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Warndtschenke_Dorf im Warndt

Wem der „Warndt“ als ausgedehntem Waldgebiet an der deutsch-französischen Grenze ebenso ein Begriff ist, wie die Kulturlandschaft des „Bliesgaus“, der verbindet mit dem Namen „Warndtschenke“ für ein Lokal die Vorstellung einer Ausflugsgastwirtschaft, in die man müde und doch innerlich erfrischt nach längerer Wanderung einkehrt und sich mit einem kalten Getränk und/ oder einer leckeren, deftigen Speise belohnen kann.

Das war einmal. „Heute fahren die Leute doch mit dem Auto zum Parkplatz am Wald und steigen danach wieder ein“, sagt die Inhaberin der seit 1927 bestehenden Bäckerei und Konditorei „Adolphs Brotladen„, in der ich Anfang April mitten in Coronazeiten als Erfrischung nach längerer Radelei tatsächlich einen Kaffee und eine wunderbar fluffige Nussecke bekam – neben einem freundlichen Gespräch. Der „aus gegebenem Anlass“ geschlossenen „Warndtschenke“ gehe es auch sonst nicht so gut, wie ich nach Ansicht des ungewöhnlich schönen Lokals kurz zuvor vermutet hatte. Da sei an Wochenenden nicht unbedingt der Bär los.

Bevor ich aber schnaufend hier oben auf dem Berg ankam, war mit ein anderes Lokal gleichen Namens in Klarenthal begegnet, das allerdings seit langem „tot“ zu sein schien. Aber ich verstand, dass man damals – wohl vor allem als Städter aus Völklingen oder Saarbrücken – durchaus von weit her losgewandert ist, um die Natur zu erleben. Per Bus kommend…

Warndtschenke_Klarenthal © Ekkehart Schmidt

Warndtschenke_Klarenthal © Ekkehart Schmidt

Die Warndtschenke im gut 5 km entfernten Dorf im Warndt wirkte ganz anders als dieses Lokal an einer Kreuzung: Ein schöner Fachwerk-Holzbau unter einem prachtvollen Baum mit Biergarten vor der Tür.

Ich kann nicht viel zum tatsächlichen Leben des Lokals sagen, außer dem, was ich auf deren Facebookseite fand: Es werden viele Veranstaltungen, vom Rockkonzert über Ballermannnpartys bis zum Oktoberfest geboten. um über das lokale vielleicht auch ein überregionales Publikum anzuziehen.

Warndtschenke_Dorf im Warndt © Ekkehart Schmidt

Warndtschenke_Dorf im Warndt © Ekkehart Schmidt

Warndtschenke_Dorf im Warndt © Ekkehart Schmidt

Warndtschenke_Dorf im Warndt (c) Ekkehart Schmidt

Ich wünsche ihm aber bessere Zeiten, weil ich schon lange solche saarländischen Lokale suche, die ein Ziel einer Radtour oder Wanderung sind, ein Ort zur Belohnung. Das Stuhlsatzenhaus an der Uni, als Archetyp  meiner durch die Forsbacher Mühle in der Jugendzeit geprägten Vorstellung, wurde 2019 abgerissen. Ähnliche Lokale fand ich nur mit der Ecluse an der Saar, dem Woll auf den Spicherer Höhen, der Hofkneipe vom Nußweiler Hof oder dem Ponsheimer Hof im Bliesgau.

Die Warndtschenke hat mindestens 60 Jahre auf dem Buckel (1963 wurde dort der Karnevalsverein „Die Warndtkater“ gegründet), wahrscheinlich ist sie viel älter und sicher gibt es unendlich viele weitere Geschichten lokaler Ereignisse, die hier stattfanden, wie auch unzählige Ausflugs-Anekdoten, von denen ich keine Ahnung habe. Aber ich komme wieder und werde nachfragen. Irgendwann, nach Corona.

Adresse: Gartenstr. 1 · 66352 Großrosseln, Tel.: 06809-7240, Facebookseite

Warndtschenke_Dorf im Warndt © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal

Teil 1 meiner Kneipenrecherche rund um Saarbrücken (Saarbrücker Hefte 120, S. 73-80) beendete ich in Burbach mit einem schlimmen Fauxpas: „Von hier über Luisenthal bis Völklingen hat keine weitere Kneipe mehr überlebt.“ Ich schrieb das, weil ich eben nie mit entsprechend offenen Augen durch diesen alten Industriestandort gefahren bin, dessen Umrisse einem diffus bleiben, weil man von Burbach über Rockershausen die Saar entlang in Richtung Völklingen den Eindruck hat, durch ein endloses Straßendorf zu fahren, in dem die Strukturkrise so böse zugeschlagen hat, dass es fast nur noch Leerstand gibt. Aber eben nicht im Luisenthaler Ortskern.

