Skip to content

Café Um Stamminet_Luxemburg

Heute habe ich es endlich in das zweite in Luxemburg noch existierende „Stamminet“ geschafft. Das andere hatte ich letztes Jahr in Bettembourg besucht und erfahren, was dieser merkwürdige Begriff bedeutet: „Stammtisch“. So banal so gut. Aber die Ethymologie dieses Ausdrucks hat es durchaus in sich: In Nordfrankreich, vor allem in den Regionen Nord-Pas-de-Calais und Picardie sowie in Belgien versteht man unter dem Estaminet (frz. l’estaminet) eine traditionelle Gaststätte. Es kombiniert Café, Kneipe und Restaurant, ist aber im Wesentlichen ein Treffpunkt der Nachbarschaft, der üblicherweise rustikal eingerichtet ist und oft auch mit Gerätschaften und Bildern aus der Landwirtschaft dekoriert ist.

Eine weit verbreitete Theorie zur Herkunft des Wortes ist die Ansicht, dass es sich vom wallonischen Wort „Staminé“ (Säulenhalle) ableitet, vielleicht auch von den Begriffen „estaminé“ oder „estaminea“, die ihrerseits wahrscheinlech vom Wort „stamon“ (= Pfosten) abstammen – wobei ich da nicht den Zusammenhang verstehe. Andere vermuten das flämische Wort „Stamm“ (Familie) als Ursprung. Da Flandern zeitweilig zu Spanien gehörte, liegt auch die Theorie nahe, dass der spanische Ausdruck „Esta un minuto“ (Bleib eine Minute) namensgebend wurde. In Luxemburg schert man sich darum wenig: „E Staminee ass e Café, eng Plaz, wou een e Pättchen ze drénke kritt“. Es gab auch einmal eine satirische Wochenrevue beim Radio RTL namens „Um Stamminet“, die am Sonntag-Abend übertragen wurde.

Sei’s drum: Auf der Rückfahrt vom Bio-Markt bei Co-Labor in Bertrange beschloss ich kurz vor der „blauen Stunde“ spontan, hier in Merl an der Route de Longwy am westlichen Ortseingang von Luxemburg noch einen Espresso zu trinken. Das Haus stammt offensichtlich aus Zeiten, als hier noch nicht so viel oder kein automobiler Durchgangsverkehr herrschte. Als Relikt einer engeren Strassenführung ragt es in die heute brei8te Strasse hinein. Mir gefiel der dadurch entstandene kleine Nebenplatz rechts vom Eingang.

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Die meisten der vier bis fünf portugiesischen Männer, die sich hier heute – inklusive Wirt – zwischen 18.30 und 19 Uhr aufhielten, gingen immer wieder raus, um an einem Stehtisch eine Zigarette zu rauchen. Drinnen lief auf zwei Flachbildschirmen parallel Leicester – Liverpool und Estoril – Chaves, also englische und portugiesische Liga. Weil mich Jürgen Klopps Team interessierte, hatte ich einen Grund, etwas länger zu bleiben und zwischendurch auch im hinteren Bereich nach der Kegelbahn zu gucken. Es war um diese Uhrzeit etwas düster, bei passender Beleuchtung wirkt das ganz anders, wie man auf der Fotogalerie der Homepage des Lokals sehen kann.

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Desweiteren bietet das Lokal eine elektronische Dartsscheibe, ein Internet-Glücksspiel, an Zeitungen den Quotidien, das Tageblatt, Lux-Bazaar und die Revue sowie das eine oder andere weitere Monatsmagazin. Zu essen bekommt man Sandwichs mit Schinken oder Salami für 3 Euro oder ein Croque-Monsieur, ein Sandwich mit Queijo-Käse, Räucherschinken („Presunto“), Hähnchenfleisch oder Thunfisch 3,50 Euro zahlt, während ein Bifana-Sandwich oder ein Brötchen mit Mettwurst schon 4 Euro kosten und Prego no pão, Moelas oder ein Hamburger mit 5 – 6 Euro schon fast teuer sind. Diese Mischung aus portugiesischen und französischen Speiesen zeigt sich auch bei den Tagesgerichten: ein Plat du jour mit Fleisch oder Fisch kostet 10 Euro, Bitoques 12 Euro, ein Schweine opder Hähnchenschnitzel 11 Euro. Man ist in dieser Arbeiterwelt noch völlig unbeeinflusst von vegetarischen oder veganem Gedankengut.

