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Unser Beet am Staden_Saarbrücken

WORK IN PROGRESS

Unsere dritte Saison des Gemeinschaftsgartens begann energiegeladen, dann kam ein langer Durchhänger, jetzt sind wir aber wieder drin. Zum Auftakt trafen wir (Johanna, Jonas, Niklas und ich) uns bei mir, sähten Kürbisse, Gurken, Tomaten etc. in Eierschalenpappbehälter – womit ich dann ein paar Wochen zu tun hatte. Wir lernten auch etwas über die drei indianischen Schwestern.

Ende März holten wir den Löwenzahn aus dem Beet, weil er so wuchert. Und fragten uns, ob wir den Boden Umgraben oder Auflockern sollen? Wo umgegraben worden war, wuchs es letztes Jahr besser. Also Umgraben. Als wunderbare Überraschung gab es ein neues Schild von Leonie, damit Passanten wissen, wer hier was macht (es stand seit November in der Behindertentoilette und wartete auf diesen Augeblick). Und Jonas steuerte ein paar Kräuter bei, gerettet aus einem REWE-Container.

Am 2. April waren wir wieder zu viert, Niklas grub unverdrossen fleißig den Rest des Beetes um, während Florence, ihre kleine Schwester Melissa und ich überlegten, wie wir die Wege anlegen. Wir entschieden uns für gewundene Zugänge, an Yin und Yang erinnernd, jedenfalls bloß nicht quadratisch-eckig. Dann säten wir ins Freiland aus: Spinat, Möhren und Radieschen, Ringelblumen und Soja. Es kamen wieder mehrere Passanten vorbei, denen wir erklärten, was wir machen, darunter auch Julia und ihr Freund, die beim Stadtbauernhof im Almet arbeitet und Lust hat, uns gärtnerisch zu beraten, denn: Das war der letzte Semesterferientag von Florence, sie kehrt jetzt bis zum Sommer nach Dresden zurück und wir werden ihre Expertise missen…

Zwischendurch gab es zwei externe Interventionen in unser Beet: zunächst eine Pflanzen einpflanzende Unbekannte, dann Ratten, die freudig auf Maiskörner und anderes von mir nach einem Besuch des Gemeischaftsgartens n Esch/ Alzette im Ying- und Yang-Zentrum aufgetürmten Komposthaufen reagierten und alles durchwühlten. Einmal sah ich eine ins Gebüsch huschen. OK, verstanden: Hier können nur Unkräuter, Blätter und Kaffeesatz aufgehäuft werden. Letzteren trug ich von Zuhause und dem Büro bei und erbat ihn mir ab Anfang Juli regelmäßig beim Ulanen-Pavillon, die ihn bislang immer in den Restmüll gegeben haben.

Am 19. Mai konnte ich die ersten Radieschen ernten:

Unser Beet am Staden_Saarbücken © Ekkehart Schmidt

Unser Beet am Staden_Saarbücken © Ekkehart Schmidt

Dann pflanzten wir die anderen Setzlinge aus: Gurken, Zucchini, Kürbisse, Bohnen, Erbsen, Tomaten und Sonnenblumen. Manche gingen gut an, andere kümmerten lange vor sich hin. Lernerfahrungen…

Unser Beet am Staden_Saarbücken © Ekkehart Schmidt

Am 17. Juni kam ich mal wieder alleine giessen. Es gab nicht nur die zweite prachtvolle Erdbeere (die erste hatte ich nicht fotografiert und jemand hat sie zwischenzeitlich gepflückt >> schon okay), sondern noch andere Überraschungen.

Unser Beet am Staden_Saarbücken © Ekkehart Schmidt

Neben den ausgepflanzten Tomatensetzlingen zeigten sich versteckt gut zwei Dutzend Pflänzlein, die sich 2018 selbst ausgesäht haten. Dazu eine Ringelblume… Passend dazu fand ich eine schöne Besprechung des Buchs „Der antiautoritäre Garten“ von Simone Kern. Die Bloggerin Ulrike Sokul fasst die Essenz genau so schön zusammen, wie wir sie hier erleben:

