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Ubu le roi_Saarbrücken

Juli 26, 2017

Was waren wir, für die das Ubu seit Jahren (für mich seit 1994) der Mittelpunkt unserer Welt ist oder war, erschrocken, als am 11. Juni sichtbar wurde, dass unser Wohnzimmer im Viertel plötzlich wegen Sanierung geschlossen war! Bedeutete dies das Ende einer Epoche? Zeigte es mir, wie heimatlich verwurzelt ich doch schon bin. Oder nur, dass ich alt werde? Der vierte Inhaberwechsel seit der Gründung 1988 als die düsteren Zeiten des „Gambling House“ vorbei waren. Im Herbst 2012 habe ich hier einmal fotografiert, das alte Ubu festhaltend. Würde hier jetzt ein Lokal in einem Stil entstehen, mit dem und in dem wir Stammgäste uns einer Tradition beraubt und entfremdet finden würden? Wo nichts, außer den größten und durchsichtigsten Caféfenstern der Stadt, durch die einem hier im Herzen des Viertels nichts entging (und man selbst auch von jedem gesehen wurde, weshalb man hier auch saß) wie früher bleiben würde, während sich drinnen irgendein Designer hat austoben dürfen?

Hilfe! Angst!

Nein. Das Lokal wurde vom Inhaber der „Nauwies“ übernommen, jemandem, der – wenn ich ihn auch noch nie hier gesehen habe – um das Besondere des Ubu wußte. Vorgestern sagte er mir, als ich ihn vor dem Lokal traf, er habe sehr behutsam sanieren lassen. Es sei allerdings in Bezug auf die Küche und anderes hygienisch derart im Argen gelegen, dass man an mancher Stelle habe radikal alles entfernen müssen.

Ubu le roi © Ekkehart Schmidt

Ubu le roi © Ekkehart Schmidt

Ubu le roi © Ekkehart Schmidt

Ubu le roi © Ekkehart Schmidt

So kam ich denn gestern am ersten Tag eines vielleicht neuen Zeitalters wie gehabt nach der Arbeit für meinen Espresso, holte mir die taz (die jetzt – nur noch mit der Saarbrücker Zeitung – am Kleiderständer am Eingang, statt an der Säule vor der Theke hängt), setzte mich an meinen Stammplatz und begann einen Scan zur Überprüfung: Im Namen wurde einn „le“ hinzugefügt, es sind aber noch die gleichen Tische und Stühle (allerdings neu gestrichen), auch die Theke blieb erhalten, allerdings wurde die altgediente Gaggia-Kaffeemaschine durch eine moderne, multifunktionale ersetzt und auch draussen steht neues Gestühl, bedacht von neuen, schwarzen Werbe-Sonnenschirmen . Auch die Heizung wurde schwarz gestrichen, die Wände ebenfalls – in einem passenden Grau (der Gelbton auf den Fotos ist nur eine Reflektion des Lampenlichts). Neu sind hier aber – da war ich mir mit einem Paar einig, das ebenfalls nach dem Rechten schaute – zwei schwarze, viereckige Dekoelemente unter der Decke.  Die runden weissen Lampen an der Decke und diejenigen an den Fenstern wurden ausgetauscht und sind jetzt durchsichtig.

Ubu le roi © Ekkehart Schmidt

Ubu le roi © Ekkehart Schmidt

Ubu le roi © Ekkehart Schmidt

Ubu le roi © Ekkehart Schmidt

Ubu le roi © Ekkehart Schmidt

Ubu le roi © Ekkehart Schmidt

Küche und WC werde ich ein andernmal Mal checken. Gleiches gilt für das Frühstück. Aber natürlich sind das nur die Äusserlichkeiten. Entscheidend für das gute Gefühl im Ubu war – neben den Stammgästen – immer der Stil der Kellner/innen. Ich habe hier gestern drei sehr junge erlebt. Offenbar wurde das alte Personal nicht übernommen. Egal wie: Alle Ängste scheinen unbegründet gewesen zu sein.

Ich gebe jedenfalls vorläufig Entwarnung. Aufatmen!

Nachtrag vom Donnerstag: Laut Frank vom Buchladen sind allerdings einige Biertrinker sehr angepisst, dass es nur noch Karlsberg gibt, wenn auch die ganze Produktpalette. Als reiner Kaffeetrinker war mir das völlig entgangen.

Ubu le roi © Ekkehart Schmidt

From → Cafés

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