes: (G)astronomische Verluste. Persönliche Anmerkungen zum Abgang zweier Traditions-Gasthäuser, in: Saarbrücker Hefte, Heft 71/72, September 1994, S. 86-95; Quartier Mainzer Strasse: Jules Verne, Ausgabe 1/2016; ro: Café mit französischem Flair, Wochenspiegel, 07.11.2012; Rolshausen, Martin: Der „Lady-Killer“ und die Kaas, Saarbrücker Zeitung, 16.09.2009; Derselbe: Nicht allein mit der Sucht, Saarbrücker Zeitung, 18./19.02.2012, S. C1; Saeftel, Markus: Bordelle dürfen im Nauwieser Viertel bleiben, Saarbrücker Zeitung, 26.07.2010, Schweizer, Carola: Huren, Hilfe für alle Mädels, die anschaffen gehen,  in: Saarbrücker Hefte, Heft 66, Dezember 1991, S. 41-45; ViertelVor: Das große Viertel-Café-/ Kneipen-Quartett, Ausgabe 16, Juli 2015; Wer-kennt-wen-Gruppe „Nauwieser Viertel“, Thema: „Kneipen im Viertel – die ganz frühen Tage!“ sowie „Es Octopus„, 2008-2010;

Instinktiv nicht studiert wurden „Die Tollen und die Vollen“ und „Big Trouble im Nauwieser Viertel“ von  Jochen Brenner (Co-Autor von ersterem), Bernd Rausch und Joachim Schmidt.

Zur Debatte im August/ September 2012: Artikel in der Saarbrücker Zeitung

Gespräche mit Andrea, Andreas, Anni, Arnfrid, Chris, Daniela, Diane, Dieter, Ede, Eva, Fazi, Fine, Frank, Gabi, Gaby, Günther, Habibeh, Heinz, Ingrid, Jenny, Jibrail, Jule, Julien, Marina, Martin, Marwan, Maryam, Mohsen, Nicole, Petko, Pike, Regine, Roman, Susanne, Thorsten und Thorsten, Volker und anderen im April/ Mai 2012 klärten, verklärten oder vernebelten manche Sachverhalte, führten jedenfalls zu immer neu Ungeklärtem. Danach ergänzten bzw. korrigierten Kasimir, Maryam und Paul manch haarsträubende Fehler bzw. Änderungen der Jahre 2013/14.

Interessant ist auch: Wohin sind wir Saarbrücker früher ausgegangen? Eine unvollständige Liste von beliebten Lokalen, 2014 von Maria Kuhn zusammengestellt.

Kleine historische Kartographie Nauwieser Cafékneipen © Ekkehart Schmidt

26 Kommentare
  1. Ekki, das wird immer supererer! Danke fürs OBSB-Verlinken. Hast du schon mal dran gedacht, auch die Lokalitäten, die in irgendeiner Form im Netz repräsentiert/ansprechbar sind, zu verlinken?

  2. bernhard kirsch permalink

    Hallo Ekki,
    ich finde den Text ganz hervorragend! Es ist ja immer schön, dasjenige weitgehend bestätigt zu finden, was man immer schon geahnt hatte. Ein paar Ergänzungen hätte ich bestimmt auch noch. Oder Fragen! Vielleicht trefen wir uns ja nochmal im Viertel deswegen?
    Gruß
    Bernhard

  3. bernhard kirsch permalink

    Meine Tel: (01523) 3923914

  4. Kunstdirektor permalink

    Zu den Promigästen imBingert ist noch Jörg Fauser zu erwähnen. Sozusagen als Einmalauftritt.

  5. Viertler permalink

    Pianobar war meiner Vermutung nach in dem rosa Haus, gegenüber Dr.h.c. … war glaub ich auch eine „Bar“ im engeren Sinne 🙂 Später war da auch mal das „Da Mingo“ in gleicher Lolalität drinne…

    • Kunstdirektor permalink

      Im Da Mingo war keineswegs die Pianobar. Die war weiter hinten zur Rotenbergstraße hin. Heute ist dort ein neu gebautes Wohnhaus ohne Gastronomie. Weiß ich genau, weil dort die Hochzeit einer Freundin stattfand.

  6. Frau Li permalink

    Es war September 2007 😉

  7. Ursula Schnabel früher Woll permalink

    Mir hat die kleine Kartographie sehr gut gefallen, als Gastwirtin von 1967 bis 1985 , Frau Hans könnte ich noch viel erzählen. Das Gasthaus Nauwieserplatz wurde erstmals 1897 erwähnt. Dann hatten wir auch eine Nachtkneipe im Viertel, das Försters Eck, da haben sich Nachts alle Nachtschwärmer getroffen.

