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Mariengrotte_Elsenbergermühle

Solche Orte sind Räume für Menschen, die einsam sind und Trost suchen. Räume, die sie in ihrem Gefühl umhüllen und Geborgenheit bieten. Es gibt auch andere, nicht religiös aufgeladene, wie dieser. Ich hatte in der Verzweiflung des Leistungsdrucks in Abitur- und Examenszeiten einen dicken alten Baum, an den und unter dessen Krone ich mich mit einer Flasche Bier lehnte. Wohl jeder Mensch hat für sich einen solchen Ort gefunden. Und manchmal begegnet man dort anderen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Am 3. November radelten wir von Walhausen zum Bostalsee, querten an der Elsenbergermühle die junge Nahe, dann nahe Neunkirchen/ Nahe eine Hauptstraße, ehe wir hinter dem Lokal „Römerhof“ das riesige Freizeitgelände am See erreichten. Vorher aber wurde uns klar, wie einsam die Gegend früher gewesen sein muss. Hier fließt die junge Nahe aus Wäldern kommend nordwärts durch Wiesen an der Mühle vorbei, um wieder im Wald zu verschwinden. Die Gegend ist eigentlich sehr dünn besiedelt. Plötzlich stand da dieses Kreuz mit einer Hütte am Wegesrand. Wie eine Erscheinung.

Mariengrotte_Elsenbergermühle © Ekkehart Schmidt

Mariengrotte_Elsenbergermühle © Ekkehart Schmidt

Mariengrotte_Elsenbergermühle © Ekkehart Schmidt

Mariengrotte_Elsenbergermühle © Ekkehart Schmidt

Mariengrotte_Elsenbergermühle © Ekkehart Schmidt

Mariengrotte_Elsenbergermühle © Ekkehart Schmidt

Mariengrotte_Elsenbergermühle © Ekkehart Schmidt

„Diese Grotte entstand aus tiefstem Herzeleid“, stand auf einer Tafel linkerhand der weißen Statue mit hellblauer Schärpe, unter der fünf Vasen mit bunten Plastikblumen und zwei Kerzen den Eindruck vermittelten, dass der Raum nicht verwaist ist. Was auch immer das vielleicht vor einem halben Jahrhundert entstandene Herzeleid ausgelöst hat, das wohl eine Privatperson zum Bau bewogen hat. Die blauäugig gestaltete Maria – zwecks Identifikation deutscher Christen wurde ignoriert, dass sie im damaligen Palästina eher dunkle Augen gehabt haben wird – weint jedenfalls. Sie soll Fürbitte leisten. Bei wem? Bei Jesus (der hier nicht dabei ist) oder bei Gott?

Anderthalb Stunden später kamen wir auf dem Rückweg wieder vorbei. Jetzt leuchtete das Kreuz und auch innen gab es ein Licht, das die Grotte unbekannten Datums für mich erneut sehr anziehend erscheinen ließ. Es drohte Regen und die anderen radelten weiter, während ich kurz anhielt.

Mariengrotte_Elsenbergermühle © Ekkehart Schmidt

Mariengrotte_Elsenbergermühle © Ekkehart Schmidt

Ich weiß nicht, ob diese Mariengrotte als „Lourdesgrotte“ zu bezeichnen ist. Als solche werden diejenigen bezeichnet, die Nachbildungen der Grotte von Massabielle bei Lourdes in Südfrankreich und „Unserer lieben Frau von Lourdes“ darstellen. Dort sah 1858 die „heilige Bernadette“ die „Muttergottes“. Ich weiß aber, dass ich das eigentlich als Humbug sehe.

Besonders gegen Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden solche Grotten auf Kirchhöfen oder wie hier als Flurdenkmal an einer Wegkreuzung, am Feldrand oder im Wald errichtet. Sie  stellen offenbar noch immer wichtige Orte lokaler Wallfahrten dar. Kleinere, oft von Privatpersonen (und vielfach in Eigenleistung) errichtete Lourdesgrotten entstanden wohl häufig aufgrund privater Gelübde, oft in Verbindung mit einer Wallfahrt nach Lourdes und erfolgter Heilung von Krankheit, aber auch z. B. als Dank für unbeschadete Heimkehr aus dem Krieg oder Rettung aus Gefahr.

Diese Welt ist mir sehr fremd. Aber irgendwie fasziniert sie mich und ich war sehr erstaunt, zu lernen, dass allein im Saarland etwa 110 große Lourdes-Grotten bekannt sind. Zusammen mit dem benachbarten französischen Département Moselle weist die Großregion über 460 solche öffentliche Anlagen auf. Vierhundertsechzig! Ich kenne nur die deutlich größere in Alsting. Und die Wegekreuze und Kapellen in Luxemburg. Aber das ist ein anderes Thema, wenngleich es auch bei Wegekreuzen um Schicksalsschläge geht.  Sehr gerne wüsste ich, wer diese Grotte warum erbaut hat und ob es um einen Wunsch ging und ob dieser erfüllt wurde.