Einen Stammtisch diesen Namens, „De Lëtzebuerger Stamminet zu Berlin“ gibt es übrigens in der deutschen Hauptstadt,  mit eigenem Blog (allerdings seit 2014 inaktiv). Und es ist vielleicht erwähnenswert, dass der Schriftsteller Jacques Messiant mehrere Bücher über die Stamminet geschrieben hat. Ferner soll 2005 sogar ein Annuaire aller so genannter Lokale erstellt worden sein. In diese Wissenschaft werde ich aber nicht einsteigen.

Adresse: 294, route de Longwy, L-1940 Luxembourg-Merl,
Tel.: 26 45 89 61, Homepage

Verwendete Quellen: Wikipedia-Artikel „Estaminet“ und „Staminee

Café Um Stamminet_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Lecca_Trier

Eigentlich kann ich zu diesem Café am Trierer Hauptbahnhof nicht viel mehr sagen, als dass es mir bei meinen diversen Umsteige-Wartezeiten nach Abendterminen in  Luxemburg auf dem Weg nach Saarbrücken immer als das einzige Lokal erschienen ist, das mich ästhetisch anzog. Dies in dem Sinne, dass die äussere Erscheinung meist sehr viel darüber aussagt, was einen drinnen erwartet. Im Vergleich zur bieder wirkenden Nachbarschaft versprach es italienisches Flair und einen gewissen Anspruch auf ein gediegenes Zusammensein von Gästen, die ihre Ruhe haben wollen, aber auch offen für ein Gespräch auf „höherem“ Niveau sind.

Café Lecca_Trier © Ekkehart Schmidt

Café Lecca_Trier © Ekkehart Schmidt

Café Lecca_Trier © Ekkehart Schmidt

Café Lecca_Trier © Ekkehart Schmidt

Das im April 2006 eröffnete Café wirkte um diese Uhrzeit durch die Beleuchtung eher wie eine Bar. Aber ich bekam einen guten Espresso für 2,20 Euro und konnte mir für meine 40 Minuten Aufenthaltszeit zwischen Süddeutscher, Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung und der ZEIT die passende Lektüre suchen, während ich der Getränkekarte entnahm, dass man sich mit einem täglichen Programm Mühe gibt, meinem durchaus arroganten Anspruch Rechnung zu tragen: Unter anderem gibt es  montags ab 18 Uhr Kaffeehaus-Schach mit Chessbase-Präsentation, dienstags einen so genannten AdministratorAbend („kompetente Hilfe bei euren Laptop-Problemen und rund um den PC“), dazu die offenbar unvermeidlichen Cocktail-Abende und einen sonntäglichem Brucnch für pauschale 8 Euro.

2006 war das Lokal im damaligen Hotel Monopol nebenan, das sich jetzt Hotel Vinum nennt, noch nicht saniert (wie ein historisches Foto zeigt). Als „Monopol Café“ ist es cocktaillastig und scheint eine Klientel zu bedienen, die sich in Bezug auf ihr Einkommen für etwas besseres hält, während das Lokal „Zweite Heimat“ rechterhand eher bierlastig ist. Irgendwie zwischen beiden hat sich das Caffe Lecca mit seinen edlen Kunstledersitzen und einem Angebot an Suppen, Kuchen & Baguettes sowie coolen Angeboten wie ihrer „Lecca Limo“ sowie freiem WLan und Liveübertragungen der Bundesliga auf einem 50‘‘-Bildschirm arrangiert.