„Wenn man versamende Pflanzen im Garten hat und aufmerksam hinschaut, kann man erkennen, daß sich viele Pflanzen von alleine an dem für sie optimalen Standort ansiedeln und an unpassenden Stellen ent- weder verkümmern oder garnicht aufkeimen. Darf eine Pflanze standortgerecht wachsen, bedarf sie deutlich weniger Pflege und muß meist auch keine oder kaum Gießnachhilfe bekommen. Angesichts des Klimawandels sind natürliche, wilde Pflanzenarten unkomplizierte, widerstandsfähige und pflegeleichte Gartengenossen, die mit Trockenheitsphasen besser zurechtkommen und uns auch noch den Gefallen tun, sich selbständig zu vermehren.“

Aber ach: die Radieschen sind im Juni geschossen, blühen und beginnen, Samen zu bilden… Sind als Frucht aber hölzern geworden und nicht mehr geniessbar. So ließen wir sie weiter wachsen. Ich hätte mehr ernten sollen, die anderen waren zu zurückhaltend. Aber so erleben wir erstmals, wie schön die rosa und weißen Blüten der Pflanze sind!

Unser Beet am Staden_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Unser Beet am Staden_Saarbücken © Ekkehart Schmidt

Unser Beet am Staden_Saarbücken © Ekkehart Schmidt

Unser Beet am Staden_Saarbücken © Ekkehart Schmidt

Unser Beet am Staden_Saarbücken © Ekkehart Schmidt

Nach diesem Erlebnis alleine trafen wir uns am 18. Juni erstmals in einer richtig großen Gruppe am Beet, etwa acht Leute. Julie und Didi waren wieder da. Ganz neu dabei waren Eric von Transition Trier und Jeremias vom Unverpackt-Laden. Letzterer hatte die Idee, den Komposthaufen mit Stöcken einzuhegen. Und erstmals fühlte es sich wieder wie 2018 an.

Unser Beet am Staden_Saarbücken © Ekkehart Schmidt

Unser Beet am Staden_Saarbücken © Ekkehart Schmidt

Unser Beet am Staden_Saarbücken © Ekkehart Schmidt

Unser Beet am Staden_Saarbücken © Ekkehart Schmidt

Die Samenbombe ist aufgegangen! Und die Erdbeere produziert Ableger: Faszinierend!

Unser Beet am Staden_Saarbücken © Ekkehart Schmidt

Am 5. Juli habe ich einige der Blumen und Blüten fotografiert, die endlich ein paar Farbtupfer ins Beet bringen: Von uns ausgesähte Sonnenblumen, die Zucchini, wie auch sich 2018 selbst versamende und jetzt schön blühende Kapuzinerkresse, Kornblumen, sowie viele Überraschungen aus diversen „Bienenweide“-Samenmischungen:

Unser Beet am Staden_Saarbücken © Ekkehart Schmidt

Unser Beet am Staden_Saarbücken © Ekkehart Schmidt

Unser Beet am Staden_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Unser Beet am Staden_Saarbücken © Ekkehart Schmidt

Unser Beet am Staden_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Unser Beet am Staden_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Unser Beet am Staden_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Eine erste Bilanz der Saison: Wir haben mickernde Erbsen und Kohlrabi, eine riesige Kornblume, ein paar Ringelblumen, Liebstöckl, Sauerampfer, eine Erdbeere und Kürbis-, zwei Zucchini- und 2 – 3 Schnittlauchpflanzen sowie ein paar Bohnen. Dazu in großer Menge Tomaten und Radieschen, die schon blühen und deren Früchte allerdings schon hölzern geworden sind und zwischen denen Möhren kümmern, dazu zwei Dutzend Topinambur, sehr viel Spinat, ein halbes dutzend Sojapflanzen, drei fette Sträucher Zitronenmelisse, ein halbes Dutzend Sonnenblumen und viele weitere einzelne Blumen, je 3 – 4 Kapuzinerkresse-, Rosmarin- und Lavendelpflanzen, Gurken und halbwegs gut anwachsender Rotkohl im Beet. Neben anderem unbekanntem, aber blühendem und „Unkraut“, das wir ebenfalls gewähren lassen, weil es Blüten für Insekten produziert.

