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Diebe am Döner House Mangal_Bonn

Ach wie schön, mal wieder in einer meiner vier ehemaligen Heimatstädte zu sein und nach einem Biergartennachmittag mit Dagmar und Georg abends ein Lokal in der Bonner Nordstadt anzusteuern, in dem wir uns im letzten Jahrzehnt schon oft mit anderen Orientfreaks zum Essen und Erzählen getroffen haben: Das Lokal von Ömer heisst offiziell „Döner House Mangal“, aber das sagt wohl niemand.

Man ist und isst bei Ömer, einem Kurden, der vor 30 Jahren in der Gastronomie der ehemaligen Bundeshauptstadt angefangen hat, der irgendwie all die Jahre immer – und auch Corona – überlebt hat. „Bei Ömer“ heisst aber auch, dass man sich an der Kreuzung der Heerstrasse mit der Dorotheenstrasse in einem Geviert dreier Lokale türkischer, spanischer und italienischer Küche befindet, die alle miteinander zu tun haben: „Mangal“, „Que Sera“ und „Borsalino“.

Wir betraten das Lokal und bestellten uns – nach schöner Begrüssung – einen Teller Vorspeisen, dazu zwei Suppen und Ayran.

Dann setzten wir uns und waren gute zwei Stunden in unseren Gesprächen absorbiert, während uns eine Speise nach der anderen serviert wurde. Georg übersetzte mir das Graffiti: Gecenin Drami ist oder war für jemanden das Drama einer Nacht.

Die Mercimek Corba war ungewöhnlich, vom Standard der türkischen Erbsensuppe, die ich zwischen Hamburg und Kars hunderte Male gegessen habe, abweichend. Nicht nur im kräftigen Gelb, sondern auch in der Konsistenz: Der neue Koch habe da heute erstmals Paprika und anderes Gemüse untergemischt, sagte uns der uns sehr zugeneigt, authentisch freundliche Kellner.

Es dämmerte und wurde Abend. Wir bekamen ein Familiendrama von Söhnen erzählt, die sich an der Kasse eines dieser Lokale vergreifen, um sich ihre Drogen zu finanzieren. Mit hilflosem Vater. Dann wurden wir selbst heimgesucht von einem raben-, oder elsternartigen Vogel, der offenbar oben auf dem Dach des Hauses lebt und sich daran gewöhnt hat, sich unten bei den Gästen zu bedienen:

Ach: Bonn! 1994 bin ich nach vier Jahren fortgezogen, wie vorher 1988 nach vier Jahren aus Marburg, und davor zehn Jahren in Refrath, nach fünf Jahren Teheran – um für ein Jahr nach Kairo zu gehen, und danach in Köln zu studieren, ehe es nach Saarbrücken ging. Einige sehr wenige Lokalitäten nehmen mich auch drei Jahrzehnte später in dieser persönlichen Vergangenheit noch heimatlich auf. Dies war ein Bonner Beispiel.

Teşekkürler, Malava, Spas und سوپاس !

Adresse: Heerstr. 111, 53111 Bonn

Diebe am Döner House Mangal_Bonn © Ekkehart Schmidt

Bar al Museo_Padua

Diese Basilika überstrahlt den umgebenden Stadtraum und prägt ihn derart, dass man in ihrem Schatten schon genau hinsehen muss, will man schöne kleine Belanglosigkeiten finden. Ich habe das im Juni in Padua vor allem hier versucht, weil hier meine Hotel, die Pilgerherberge Casa dell Pellegrino lag und mich die täglichen Wege vielfach rundum führten.

Direkt an der Piazza del Santo, an der tagsüber ein Dutzend Souvenirwagen geöffnet sind und abends Pilger singen, gibt es nur zwei Cafés. Und zwei weitere an den Einmündungen der Hauptstrassen von Norden und Süden: die Lilium Pasticceria und die Bar al Museo. Erstere attraktiv und optisch sofort auffallend, letztere eher konventionell und versteckt. Bei beiden war es weniger die äussere Hülle, denn die menschliche Begegnung, die für mein Erleben entscheidend war. Und doch kann ich hier photographisch nur erstere zeigen.