 

Café Lecca_Trier © Ekkehart Schmidt

Café Lecca_Trier © Ekkehart Schmidt

2012 hat es wohl grosse Aufregung wegen der Aussenterrasse gegeben, die vorher genehmigt worden war, dann aber wegen Gehwegblockierung untersagt wurde, worauf sich der Pächter frustriert zeigte („Ich wurde gelinkt“) und 2013 eine Petition an die Stadtverwaltung startete, was daran scheiterte, dass es nur 93 Unterstützer gab. Mehr kann ich vorerst nicht zum Caffe Lecca sagen, werde aber bei den nächsten  zeitraubenden Umsteigevorgängen  mal das Gespräch zu der netten Theker-Inhaber-Crew suchen.

Adresse: Bahnhofsplatz 7, 54292 Trier, Tel.: 9949830, http://www.cafe-lecca.de (z.Zt. offline)

Café Lecca_Trier © Ekkehart Schmidt

Café Nenninger_Kassel

Ich sei ja nur ein „Kasselaner“, scherzte mein Onkel mit mir, mit dem Stolz des „Kasseläners“, der freilich mit einer „Kasselerin“ verheiratet ist, als ich ihn im August wegen der documenta besuchte. Ich musste das jetzt bei Kasselwiki nachschauen, um nichts falsches zu bloggen. Ich bin einer, der in Kassel geboren wurde, aber weggezogen ist, während er mindestens in der zweiten Generation in der nordhessischen Stadt geboren wurde und mit einer zugezogenen Person verheiratet ist. Übrigens ist man „Kasselaner“ und „Kasseläner“ auf Lebenszeit, unabhängig vom tatsächlichen Wohnort, heisst es. Und dann gibt es ja noch den „Kassler“, aber das ist gepökeltes und leicht geräuchertes Schweinefleisch, das traditionell mit Sauerkraut gegessen wird und dessen Herkunft aus der Stadt an der Fulda sich nicht belegen lässt, wenngleich das im 19. Jahrhundert wohl einmal in Berlin behauptet worden ist. Angeblich ist dieses ganz eigentümlich schmeckende eingelegte Fleisch die Erfindung eines Berliner Fleischermeisters namens Cassel, weiß Wikipedia.

Sei’s drum. Als ich Karl, den Kasseläner, nach altehrwürdigen Cafés vor Ort fragte, nannte er sofort das Nenninger, während ihm das Stadtcafé nichts sagte, das ich am Nachmittag entdeckt hatte. Das Nenninger hatte ich tatsächlich schon gesehen: Es war mir durch seinen klassischen Schriftzug ins Auge gefallen, als ich am „Parthenon der verbotenen Bücher“ stand. Aber ich hatte keine Zeit, dort einen Espresso zu trinken. Die ergab sich erst letzte Woche am Mittwoch, als ich noch einmal für zwei Stunden in meiner Geburtsstadt war, um in den von der Nordsee kommenden ICE zu steigen, in dem meine jüngsten Söhne samt Mutter saßen, auf dass letztere in der Betreuung etwas entlastet wird.

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Das Äussere ernüchterte mich beim Nähertreten letzte Woche etwas: Das wirkte doch sehr neu, gar nicht wie ein Café mit über hundertjähriger Tradition. Aber diese riesige Eiswaffel in Kombination mit sehr modernen Stühlen war ein Blickfang.

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Ich bin dann erstmal hinten rum gegangen, etwas unschlüssig, ob ich mich da jetzt wirklich reinsetzen soll. Auf der Rückseite eine große Terrasse, auf der Leute zu Mittag aßen. Das Café ist also auch Eisdiele und Restaurant.

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Gut, ich bin dann also rein und habe es nicht bereut. Es hat etwas sehr edles, wie das Personal in roten Hemden und schwarzen Hosen durch das lang gezogene Lokal läuft. Die Stühle weisen ebenfalls diese Farbkombination auf: rotes Kunstleder über schwarzen Stuhlbeinen zu Tischen aus schwarzmeliertem Pseudomarmor. Es riecht betörend nach Kuchen. Nicht nur beim Vorbeigehen an der imposanten Kuchentheke. Aber es war auch brechend voll. Der Altersdurchschnitt lag – jetzt gegen 14.30 Uhr – deutlich über 60. Ich fand dann doch einen Platz und beschäftigte mich fotografisch mit den roten Lampen vor den Fenstern, tapfer den Kuchen und Pralinen widerstehend.