Ich erlebe auch oft Lebenssituationen, in denen ich Hilfe und Rat brauche. Aber weder Maria, noch Jesus oder andere religiöse Figuren wären meine Ansprechpartner. Für viele in dieser noch immer sehr katholischen Weltgegend offenbar schon. Sie hegen und pflegen diese Räume. Respekt.

Adresse: Elsenbergermühle, 66625 Nohfelden

Verwendete Quelle: Wikipedia-Artikel „Lourdesgrotte

Mariengrotte_Elsenbergermühle © Ekkehart Schmidt

Le Week-End_Étretat

Die ur-französische Konzeption einer „Bar-Tabac“ gibt es in Deutschland nicht – also eines Lokals, das je nach Tageszeit halb Café, halb Kneipe und halb Bar ist, das vor allem aber ganztags Zigaretten, Zeitungen und Zeitschriften, Briefmarken, Kaugummis und andere Süssigkeiten anbietet. In Deutschland erfüllen Kioske und Trinkhallen eine vergleichbare Funktion, aber ohne Sitzgelegenheiten. Und ohne Wett- und andere Glücksspielmöglichkeiten (vor allem Pferderennen), die bei einer richtigen Bar Tabac so sehr dazu gehören, dass die einschlägigen Kürzel „PMU“ oder „Loto“ (für Lotto-Toto) auch außen angezeigt werden.

Mir ist diese Art Lokale im September 1981 erstmals begegnet, als ich ein Auslandsschuljahr am Lycée International de Saint Germain-en-Laye nahe Paris begann. Am dritten Schultag schrieb ich in mein Tagebuch: „Ich esse übrigens nicht in der Kantine, sondern bei Mario, der eine Fritten- und Sandwichbude hat. Es ist sauteuer – 4,50 Franc für ein Sandwich.“

Nach diesem Imbisswagen neben der Schule entdeckte ich wenig später mit Anne-Kathrin und Anna  „La Forêt“ und hatte in dieser Ganztagsschulzeit mein Stammlokal für die Mittagspause und Freistunden gefunden. Zu Kaffee und Sandwich habe ich dort Mathe abgeschrieben oder Ulrich Plenzdorf gelesen, öfters „Paris-Match“, „L’Express“, „France Soir“, „Le Monde“ oder Fußballzeitschriften wie „L’Equipe“ oder „Onze“ gekauft – im November 1981 ging es darum, wie geschickt Platini per Freistoß das entscheidende Tor zur WM-Quali gegen Holland geschossen hat. Da machte Französisch lesen ganz anders Spaß!

Der Kaffee kostete 2 oder 3 Franc. Meine Ausgaben notierte ich peinlich genau im Tagebuch. Ich hatte zu haushalten. Die Ausgaben für die dort gekauften Zigaretten der Marke „Royale Bleu“ verschwieg ich, weil ich meine Ausgabenliste vielleicht hätte den Eltern vorlegen müssen.

Die Bar Tabac war mein Refugium in Zeiten, in denen ich wirklich hart und ununterbrochen zu büffeln hatte. An dort geknüpfte Kontakte kann ich mich nicht erinnern, aber hier fühlte ich mich wohl: Abgesehen von den Ausflügen nach Paris (anfangs nur am Wochenende, später oft auch abends) war dies hier in der Banlieue der einzige Ort außerhalb des Hauses meiner Gasteltern, dem Haus meiner Freundin und der Schule, in dem ich regelmäßig war. Hier war ich in Ruhe für mich, ohne Pflichten.

Mitte Dezember 2019 hatte ich bei einem Besuch der Küstenstadt Étretat in der Normandie bei einer Bar Tabac Loto namens „Le Week-End“ ein „Déjà vu“, durch das ich angeregt wurde, mich fast 40 Jahre zurück in diese Zeit zu versetzen. Wir waren erst an die Uferpromenade gefahren und erlebten extrem stürmisches Wetter.

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Die Gewalt der Sturmböen war so stark, dass wir wirklich nicht wussten, wie gefährlich es sein würde, vom Parkplatz (auf dem viel herüber gewehter Sand und große Kieselsteine lagen) über die (gesperrte) Promenade zum berühmten Felsen zu laufen, der an einen Elefantenrüssel erinnert.