Ihre prominente Lage vor dem Haupteingang der Basilika di Sant’Antonio fiel mir erst auf, als ich von einem Gang zur Prato delle Valle durch die Via Beato Luca Belludi zurück kam.

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Am 23. Juni folgte ich dem spontanen Impuls, mich jetzt auch hier einmal hinzusetzen und einen Espresso zu trinken. Die Kellnerin fragte, ob ich nicht noch ein Gebäck dazu nehmen möchte. Ja, OK.

Man sass hier wunderbar in Ruhe mit einem beeindruckenden Blick in verschiedene Richtungen, in direkter Nachbarschaft von Basilika, dem Oratorio di San Giorgio und der Scuola di Santo mit beeindruckenden Fresken u.a. von Tizian – daher wohl der Namensbezug der Bar auf Museen.

In Zeiten des eben erst aufgehobenen Corona-Lockdowns war hier natürlich nicht viel los. Und vielleicht ist das hier früher tatsächlich eine Touristenfalle gewesen, wie manche Gäste bei tripadvisor anmerken. Das kann ich nicht beurteilen, wenn auch das dortige Ranking ziemlich eindeutig ist: „ranked #912 of 973 restaurants in Padua“ und man es gar nicht für nötig empfindet, eine eigene Homepage zu haben oder sich auf Google Maps einzutragen.

Ich war der einzige Gast, kam ins Gespräch mit der Kellnerin und durfte innen photographieren – auch die ihr zufolge offenbar besondere Faemo-Espressomaschine mit den Espressotassen einer österreichischen Hausmarke namens „Hausbrandt“.

Vom Platz durch die Gasse neben der Bar in Richtung zum Weltkulturerbe Botanischem Garten sind schon Zigtausende Leute gelaufe, unter anderem vor gut 300 Jahren Johann Wolfgang von Goethe, der im Pilgerhotel übernachtete und oft in den Garten ging, in dem noch eine Palme steht, anhand derer er eine wichtige botanische Theorie entwickelte.

Adresse: Via Beato Luca Belludi 64, 35123 Padua/ Italien, Tel.: +39 049 654245 

Bar al Museo_Padua © Ekkehart Schmidt

Café Op der Grenz_Esch/Alzette

Wenn die Bayern, Liverpool oder Juve vor Gründung der Champions League die erste Runde des Europapokals der Landesmeister spielten, gab es immer kaum bekannte, unangenehme Gegner der Kategorie „Underdogs“ – zum Beispiel Jeunesse Esch.

Der Verein ist mit 28 Meistertiteln Rekordmeister Luxemburgs. Der letzte Meistertitel stammt aber aus dem Jahr 2009/10. Dieses Jahr wird also ein trauriges, ungewohntes Jubiläum gefeiert: 10 Jahre ohne Meistertitel. Und die Zukunft ist unklar: Im Juli übernahm der Grieche Manthos Poulinakos den Verein.

Die größten internationalen Erfolge gelangen im Europapokal der Landesmeister 1959 mit einem 5:0 im ersten Vorrundenspiel gegen LKS Lodz und am 19. September 1973 mit einem 1:1-Heimunentschieden in der ersten Runde gegen den FC Liverpool, dem amtierenden englischen Meister und UEFA-Pokal Sieger – das Rückspiel verlor Esch allerdings mit 0:2. Und gegen den FC Bayern gab es zwei humorlos-böse Klatschen 1:8 und 5:0 (was seit drei Wochen nicht mehr so schlimm klingt, seitdem Barcelona nur ein Tor mehr beim CL-Halbfinale gegen die Lulima gelang, wie man den FCB in Luxemburg nennt).