    • Das freut mich 🙂 Welches Lokal hatten Sie denn? Das Försters Eck hab ich erwähnt, vielleicht bei meiner eigenwilligen Sortierung nicht so leicht zu finden…

      • Kasimir Kasimich permalink

        Das Gasthaus Nauwieserplatz (oder einfach nur ‚de Hans‘) beherbergt heute Pepes Trattoria

  8. Danke für den Bericht! Höchst interessant!
    Allerdings hat Andreas Wagner nicht „Uff de Nauwies“ aufgebaut sondern von Hendrik (Nachname entfallen) übernommen, der das Lokal in den 80ern führte. Unter Hendriks Regie war die „Nauwies“ dank Butzenfenster auch tagsüber im Hochsommer stets absolut düster innen, was die zahlreichen Freistundensitzer und Blaumacher nicht weiter gestört hat. Andreas hat dann die ganze Vorderfront aufgebrochen und große Glasfenster eingebaut.

    Viele Grüße von Zippo!

  9. Kasimir Kasimich permalink

    Tolle Fleißarbeit, besten Dank für die wirklich unterhaltsame Lektüre! Leider finden sich aber einige haarsträubende Fehler bei der Zuordnung von Namen und Zeiten. So war die legendäre Rumpelkammer mitnichten in jenem Souterrain in der Richard-Wagner Str. zu finden, sondern selbstredend in der Cecilienstraße, Scotch-Club hat die Achtziger nicht mehr erlebt und die Stadtschenke war Mitte bis Ende der Achtziger ein echter Hot-Spot mit reichlich legendärem Trubel und und und … Dennoch eine Klasse Sammlung 🙂

    • Danke, Kasimir, für die Infos 😉 Ich war halt in den 80ern noch in Köln, Marburg, Kairo und Bonn unterwegs – versuche die haarsträubendsten Fehler zu korrigieren!

    • Danke Kasimir dafür, daß du die doch etwas kurz gekommene Stadtschenke noch mal erwähnst.
      Die war ja von 84 bis 89 ein echter Hot-Spot im Viertel. Mein damaliger Lebenspartner Andreas Ulrich und meine Wenigkeit Helmut Mohr waren die damaligen Pächter und Betreiber dieser wunderschönen Perle im Viertel. Übrigens vermietete Andreas der öfter erwähnten Judith C. eine Wohnung in unserem schönen Jugendstil Haus in der Mainzer-67. Sie war mit Pete, Kind und Kegel Jahrelang lautstarke Nachbarschaft.
      Damals Anlaufstelle der „Gloria“ Begeisterten und warm up Treff vor der Disco und Club Nacht.
      Es war schon besonders wenn die Cabrio Fahrer aus dem ganzen Land, hier im Gegensatz zum St.Johanner Markt mit den Autos vorfahren konnten.
      Nach dem die „Stadtschenke“ boomte stieg auch die Promi-Dichte:
      Oskar Lafontaines Bodyguard „de Todd“ begleitete ihn regelmäßig zu uns, und wenn in der Stadt mit Peter Maffay und Lothar Späth.
      Bald schon eröffneten wir „Klatschmann´s Restaurant“ in der Hohenzollernstraße
      und waren dann Festival Restaurant der „Ophüls Filmfestspiele“. Das aus der Zeit stammende original Wand-Fresko mit Obst- und Gemüsedarstellungen von Thomas Langhammer kann man im jetzigen Da Toni unverändert bewundern.
      Ende der 80er waren wir dann die ersten, die in der bis dato leer stehenden Garage in der Bleichstraße eine große Karnevals-Party organisierten.
      Nach wochenlangen Instandsetzungs- und Dekoarbeiten feierten wir an 2 Tagen in dieser bis dahin so nie genutzten Halle. Im Pförtner- Häuschen der ehemaligen Auto Werkstatt hatten wir eine Mc Donald´s Verkauf installiert, der von der eben neu eröffneten ersten Mc. Filiale Saarbrückens am Markt bestückt und betrieben wurde.
      War damals der Trend…

      Schau doch mal bei Facebook rein.
      Sommelier Helmut Mohr
      Einen kleinen Abriss aus der Zeit findest du dort in den Infos.vo

      • Waow, herzlichen Dank für die spannende Ergänzung!

      • Kasimir Kasimich permalink

        Sehr gut Helmut, aber auch Dich hat der Fehlerteufel heimgesucht 😉 Die Nachfolge vom Klatschmann’s trat natürlich das „Paolo e Tonio“ an – bis heute! 🙂

  10. Kasimir Kasimi h permalink

    Die Rumpelkammer war in der Cecilienstraße 10. Danach fand sich dort u.a. die erste Elektro Conrad Filiale in SB und jetzt ist dort ein Tattoo-Studio ansässig. 🙂

    • Kirsch Bernhard permalink

      Für Bastler noch interessant: Das Conrad war vorher „Völkner Electronic“. Die wurden 1990 von Conrad aufgekauft und irgendwann wurde der Saarbrücker Laden dann umbenannt.

  11. Kasimir Kasimich permalink

    Ein Foto der Rumpelkammer findet sich hier auf Facebook:

  12. Johnboy permalink

    Weiß noch jemand, was links neben der Rumpelkammer war? Ich habe noch dunkel in Erinnerung, dass es dort Ende der 70er Jahre eine legendär gute Knoblauchpizza gab.

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