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Klar wurde aber auch, dass dies hier vor allem eine Konditorei ist und der Kaffeebetrieb eher nebenher läuft. Auf der Speisekarte wurde die Geschichte dieses Hauses beschrieben, das eines der ältesten familiengeführten Lokale vor Ort ist: 1900 gründte Siegfried Nenninger, nach Stationen bei den Hofkonditoreien in Dessau, Leipzig und Hannover  im Jahr 1900 die Conditorei Nenninger in der Wilhelmshöher Allee. 1935 übernimmt Willi Nenninger mit seiner Frau Thea den Betrieb in der Hohenzollernstraße am heutigen Ständeplatz. Im Krieg werden alle Geschäfte der Conditorei zerstört und nach Kriegsende 1948 zunächst in Bettenhausen am Forstbachweg wieder aufgebaut. 1955 entsteht die Milchbar Lido am Ständeplatz, 1957 erfolgt die Übernahme des ehemaligen Café Möller in der Garde-du-Corps Straße/ Ecke Wilhelmstraße. Ab 1976 übernehmen Konditormeister Klaus Nenninger und seine Frau Verena den Betrieb. 1996 erfolgt die Übernahme der Backstube des Café Paulus. 2002 eröffnet man mit neuem Konzept hier am Friedrichsplatz dieses Café. 2016 erfolgte dann noch die Neugestaltung der seit 2000 bestehenden Kaffeebar in einer Location namens DEZ durch Verena Nenninger. Ich wußte jetzt also gar nicht, ob ich wirklich in „dem“ Café Nenninger sitze oder nur in einer Filiale. Egal.

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Mein Espresso für 2 Euro war erstaunlicherweise „aus nachhaltig angebautem und fair gehandeltem Cerro Verde Kaffee“. Man bekommt hier im Lokal, das drinnen 100 Plätze und draußen noch einmal 100 aufweist, auch diverse Frühstücksvarianten ab 3,60 Euro, Eis für 1,60 Euro die Kugel und jede Menge Kuchen, z.B. den Nenninger Baumkuchen und Schnuckewerk (was wohl Pralinen sind). Während ich das erwartet hätte, wunderte ich mich doch, dass die Karte neben Fruchtschorlen auch Weine, Prosecco und Sekt anbot. Und eine breite Karte mit Speisen, die ich als Nur-Kasselaner nicht kannte: Nordhessische Schmeckewöhlerschen („Grüne Soße“ mit Ei und Kartoffeln, mit sieben Kräutern) für 8,50 Euro. Dazu Rindfleischscheiben für 4,50 Euro. Oder Kasseler Kochwurst für 7,90 Euro. Und schließlich der „Hessenteller“: Kleine Schmeckewöhlerschen – dies und das von allem was – von Ahler Wurscht bis Grüne Soße für 11 Euro.

Nach einer halben Stunde musste ich wieder los zum Bahnhof, nicht ohne den Versuch zu machen, den sich in den Fenstern des Nenninger spiegelnden Parthenon abzulichten.

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Später wurde mir bewusst, dass ich hier, in einem der – laut „Feinschmecker“ von 2014 – besten Cafés in Deutschland auch hätte abends fotografieren sollen, wie mir durch ein Foto auf der früheren Homepage klar wurde: Diese Lichteffekte sieht man tagsüber nicht. Das trage ich dann spätestens zur nächsten documenta in fünf Jahren nach.

Adresse: Friedrichsplatz 8, 34117 Kassel, Tel: 0561-7661690, E-Mail: kontakt@cafe-nenninger.de, Homepage

Café Nenninger_Kassel © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach

So hatte ich mir das letztes Wochenende vorgestellt: In absoluter Stille in einem alten, unsanierten Hotel eines Nests („Dorf“ wäre zu hoch gegriffen) an der Kreuzung mancher Wege mitten in den luxemburgischen Ardennen zu übernachten – stressfrei an einem Samstag-Abend, um am Sonntag früh meinen Stand auf der „Don’t be square Fair“ in Clervaux (Clerf) aufzubauen. Ich kannte Kautenbach als Ausgangspunkt dreier etika-Radtouren mit Velosophie und wusste, was mich erwartet. Nach einer halben Stunde Zugfahrt ab Luxemburg nordwärts sind wir von hier hoch ins unberührte Tal der Clerve/ Clerf in Richtung Lellingen, ohne Kautenbach angesichts der bevorstehenden Steigung ernsthaft eines Blickes zu würdigen.