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Aber wir trauten uns durch die Brandung und auf steilen Wegen hoch. Oben wurde klar, dass die Gewalt des Meeres tatsächlich jährlich an manchen Stellen einen halben Meter oder mehr der Küste abzutragen in der Lage ist. Wie verwundbar der Ort wirkte!

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Mit nassen Füßen und ordentlich durchgefroren kamen wir in die Kleinstadt zurück und suchten einen Ort zum Aufwärmen mit Kaffee und kleinem Speisenangebot. Die vielen Touri-Restaurants kamen nicht wirklich in Frage. So holten wir uns in einer Bäckerei aufgewärmte Flammkuchen-Viertel und zwei Sorten Quiche, aßen sie am zentralen Platz an der Durchgangsstraße und fanden dann mit dem „Week-End“ ein warmes Lokal für ein Getränk, in dem außerhalb der Saison ein wenig echtes Leben spürbar wurde.

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Zigaretten kosten in Frankreich viel mehr als in Deutschland. Eine Schachtel à 20 kostet 7 bis 8 Euro. Grund dafür sind bewusst abschreckend viel höhere Steuern auf Tabakwaren als in Deutschland oder Luxemburg. Man kann sie nur in Tabakwaren-Geschäften kaufen, Automaten gibt es nicht. Und das Rauchen im Lokal ist seit 2008 verboten.

Die Tabakhändler erkennt man am charakteristischen roten Schild, dass seit 1906 obligatorisch über dem Eingang zu hängen hat und den schönen Namen „Carotte“ trägt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Tabak nur in Blattform verkauft. Die Blätter waren in Form einer Karotte zusammengeschnürt. Das Symbol hat sich im vergangenen Jahrhundert entwickelt, es ist nicht mehr zwingend rot, muss aber leuchten.

„Mais alors, d’où vient la forme et le nom de cette enseigne ?“ Form und Name des Symbols stammen aus dem 16. Jahrhundert. Damals wurde Tabak in Blättern verkauft, die man kaute oder rauchte. Die Blätter bekam man nicht im Paket, sondern in kleinen gebundenen Rollen, deren Form an Karotten erinnerten.

Die Internetseite France bleue beantwortet die Frage: „De plus, pour consommer ces rouleaux de tabac, le fumeur (ou le mâcheur) devait le râper , comme une carotte ! Depuis, l’usage du tabac, désormais tassé dans des cigares ou des cigarettes, a changé, mais le symbole de la carotte est resté.“ Das Zeichen ist eine Art französisches Kulturerbe geworden. Man sieht es im kleinsten Dorf. Nur hier gibt es Zigratette, auch nicht in anderen Kneipen (höchstens spät abends unter der Ladentheke) und auch nicht in Supermärkten oder kleinen Geschäften (auch nicht „chez l’Arabe“). Typisch sind auch die verschiebbaren Rollläden vor dem Eingang.

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Drinnen war es warm und nett. Man bekommt hier ab 7.30 Uhr ein Petit Dejeuner für 7 Euro und viele Varianten „Croque Monsieur“, wie ich es aus Paris kannte. Aber wir hatten ja schon gegessen. Also nur Espresso und Orangina.

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Das Lokal war außen und innen sehr rot gestaltet und erinnerte mich an britische Bars. Es war zudem weihnachtlich dekoriert.

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Und es gab einen Hinterausgang zum Parkplatz mit Flipper.

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Neben dieser „Bar Tabac Loto“ gibt es in Étretat noch ein zweites solches Lokal: die Bar Tabac PMU „Le Maupassant“. Alle anderen Gaststätten sind touristisch. Wir bekamen hier aber auch kaum Kontakt. An der Theke beim asiatischstämmigen Kellner stand ein Päarchen und man klönte. Wir blieben nicht lange, es war auch vor allem mein Wunsch, ein für meinen Blog interessantes Lokal zu besuchen…, nicht der meines 22jährigen Sohnes, der jetzt die Steilküste auf der anderen Seite sehen und erobern wollte…

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Da man in Bars und Restaurants nicht mehr rauchen kann, hat sich übrigens seit einiger Zeit in Paris ein neuer Trend entwickelt: Smirting. Der Begriff setzt sich aus den Wörtern „Smoking“ und „Flirting“ zusammen. Man nutzt die Raucherpause, um vor der Tür Personen des anderen Geschlechts anzusprechen und kennen zu lernen. „Tu aurais du feu, s’il te plaît?“ („Hättest du bitte mal Feuer?“). Aber das war für uns in diesem Moment irrelevant. Und auch für mich in der Erinnerung an meine Pariser Schulzeit.