Auf der Straße, deren Namen von Luisenthaler Straße über Provinzialstraße zur Straße des 13. Januar wechselt, bin ich höchstens zwei Mal in 25 Jahren Saarland geradelt und hatte hier offenbar keinen Blick für die letzten offenen Lokale. Im Zug sitzend kam ich hier hunderte Male vorbei, aber von den Gleisen aus sieht man vom Ort nur Bahnhofsgraffitis und einen vor allem abends beeindruckenden Förderturm:

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Lässt man diesen Turm auf sich wirken und stellt sich vor, wie tief dort der Schacht in die Erde geht und wie weit verzweigt sich von da die Stollen ausbreiten, in welche die Bergleute von hier einfuhren, lohnt es, über den Begriff des „Kumpels“ nachzudenken. Ein Kumpel ist viel mehr als ein Kollege. Er steht einem nicht so nahe, wie ein Bruder, aber unter Tage in der Tiefe lernt man sich doch ähnlich kennen und weiß, dass man voneinander abhängig ist, falls …

Ich stieg hier am 5. und 10. Januar erstmals aus und entdeckte die noch erstaunlich lebendigen Rudimente einer einstmals viel lebendigeren Kneipenwelt. Seit der Beendigung der 1820 begonnenen Kohleförderung am 17. Juni 2005 hatte sich diese natürlich mangels Kunden stark reduziert. Aber ich fand neben der Kneipe „Zum Kumpel“ noch ein halbes Dutzend andere geöffnete Betriebe. Das ist viel!

Dann kam ich am 7. Februar noch einmal hier vorbei, als des Grubenunglücks vor 58 Jahren gedacht wurde. 1962 waren beim schwersten Grubenunglück der Geschichte der Bundesrepublik 299 Bergleute ums Leben gekommen. Zur Kranzniederlegung am Barbara-Denkmal zwischen Eisenbahn und Grube kam ich zu spät. Es lagen Kränze, aber es war niemand mehr da – bis auf einen Franzosen, der früher auch in der Grube geschafft hat. Ich traf ihn später um 10 Uhr in der Pfarrkirche Christkönig zum Gedenkgottesdienst wieder (schlechte Smartphone-Fotos, weil die Batterie meiner Kamera den Geist aufgab). Es war sehr bewegend.

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

An diesem Tag konnte ich nicht noch einmal in’s Lokal gehen – und dann kam Corona. So bleiben nur die Eindrücke vom 10. Januar abends. Tagsüber ist hier noch der Imbiss von Bedeutung. Jetzt waren die Bratplatten kalt.

Zum Kumpel_Luisenthal (c) Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Man beachte neben den Aushängen die Triitstufen – wie beim Original der ersten Eis-„Dielen“ vor 70 Jahren, als noch aus Privatwohnungen italienischer Einwanderer Eis verkauft wurde, ehe die ersten Eiscafés entstanden.

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Hinein also! Wie immer war ein wenig Mut nötig und ich tat wie gewohnt ganz selbstverständlich, setzte mich intuitiv erstmal ins Hinterzimmer, die neugierigen Blicke der Stammkundschaft spürend – um mich später langsam vorzutasten und in Kontakt zu treten (den dort beim Bier stehenden ehemaligen Kumpel ging es angesichts des Fremden wohl ebenso).

Es dauerte, bis die Wirtin kam und ich meine Bestellung abgeben konnte – natürlich als „running gag“ wieder einen Espresso, statt eines Bieres. Aber dazu eine Roschdwurst (oder was grad da ist). Im Gefühl, hier wirklich fremd zu sein, wenn zwar kein Eindringling, so doch jemand aus einer anderen Welt. Welterfahrener Akademiker trifft auf ortsverbundene Arbeiter… Espresso auf Rostwurst. Dieses Mir-bewusst-werden hinderte mich freilich nicht daran, die Situation als einzigem Gast hinten im Gesellschaftsraum sofort zu nutzen, um heimlich Fotos en gros und en détail zu machen: Da lernte ich die Stammkundschaft schon einmal etwas kennen, von der heute ein Dutzend anwesend war.

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

 

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Ich studierte die Karte und die Aushänge; Montag bis Freitag gibt es ein mit 6,90 Euro tatsächlich „preiswertes Stammessen“. Diese Woche: Montag „Tortellini alla Panna Salat“, Dienstag „Kotelett, Püree, Gemüse“, Mittwoch „Bologneseschnitzel, Pommes, Salat“, Donnerstag „Wurstsalat, Bratkartoffeln“, Freitag „Spinat, Püree, Spiegelei“ und schließlich Samstag „Suppe“. Zusätzlich bietet die Karte (unterstrichen durch eigene Aushänge) zur Zeit Muscheln, sonst auch Heringe mit Pellkartoffeln. Dann wagte ich mich nach vorne. Erstmal ein wenig zuhörend, dann an den Stammtisch tretend.

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

„Jetz awwa hemm – nich in die nächste Kneipe!“, verabschiedete grad einer den anderen. „Froet Neijahr“ – die Antwort. Ein anderer erzählte grad: „der modernste Schrottplatz in ganz Deutschland… an der Pottaschdell — alles gut versiegelt, der Bodden mit Betong, mit Tanks drin…“ Die Gesprächsthemen drehen sich um Luisenthal. Ich bin dann einfach schnurstracks auf die Wirtin zu, fragte meine Fragen und lernte: Der „Kumpel“ entstand 1987, seit 1989 ist Karin Jochum Inhaberin.

Vorher befand sich im Haus eine Drogerie, von der noch ein als Büffet genutzter hoher Schrank mit vielen Kästchen und Schubläden hinter der Theke zeugt. Es kostete etwas Überwindung, zu fragen, ob ich diese Besonderheit zwischen den Gästen durch fotografieren dürfe (weil noch niemand mitbekommen hatte, dass ich hier mit Kamera unterwegs bin). Ja, OK.