Aber egal, wie die Spiele ausgingen: In diesem Lokal wurde danach gefeiert, stolz, überhaupt gegen solche Gegner spielen zu dürfen. Hier trifft man sich aber auch nach normalen, unspektakulären Ligaspielen gegen Differdingen, Niederkorn oder nach dem jährlichen Lokalderby gegen Fola Esch, die im Moment besser drauf sind. „Op der Grenz“ bedeutet natürlich „Auf der Grenze“, wenngleich die nach Frankreich noch ein paar Hundert Meter entfernt ist. Genauso heisst das kultig kleine Stadion des Vereins, auf Französich Stade de la frontière.

Das Lokal findet sich in einer stark abseitigen Ecke der Stadt, an der man nur als Grenzgänger oder Franzose mit dem Ziel der hier dominanten Läden mit steuertechnisch billigem Alkohol und Tabak vorbei kommt. Oder wenn man – wie ich letzten Mittwoch – nach dem Besuch des Textil-Upcycling Centers „Benu Village“ ein bisschen südwärts über die nahen Bahngleise hinweg schnuppert, was es denn hier sonst noch gibt.

Das weiss gestrichene Lokal in dieser Häuserfront zog mich stark an und ich ging für einen Espresso zu 2 Euro vorbei, ehe ich zurück ins Büro zu fahren hatte.

Das Vereinslogo prangte da, als wäre es ein offizielles Vereinslokal, die Geschäftsstelle oder so – offenbar ist es tatsächlich genau das. Und doch auch einfach nur ein Café, dessen Inneres aber vollständig in Schwarz-Weiss gehalten und mit unzähligen Fotos, Plakaten und sonstigen Erinnerungen dem Kultverein huldigt.

Faszinierend. Carmen, die Frau hinter der Theke, die sich mit drei Männern zu unterhalten hatte, mir aber auch gerne zwischendurch meine Fragen beantwortete, gab mir ihr OK, frei zu fotografieren. Ich scheine nicht der erste zu sein. Solche Fussballkneipen sind selten geworden. Ich kenne hier nur noch die Kneipe der portugiesischen Fans des FC Porto.

Hinter der Theke gab es einen intimeren Nebenraum und Carmen bestätigte mir, dass sich hier tatsächlich nach den Heimspielen ein Grossteil des Teams trifft und in Kontakt mit Fans kommt.

Nach 11 Jahren täglicher Lektüre der Sportteile luxemburgischer Zeitungen würde ich wirklich zu gerne einmal den Kilometer vom Bahnhof hierher über die Gleise laufen, rechts abbiegen in die Via Rue Barbourg und nach dem Spiel im Café Op der Grenz einkehren. So, wie ich vor 40 Jahren zum Müngersdorfer Stadion bin.

Der neue Besitzer des Vereins verspricht (natürlich) weitere Meistertitel, aber auch ein ambitiöses Projekt: So soll ein Jeunesse-Museum entstehen, in dem unter anderem auch ein Fanshop und Büroräume für die Jeunesse-Mitarbeiter untergebracht sein sollen. Also eine Erweiterung dieses Cafés oder so?

Adresse: 11 rue Jean-Pierre Bausch, L-4023 Esch sur Alzette, Luxemburg, Facebook-Seite

Verwendete Quelle: Joe Turmes: Ehrgeizoger Fussballrekordmeister, Luxemburger Wort, 21. Juli 2020

Café Op der Grenz_Esch/Alzette © Ekkehart Schmidt

Bar Nazionale_Padua

Ein solcher Name ist natürlich erstmal ein Statement. Nicht, dass da Nationalisten sitzen würden oder angezogen werden sollen. Aber es wird schon ein Anspruch formuliert, kein provinzielles Café zu sein. In Deutschland gibt es dazu kein Pendant. Ich fand ein Lokal diesen Namens bislang nur mit dem National Café in der kurz italienisch besetzten äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Eine kurze Recherche zeigte mir aber, dass es Lokale solchen Namens in vielen italienischen Städten von Cecina und Ferrara über San Remo bis Turin gibt. So auch in Padua.