Vor ein paar Wochen und am 6. Juli wieder, kam Lutz Kuhberger, ein weltweit aktiver Saarbrücker Fotograf an unser Beet und gab Tipps zur Bewässerung („Ihr müßt die Pflanzen großzügig wässern, weit drumherum, damit die Wurzeln einen Anreiz haben, sich auszudehnen“) hat auf seinen Reisen Tomatensamen mitgebracht und eine faszinierende Sammlung von fast 300 zuhause selbst gezogenen Tomaten erzeugt, die er fotografisch in einem Poster dokumentiert hat.

Zwischendurch haben wir bei unseren wöchentlichen Treffen, auch über die Frage nachgedacht, ob wir uns nicht als Verein gründen sollten. Um im positiven Sinne mehr Struktur und Verpflichtungsgefühl in unsere Aktivitäten Gemeinschaftsgarten, Verschenkbörse, Bücherbürse und Filmveranstaltungen zu bringen. Und haben uns dafür entschieden. Am 6. Juli gab es dazu einen ersten Info-Abend, zu dem sehr viele Leute kamen. Am Dienstag, 9. Juli ab 18 Uhr wollen wir uns im DAJC gründen. Alle Wandlungswilligen sind eingeladen.

Unser Beet am Staden_Saarbücken © Ekkehart Schmidt

Treffs: immer Dienstag und Freitag 18.00 Uhr am Beet. Kommt einfach vorbei, wir sind offen für alles und jeden.

Unser Beet am Staden_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Restaurant Spiesshöfli_Basel

Ein Haus, in dem man Gegrilltes am Spiess bekommt? Oder gar ein spiessiger Hof? Googelt man „Spiesshöfli“, findet man fast nur Texte zur Spurverbreiterung der Tram ins Leimental: Allgemeines Aufatmen darüber, dass das einspurige Nadelöhr nun doppelspurig ausgebaut werden soll. Offenbar ist der Name des Lokals auf dieses  Quartier in Binningen, einer Kommune am Südrand von Basel, übergegangen.

Restaurant Spiesshöfli_Basel © Ekkehart Schmidt

Restaurant Spiesshöfli_Basel © Ekkehart Schmidt

Restaurant Spiesshöfli_Basel © Ekkehart Schmidt

Von meinem Hotel „Bottminger Mühle“ kommend, habe ich am vergangenen Donnerstag nicht die Tram direkt in die Stadt genommen, sondern bin erst zu diesem Lokal, das mir am Vorabend aufgefallen war: authentisch, alteingesessen und wohl ausschliesslich von der Nachbarschaft frequentiert, wie es schien. An dem Tag sass niemand drinnen, die Gluthitze trieb alle Gäste unter die Kastanie im Biergarten. Die Fenster standen offen und ich konnte einige Fotos machen, ehe ich mich unter die Kastanie setzte.

Restaurant Spiesshöfli_Basel © Ekkehart Schmidt

Restaurant Spiesshöfli_Basel © Ekkehart Schmidt

Restaurant Spiesshöfli_Basel © Ekkehart Schmidt

Restaurant Spiesshöfli_Basel © Ekkehart Schmidt

Restaurant Spiesshöfli_Basel © Ekkehart Schmidt

Die Inhaberin, Margrith Engeli, konnte mir auch keine Antwort auf die Frage nach dem Alter des Lokals geben, brachte aber freundlich und schnell Espresso und Limo zum – für Basel – günstigen Preis von 7,30 CHF. Als sie meine Zigarettenschachtel sah, kehrte sie noch einmal um und brachte einen Aschenbecher. So aufmerksam sind nicht alle Kellner*innen.

Restaurant Spiesshöfli_Basel © Ekkehart Schmidt

Restaurant Spiesshöfli_Basel © Ekkehart Schmidt

Leider stürzte der Akku meiner Kamera nach diesem Foto ab. Ich hätte mir innen gerne noch einige Details dieses sicher mindestens sechsigjährigen Lokals angeschaut. Lediglich der Eingangsbereich – man betritt das Lokal durch den Garten, die Tür zur Strasse ist abgesperrt – ist modernisiert worden: Da findet sich der oder das „Fümoar“, der Raucherberich also. Das Spiesshöfli ist Samstag und Sonntag geschlossen und scheint auch kaum noch ein „Restaurant“ zu sein, eher eine Bierstube mit kleinen Speisen im Angebot – eine Gaststätte der altmodischen, sehr sympathischen Art.