Dabei fliesst hier die Clerve in die Wiltz, um wenig später in die Sauer zu münden. Es gibt hier eine Kirche (was anzumerken ist, weil Weidingen – der letzte Ort, durch den die Wiltz weiter oberhalb fliesst – als einziger luxemburgischer Ort ohne Kirche bekannt ist). Und es gibt zwei Hotels. Ich freute mich darauf, hier einmal zu übernachten und wählte das Hotel Huberty, weil es – anders als das Hotel Hatz – über booking.com auch schnell buchbar war und näher am Bahnhof lag. Zwar kaum 50 Meter, aber das war relevant, weil ich per Rad kam und neben einem Roll-Up und anderem Gepäck auch einen Stapel großer Fotos zu transportieren hatte.

Die Abendstimmung war „special“, hier an den zwei alten Steinbrücken an der Mündung der Flüsschen am Bahndamm. Nebel, Wasserrauschen und diffuses Licht.

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Tagsüber wirkte das noch ganz anders.

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Das war mein Zimmerfenster, in Raum Nummer 1 – vielleicht dem einzigen mit Dusche und Bad im Zimmer (offenbar haben viele das nur auf dem Flur).

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Die Innenausstattung der Schlafräume und der Hotelflure ist im Gegensatz zum sehr ansprechend gestalteten Aufenthaltsraum ein wenig durcheinander gewürfelt. Da ist noch „Luft nach oben“, wie man so schön sagt… Hätten die Inhaber gesagt, dass sie das Haus letzten Winter übernommen haben, hätte ich mich über die Ausstattung des Treppenhauses nicht gewundert. Aber Cornelius Rudy Verstraten und seine Frau sprachen von vier Jahren.

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Das Haus wurde offenbar 1792 erbaut. Seit wann es als Hotel genutzt wird, blieb unklar. Die ausnehmend freundlichen Inhaber haben das Haus von einem Vorbesitzer übernommen, dem es offenbar nicht gelungen war, es vor Renteneintritt zu verkaufen. So stand es eine Weile leer. Das niederländische Inhaberpaar spricht quasi nur Niederländisch und Englisch. Auch die Gäste sind dominant niederländisch. Ich kann nicht beurteilen, inwieweit die Aufenthaltsräume von ihnen verändert wurden. Zumindest aber haben sie eine Kopie der berühmten rembrandtschen Nachtwache und ein altes Schwarzweiss-Foto der holländischen Großeltern aufgehängt.

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Abends traf ich noch auf zwei Gruppen niederländischer Motorradfahrer, die ihre Fahrzeuge im Nachbarhaus unterbringen konnten. Ich setzte mich an den alten Kamin mit der Inschrift „1792“, der nicht mehr häufig genutzt zu werden scheint. Stattdessen gab es in der Schankstube einen neuen Kamin, den Frau Verstraten und ihre Tochter schon angeworfen hatten.

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Es gab ein sehr gutes Frühstück, vor allem der frisch gepresste Orangensaft wirkte super gegen meine aufkommende Erkältung. Käse und Wurstaufschnitt aufeinander gelegt ist für mich mittlerweile aber schon ein Ärgernis. Das ei sei bio, hiess es. Ich habe es mal geglaubt.