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Der „Kumpel“ ist geöffnet von 10 bi1 1 Uhr, er bietet neben Speisen und Getränken ein Sparkästchen, eine elektronische Dartscheibe und einen großen Flachbildschirm im Hinterzimmer. Es läuft Musik für Ü50: zum Beispiel U2 „I still haven’t found what I’m looking for“ und „Waltzing Mathilde“ von Tom Waits.

Ich unterbrach das Gespräch am Stehtisch und fragte nach alten, ehemaligen Kneipen hier – und sie gingen sofort drauf ein, zählten akribisch, von der Ortsgrenze nach Burbach nordwärts abzählend: „Pottascchdelle“/ Stutz Talstraße, Knopp (nee, schon auf Saarbrigger Bann), „Peifersch Eck“, Zum Löwen (genannt „Café Scheißdreck“), „Zum Kumpel“, „Gehl Pit“ bzw. „Saarfürst Eck“ (heute ein Etablissement), „Korn“ (neben dem Puff, jetzt „Istanbul“ – Photo unten), von da in Richtung Brücke/ dahinter „Dorfkrug“ (es gibt noch einen „Dorfkrug“ in Klarenthal, der bis heute existiert), mit dazu gehörte jenseits der Brücke die „Stangenmühle“, aber das liegt ja schon in Fenne. Weiter an der Hauptstraße in Richtung Völklingen (?) das „Bitto“ (heute ein Kebab), am Stahldrahtwerk das „Gasthaus Flesch“ (oder Fläsch? aber jedenfalls nicht „Flash“) – da war mittags und abends alles voll,  „Keller“ auch noch… Ich konnte sie nicht mehr bremsen, hatte Schwierigkeiten, die längst verblichenen Kneipen zu notieren.

gegenüber Kraftwerk, jetzt zu Saarberg gehörig - "Da wurde in den 1960ern ein Tatort gedreht, mit Walter Giller".

Ich fragte dann noch nach dem massiven Gebäude gegenüber: das Kraftwerk, jetzt zu Saarberg gehörig – „Da wurde in den 1960ern ein Tatort gedreht, mit Walter Giller“. Und lernte noch, dass es am Bahnhof eine „Bahnhofswirtschaft“ gab (auch „Beim Bimbo“ genannt) und gegenüber der „D-Zug“ (oder „Shanghai“), in dem sich jetzt die Moschee befindet. Schließlich habe es auf dem Grubengelände ganz oben noch das „Schlosssbräu“ und/ oder „Schacht 4“ befunden. Außerdem am Friedhof „Brille“ und der Kiosk „Turnerheim“. Kurz gesagt: Von zwei Dutzend Kneipen alten Stils hat nur der „Kumpel“ überlebt. Nicht zu vergessen neun Kneipen allein am Jenneweg in am Bann nach Burbach/ Malstatt.

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Ich verliess die Kneipe wie einen Monat später den Gottesdienst: dankbar für intensive Eindrücke. Beim anschliessenden „besinnlichen Zusammensein“ in der Kulturhalle nahm ich nicht mehr teil, sondern radelte über die Brücke auf die andere Saarseite, um weitere Kneipen zu entdecken. Beide Male war mir noch klar, dass ich bald für ein drittes Mal zurück kommen würde. Corona verhinderte das dann.

Adresse: Straße des 13. Januar 251, 66333 Völklingen, Tel.: 06898-82475

Zum Kumpel_Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Beim Helen_Völklingen

Helen Bastuck habe ich bislang noch nicht kennen gelernt. Sie könnte mir sicher einiges erzählen: Wie sie vor gut 40 Jahren in der Gastronomie anfing und in der unteren Wilhelmstraße (heute Rathausstraße) in Bahnhofsnähe ein Lokal namens „Park Express“ betrieb, dann aber 1986 umziehen musste, weil die ganze Häuserzeile dem Bau des „Globus“ zum Opfer fiel. Aber die Kellnerin, die mir an einem Sonntag im Dezember die Geschichte des Lokals erzählte, kannte für’s erste genügend Details.

Wo heute „Beim Helen“ ist, sei früher ein Schmuckgeschäft gewesen, das versteigert werden sollte. Helen Bastuck habe davon gehört, es schnell vorab gekauft, ihre Kneipe hierher umgezogen und mit neuem Namen betrieben. So habe sie es gehört, schränkte die Kellnerin ein, und erklärte, dass sie auch erst zehn Jahre hier arbeite und im Übrigen aus Wadern sei – also nicht ganz mit der Völklinger Kneipengeschichte vertraut. Und die ist wirklich sehr speziell und bietet legendäre Geschichten.

Als Helen Bastuck in der Gastronomie anfing, hatten schon die Jahre der Stahlkrise begonnen, die in der Schließung der alten Hütte endeten. Es dauerte noch ein Jahrzehnt, ehe Ideen zu ihrem Erhalt auf wachsende Zustimmung stießen und umgesetzt wurden, sowie ein weiteres Jahrzehnt, bis sie zum „Weltkulturerbe“ ernannt wurde. „Alles kaputt gemacht“, also Geschäftsaufgaben und das heutige triste Bild von Leerstand allerorten produziert, habe aber vor allem der Bau des „Globus“, erzählt mir die frühere Inhaberin des „Kobi“. Auch die Kneipenszenerie starb – durch den doppelten Effekt von Hüttenschliessung und Abriss einer ganzen Häuserzeile in der Rathausstraße für den Neubau und eine Schnellstraße – sehr schnell.