Adresse: Bottmingerstrasse 20, 4102 Binningen, Schweiz, Tel.: +41 61 421 10 36, +41 61 421 36 11

Restaurant Spiesshöfli_Basel © Ekkehart Schmidt

Escher Kafé_Esch/ Alzette

So kann man ein altbackenes Bistro gelungen sanieren und aufpeppen, ohne frühere Kunden zu verprellen: Vor zwei Jahren entstand in den Räumen einer Eckkneipe mit Kegelbahn am Rand der Innenstadt von Esch/ Alzette das Escher Kafé als heller, auf ökologische Nachhaltigkeit setzender Viertelstreff. Ein bisschen wie die Mesa, nur ohne die Transition-Aktivitäten dahinter und ohne Verkauf lokaler Produkte.

Aber seit der Eröffnung im April 2017 finden sich jetzt auch junge Leute ein, sitzen draußen auf Europaletten oder erzählen drinnen, nutzen vielleicht auch die Spielmöglichkeiten – vom Kicker über Darts bis zur Kegelbahn – die wohl aus den alten Zeiten stammen, als hier eher nur ältere Männer saßen. Wenn ich dem Kellner Glauben schenken kann, der mir letzte Woche ein bisschen erzählte, so kommt auch ein Teil der alten Stammkunden noch. Und man verträgt sich.

Das obere Foto stammt von 2009 (GoogleEarth) und zeigt das Vorgängerlokal, dessen Namen ich noch herausfinden möchte, die anderen habe ich bei zwei Besuchen im Juni 2019 aufgenommen: Erst an einem Montag-Mittag, als es dummerweise geschlossen war, dann an einem anderen Tag letzte Woche.

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Das Lokal ist das Gemeinschaftswerk von vier Personen (Claude Mondloch, Ben Peporte, Salome Pinheiro und Sonia Dos Santos), die gemeinsam mit der Hauseigentümerin Eve Lynn Beckius die Konzeption und Einrichtung entwickelt haben. Ben Peporte, der seit Jahren sein eigenes Bier „Ben’s Bier“ in „Den Heischter“ brauen lässt und schon seit einigen Jahren mit der Idee einer eigenen Kneipe schwanger ging, hörte 2016 davon, dass dieses Café leerstehe – und zwar ohne Lizenzen einer der großen Brauereien. So konnten sie hier über ihr eigenes Sortiment entscheiden: Neben selbstgebrautem Bier und selbstgemachten imonaden auch traditionele Tee- und Kaffeespezialitäten. Was es nicht gibt: Coca Cola und Produkte von Nestlé. Zu essen gibt es Quiche und Tagesgerichte für 10,50 Euro.

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Im Hauptraum stehen fast ausschliesslich Second-Hand-Möbel, unter anderem alte Schultische. Neben einem kleinen Leseraum mit Büchern und von der Flüchtlingsinitiative „Hariko“ gestalteten Stühlen, direkt rechts am Eingang, findet sich links hinten der Zugang zur umgestalteten Kegelbahn mit Toiletten: ein Ort für Parties, Konzerte, Stand-up-Comedy und Ähnlichem. Hinter dem Vorhang, der den üblicherweise genutzten Schankraum begrenzt, öffnet sich die Tiefe der alten Kegelbahn.

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Viel Zeit hatte ich leider nicht, da ich nur in der Mittagspause aus Luxemburg gekommen war, aber für einen Espresso draussen reichte es noch.

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Adresse: 55 rue Clair Chêne, 4061 Esch-sur-Alzette, Tel.: 24 55 97 10, escherkafe@gmail.com

Escher Kafé_Esch/ Alzette © Ekkehart Schmidt

Letzte Weihe per Graffiti_Luxemburg

Jean-Claude Lin, Editorialist der Zeitschrift „à tempo“ (einer Beilage der Kundenzeitschrift der dm-Märkte) zitierte in der Juni-Ausgabe den Autor Raimund Petschner, dessen bei ArtPress in Berlin erschienenes Buch „Kurze Entfernung aus dem Gespräch“ eine der dort veröffentlichten, „Miniaturen“ genannten Beobachtungen. In „Hände“ ist die Rede von Beobachtungen, von einer Wachheit für das Singuläre, für Typenhaftes und Serielles. Und vom Blick auf die solchen Beobachtungen zugrunde liegenden Strukturen.

