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Café zur Fliegerstube_Borkum

Es war das erste Gebäude, das mir am winzigen Flughafen von Borkum letzte Woche ins Auge fiel: Ein Fliegerheim mit Café, 50 m vom ähnlich kleinen Empfangsgebäude entfernt. Dort gibt es heute ein kleines Büffet. Aber es war wohl eher das vor einigen Jahren errichtete Dünenhotel jenseits der Zugangsstrasse, dessen Restauration das Ende für die Fliegerstube bedeutete. Da können Piloten jetzt in deutlich anderem Komfort übernachten. Ich war per Rad da und bin mit den Kindern auf den Spielplatz zwischen Landebahn und Empfangsgebäude (…), um auf eine landende Cessna zu warten.

Café zur Fliegerstube_Borkum ⓒ Ekkehart Schmidt

Café zur Fliegerstube_Borkum ⓒ Ekkehart Schmidt

Café zur Fliegerstube_Borkum ⓒ Ekkehart Schmidt

Café zur Fliegerstube_Borkum ⓒ Ekkehart Schmidt

Hier fliegen heutzutage nur Kleinstflugzeuge: Linienflüge zu den anderen ostfriesischen Inseln und Frachtflüge, aber es gibt auch für Urlauber die Mögichkeit, kurze Rundflüge über die Insel zu unternehmen. Früher war das vielleicht anders.

Von historischem Interesse ist das Gelände, weil Borkum ab Anfang des 20. Jhs ein bedeutender Militärstützpunkt war. 1902 erhielt die Insel den Status einer Seefestung. 1934 begann Wernher von Braun mit Raketenversuchen auf Borkum, die später in Peenemünde fortgesetzt wurden. 1957 richtete die neugegründete Bundesmarine einen Marinestützpunkt ein, der bis 1996 bestand. Die Fliegerstube steht aber erst seit 2011 leer.

Ihr Name „Tüskendor“ bezieht sich übrigens auf die gleichnamige Niederung bzw. Priel (plattdeutsch für „Zwischendurch“) zwischen zwei nahe gelegenen historischen Inseln. Ab 1830 verengte er sich immer mehr durch Sand- und Schlickanhäufungen. Die Borkumer beschleunigten diesen natürlichen Prozess, indem sie Strohbündel in den Priel warfen oder Gräser anpflanzten. 1863 wurde dann ein Damm errichtet, der die Lücke zwischen den beiden endgültig schloss. Seitdem gibt es nur noch eine Insel Borkum. Im Zwischenbereich entstand der Flugplatz.

Adresse: Fliegerheim Tüskendör in Borkum, Ostfriesenstr. 102, 26757 Borkum, ehemalige Homepage: www.fliegerheim-borkum.de

Verwendete Quellen: Antenne Niedersachsen: 10 Fakten über Borkum, 25.05.2018; Wikipedia-Artikel „Borkum„.

Café zur Fliegerstube_Borkum ⓒ Ekkehart Schmidt

Café des Sports_Hosingen

Ein „Café des sports“ war früher in luxemburgischen Kleinstädten in ähnlicher Weise eine Instituition im gesellschaftlichen Zusammenleben, wie ein „Café de la Gare“. Hier haben manche vor einem kleinen Fernseher ihre erste Fussball-WM oder Tour de France erlebt. Später hielten Riesenleinwände, aber auch digitale Wettkonsolen  Einzug. Durch das Aufkommen erst des Privatautos und des Fernsehens, dann des Internets und schliesslich des Smartphones sind diese Cafébars im Aussterben begriffen. Aber es gibt sie noch, zum Beispiel das Café Taverne des Sports in Clervaux oder ähnliche Lokale in Beggen, Bonnevoie, Grevenmacher, Itzig oder Merl. In Hosingen habe ich letztes Wochenende ein weiteres gefunden: Allerdings ist es seit gut einem Jahr geschlossen.

Café des Sports_Hosingen ⓒ Ekkehart Schmidt

Café des Sports_Hosingen ⓒ Ekkehart Schmidt

Café des Sports_Hosingen ⓒ Ekkehart Schmidt

Café des Sports_Hosingen ⓒ Ekkehart Schmidt

Café des Sports_Hosingen ⓒ Ekkehart Schmidt

Die Gründe für die Schliessung kann ich nur erahnen. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass hier durch die Ortsdurchfahrt täglich fast 18.500 Fahrzeuge fahren – mit Folgen nicht nur für die Lebensqualität (weshalb jetzt – nach jahrzehntelanger Debatte im Gemeinderat – ernsthaft über eine Ortsumgehung debattiert wird), sondern auch für die Atmosphäre in und an einem solchen Lokal. Die Inhaberin des gut gehenden „Café bei der Gemeng“ gegenüber, deutete auch an, dass die Nachfrage gesunken ist – sieht man einmal von durchreisenden Touristen (auch per Motorrad) ab.