Beim Helen_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Beim Helen_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Beim Helen_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Hier am Südende der Poststraße, etwas am Rande dieser Szenerie von einerseits geschlossenen Werkstoren und andererseits verödender Innenstadt,  ist „Beim Helen“ heute die einzige verbliebene Kneipe.

An den Wänden hängen vergilbte Bilder und Poster von Elvis Presley und Marilyn Monroe (beide mehrfach), James Dean, Audrey Hepburn und Charlie Chaplin – wohl die Helden der Jugend von Helen Bastuck und vielen Gästen. Dazu zwei typisch kitschige Paris-Drucke mit den Motiven Montmartre und Eiffelturm, sowie ein Schwarz-Weiss Kalender von Würth, der tätowierte Männer mit nacktem Oberkörper zeigt. Es läuft erst „Jeans on“, der 1977 erschienene einzige Hit von David Dundas, dann ein mir unbekannter Schlager: „Dein Schweigen ist schuld daran, dass ich dich nicht mehr lieben kann“.

Beim Helen_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Beim Helen_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Neben Bier bietet das Lokal auch Hochprozentiges wie Ouzo. Ich nehme aber ein grosses Glas Bitter Lemon für 2 Euro. An diesem tristen Sonntag-Nachmittag mit Schneeregen sitzen zehn Männer rund um die beeindruckende füllig bestückte Theke (Foto auf der Facebook-Seite). Acht unterhalten sich in drei Gruppen, einer schläft und einer spielt an einem der drei Spielautomaten. Seit einem Monat sind eigentlich nur noch zwei erlaubt. Aber wen interessiert das? Das Rauchverbot gilt immerhin bald auch schon seit zehn Jahren…

Beim Helen_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Ich bin leider in den nächsten Wochen nicht hierher zurück gekehrt, weil ich mich auf Kneipensuche nach Wehrden, Geislautern und den Warndt begab. Bis Covid-19 zuschlug und weitere Vor-Ort-Recherchen erstmal unterbunden wurden. Ein erster Versuch also, das Lokal richtig einzuordnen.

Beim Helen_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Beim Helen_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Es gelang mir vor allem noch nicht, die damalige Szenerie gut genug zu recherchieren, als zum Schichtende tausende Männer gleichzeitig ihre (aber welche?) Kneipen ansteuerten, wo sie reihenweise vorgezapftes Bier vorfanden. Die Frage ist ja, ob „Zum Helen“ das einzige verbliebene Relikt dieser Zeit ist oder erst danach aufmachte und eine andere Rolle einnahm. Zu den Hochzeiten der Stadt, als die Hütte Reichtum brachte, gab es hier nahebei ein Theater, an dass sich viele stolz zurück erinnern. Da seien Marlene Dietrich und Zarah Leander aufgetreten. „Und der Hitler war ja damals auch hier“.

Aus den Jahren vor und zwischen den Weltkriegen werde ich mir noch mühsam Infos zusammen tragen müssen. Auf der Homepage der Stadt fand ich zum Beispiel Infos zum Haus Moltkestraße 9, in dessen Erdgeschoss sich 1910 die Gastwirtschaft Völklinger Hof befand. Im 1. Obergeschoß gab es einen Saal, in dem Veranstaltungen verschiedener Art abgehalten wurden. An der Front prangte die Schrift „Konzerthaus – Glück auf“, so dass angenommen werden kann, dass hier damals Konzerte abgehalten und Theater gespielt wurde. Mit breitem Eingang und über eine breite Treppe gelangte man in den Saal im Obergeschoß. In diesem Haus baute Sebastian Theis im Jahr 1910 als Pächter und als Konkurrenz zu den damals üblichen Wanderkinos, ein feststehendes Kino ein.

An dieser Zeit werde ich noch arbeiten müssen. Ein Text des Völklinger Stadtarchivs erinnert mich aber an meine Ankunft im Saarland Mitte der 1990er-Jahre, als ich Völklingen und die Arbeiterkultur der Stadt fasziniert zu entdecken begann:

„Alles still, alles tot“ titelte ein Artikel der ‚Zeit‘ vom März 1985 und zitiert damit den örtlichen Pressereferenten: ‚Die Kneipen wo das Bier bei Schichtwechsel vom Lastwagen floß – alles still, alles tot‘. Im ‚Rippches Eck‘, kostete das Bier damals 1,20 Mark aber das legendäre Schanklokal gleich am Bahnhof war gähnend leer. Das Sterben des einstmals quirligen Kneipenquartiers hatte schon Jahre zuvor mit der Umsetzung der ersten Sozialpläne begonnen, in stillschweigender Scham überließen die entlassenen Kollegen ihre Stammplätze an den Tresen den verbliebenen Männern in Lohn und Brot.“

Diesen ungewöhnlich einfühlsamen, sowohl soziologisch-psychologisch, wie auch stadtgeographisch fundierten Text, hatte ich damals gelesen. Ich zitiere weiter:

„Als in den 70er`n der Bau der Südtangente das empfindliche städtebauliche ‚Bindegewebe‘ am Übergang von Stadtareal und Hüttenquartier wie eine Riesensichel aus Beton durchtrennte, war das Schicksal des ungeliebten Völklinger ‚Kiez‘ faktisch besiegelt. Das deftige aber respektable Quartier wirkte auf den Betrachter bereits wie im Todeskampf. Abgeschlagene Balkone und zugemauerte Portale, die vom rieselnden Sinterstaub verfärbten Fassaden wirken nicht länger stolz ‚patiniert‘, sondern schlicht heruntergekommen. Es schloss sich ein 100jähriger Kreislauf wechselseitiger Abhängigkeiten.

Der eisenschaffende ‚Organismus‘ der Hütte, ein Mensch und Materie ebenso ansaugendes- wie ausspuckendes Monstrum, hatte sich um die Jahrhundertwende, vor den Werkstoren ein gleichsam pumpendes ‚Organ‘ erschaffen, irgendwo zwischen Herz und Lunge der lebendigen Menschen angesiedelt, die rhythmisch durch die Werkstore hinein- und herausströmten. Der ‚Schichtwechsel‘, ein eiserner Taktstock, der eigentlich das Leben der Hüttenfamilien strukturieren sollte, versorgte auch das zugehörige Kneipenquartier wie ein seltsames, steht´s dienstbereites Organ mit ‚Leben‘, will sagen mit Menschen und Moneten. Die Hütte spülte Kaufkraft in die Wilhelmstraße (heute Rathausstraße).

Hinter den adretten, eben wilhelminischen Prachtfassaden pulste eine Arterie des Wohlstands, die allerlei, zumeist unschuldige Genüsse bereithielt. Sie schien in das Herz der Wohnstadt zu führen, niemand wollte wahrhaben, das s i e das eigentliche, das schlagende ‚Herz‘ Völklingens war, denn Verwaltung und nachgeordnete Wohnquartiere ergeben kein funktionierendes Ganzes.

Ein wenig Kiez, ein wenig Vampir, aber überwiegend ein geradezu gutbürgerlich anmutendes Ambiente, bildeten Hütte und Kneipenquartier ein siamesisches Zwillingspärchen, dem freilich auch die Tragik einer solchen Verbindung innewohnte. In dem Maße wie dem Monstrum die Kräfte schwanden, erstickte die, nach der Mitte der 70er Jahre in rund zehnjähriger Agonie dahinsiechende Hütte, folgerichtig das Leben ihres ‚Zwillings‘. Der dreckige, bescheidene, fröhlich–fette Wohlstand mit seiner einzigartigen Infrastruktur von Kneipen, Bedarfsartikeln und Luxusgütern wich einem Milieu von Spelunken und ‚Ramschläden‘. In den heruntergekommenen Fassaden der Gründerzeit ersetzten düstere Durchschlupfe roh vermauerte einstmalige Prachtportale, die in ihren besseren Zeiten ungezählte durstige Männer in Filzhut und Gabardinemänteln vor dem rieselnden Sinterstaub der Straße schützten und ein schnelles Bier offerierten, bevor die wartenden Busse vorfuhren.“

Der Autor nennt noch „Rippches Eck“, als erste Anlaufstelle am Torhaus 6 (nahe „Beim Helen“ ist Torhaus 2). Die Kneipe sei eine Zeitreise in Sachen Fassadengestaltung, Fensterbrüstungen und Sandsteinornamente seien dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen, die „Denkmalwürdigkeit“ der Lokalität leider auch… Der Text schließt mit der Erkenntnis:

„Als das Eisenwerk starb, konzentrierte sich das gesamte Interesse der sensibilisierten Kultureliten auf den Erhalt des toten Walgerippes, eindrucksvoll genug und ein knappes Jahrzehnt später sogar Weltkulturerbe.“ 

Das Arbeiterleben rundum, vor allem sein Ausdruck in den gelebten Gewohnheiten der Kneipen, interessierte niemanden mehr. Dabei war das doch das eigentlich wichtige. 2020 fand ich neben „Beim Helen“ noch das umgewandelte Lokal „Serhad Toprak“ den „Hüttenkeller“ unter den Arkaden, Kobi am Markt, das Karlsberg Eck in der oberen Poststraße/ Ecke Kreppstraße, das Bistro 06 (u.a. Ort der MV des SV Röchling Völklingen 2019), die ebenfalls umgewandelte „Bar Italia“ und am Bahnhof das türkisch geführte „Gleis 13“ mit einem Imbiss davor.

Und einige neue Lokale mehr, aber für heute bin ich müde. Das trage ich ein andernmal nach.