Egal wie: Eine Bar-Tabac ist damals wie heute ein Ort der Begegnung mit der lokalen Bevölkerung. Ne le manquez pas, n’importe ou en France! Nur in Lothringen, vor allem in Grenznähe zu Luxemburg wird man sie umsonst suchen: Die Niedrigpreise für Zigaretten in Luxemburg, bzw. der Import und Verkauf unter der Hand von Stangen für 48 statt 70 Euro haben ihnen hier den Garaus gemacht.

Adresse: 8 Rue Abbé Cochet, 76790 Étretat/ Frankreich, Tel.: +33 2 35 27 00 67

Le Week-End_Étretat © Ekkehart Schmidt

Mein Viertel Saarhundert

Eingeladen zum Neujahrsempfang der Landesregierung heute 18 Uhr, stellte ich kürzlich überrascht fest, dass dem eine Feier zu 100 Jahren Saarland voran gehen würde. Als „Saarhundert“ passend angekündigt – Bezug nehmend auf das erste offizielle Erscheinen der (territorialen) Spezies „Saarländer*in“ bei der Unterzeichnung des Versailler Vertrags am 10. Januar 1920. Ok, nehme ich das also heute noch mit, dachte ich mir, als ich 17.58 per Regionalbahn von einer Kneipenerkundungstour vom „Kumpel“ in Luisenthal zurück nach Saarbrücken kam.

18.05 waren in der Congresshalle allerdings „the doors closed“. Mist. Ich wollte schon gehen, als eine mir irgendwie bekannte prominente Schnauzbartperson mit einem Dutzend Begleitern in schwarzgrau schimmernden Anzügen ebenfalls verspätet herankam. Ich konnte mich dranhängen und setzte mich auf die Pressetribüne. So verpasste ich mit Glück und Chuzpe nicht meinen eigenen historischen Moment.

Mein Viertel Saarhundert © Ekkehart Schmidt

Mein Viertel Saarhundert © Ekkehart Schmidt

Mein Viertel Saarhundert © Ekkehart Schmidt

Ministerpräsident Tobias Hans verdeutlichte, was es heißt, Saarländer zu sein: Ein halbes Dutzend Machtwechsel und territoriale Änderungen, immer mit einem schwierigen ökonomischen Strukturwandel verbunden. Dadurch sei im Land ein besonderer Zusammenhalt und Pragmatismus entstanden, mit je neuen Herrschaften umzugehen. Daraus eine tiefe Gelassenheit ziehend, weil man es immer geschafft hat, sich umzustellen. Die Freude am Leben, am Hier und Jetzt ist wichtig – denn wer weiß, was kommt? Glück auf!

Dann betonte Außenminister Heiko Maas, dass das Saarland jahrzehntelang ein Fall für die internationale Diplomatie war, erwähnte, dass er im ehemaligen SED-Politbüro da sitze, wo vorher der Saarländer Erich Honecker saß (er werde aber wohl nicht so lange bleiben) und erzählte von seiner Oma, die ihr Leben lang im Haus lebte, in dem sie geboren worden ist. Sie hätte in dieser Zeit fünf verschiedene Pässe haben können.

Mein Viertel Saarhundert © Ekkehart Schmidt

Man habe auf die äußere Zugehörigkeit nie so viel geben können, daher habe sich der/ die Saarländer*in nach innen gewandt. Und seinen Pragmatismus entwickelt: Besser die Kräfte bündeln, sich unter den Mitmenschen zusammen tun, mit Mut trotz bestehender Barrieren Neues ausprobieren.

Ja, das ist hier wirklich ein „Schicksalsraum von Krisen und Konflikten“, wie es in der folgenden, sehr guten Rede „Der lange Schatten des überforderten Friedens“ von Prof. Dr. Jörn Leonhard zur historischen Einordnung der Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrags aus heutiger Perspektive hieß.

Und mir wurde plötzlich klar, dass ich vor fast genau auf den Tag 25 Jahren aus Köln kommend hier beim isoplan-Institut meine erste Stelle angetreten habe. Und dachte, dass ich spätestens nach 2 – 3 Jahren wieder gehen würde, hin zu scheinbar spannenderen Orten. Und merke, dass ich hier im Zentrum Europas jetzt – auch durch meine drei saarländischen Jungs von 22, 6 und 4 Jahren – nicht zufällig doch geblieben und schleichend zum Saarländer geworden bin. Sondern dass ich mich wohl irgendwie dafür entschieden habe. Und jetzt ist dies meine Heimat. Punkt.