Mein Reiseführer empfahl sie mir als „kleine, beliebte Bar im Untergeschoss des Palazzo della Ragione“ mit „einigen Aussentischen hautnah am Marktgeschehen, gut für einen Spritz, ausserdem reich belegte Tramezzini“. Ich erwartete darob allerdings ein eher spelunkiges Lokal mit grossem Innenraum, in dem ältere Männer über das Corona-Management von Giuseppe Conte und die Champions-League-Chancen von Atalanto Bergamo streiten.

Stattdessen fand ich ein unscheinbares Lokal, eins von dreien nebeneinander, alle ohne grossen Innenraum, vor dem ein gemischtes, eher junges Publikum sass. Mitte Juni war das Nazionale vormittags während der Marktzeit als einziges geöffnet. Nur abends fand sich eine Landschaft aus mehreren Dutzend vollbesetzten Tischen unter Sonnenschirmen. Alle drei Lokale leben von der Terrasse auf den Platz, der Innenraum wird wohl nur im Winter ernsthaft bestuhlt – auf engem Raum neben Theke und Tür zum WC. Ich kam hier im Juni täglich vorbei und setzte mich drei Mal – mit einem jedesmal völlig anderen Erlebnis.

Hier, unter dem imposanten Bau des Palazzo, war wirklich das Herz der Stadt – oder der Ort, an dem man zentral zur Ruhe kommen kann. Beim ersten Mal genoss ich diese einfach für einen eher kurzen Moment gegen 18 Uhr, erlebte die Erscheinung eines Mannes in Weiss, ehe es weiter ging.

Beim zweiten Mal setzte ich mich in den schattigen Durchgang zu einer kleinen Passage, was sich – auch durch ein anderes Publikum – eher touristisch anfühlte. Ich hatte diese besondere, sogähnlich die Wege anziehende Ecke zwischen zwei imposanten Gebäuden vorher schon fotografisch zu erfassen versucht.

Man scheint hier gut frühstücken zu können und die Preise sind korrekt (der Espresso für 1,50 Euro). Erst beim dritten Besuch – mitten während des vormittäglichen Markttreibens – habe ich aber die überbackenen Toasts (Tostada) probiert, die drinnen neben Sandwichs und Chips lockend in der Auslage gestapelt waren: Sehr gut, für 3,70 Euro zusammen. Sehr lecker, im Kontext fröhlichen Stimmengewirrs, widerhallend von der Wand an der Ecke der Piazza. Für eine Viertelstunde auch ein Saxophonspieler…

Der gefühlte Unterschied zwischen einem Besuch zu Marktzeiten oder danach war extrem. Aber das ist bei vielen Cafés so: Jede Tageszeit hat ihre eigenen Gäste. Wenn die „Bar Nazionale“ auch ganz anders war, als vorgestellt, so hatte ich doch immer eine Zeit voller guter Beobachtungen italienischen Lebens. Kein Debattierclub alter Männer – einen solchen fand ich in diesen sechs Tagen Padua nirgends mehr. Dafür muss man wohl in Kleinstädte gehen.

Adresse: Piazza dell`Erbe 41, 35122, Padua/ Italien, Tel.: +39 049 657915, Tripadvisor

Bar Nazionale_Padua © Ekkehart Schmidt

Graace Hotel_Luxemburg

Obwohl ich oft in Bonnevoie unterwegs bin, dem kosmopolitischsten Viertel der Stadt, mit vielen Restaurants, Cafés und Kneipen, habe ich hier etwas übersehen, das sehr bemerkenswert ist. Aus einer alten Schlosserei im Hinterhofcarré zwischen der rue Sigismund, der rue des Puits mit der ebenfalls in einer ehemaligen Fabrikhalle untergebrachten „Banannefabrik„, sowie der rue des Ardennes wurde ein ökologisch und architektonisch bemerkenswertes Hotel errichtet, das auch für die Stadtentwicklung wichtige Impulse gibt. Hier ein Google-Earth-Foto vor der Sanierung:

Luftaufnahme

Oder sagen wir: Geben könnte, wenn denn nicht die Pandemie dazwischen gekommen wäre. Die leer stehende Schlosserei wurde 2012 erstanden und aufwändig umgebaut. Im März sollte sie eröffnet werden – was wegen Corona dann erst im Juni erfolgte. Heute habe ich mir das „Graace Hotel“ einmal angeschaut: ein tolles Projekt.

Aber ihm fehlen die zahlenden Gäste. Corona führte dazu, dass es deutlich weniger Geschäftsreisende gibt, denen das Hotel ein besonderes Ambiente und eine ihren spezifischen Wünschen entsprechende Ausstattung bietet. Es sieht nicht gut aus, der Preis pro Übernachtung ist schon von den anvisierten und durchaus vertretbaren 200 EUR auf 120 gesenkt worden… Ich möchte es daher hier etwas bewerben.

Von aussen ist der Zugang zwischen zwei Häuserzeilen sehr unauffällig, aber nicht unscheinbar: Es wirkt edel. Ein Detail ist hier wichtig: Eine massive Metallabtrennung verhindert den Zugang etwaiger unerwünschter externer Personen und gibt den Gästen ein Gefühl der Sicherheit. Das ist nicht irrelevant in diesem Teil von Bonnevoie, in dem sich viele Einrichtungen für sogenannt randständige Personen befinden.

Graace Hotel_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Graace Hotel_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Graace Hotel_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Hinter der Metallwand öffnet sich ein weiter Hof mit Blick auf die in einem Container untergebrachte Rezeption, den Frühstücksraum und schöne Sitzecken unter Apfelbäumen, hinter denen es in die ehemalige Schlosserei geht, deren Metalldächer entfernt wurden, so dass der Zimmertrakt sehr licht wirkt. Architektonisch ist es eine Mischung zwischen skandinavischen und japanischen Gestaltungsvorstellungen.

Graace Hotel_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Graace Hotel_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Graace Hotel_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Graace Hotel_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Das Hotel bietet 28 Zimmer, 16 unten und 12 oben, die alle gleich gestaltet wurden: wie nebeneinander gebaute Tiny Houses, die alles bieten, was man braucht und wo Unnötiges – wie ein TV-Bildschirm  an der Wand – konsequent weggelassen wurde. Zum Beispiel gibt es statt eines Kleiderschrankes nur einige wenige Kleiderbügel an der Wand.

Graace Hotel_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Das Gebäude und die Zimmer wurden mit viel Holz gestaltet. Viele Details zeigen den konsequenten Willen, unnötigen Energieverbrauch zu reduzieren: So gibt es zwar an der Metallwand eine elektronische Klingel, aber jedes Zimmer ist mit einem mechanischen Nummernschloss gesichert, wie man es von alten Fahrradschlössern kennt. Und es gibt eine derart klare Ausrichtung auf Kund/innen im digitalen Zeitalter, wie ich sie noch nie gesehen habe: Zum Beispiel einen gesonderten WLAN-Zugang für jedes Zimmer und eine Aussparung in der Wand am Bett, um sein Tablet oder Smartphone griffbereit einzustecken.

Vier Räume folgen aufeinander: Arbeitszimmer, Bad mit Dusche (genial erweiterbar nach Aufklappen der innen verspiegelten Türen in den Flur), Schlafraum und kleine Terrasse bzw. Balkon.

Graace Hotel_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Graace Hotel_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Graace Hotel_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Die Krönung bilden dann die zwei Dachterrassen: Viele Pflanzen, weite Blicke rundum und mittendrin Hochbeete mit Gemüse – von Lauch bis Salat. Daneben eine Art hölzernes Gewächshaus mit prächtig gedeihenden Tomaten, in dem man sich auch in Ruhe hinsetzen kann.