Das passte perfekt zu meinem Entdecken eines Graffitikünstlers, dessen immer gleiche Werke ich seit etwa zwei Jahren wahrgenommen, aber in ihrer Substanz bislang nicht verstanden hatte. Seine Wolkengebilde sprayte er auf hölzerne Wände, mit denen zum Abriss geweihte Häuser vor dem Eindringen von Obdachlosen und anderen geschützt werden sollen. Das hatte ich jetzt endlich beim leerstehenden Lokal des ehemaligen Damenbekleidungsgeschäfts „Pompadour“, unmittelbar neben meinem Arbeitsplatz, verstanden.

Letzte Weihe per Graffiti_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Letzte Weihe per Graffiti_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Das war nur die Hälfte. Der Impuls, das zu dokumentieren, kam erst letzten Samstag, als mir klar wurde, dass er oder sie etwas Serielles unternommen hat und dabei sehr konstant ist (wenn auch nicht überall in Luxemburg präsent). So hielt ich die Kamera parat auf dem Weg per Bus über Hollerich nach Kockelscheuer, wo ich einen Stand beim Fest vun der Natur aufzubauen hatte – und fand gleich drei weitere Wolkendreiecke:

Letzte Weihe per Graffiti_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Letzte Weihe per Graffiti_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Letzte Weihe per Graffiti_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Anfangs hat er/ sie wohl ausschließlich blaue Wolkengebilde gesprayt. In der rue de Hollerich und an der riesigen Baustelle am Hamilius entdeckte ich aber dieser Tage erstmals auch andersfarbige und ganz bunte:

Letzte Weihe per Graffiti_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Letzte Weihe per Graffiti_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Letzte Weihe per Graffiti_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Das ist jetzt wohl der Beginn einer langen Recherche, bei der ich mich in den nächsten Wochen auf die Spur einer Serie machen werde, die wirklich faszinierend ist. Der oder die Künstlerin bewegt sich aber offenbar nicht durch alle Ecken der Stadt, so findet sich an den Abbruchhäusern der Route de Thionville keiner dieser „Stempel“. Aber vielerorts anderswo.

Mal sehen, ob ich das richtig interpretiert habe, dass da protestiert wird gegen den Abriss von Gebäuden oder die Umwandlung authentischer Lokale in etwas künstlich durchdesignetes. Markiert werden jedenfalls Verluste. Als letzte Weihe, im wissen, dass die besprayten Flächen bald verschwinden.

Letzte Weihe per Graffiti_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Café Restaurant de la Gare_St. Avold

Irgendwann in den vergangenen 25 Jahren, in denen ich von Saarbrücken einen Zug nach Metz oder Paris genommen habe, traf mich dieser Anblick wie ein Schlag: Waow – ein Monolith, ein unverfälschtes Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten!

Vorletzten Freitag war ich erstmals mit gezückter Kamera bereit, dieses authentisch lothringische Unikat abzulichten. Und auf der Rückfahrt von Metz am vergangenen Sonntag noch einmal, jetzt in der Gewissheit, dass es sich tatsächlich um eine „tote“ Gaststätte handelt:

Café Restaurant de la Gare_St. Avold © Ekkehart Schmidt

Café Restaurant de la Gare_St. Avold © Ekkehart Schmidt

Café Restaurant de la Gare_St. Avold © Ekkehart Schmidt

Café Restaurant de la Gare_St. Avold © Ekkehart Schmidt

Das Gebäude ist erstaunlich groß dafür, dass es am äußersten Rand der Stadt am Bahnhof liegt. Oben scheint es Wohnungen zu geben, die noch bewohnt werden. Aber das „M“ von „Maison Schang“ ist abgerutscht, die Vitrine mit dem Speisenangebot ist leer.