Abschließend spielte nochmal das Staatsorchester des Saarlandes, das schon vor und zwischen den Redebeiträgen durchaus zur Geschichte passend dissonante und disruptive Stücke präsentiert hatte. Diesmal mit einer coolen Überraschung: Neben dem Dirigenten stand plötzlich Thomas Blug, einer der wohl besten deutschen  Gitarristen (No 1) auf der Bühne. Und dann ging es ordentlich ab: Beethovens heutige Europahymne „Freude schöner Götterfunken“ gemeinsam mit dem klassischen Orchester als wirklich auch emotional spürbarer Höhepunkt des Abends. Eine symbolisch zukunftsweisende – weil die traditionell staatstragende Theatralik überwindende – Inszenierung.

Mein Viertel Saarhundert © Ekkehart Schmidt

Mein Viertel Saarhundert © Ekkehart Schmidt

Sehr schade nur, dass der Saarländer Hermann Rarebell, von 1977 – 95 Schlagzeuger der „Scorpions„, weit hinten sitzend, unbeleuchtet und insofern für die meisten Zuschauer unbeachtet blieb. Stattdessen wunderten sich Kenner von Thomas Blugs früheren Auftritten nur, dass er so brav gekämmt und ordentlich gestriegelt erschien. Vielleicht hätte da noch Niccole als Sängerin hineingepasst. Aber den Gedanken hat man dann vielleicht doch als zu zurückgewandt erachtet, obwohl „ein bisschen Frieden“ gut gepasst hätte. Jedenfalls war ich stolz, dass wir neben Bundespolitikern noch anderes zu bieten haben…

Mein Viertel Saarhundert © Ekkehart Schmidt

Ergänzend zu diesem 25-Jahre-Zufall kommt, dass ich genau 25 Jahre nach Ausbruch des 2. Weltkriegs geboren wurde. Was mir das sagt? Es lohnt, das eigene Leben in einem historischen Kontext zu sehen – der einen stärker beeinflusst, als man denkt.

Mehr zur Veranstaltung: SR: Das Saarland feiert.

Mein Viertel Saarhundert © Ekkehart Schmidt

Brasserie La Baraka_Le Havre

Seit es Google Maps und Booking.com gibt, hat sich mein Reiseverhalten grundsätzlich verändert. Jedenfalls meine Vorbereitung, weil ich unterwegs nicht online bin: Ich schaue zumindest seit einem Jahrzehnt vorab, was es vor Ort an Hotels und Lokalen gibt, entscheide mich meist  bindend, wo ich übernachte – auch abhängig von einer Recherche über die Attraktivität der Umgebung des Hotels. Etwa seit 2012 ist das wichtiger geworden, als das Wälzen von gedruckten Reiseführern, so gut sie auch sein mögen. Das liegt an meinem Interesse, Interessantes für diesen Blog zu finden, aber auch an einem stärkeren Sicherheitsbedürfnis und einem höheren verfügbaren Reisebudget.

In den 30 Jahren davor, in denen ich auch schon auf eigene Faust gereist bin, habe ich vorab nur die Route geplant – entsprechend kultureller und anderer Sehenswürdigkeiten. Jedenfalls grob. Als Tramper, Radler und Zugfahrer wusste ich bis in die späten 1990er-Jahre nie vorab, wo ich übernachten würde – und es hat sich immer etwas ergeben. Aus finanziellen und tramptechnischen Gründen selten eine Pension oder ein Hotel, sondern eher eine Jugendherberge oder ein Platz für den Schlafsack. Egal, ob in Schottland, Jugoslawien, Frankreich, Spanien, der Türkei, in Syrien, Jordanien, Ägypten, Marokko oder dem Iran.

Ich habe auch deshalb nie vorab gebucht, weil ich außerhalb Deutschlands bis zum Bürgerkrieg in Jugoslawien ab 1992 keinen Flieger von A nach B nahm, der zu festgesetzter Zeit ankam, sondern noch das Abenteuer echten Reisens lebte. Erst bei Dienstreisen für isoplan ab 1994 in die Türkei oder nach Bosnien begann ich zumindest die erste Nacht vorab zu reservieren.

Die neuen Möglichkeiten sind faszinierend. Aber sie reduzieren stark die Spontatität und das Erleben der Situation, morgens nicht zu wissen, wo man abends schläft. Bewusst wurde mir das Mitte Dezember beim Trip nach Le Havre mit meinem ältesten Sohn, der wegen des SNCF-Streiks per Auto umzusetzen war. Ursprünglich hatte ich mir vorgestellt, nach der Ankunft per Zug in der Brasserie La Baraka in Bahnhofsnähe zu essen, ehe wir ein wenig die Stadt erkunden würden. Sie schien mir auf Google Maps die originellste Wahl auf dem Weg zu sein. Jetzt lief die Route anders, an der normannischen Hafenstadt vorbei. Aber dann habe ich bei unserem späteren Ausflug dorthin einfach doch das Geplante umgesetzt: Das Auto am Bahnhof geparkt, zwei tote Bars entdeckt (das St Augustin und die Navy Bar) und ab zum „La Baraka“.