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Work in progress…

Hotel Huberty_Kautenbach © Ekkehart Schmidt

Taverne des Sports_Clervaux

Die „blaue Stunde“ entwickelt sich langsam, aber man hat sie auch schnell verpasst. Vorgestern hatte ich nach einer Pizza in der Taverne des Sports noch die halbe Stunde echte Ruhezeit, bevor ich meinen Zug von Clervaux (Clerf) zurück nach Kautenbach nehmen musste, die es benötigt, um sie wahr- und aufzunehmen. Was ich per Kamera machte, statt mich in Ruhe auf eine Bank zu setzen und in den Himmel zu schauen …

Taverne des Sports_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Taverne des Sports_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Taverne des Sports_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Taverne des Sports_Clervaux © Ekkehart Schmidt

 26 Grand-Rue L-9710 Clervaux (Clierf)

Ich war nach langer Anreise von Saarbrücken nach Kautenbach gefahren, habe im Hotel Huberty eingecheckt und bin dann per Zug und Rad abends nochmal los, um mir erstmals diesen für sein Schloss mit der Weltkulturerbe-Fotoausstellung „Family of Man“ bekannten Ort zumindest kurz einmal anzuschauen, ehe ich am Sonntag ganztags an einem Marktstand auf dem Sozial-und Solidarmarkt „Don’t be square fair“ stehen würde. Ohne Zeit für so etwas. Der kleine Ort bietet neben mehreren sehr teuren Hotels und Restaurants, die ihr Angebot auf die mehrheitlich niederländischen und belgischen Touristen ausgerichtet haben, nur noch zwei bis drei authentische Cafés und Kneipen, in denen sich die Bewohner/innen begegnen können. Diese Taverne aber sprach mich sofort an. Sie liegt ausgangs der Grand rue am Platz unterhalb des Schlosses und wirkt, als wäre hier nur ein Durchgang zu einer Parallelstraße, wie man das aus italienischen Städten kennt.

 26 Grand-Rue L-9710 Clervaux (Clierf)

 26 Grand-Rue L-9710 Clervaux (Clierf)

Und tatsächlich betritt man einen langen Schlauch, der in mehrere Abschnitte unterteilt ist: zunächst einen Rauchervorraum, dann die eigentliche Gaststube und dahinter dann noch ein Restaurant. Auf Google-Earth kann man schön sehen, dass sich hinter der vermeintlichen Tordurchfahrt ein ganzes Kongomerat an Gebäuden befindet, ohne dass noch irgendwie ein Hinterhof übrig geblieben wäre.

 26 Grand-Rue L-9710 Clervaux (Clierf)

 26 Grand-Rue L-9710 Clervaux (Clierf)

 26 Grand-Rue L-9710 Clervaux (Clierf)

 26 Grand-Rue L-9710 Clervaux (Clierf)

 26 Grand-Rue L-9710 Clervaux (Clierf)

 26 Grand-Rue L-9710 Clervaux (Clierf)

 26 Grand-Rue L-9710 Clervaux (Clierf)

 26 Grand-Rue L-9710 Clervaux (Clierf)

Bei der wohl 2002 mit dem neuen Pächter erfolgten Innengestaltung dominiert – für mich im wunderbaren Komplementärkontrast zum Dunkelblau des Himmels – ein helles Orange. Jedenfalls rechterhand. Linkerhand ein sehr langer Tresen. Neben zwei Marlboro-Postern fällt ein Bild zweier lustiger Esel ins Auge. Die blaue Stunde ist auch eine einsame Stunde. Mit ein paar Männern schaute ich auf dem einzigen Flachbildschirm (normalerweise protzen Lokale namens „Café des sports“ mit mehreren), wie Bayern 2: 0 in Hoffenheim verlor. Einer der Männer ballte nur still die Faust, als das 2:0 fiel. Noch nicht einmal ein „Ja!“ kam über seine Lippen.

 26 Grand-Rue L-9710 Clervaux (Clierf)

 26 Grand-Rue L-9710 Clervaux (Clierf)

 26 Grand-Rue L-9710 Clervaux (Clierf)

Die Taverne bietet ein großes Angebot an Steinofenpizzen zu Preisen zwiscdhe3n 4,50 und 10 Euro, im Restaurantrakt aber auch Pasta- und Fleischgerichte zu durchaus anspruchsvollen Preisen – erstere ab 13 Euro, letztere über 20 Euro. Wahrscheinlich wird das eher von Touristen genutzt, während die Einheimischen vorne bei ihrem Kaffee oder Bier bleiben und höchstens einen Snack dazu bestellen.