Verwendete Quelle: Lamberty, John: Wenn nicht jetzt, wann dann …, Luxemburger Wort, 20.07.2018

Café des Sports_Hosingen ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Porte des Ardennes_Hosingen

Samstag Abend bin ich nicht auf dem direkten Weg zum Naturparkzentrum des Naturschutzgebietes Hosingen gefahren, wo ich am Sonntag eine Veranstaltung hatte, sondern erinnerte mich an eine Durchfahrt durch den gut 2 km entfernten Ort, in dem mir im Frühjahr zwei Cafés interessant erschienen. Und nahm den Bus bis dorthin, um zwei Stunden später zu meiner Unterkunft im „Parc Housen“. Leider waren beide geschlossen: das „Café des sports“ ebenso wie das „Café Porte des Ardennes“. Für immer. Ersteres seit einem Jahr, letzteres seit drei bis vier Monaten, wie mir die Pächterin des „Café bei der Gemeing“ erzählte.

Café Porte des Ardennes_Hosingen ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Porte des Ardennes_Hosingen ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Porte des Ardennes_Hosingen ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Porte des Ardennes_Hosingen ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Porte des Ardennes_Hosingen ⓒ Ekkehart Schmidt

Das Haus – und wohl auch das Café – stammt von 1951.

Café Porte des Ardennes_Hosingen ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Porte des Ardennes_Hosingen ⓒ Ekkehart Schmidt

Wie es der – manchmal wunderbare – Zufall wollte, kam genau in dem Moment, als ich ums Haus gehen wollte, um einen Blick auf den Bau der Kegelbahn zu werfen, ein alter Volkswagen vorbei, der nicht viel jünger zu sein schien.

Café Porte des Ardennes_Hosingen ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Porte des Ardennes_Hosingen ⓒ Ekkehart Schmidt

Ich werde versuchen, noch etwas mehr über das Lokal heraus zu finden.

Café Porte des Ardennes_Hosingen ⓒ Ekkehart Schmidt

Totes Café_Clervaux

Ich suchte gestern Abend nach etwas anderem, als mir dieser Schriftzug ins Auge fiel. Er erinnerte mich stark an denjenigen eines toten Cafés in Nidderkäerjeng, bei dem auch nur noch der Schriftzug auf der Tür (ungewöhnlich) an die frühere Nutzung eines offenbar schon lange Jahre leer stehenden Gebäudes erinnerte. Und so war es auch hier in der Route de Bastogne 33 am Bahnhof von Clervaux.

Totes Café_Clervaux ⓒ Ekkehart Schmidt

Totes Café_Clervaux ⓒ Ekkehart Schmidt

Totes Café_Clervaux ⓒ Ekkehart Schmidt

Ich wechselte auf die andere Straßenseite, um das Gebäude als Ganzes zu betrachten: Ein vergleichsweise imposanter Bau, der komplett leer steht. Bis auf einen Teil ganz rechts. Linkerhand ein zweiter Eingang: Wahrscheinlich gab es hier früher ein Geschäftslokal und ein Café architektonisch harmonisch nebeneinander, wobei die Fassade des Lokals linkerhand und die Tür des Cafés durch türkisblaue Kacheln als Fenster- und Türumrandung als einheit gestaltet wurden.

Totes Café_Clervaux ⓒ Ekkehart Schmidt

Totes Café_Clervaux ⓒ Ekkehart Schmidt

Totes Café_Clervaux ⓒ Ekkehart Schmidt

Totes Café_Clervaux ⓒ Ekkehart Schmidt

Totes Café_Clervaux ⓒ Ekkehart Schmidt

Totes Café_Clervaux ⓒ Ekkehart Schmidt

Totes Café_Clervaux ⓒ Ekkehart Schmidt

Totes Café_Clervaux ⓒ Ekkehart Schmidt

Ich schaue, ob ich noch etwas zur Geschichte des Lokals herausfinden kann. Gegenüber mündet seit 1993 eine Brücke über das Bahnhofsgelände auf die Straße. Ob deren Bau ursächlich dafür war, dass die Gäste ausblieben?

Totes Café_Clervaux ⓒ Ekkehart Schmidt

Marseillaise auf dem St. Johanner Markt

Während der Verlängerung des WM-Finales wurde beim Stand von 4:2 die „Marseillaise“ angestimmt, obwohl oder weil Kroatien mit dem Mut der Verzweiflung Druck machte. Dann ertönte in Moskau der Schlusspfiff und für ein halbes Dutzend Franzosen gab es beim Public-Viewing auf dem Saarbrücker St. Johanner Markt kein Halten mehr: T-Shirts aus und ab zum Marktbrunnen! „Champion du Monde“ da, wo vor vier Jahren noch die Deutschen gefeiert haben. Es gelang ihnen,  eine Hundertschaft Zuschauer*innen für eine kleine schöne Siegesfeier zum Brunnen zu ziehen.