Adresse: Poststr. 2 , 66333 Völklingen, Tel.: 06898-4961023

Beim Helen_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Bar Italia_Völklingen

Neben Türken und Kurden haben auch Italiener nach einem halben Jahrhundert der Einwanderung in Völklingen ihre eigene Kneipenlandschaft aufgebaut. Diese Lokale finden sich immer in aufgegebenen Gaststätten mit dominant „deutscher“ Industriearbeitertradition. Meist wurde die Inneneinrichtung weitgehend beibehalten, während das Angebot an Getränken und – seltener – auch Speisen angepasst wurde. Ich habe hier mit dem kurdischen „Serhad Toprak“ und den türkischen Lokalen ‚“Saar-Stube“, „Brücken-Schenke/ Bingöl Grill“, dem „Bistro Gleis 13“ sowie dem „Café Karadeniz“ schon einige prägnante Beispiele gefunden. Umso schöner, am 5. Januar eine italienische Variante zu finden, also nicht neben Pizzerien und Eiscafés auch eine „Bar Italia“.

Der Begriff „Bar“ hat in italienischer Gaststättentradition nichts  rotlichtiges und eine Bar ist auch nicht nur spät abends geöffnet. Den Begriff sollte man eher mit „Espresso-Bar“ und Tagesgeschäft assoziieren. Dieses Lokal in der Moltkestraße am kleinen Platz neben der Evangelischen Versöhnungskirche hat sicher eine alte Geschichte.

Bar Italia_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Bar Italia_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Bar Italia_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Für einen Fremden wie mich wirkte die Bar äußerlich zunächst eher wie ein Lokal für Insider, nicht wirklich offen für Laufkundschaft, wenngleich man sich mit lockenden Angeboten, auf die Fenster appliziert, durchaus Mühe gemacht hat, einladend zu wirken.

Bar Italia_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Irgendwie bedurfte es doch etwas Mut und Abenteuergeist (in meinem Fall vor allem schlicht der Wille zur gründlichen Recherche der Kneipenlandschaft der schwer vom Strukturwandel getroffenen Stadt), hier einzutreten. Die ehedem sicher vorherrschende deutsche Gemütlichkeit ist verloren gegangen, zugunsten einer italienisch-pragmatischen Einrichtung. Denn was zählt ist die Qualität der Getränke und das Gespräch mit dem Wirt.

Bar Italia_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Bar Italia_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Bar Italia_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Ich traute mich hier kaum, heimlich Fotos zu machen. Wie hätte ich das erklären sollen?Aber natürlich musste ich: Gerade, weil sich die meisten Gäste im Nebenraum rechter Hand aufhielten, der völlig dunkel war. Hinter einer großen weißen Ampore leuchten die Anzeigen von zwei Spiel- und einem Zigarettenautomaten. Die Dartsscheibe links war dagegen ausgeschaltet. Plötzlich klimpert es anhaltend: Einer der Spieler, beobachtet von zwei anderen, hatte etwas gewonnen, nahm sich die Münzen und dann gingen plötzlich alle für eine Zigarette nach draußen. Obwohl ja das Rauchen hier ganz offensichtlich…

Bar Italia_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Erwähnenswert noch ein Gummibaum. Und, dass der Wirt den Weihnachtsschmuck noch nicht abgenommen hatte. Die relativ alte Theke war nüchtern bestückt, schön in Patina die Tische und Stühle. Es wurde ganz klar eine alte Kneipe übernommen (welche, bleibt noch eine Recherche-Aufgabe), ohne sich viel Mühe für eine Umgestaltung zu machen, Warum auch? als besonders schön authentisch empfand ich die Klotür:

Bar Italia_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Bar Italia_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Jeder Kratzer mit eigener Geschichte, vielleicht jahrzehntealt (und wer weiß, wie sich die Story des Lokals fortschreibt). Aktuell lief ein italienischer Sender mit Musikvideos. Und auch die Besucher schienen überwiegend italienischer Herkunft zu sein. Aber eben nicht nur. Dies hier war ein spannender Zwischenraum zwischen Völklingen und Mailand, Rom oder einer kalabrischen Dorfbar, Man ist nicht (mehr) wirklich hier und doch noch nicht ganz dort. Halt dazwischen. Ziemlich traurig, aber auch etwas Trost spendend. „Ciao Ragazza“, verabschiedete sich einer und ich sagte dann auch bald „Tschüß“.

Adresse: Moltkestraße, 66333 Völklingen

Bar Italia_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Zur Burgschänke_Frauenberg

Das sah erstmal gar nicht viel versprechend aus: eine ziemlich verbaute Landschaft.

Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Aber die Mutter meiner Jüngsten wusste, warum sie vor zwei Wochen einen Ausflug nach Frauenberg an der Nahe, vor allem aber zur dort hinter der Schnellstraße versteckten Frauenburg vorgeschlagen hatte. Wir blieben in der ersten Corona-Krisen-Woche die einzigen, die den Reichenbach hoch wanderten, die Burg erklommen und uns an vermoosten Wegen und Bächen erfreuten.

Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Dann kamen die zwei markanten, ungewöhnlich eng beieinander stehenden Türme der Anfang des 14. Jahrhunderts erbauten Frauenburg in Sicht. Ihre Geschichte ist ungewöhnlich und hat viel mit einer starken Frauenpersönlichkeit zu tun: Gräfin Loretta von Sponheim-Starkenburg.

Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Die Wege sind gut mit Erklärungsschildern ausgestattet worden. Wir lernten, dass unterhalb der Burg ab 1330 ein Ort namens Tal Frauenberg bestand, der durch ein Hochwasser 1761 zerstört und nie wieder aufgebaut wurde. Und lasen erstaunt, neben der Erklärung des Konflikts von Loretta mit Kaiser und Papst, es gäbe die Vermutung, der kleinere der Türme könnte mit dem Märchen von Rapunzel in Verbindung gebracht werden. Hmm? Das wird noch von manch anderem Turm behauptet.