Adresse: 26 Grand-Rue L-9710 Clervaux (Clierf), Tel. , Homepage

Taverne des Sports_Clervaux © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg

Es gibt eigentlich keine guten oder schlechten persischen Restaurants. Nicht im Iran, und erst Recht nicht in Deutschland. Jedenfalls meiner Erfahrung nach, die den Besuch von mittlerweile sicher schon mehr als 30 solcher Lokale, vor allem in den vergangenen 5 Jahren, umfasst. Die persischen Gerichte sind dort, egal ob im Ayeyaran in Teheran oder im Hani in Frankfurt – negativ ausgedrückt – so erstarrt in der überlieferten Art und Weise ihrer Herstellung und den zu verwendenden Zutaten, dass kaum experimentiert wird. Die Iraner haben ganz klare Vorstellungen, wie ein Chello Kebab zuzubereiten ist – ganz ähnlich wie die Deutschen, wenn es um Rouladen mit Knödeln und Rotkohl geht. Gerade in der Emigration geht man in ein persisches Lokal essen, um geschmackliche Heimatgefühle zu erleben.

Bei der Frage, welches des halben Dutzends persischer Lokale wir rund um den Stadtteil St. Georg, den wir uns vor fast drei wochen als Hamburger Standquartier gewählt hatten, ließ sich die Iran-stämmige Mutter meiner jüngsten Kinder denn auch nach einem ganz anderen Kriterium leiten, als der vermeintlichen Kochkunst der Inhaber. Angesichts der Namen der Lokale von „Teheran“ und „Pars“ über „Pamir Pazar“, „Padideh“, „Sepideh“ und „Qasr“ bis „Safran“ und „Molana“, war es letzterer, der eine deutliche Distanz zum iranischen Mainstream signalisierte. Die Entscheidung fiel schnell, zumal es um die Ecke vom Steinwall lag, wo wir übernachteten.

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Hinter dem Flachbau im nüchternen Design ragte ein Haus mit einem an das Symbol der Islamischen Republik erinnernden Logo hervor, das sich aber als indisches Kulturzentrum (oder Ähnliches) entpuppte. Drinnen grüßten die üblichen, durch deutsche Augen eher kitschig wirkenden Bilder, aber auch ein aufwändig gestaltetes viereckiges Band mit Texten des Sufi-Heiligen.

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana (auf obigem Foto rechts), den man in Deutschland türkisch beeinflusst als Mevlana oder Maulani beziehungsweise „Rumi“ kennt, war ein persischer Sufi-Mystiker, Gelehrter und einer der bedeutendsten persischsprachigen Dichter des Mittelalters. Von seinen Anhängern, insbesondere den Derwischen, erhielt der eigentlich vollständig Dschalāl ad-Dīn Muhammad ar-Rūmī heissende Mann (1207-2073) den arabischen Beinamen Maulana („unser Herr/Meister“). Nach ihm ist der Mevlevi-Derwisch-Orden benannt. Geboren in Khorassan, starb er in Konya in der heutigen Türkei und ist in einem sehr schönen Mausoleum begraben, das ich 1985 ehrfürchtig besucht habe. Mehr zu ihm bei Wikipedia.

Wer sein Lokal nach ihm benennt, positioniert sich jedenfalls weder politisch, noch religiös in der Nähe des seit 1979 herrschenden Regimes.

Molana Restaurant_Hamburg  © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg  © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Das Innere des Lokals weist viele typische Elemente traditioneller persischer Restaurants auf: von den kitschig-romantischen Bildern über Kunsthandwerk und eine Ecke mit einem Samowar und qadscharisch inspirierten Teekännchen bis zu den „Tachteh“ genannten erhöhten Sitzplätzen. Es gab aber am Fenster auch einen Raum mit sehr deutsch wirkenden Tischen und Stühlen.

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Wir bestellten Gheymeh Bademdjan, Chello Kebab und ein weiteres Grillgericht nd liessen es und gut gehen, während die Kinder auf einem Tachteh tobten.