Marseillaise auf dem St. Johanner Markt ⓒ Ekkehart Schmidt

Marseillaise auf dem St. Johanner Markt ⓒ Ekkehart Schmidt

Marseillaise auf dem St. Johanner Markt ⓒ Ekkehart Schmidt

Marseillaise auf dem St. Johanner Markt ⓒ Ekkehart Schmidt

Während in Moskau ein Wolkenbruch die Siegereehrung zu einem besonderen Erlebnis machte, entlud sich in Saarbrücken – trotz gleichfalls dunkel drohender Wolken – die Anspannung eher trocken. Den Gedanken, in den Brunnen zu springen, verwarfen die Männer jedenfalls. Dafür müffelte das Wasser zu sehr.

Marseillaise auf dem St. Johanner Markt ⓒ Ekkehart Schmidt

Marseillaise auf dem St. Johanner Markt ⓒ Ekkehart Schmidt

Die wenigen Kroaten erwiesen sich als stolze und faire Verlierer: Lange Zeit war Kroatien das bessere Team.

Marseillaise auf dem St. Johanner Markt ⓒ Ekkehart Schmidt

Marseillaise auf dem St. Johanner Markt ⓒ Ekkehart Schmidt

Très sympa und vrlo lijepo. Schön, dass ich mich als eigentlich enttäuschter Deutscher so doppelt freuen konnte.

Marseillaise auf dem St. Johanner Markt ⓒ Ekkehart Schmidt

Winzer Café Weyland_Edenkoben

Dieses Lokal war Sonntag vor acht Tagen unsere Rettung, also genau, was wir hungrig mit kleinen Kindern brauchten, nachdem oberhalb des Spielplatzes, wegen dessen superlanger Rutsche die Kinder mit nach Edenkoben gekommen waren, alle Lokale geschlossen waren. Grund war das Fest „Lavendellust“ im Kräutergarten Klostermühle neben dem Zisterzienserkloster aus dem 13. Jahrhundert, das ich schon beim ersten Besuch im März von unten fotografiert hatte. Vielleicht könnten wir dort etwas essen? Wir liefen einen Pfad am Weinberg hoch und gerieten plötzlich in unerwartete Menschenmassen und auf ein Nebengelände des ehemaligen Klosterbesitzes (jetzt ein Weingut). Das Fest schien nichts zu essen zu bieten. So gingen wir müde weiter und gelangten an einen Durchgang, hinter dem wir schon fast endgültig frustriert auf eine Querstraße trafen: Die Klosterstraße. Und dachten, jetzt erfolglos mit greinenden Kindern wieder runter zu müssen. Doch dann sahen wir gegenüber ein Lokal: Hurra und ab und hinein!

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Auf Kinders: Über die Straße mit dem Parksuchverkehr und den Hostessen, die den hier wild parkenden Autos grade Strafzettel aufdrückten. Auf in einen dieser typischen Innenhöfe bzw. zu solchen umgestalteten ehemaligen Winzerhofeinfahrten.

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Der erste Blick hinein sagte mir, dass es sich hier wohl um ein Vintage- oder Retrolokal handelt, der Blick zurück ähnlich ernüchternd: Aus dem Kloster wurde ein Weingut. Aber egal. Mir geht es bei diesem Blogtext um die Gaststube von 1890, die 1938 saniert worden ist und seitdem – bis auf manche Ölgemälde – im Wesentlichen unverändert geblieben ist, jedenfalls nach Auskunft von Frau Weyland, die das Lokal mit ihrem Mann Fred führt.

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Drinnen war anfangs alles leer und wir setzten uns auch deshalb – natürlich – nach draußen zu den anderen Gästen, später war aber auch diese alte Gaststube voll besetzt. Wir bekamen dennoch schnell unsere Bestellung von Flammkuchen (zwei Mal deftig-klassisch, einmal süß) und Limo in originellen Behältern.

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Der Innenhof – der mit der Gaststube ästhetisch nichts zu tun hat – ist durchaus nett und angemessen für heutige Bedürfnisse gestaltet. Als Winzercafé haben wir das natürlich mittags nicht erlebt. Abends sieht es hier sicher anders aus und es wird sicherlich mancher Korken in romantischer Atmosphäre gezogen.