Zur Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Am 30. August 2015 wurde die Burgruine nach zweijährigen Renovierungsarbeiten  mit einem kleinen Fest wieder eröffnet. Eine Weile wirkte der Bau etwas künstlich, aber die Natur tut ihr Werk, ihn wieder zu integrieren. Nur diese Schnellstraßenbrücken… – es sind zwei!

Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Jenseits der Brücke, unter der die Kinder lange am Bach spielten, stand ein altes Lokal, das ich kurz inspizierte: die Gaststätte „Zur Burgschänke“. Sie wirkte intakt, als wäre nichts. Zu gerne hätten wir hier jetzt – durchgefroren – zwei Kakao, einen Tee und einen Espresso bestellt.

Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Zur Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Zur Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Zur Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Zur Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Ausgerechnet in der Zeit der vollendeten Sanierung der Burg und damit der Hoffnung auf viele Wanderer und also auch Gäste, hatten die Wirts- und Eheleute Burkard Bausch und Susanne Kullmann-Bausch ihr Lokal Ende Juni 2015 zu schließen bzw. mit der Burgschänke umzuziehen, wie die Nahe-Zeitung schrieb. Wohin genau, konnte ich nicht herausfinden. Seitdem scheint sie nur noch von einem Chor genutzt zu werden.

Ein letztes Lebenszeichen erreichte mich virtuell vom April 2015, als eine Petra O. unter dem schönen Titel „Der Wirt ist das Ziel“ auf gastroguide.de wohlwollend einen Besuch beschrieb und dabei die freundliche Wirtin hervorhob. Schade – genau jetzt wäre sie nicht nur als Dorf- und Ausflugsgaststätte, sondern auch als Etappenstation eine Bereicherung für Wanderer gewesen. Jetzt bleibt hier nur noch die Gaststätte „Sonnenberg“ im gleichnamigen Dorf, oben auf der anderen Seite des Flusses.

Aber die Burgschänke lebt wohl zumindest gelegentlich wieder auf, wenn hier gesungen wird. Gezapft wird dann kein Kirner Pils mehr. Aber wahrscheinlich wird der Kühlschrank immer neu angeschlossen und mit Flaschen bestückt, während sich der Chorleiter an seine E-Orgel setzt und zwei Dutzend Handwerker zu singen beginnt.

Zur Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Zur Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Zur Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Der Handwerker-Chor Kreis Birkenfeld e.V. ist wohl tatsächlich eine Besonderheit in der Chorlandschaft von Rheinland-Pfalz. Er rekrutiert sich nahezu ausnahmslos aus Handwerksmeistern, die sich aus Freude am Gesang zusammen gefunden haben. Er besteht etwa seit 2000 und wird von Friedel Schmidt geleitet. Auf der Facebook-Seite dieser Gemeinschaft singender Handwerker fand ich ein Foto eines Auftritts von 2016:

Handwerker-Chor Kreis Birkenfeld

Adresse: Bahnhofstr. 1, 55776 Frauenberg

Verwendete Quellen: burgen.de: Frauenburg; Wikipedia-Artikel „Burg Frauenburg (Frauenberg, Nahe)

Zur Burgschänke_Frauenberg © Ekkehart Schmidt

Zum Krokodil_Dudweiler

Krokodile im Saarland? Das erste Mal außerhalb des Saarbrücker Zoos, in dem es streng genommen nur Alligatoren gibt, begegnete mir eins am 15. August 2019 am Markt in Dudweiler. Damals freute ich mich einfach nur über diesen Fund einer offenbar geschlossenen Gastwirtschaft mit originellem Namen. Nachdem ich dann im Januar 2020 ein gleichnamiges Lokal in Gersweiler entdeckte, habe ich mich zurück erinnert. Kann das ein Zufall sein?

Zum Krokodil_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Zum Krokodil_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Zum Krokodil_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Beim Pendant in Gersweiler gibt es die Erklärung eines gleichnamigen Kinos im Hinterhaus und eines ausgestopften Alligators (jaja) über der Theke, die jetzt nur noch Tresen eines Getränkemarktes ist. Aber hier?

Neben dem Rathaus gelegen, ist es sicherlich eine der ältesten Gaststätten des Ortes. Sie existiert unter dem Namen mindesten seit den 1980er-Jahren, hat aber online kaum Spuren hinterlassen. So ist es für mich schwierig, einzuordnen. Vor 7 Jahren beschrieb „oberzupp“ das Lokal in einer Online-Bewertung bei golocal wie folgt:

„Das Krokodil liegt zentral in Dudweiler gegenüber der Apotheke ¨Klein am Markt¨ nahe des Marktplatzes. Die Gaststätte ist sehr klein und bietet neben den Plätzen am Tresen nur wenige Sitzmöglichkeiten. Da nur spärlich Sonne einfällt, ist es verhältnismäßig dunkel. Wenn ich mich recht erinnere, kann man aus der Entfernung die Toiletten riechen.
Das Bier wird in kleinen Gläsern eingeschenkt, so wie es vor vielen Jahren in Gaststätten üblich war. Der Wirt kompensiert die Eindrücke nicht, sodass ich hier keine Empfehlung aussprechen kann.“ 

Das ist schön plastisch. Wir haben gleich ein bild vor Auge. Ob es korrekt ist? Es scheint aber jedenfalls eine tote Gaststätte zu sein. Schon vor der Corona-Krise. ein untrügliches Zeichen dafür ist die leere Vitrine neben der Tür, in der sich sonst die Getränkekarte befindet.