Wann auch immer das Lokal geschlossen wurde, es scheint eine spannende Geshichte gehabt zu haben. Vielleicht eine von Bergbauarbeitern, die hier vor und/oder nach der Schicht weiter westlich in den Minen bei Stiring Wendel oder Forbach ein Bier tranken? Bis diese schlossen. Und dann auch die „Maison Schang“, wie das Haus offenbar im Zweitnamen hie

Wenn zwischendurch spontan aussteigen bislang nicht geklappt hat, muß ich mir den Bahnhof also mal gezielt als Station eines Ausflugs vornehmen, um mehr herauszufinden. Details vor allem.

Ein Freund empfahl mir später eine französische Homepage über historische Herbergen und Gasstätten rund um St. Avold: interessant, aber dieses hier war nicht erwähnt.

Café Restaurant de la Gare_St. Avold © Ekkehart Schmidt

Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler

Ulrich. Da denke ich sofort an Jan Ulrich, einen meiner Sporthelden (nach Steffi Graf, Boris Becker und vielen Fußballern), dessen Absturz freilich nachhaltig desillusionierend war. Als ich da heute im Zug vorbei fuhr, dachte ich aber auch an den Kauf eines Mountainbikes für meinen ältesten Sohn vor etwa zwölf Jahren im Fahrradgeschäft nebenan. Damals wohnten wir in Ottweiler und das Radgeschäft war das beste in der Gegend um St. Wendel.

Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler © Ekkehart Schmidt

Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler © Ekkehart Schmidt

Beide sind heute geschlossen, es gibt im Dorf nur noch eine Apotheke mit einem Inhaber namens Ulrich und eine Backstubb. Ich muss hier nächstes nochmal aussteigen, vor allem, um zu schauen, was auf dem blauen Schild neben der leeren Vitrine dieses schon seit einigen Jahren „toten“ Lokals steht.

Das Haus wird mit seinen 230 qm heute für 88.000 Euro angeboten (vor einigen Jahren noch für 98.000). Auf der Webseite von Immobilienscout24, in der es zum Verkauf steht, fand ich wunderbare Fotos des Inneren in klassischem Stil Eiche rustikal, bei denen man sich vorstellen kann, wie hier das Dorfleben einen Fixpunkt hatte, einen Ort für Unterhaltungen und ein Gemeinschaftsgefühl:

Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler

Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler

Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler

Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler

Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler

Wie „spießig“ auch immer das war, es ist ein Verlust für den Ort, aber ein Gewinn für meine Sammlung „toter Gaststätten“. Eine andere Immobilienagentur schlägt mutigen euten vor, hier ein Tanzlokal einzurichten. Hmm? Da habe ich doch gerade vor ein paar Wochen ein totes Tanzlokal in Walhausen etwa 10 km weiter nördlich entdeckt…

Die Geschichte mit dem wunderschön himmelblauen Rad für meinen Sohn war übrigens insofern einprägsam, als er noch am selben Abend irgendwoher eine Spraydose mit Goldfarbe nahm und das nagelneue Rad damit besprühte. Er wollte es verschönern oder in Besitz nehmen. Seine Mutter regte sich jedenfalls sehr darüber auf. Ich ärgerte mich auch, aber ein wenig verhaltener: So ein teures Rad (das dann kaum benutzt wurde) so „zu entwerten“… Ihm ging’s scheinbar zu gut, kein Respekt vor dem hohen Preis…

Oder haben wir ihm etwas aufgedrängt, was er im hügeligen Ottweiler nicht brauchte? Er ist jedenfalls ein sehr guter Fußballer geworden, aber kein Radfahrer und erst recht kein Jan Ulrich.

Adresse: Oberlinxweilerstraße 4 , 66606 Sankt Wendel

Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler © Ekkehart Schmidt

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg

Am vergangenen Freitag haben gut 80 Personen (35 vor Ort, die anderen im Hintergrund) in einem Akt zivilen Ungehorsams vor der Europäischen Investitionsbank (EIB) dafür demonstriert, dass diese in Zeiten der Klimakrise auf jegliche Investitionen in die Infrastruktur zur Nutzung fossiler Energien verzichten sollte, insbesondere bezüglich des Projekts TAP (siehe Disrupt Fossil Fuels). Der Vize-Präsident der EIB, Andrew McDowell, riet uns – da man ganz in unserem Sinne dabei sei, die EIB zu einer wirklich nachhaltigen Bank umzuwandeln – uns an die EU-Finanzminister zu wenden. Denn sie müssten darüber entscheiden