Brasserie La Baraka_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Brasserie La Baraka_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Brasserie La Baraka_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Die Entscheidung war völlig richtig. Wir bekamen ein sehr gutes, reichliches und für 12 Euro auch preisgünstiges Couscous, kriegten eine erste Idee der Stadt und ihrer Bewohner, von denen viele aus dem Maghreb stammen, fühlten uns vor allem vom Kellner mit wohl marokkanischen Wurzeln schön empfangen und aufgenommen.

Brasserie La Baraka_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Brasserie La Baraka_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Brasserie La Baraka_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Wir hatten nach dem hiesigen Fußballverein gefragt, nachdem wir am imposant in blau neu gestalteten Stadion vorbei gekommen waren und wissen wollten, ob er in der ersten Liga spielt. Nein et non. Sein vorher fröhlich-freundliches Gesicht verfinsterte sich für einen Moment. Le Havre AC (oder Le HAC) ist zwar vielleicht der älteste Club Frankreichs, spiele aber schon lange nur noch in der zweiten Liga. Die Ligue 1. – das sei schon ein Jahrzehnt her. Man sei immerhin zwei bis drei Mal Meister gewesen (Ende des 19. Jahrhunderts…).

Aber das Stadion sei doch ganz neu? Oui – wegen der Frauen-WM letzten Sommer. Oh. Wir spürten seinen Kummer und fanden doch noch einen Weg, seinen Stolz zu wecken –  Indem wir nach bekannten Spielern fragten und er zwei Weltstars nennen konnte, die hier zu Beginn ihrer Karriere gespielt haben: Paul Pogba (damals in der U19, 2018 Weltmeister und bei ManU) und Torhüter Dimitri Payet.

Und dann begann er aufzutischen…

Brasserie La Baraka_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Brasserie La Baraka_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Brasserie La Baraka_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Erst ein Riesenteller Couscous, dann köstlich durchgekochtes Gemüse in einem Keramiktopf für eher drei denn zwei Personen, schließlich drei Schälchen mit Kichererbsen und scharfen Soßen – und zur Krönung je zwei Hähnchenspieße. Unmöglich, alles zu tilgen.

Zwischendurch füllte sich das Lokal etwas und unser Kellner war abgelenkt. Ich fand es noch interessant, dass mich die Inneneinrichtung in ihrem modernen Stil zwar an das „Café de France“ in Casablanca erinnerte, aber keinerlei Hinweise auf Marokko zu sehen waren. Auch nichts Folkloristisches. Stattdessen Charlie Chaplin.

Brasserie La Baraka_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Brasserie La Baraka_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Was ich nicht weiter erfragt habe: Über dem Restaurant befindet sich ein zugehöriges Hotel, in dem es Betten offiziell im Einzelzimmer ab 45 Euro, bei Buchungsportalen aber auch schon ab 26 Euro gibt – wenn ein Zimmer zu zweit oder zu dritt gebucht wird, vielleicht auch in Form eines Schlafsaals. Ob da vor allem Marokkaner übernachten? Und wann mag das Haus wohl entstanden sein? Vielleicht Mitte des 20. Jahrhunderts, aber sicherlich grunderneuert? Wie so oft hab ich nur einen kleinen Einblick bekommen.

Das Wort Baraka kenne ich aber von einer Radtour durch Marokko 1984: Laut Wikipedia bezeichnet es im Islam eine Art Segenskraft, die an eine bestimmte Person oder an bestimmte Dinge an einem Ort gebunden ist, von denen sie auf andere Menschen übertragen werden kann. Im islamischen Volksglauben können Gegenstände mit Baraka „aufgeladen“ werden, etwa indem man Tücher auf Heiligengräber legt.

Pappsatt sind wir jedenfalls weiter, tatsächlich befruchtet von der Segenskraft einer herzlichen Aufnahme in der Stadt. Wir sind analog der vom Michelin-Führer vorgeschlagenen Route zum Hafen, folgten der Uferpromenade an den Strand und sind dann spontan mit der Straßenbahn schwarz zum Bahnhof zurück gefahren. Mich machte dieses bisschen spontanes „Abenteuer“ dann doch so nervös, dass ich beim Aussteigen die Kamera liegen ließ – aber eine aufmerksame Frau rief mir das rechtzeitig zu. Baraka…

Adresse: 213 Boulevard de Strasbourg, 76600 Le Havre, France, Tel.: +33 2 35 25 15 15, Homepage