Adresse: Saarbrücker Str. 236, 66125 Saarbrücken – Dudweiler

Zum Krokodil_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Rosselschänke_Geislautern

Seit über 11 Jahren fahre ich nun werktäglich per Expressbus von Saarbrücken zur Arbeit nach Luxemburg. Es dauerte bis zum 1. November 2017, bis ich einmal schaute, wie’s drunter aussieht. Beeindruckend dieses alte Gasthaus vor der Kulisse des mächtigen Viadukts der A 620. Ich versuchte, den beeindruckenden Anblick in der Abendsonne bestmöglich festzuhalten. Es schien – trotz prachtvoll blühender Petunien an den Fenstern der Gaststube – leer zu stehen. Welche Geschichte es wohl hat?

Rosselschänke_Geislautern

Rosselschänke_Geislautern © Ekkehart Schmidt

Rosselschänke_Geislautern © Ekkehart Schmidt

Rosselschänke_Geislautern © Ekkehart Schmidt

Rosselschänke_Geislautern © Ekkehart Schmidt

Rosselschänke_Geislautern © Ekkehart Schmidt

Eine Pilsstube mit einer noch nicht entfernten Getränkekarte, die zum einen verriet, dass man sich – wie so oft – nicht klar war, ob man nun Schänke oder Schenke schreiben soll, zum anderen, dass das Verhältnis von alkoholischen zu nicht-alkoholischen Getränken 33:9 betrug, darunter bei ersteren sehr viele Varianten von Schnaps, bei letzteren aber zum Beispiel einfach nur „Kaffee“ oder „Tee“, wo sonst auch eher differenziert wird.

Rosselschänke_Geislautern © Ekkehart Schmidt

Rosselschänke_Geislautern © Ekkehart Schmidt

Obwohl ich es mir immer wieder vornahm, dauerte es doch bis zum 1. März 2020, dass ich noch einmal vorbei kam, um genauer nachzuschauen, was es mit dieser und generell mit Gastwirtschaften in Geislautern auf sich hat. Bislang hatte ich als einzigen Bezug zu diesem Vorort von Völklingen eine Freundin, die von hier stammt.

Der Ort mit seinen 3000 Einwohner*innen war zunächst Standort der Warndtförster und dann ab 1572 mit der ältesten Eisenschmelze des Saarlandes und einer Grube ein früher und bedeutender Standort der Montanindustrie im Saarrevier. Aber aus dieser Zeit stammt die Rosselschänke wohl nicht – dafür ist sie zu weit unterhalb am Ortseingang gelegen und findet auch in historischen Sammlungen alter Fotos keine Erwähnung. Wahrscheinlicher ist, dass sie nach dem 2. Weltkrieg entstand und von den Arbeiter*’innen lebte, die zur Völklinger Hütte fuhren und nach Schichtende hier einen in Gemeinschaft zwitscherten.

Im Nachbarhof führte ein Mann eine Besuchergruppe herum: Offenbar Leute, die an einer Mietwohnung im Nachbarhaus interessiert waren. Ich fragte ihn: „Die ist bestimmt schon seit drei Jahren zu“. Mehr hatte er nicht zu sagen. Und anderes fand ich auch nicht heraus. Für Ortsunkundige nur kurz: Der Name nimmt natürlich auf das Flüsschen Rossel Bezug, das von Frankreich kommend (vorbei am Lokal „Rosselbrücke“ in Grosssrosseln) durch den Warndt fliesst, ehe es in Völklingen in die Saar mündet.

Die Rossel war lange Zeit eines der schmutzigsten Gewässer Deutschlands. In ihn mündeten – über Jahrzehnte völlig ungeklärt – die Abwässer der Bergwerke und Kokereien von Forbach und Freyming-Merlebach sowie der Chemieplattform Carling in Carling-Saint-Avold, allesamt auf französischer Seite. Rosselschänke – ein also nicht wirklich romantischer Name, auf sanftes Geplätscher hinter der gemütlichen Stube Bezug nehmend, sondern eher einer von durchaus unpassender Natur. Aber das wird die Gäste über ihrem „Klaren“ nicht irritiert haben.

Rosselschänke_Geislautern © Ekkehart Schmidt

Weiter ging’s nach einem letzten Blick – ich entdeckte die ebenfalls toten Lokale  Geislauterer Hof, Alte Post sowie den Schnellimbiss Schank und kehrte in der überlebenden La Taverna, einem wirklichen Geheimtipp, ein. Es gab also noch so manch anderes spannendes Lokal im Zentrum des Ortes.

Adresse: Ludweilerstr. 23, 66333 Völklingen – Geislautern

Verwendete Quelle: Oberhauser, Fred: Das Saarland, DuMont Kunst-Reiseführer, Köln, 2. Aufl. 1992, S. 165

Rosselschänke_Geislautern © Ekkehart Schmidt