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Leider vergass ich, genauer nach der Geschichte zu fragen. Online fand ich – zurück zu Hause – am hiesigen Standort nur Verweise auf ein Weingut August Gleich, jenem Namen, der schon auf der Ehrenurkunde am alten Kachelofen vermerkt war und einen besonders gelungenen Gewürztraminer bestätigt. Wahrscheinlich hat die Familie Weyland zumindest die Gaststätte vor nicht allzu langer Zeit übernommen, während das Weingut seine Produkte nur noch per Versand verkauft. Aber das ist nur eine Vermutung.

Adresse: Weingut Weyland, Winzer Café, Klosterstr. 169, Tel.: 06323-6194, Fr-Weyland@t-online.de

Winzer Café Weyland_Edenkoben ⓒ Ekkehart Schmidt

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des Âmes du Purgatoire_Paris

Paris zeigt dem Besucher seine schönen Fassaden, aber selten die vielen Geheimnisse dahinter. So ist die Stadt voller Dachterrassen, Innenhöfe, versteckter Parks und Gärten, die zu entdecken man das Glück einer persönlichen Einladung braucht. So wie ich im Mai dankbar dafür war, aus Saarbrücken gegen 16 Uhr zur Mitgliederversammlung einer entwicklungspolitischen Organisation zu einem von mehreren christlichen Komplexen nahe des Boulevard Montparnasse (unter anderem einem Kloster), anreisen zu „müssen“. Vorher nahm ich in dieser äußeren Fassadenwelt einen Espresso in der Brasserie au chien qui fume, zwischendurch noch einen im Café Francois Coppée.

Im Inneren des Geländes der klosterähnlichen „Congrégation religieuse des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire“  entdeckte ich einen Garten rund um eine kirchenähnliche Kapelle mit einem wirklich faszinierenden Namen: Kapelle der Seelen des Fegefeuers. Genauer gesagt: Chapelle des Sœurs auxiliatrices des Âmes du Purgatoire (Kapelle der Helferinnen der Seelen im Fegefeuer). Alle Stunde bin ich aus der Veranstaltung raus in den Hof, um eine zu rauchen und dabei ein bisschen herum zu stöbern.

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Wurde die Kapelle zwischen 1873 und 1876 durch den Architekten Juste Lisch tatsächlich erbaut, um den Seelen der Sünder zu gedenken, die nach einem lasterhaften Leben (nach christlicher Vorstellung) durch das Fegefeuer in die Hölle kamen? Dann würden mich die Christen wirklich überraschen: Diejenigen zu ehren, die einen unchristlichen Weg (einen Weg des Haram würden Muslime sagen) gegangen sind! Es scheint tatsächlich eine weltweit aktive Gruppe von Nonnen zu geben, die ihr Leben dafür hingeben, den am meisten vergessenen Toten zu dienen.

Da ich ja auch ein übler Sünder bin, bewegte mich das sehr. Aber ich stehe zu den meisten und brauche eigentlich niemanden, der mir nach meinem Tod hinterher betet oder trompetet. Vielleicht brauchen das die hier aktiven Christen viel mehr für sich als für die so genannten Sünder.

Aber Purgatoire bedeutet auf Deutsch nur in der engeren Bedeutung Fegefeuer, bildlich bezeichnet der Begriff auch den Leidensweg. Also einen Weg, den viele schon vor dem Tod zu gehen haben. Für diese zu „beten“, sich also ihrer Situation bewusst zu sein und mitzuleiden, ist etwas, was ich auch von mir kenne. Zum Beispiel, wenn ich an Syrien denke.

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Leider war das Gotteshaus verschlossen. Aber mir gefiel schon das Äußere mit der in drei Zugangswege aufgeteilten Treppe zum türkisfarbenen Portal und vor allem der neo-byzantinischen Kuppel mit vier Engeln, die Trompeten blasen.

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt

Es gibt noch eine zweite Kapelle ähnlichen Namens in Paris: Die zwischen 1760 und 1764 im Inneren der Kirche Sainte-Marguerite in der rue Saint Bernard im 11. Arrondissement vom Architekten Victor Louis errichtete Kapelle dient tatsächlich ausdrücklich dem Zweck, für die Sünder zu beten, die in einem Ort des Leidens zu büßen haben, ehe sie dann – auch das eine Überraschung für mich – dennoch ins Paradies kamen. Hier jedenfalls. Im Inneren findet sich neben einem trompe-l’œil an der Decke unter imposanten schwarzen Gittermustern eine Szene der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies in Konsequenz der ersten Sünde.

Adresse: 14, rue Saint-Jean-Baptiste-de-La-Salle, 75006 Paris

Verwendete Quellen: Wikipedia-Artikel Chapelle des Soeurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire;

Chapelle des Sœurs auxiliatrices des âmes du Purgatoire_Paris ⓒ Ekkehart Schmidt