Brasserie La Baraka_Le Havre © Ekkehart Schmidt

A yellow face in Luisenthal

Gelb ist nicht meine Lieblingsfarbe, es sei denn, Sonnenwärme scheint durch. Ich entdeckte ein solches Gelb heute am Bahnhof der Grubensiedlung Luisenthal, auf halbem Weg zwischen Saarbrücken und Völklingen. Der 1858 eröffnete Bahnhof zählt – neben dem von Friedrichsthal – zu den am stärksten verwahrlosesten Bahnhöfen des Saarlandes. Und durch die heute extrem niedrige Passagierfrequenz – nach Schliessung der Grube 1994 – auch zu bevorzugten Orten für Graffiti. Er strahlt vergangene Größe aus: eine Zeit, in der hier täglich Hundertschaften an Grubenarbeitern zur Arbeit an- und abfuhren.

A yellow face in Lusienthal © Ekkehart Schmidt

A yellow face in Lusienthal © Ekkehart Schmidt

A yellow face in Lusienthal © Ekkehart Schmidt

1962 machte der Ort bundesweit Schlagzeilen wegen eines Grubenunglücks: Bei einer Schlagwetterexplosion und mehreren Kohlenstaubexplosionen starben in der Grube 299 Bergleute. ein Denkmal hinter dem bahnhof erinnert daran.

Ein Graffiti auf der Rückseite des Backsteinbaus sprach mich besonders an: Ein fast bananenförmig überzogen gebogener gelber Kopf mit Stoppelhaarfrisur und Schnauzbart. Ein sehr ungewöhnliches (Selbst-)Porträt eines Mannes mit Migrationshintergrund, wie mir schien. Nachdenklich. Kein Rapper, aber perfekt passend in dieser Umgebung mit hohem türkischen Bevölkerungsanteil. Wenn auch ohne Bezug zur Historie. Oder ist es doch ein Sohn eines angeworbenen Grubenarbeiters, der sich fragt, wieso er hier geboren wurde? Wahrscheinlicher ist ein Bezug zur kleinen Moschee in der Theodor-Körner-Str. 4, direkt am Bahnhof, in dem die „AMGT – Avrupa Milli Görüs Teskilatlari“ ihren Sitz hat – eine vom Verfassungsschutz beobachtete türkisch-muslimische Organisation, die aber offenbar bislang nicht negativ durch Radikalität aufgefallen ist, sondern unter anderem mit dem Roten Kreuz zum Beispiel bei der durchführung von Schulungen zusammen arbeitet (siehe sol.de).

A yellow face in Lusienthal © Ekkehart Schmidt

A yellow face in Lusienthal © Ekkehart Schmidt

Eine simple und geniale Idee: Das Auge nicht auszumalen, sondern backsteinbraun zu lassen. Ein Kenner der hiesigen Graffitiszene meinte, diesen Stil und die Signatur „Frasz“(?) nicht zu kennen. Vielleicht war es doch eher ein Auswärtiger. Mit einem Erlebnis, wie ihm geschehen: Ohne Fahrkarte unterwegs nach Völklingen, erwischt werden, aussteigen müssen – und weil man sowieso Spraydosen dabei hat, einfach etwas malen, bis der nächste Zug kommt.

A yellow face in Luisenthal © Ekkehart Schmidt

Navy Bar_Le Havre

Kaum hatten wir die tote Bar „Le St Augustin“ entdeckt, fanden wir um’s Eck – am Cours de la République, der am Bahnhof von Le Havre vorbei führenden Hauptstraße und zugleich nicht weit vom Hafen – das nächste: Eins von vier Exemplaren geschlossener Gaststätten des Quartiers. Hier war die Klientel aber klarer: englische Matrosen oder Leute, die diese cool finden. Oder?

Navy Bar_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Navy Bar_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Navy Bar_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Gemäß offiziellem Eintrag schloss das im Mai 1999 von Frau Monique Deschamps eröffnete Lokal nach 17 Jahren des Bestehens Ende November 2016. Dem Design der Leuchtschrift zu Folge existierte ein gleichnamiges Lokal aber schon vorher. Mehr konnte ich online nicht herausfinden. Ob hier britische Marinesoldaten auf der Rückkehr per Zug von irgendwo und auf dem Weg zur Einschiffung zum Heimathafen Portsmouth eingekehrt sind? Oder ob der Name auf die Bedeutung des Hafens für die Navy im ersten Weltkrieg Bezug nimmt? Ich fand lediglich im französischen Blog Jules Vernacula noch ein unkommentiertes Foto der Neonlampen in voller nächtlicher Pracht:

navybar_2010

Wie so oft bei derartigen Funden musste ich mich damit abfinden, keinen Blick hinein werfen zu können. Die Bar wirkte auf mich wie eine tote Hülle um ein vergangenes Leben. Oder eine Zeit-Raum-Kapsel, deren ehemaliger Inhalt und deren Bedeutung mangels Spuren verloren gegangen ist. Jedenfalls für mich flüchtigen Besucher, der hier zufällig um die Ecke kam und am 15. Dezember 2019 eine Kamera griffbereit hatte.