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Wie lange das Lokal schon existiert und von der Inhaberfamilie Schokori betrieben wird, habe ich nicht gefragt. Die Visitenkarte zeigte eines der üblichen Bilder eines versonnen bei einem Glas Tee an einer Pfeife rauchenden alten Mannes mit grauem Bart, wie ich sie aus Kerman kenne, zum Beispiel vom Teehaus Tchaikhane Djameh Djam.

Adresse: Danziger Str. 14, 20099 Hamburg, Tel.: 040-244552 oder 0176-61867763, Homepage

Molana Restaurant_Hamburg © Ekkehart Schmidt

Eine Mercimek Çorba in Hamburg

Wohl für die meisten Vegetarier und Veganer ist es die Horrorvorstellung par excellence, einen Döner-Imbiss zu betreten. Wahrscheinlich haben sie aber noch nie eine türkische Linsensuppe (Mercimek Çorba) probiert, die es in vielen dieser Imbisse gibt. Zum Beispiel eingangs des Viertels St. Georg am Steindamm, in unmittelbarer Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs.

Der Steindamm war 1539 die erste gepflasterte Straße, die außerhalb der Hamburger Stadtmauern angelegt wurde. Er verband das Steintor der Hamburger Wallanlagen mit dem Lübecker Tor in der Befestigung der Vorstadt St. Georg. Als Teil der Verbindung der Städte Hamburg und Lübeck war es die meistbefahrene Straße der Stadt.

Der Eingangsbereich ist seit der Einstellung der Straßenbahn 1960 verkehrsberuhigt worden. Es heisst, damals habe dieser Teil des Steindammes durchaus noch „bürgerliches“ Gepräge. Dann erfolgte – zunächst diskret – die Ausweitung des Vergnügungsbetriebes im Inneren des Stadtteils  in Richtung Hauptbahnhof. Heute ist der Bereich einerseits stark türkisch-muslimisch geprägt. Hier finden sich Dutzende türkische, persische, afghanische, indische und neuerdings auch syrische Restaurants, ferner Geschäfte und Moscheen. Andererseits ist schon die Parallelstrasse nördlich stark von Sexshops und Prostitution beeinflusst.  (Quelle dieser Angaben: Wikipedia)

Den nach der Stadt „Gaziantep“ benannten Döner-Imbiss („Kebap Salonu“) gibt es mindestens seit einem Jahrzehnt. Es ist anzunehmen, dass der Inhaber aus dieser Stadt im Südosten der Türkei stammt. Die beiden anderen Städtenamen auf dem Schild – Adana und Urfa – bezeichnen dagegen spezifische Kebab-Zubereitungsweisen. Von außen sieht das Lokal nicht wirklich einladend aus – vor allem im Vergleich zu den zunehmend edel aufgemachten türkischen Restaurants am Steindamm, die ein deutliches Zeichen ökonomischen Erfolgs und gestiegenen Selbstvertrauens von Zuwanderern aus der Türkei signalisieren. 2008 nannte sich auch dieses Lokal noch „Grillhaus“. Heute behauptet man, in der bereits dritten Variante des Ladenschilds, leider mit Tippfehler, Spezialitäten zu bieten. Auch innen ist es nicht besonders gemütlich, halbwegs nett sitzen kann man nur vor der Tür. Aber es ist ausreichend sauber und man wird schnell, wenn auch sehr geschäftig, bedient.

Eine Mercimek Çorba in Hamburg © Ekkehart Schmidt

Eine Mercimek Çorba in Hamburg © Ekkehart Schmidt

Eine Mercimek Çorba in Hamburg © Ekkehart Schmidt

Ich hatte vor zwei Wochen etwas mehr als eine Viertelstunde Zeit, ehe ich zu meinem Zug musste – und habe die Çorba sehr genossen. Vor allem erinnerte ich mich an unzählige Suppen, die ich in Studentenzeiten bei einer Radtour durch das Land gegessen habe. Satt wurde ich durch das Brot… Wer sich einmal zuhause an einer solchen Suppe probieren möchte, findet online viele Rezepte.

Adresse: Steindamm 3, 20099 Hamburg, Tel.: 040-28 051 966

Eine Mercimek Çorba in Hamburg © Ekkehart Schmidt