Dem sind wir gestern mit einem Schreiben an den luxemburgischen Finanzminister Pierre Gramegna nachkommen. „Wir“, das sind 4 Teilnehmer*innen der ersten Aktion, die unterstützt wurden von luxemburgischen, französischen und deutschen Akteuren der Bewegungen Extinction Rebellion Luxembourg in Kooperation mit Laika, Fossil Free Luxembourg collective, Marche pour le climat Metz, Youth for Climate Luxemburg, Youth for Climate Metz sowie zivilgesellschaftliche Initiativen wie Attac Luxembourg, BUND Saarland, CELL, etika, Greenpeace St. Wendel und Transition Saarbrücken.

Wir baten den Finanzminister – aufgrund der durch viele Studien nachgewiesene Dringlichkeit sofortige Handelns – darum, bei der Sitzung der Finanzminister in der EIB am heutigen Freitag „darauf hinzuwirken, dass die Investment-Policy der Bank entsprechend konsequent verändert wird“. Insbesondere forderten wir ihn dazu auf, „die weitere Finanzierung des Projekts ‚Trans Adriatic Pipeline (TAP)‘, für das ein Kredit in Höhe von 1,5 Milliarden Euro erteilt wurde, sofort zu beenden. Jeder Euro, der in die Infrastruktur fossiler Energien investiert ist, ist ein Euro der für erneuerbare Energien fehlt.“

Wir bekamen bislang keine Antwort, hatten aber schon vorher entschieden, den Ball aufzugreifen, den uns Andrew McDowell zugespielt hatte und ließen heute früh von 8.15 – 11.30 Uhr eine zweite unangemeldete Aktion folgen: Mit (leider nur) zwei Dutzend Personen stellten wir uns vor das European Convention Center, in dem der ECOFIN-Rat der Finanzminister tagte, um eine Änderung der EIB-Investmentpolitik zu fordern.

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Wir wechselten zwischen Gesängen und klaren Forderungen. Dann kam ein Vertreter der EIB heraus und erläuterte uns, dass man sich bemühe, die Bank grüner zu machen. Wir erwiderten, dass wir zugleich erwarten, dass alle Infrastrukturprojekte für fossile Energien – auch die laufenden – sofort gestoppt werden. Wir ernteten ein freundliches, mehrdeutiges Lächeln… und das Versprechen, es würde im Anschluss an die Sitzung noch jemand zu uns sprechen.

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Am Vortag hatte EIB-Präsident Werner Hoyer angekündigt, dass der Rat der Gouverneure der EIB heute  darüber beraten werde, „wie wir den Klimawandel schneller bekämpfen, mehr wirtschaftliche Chancen schaffen und die soziale Infrastruktur verbessern können. Der Klimaschutz hat jetzt für uns alle höchste Priorität.“ Man nehme die „Rolle als Klimabank der EU sehr ernst“. Schön. Aber Hoyer unterschlug in diesem Statement, dass die EIB immer noch an Projekten zum Ausbau der Infrastruktur für fossile Energien beteiligt ist und kein „Divest“ macht. Jeder Euro, der noch in solche Projekte fliesst, fehlt beim Aufbau der Infrastruktur für erneuerbare Energien, sagten wir dem Herrn.

Jemand hatte Kreide mitgebracht und so machten wir ein „Die-In“.

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Dann tauchte plötzlich eine Kindergartengruppe auf und wollte wissen, worum es geht. Wir erklärten, so kindgerecht es geht und die Kinder fühlten sich angeregt, selber die Kreide zur Hand zu nehmen…

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Zum Ende der Aktion – es war niemand mehr herausgekommen und wir sagten uns, dass wir die Ergebnisse der Sitzung auch morgen in der Zeitung lesen können – verabschiedeten wir zwei Teilnehmer*innen besonders herzlich beim Start ihrer Klima-Wanderung nach Aachen.

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Medienreaktionen: Artikel der woxx zu dieser AktionPorträt unserer Mitstreiterin Michelle von Extinction Rebellion, sowie Milena von LAIKA.

#fossilfreeEIB
#disruptfossilfuels
#greenandjusttransition
#notap

Disrupt Fossil Fuels_ECOFIN Luxemburg © Ekkehart Schmidt