Adresse: 33. Cours de la République, 76600 Le Havre

Navy Bar_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Le St Augustin Bar_Le Havre

Diesen „Fund“ hätte ich nie gemacht, wäre alles wie geplant gelaufen… Eigentlich wollte ich mit meinem ältesten Sohn per Zug einen kleinen Kurztrip in die Normandie machen, aber dann kam der große Streik dazwischen und wir beschlossen (wegen der nicht stornierbaren Buchung einer Ferienwohnung in Honfleur), einfach per Auto zu fahren.

„Einfach“ war das für ihn, nicht für mich, der ich so weit es geht auf Autofahrten verzichten will. Wir fuhren durch, kamen also nicht erst einmal am Bahnhof Le Havre an, um dort zu essen, einen ersten Eindruck der Hafenstadt zu bekommen und dann den Bus zu nehmen, wie ich das geplant hatte. Aber dadurch nahmen wir uns die Stadt als Ausflug vor und es war klar, als wir am 15. Dezember über die Seinemündung fuhren, dass wir einfach am Bahnhof parken und wie vorab überlegt von da die Stadt erkunden.

Le St Augustin Bar_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Wir querten die Hauptstraße „Cour de la République“ vor dem Bahnhof und bogen auf Parkplatzsuche in die dahinterliegende kleine, unbelebte Parallelstraße Rue Haudry ein. Waow – da lag sie und ich mußte gleich rausspringen und schnell meinen ersten Fund dokumentieren: Eine versteckt liegende Bahnhofs- oder Hafenkneipe? Jedenfalls wie aus dem Bilderbuch, archetypisch abgewetzt – aber offenbar schon seit längerem geschlossen.

Le St Augustin Bar_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Le St Augustin Bar_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Le St Augustin Bar_Le Havre © Ekkehart Schmidt

Wann das „St Augustin“ wohl entstanden ist? Vielleicht schon vor dem zweiten Weltkrieg? Nach der alliierten Landung in der Normandie in der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs war die Stadt mit ihrem Hafen eine Festung der deutschen Besatzungstruppen geblieben. Ihre Einnahme wurde Anfang September 1944 mit massiven englischen Bombardements vorbereitet. Dabei wurde die historische Bebauung fast vollständig – vom Meer landeinwärts bis wenige Straßenzüge von hier – zerstört.

Online finden sich keine Hinweise zur Bar. Nebenan fanden wir aber noch die ebenfalls geschlossene „Navy Bar„. So habe ich mich heute eine Weile mit der Frage beschäftigt, in welchem Kontext der Name und damit die Kundschaft der Bar wohl gestanden haben könnte: zivile oder militärische Matrosen, Hafenarbeiter oder Eisenbahner?

Gut 1 km stadtauswärts findet sich im Raffinerieviertel eine Kirche diesen Namens, aber nach der wurde sicherlich keine Bar benannt. Dann stolperte ich über die Zugverbindung von Le Havre nach Nice St-Augustin. Für die 844 km lange Strecke quer durch Frankreich braucht die SNCF neun Stunden. Es handelt sich nicht um den Hauptbahnhof von Nizza, sondern um den Bahnhof im gleichnamigen Stadtteil, direkt neben dem Flughafen. Vielleicht hatte die Strecke eine Bedeutung für Eisenbahner oder Hafenarbeiter wodurch sich „St Augustin“ als anziehender Name anbot?

Ach du lieber Augustin – es ist jedenfalls hin. Alles. Jeder Tag war ein Fest. Und jetzt? Was immer hier damals abging, unter zwielichtigen Gestalten oder müden Zugbegleiter*’innen. Und dennoch: Wenn die Ballade auch in Frankreich nicht bekannt zu sein scheint, so passt die historische Figur des Augustin insofern, als sie ein Inbegriff dafür ist, dass man mit Humor alles überstehen kann. Sogar, wenn man sturzbesoffen als vermeintliches Pestopfer bei lebendigem Leib begraben wird und schauen muss, wie man wieder aus der Gruft kommt.

Adresse: 9, rue Haudry, 76600 Le Havre/ Frankreich

Le St Augustin Bar_Le Havre © Ekkehart Schmidt