Graace Hotel_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Graace Hotel_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Adresse: 10, Rue Sigismond, L-2537 Luxemburg, Tel.: +352 26 68 43 43, Homepage

Graace Hotel_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Milk Bar Pasticceria_Padua

„Milkbar“, das klang ein wenig wie „Latteria“, nur wirkte der Name dieses Caffès am Rand der Altstadt von Padua in Englisch ein wenig so, als sei es ein Überbleibsel aus den 1950er-Jahren, als ein „amerikanischer“ Stil wohl noch vielversprechend cool klang, wenn man sich auch Marcello Mastroianni und Sophia Loren nicht beim Dolce vita in der Milkbar vorstellen kann.

Und doch brachte mich am 22. und 25. Juni irgendeine Vorstellung dazu, nicht vorbei zu laufen, aus den Laubengängen der Via Cesare Battisti im Südosten der Stadt in Richtung eines Stadttors und zentraler Piazza dell Erbe laufend, sondern mir nach der Querung der Riviera dei Ponti Romani zu sagen: Hier bleibe ich mal, um zu Ruhe zu kommen.

Ich setzte mich gegenüber in den Schatten, bekam meinen ersten „Caffè Americano“, schrieb etwas Tagebuch, studierte den Reiseführer und überlegte, weshalb ich eigentlich hier bin.

Drinnen schien nicht viel los zu sein und auch draussen füllte es sich erst gegen 16.30 Uhr. Aber an der Theke zur (verkehrsberuhigten) Strasse fanden sich immer wieder kleine Gruppen für ein Schwätzchen. Ich kam ins Gespräch mit einem Kellner und lernte, dass das Lokal, das vollständig Milk Bar Pasticceria Rinfresco di Laurea heisst, gut 50 Jahre alt ist und 1994 renoviert worden ist. Das Haus, lokaler Hauptsitz der Versicherung Assecurazione Generali, wurde 1927 errichtet – wahrscheinlich schon damals mit Lokal.

Zum Bezahlen ging ich hinein und entdeckte ein zweistöckiges Lokal, das wohl eher im Winter gefüllt ist und das ich mir erst beim zweiten Besuch genauer anschaute:

Nachdem ich bislang immer „Espresso“ oder „Caffè“ bestellt hatte, habe ich hier gelernt, wie ein Kaffee heisst, der am ehesten dem gewohnten deutschen Filterkaffee ähnelt – nach dem mich dürstete, wenn ich nicht nur einen Koffein-Shot oder ein Genippel an einem starkem Getränk brauchte, sondern auch ein paar Schlücke heiss die Kehle herunter rinnenden Kaffees: „Americano„.

Er wird freilich nicht per Filter aufgegossen, sondern ist ein Produkt der Espressomaschine, keine Nachahmung, sondern ein originäres Produkt italienischer Kaffeekunst, die es freilich nicht nach Deutschland geschafft hat. Seinen Namen verdankt er wohl den touristischen Gästen aus Amerika, denen der Espresso zu stark war. Es handelt es sich um eine Art „gestreckten“ Espresso, der in eine größere Tasse gefüllt und im Anschluss mit Wasser angereichert wird. Dies schwächt seine Intensität ab, ohne den originäre Geschmack des Espresso zu verfälschen. Ich verwechselte ihn zunächst mit dem Caffèe Lungo.

Der große Unterschied besteht darin, dass beim Americano erst nach dem Brühen die Wasseranreicherung erfolgt. Beim Lungo hingegen wird bereits beim Brühen eine doppelt so große Wassermenge verwendet.

Obwohl der amerikanisch-spanische Begriff „Americano“ erst in den 1970er Jahren populär wurde, existierte das Getränk bereits viele Jahrzehnte zuvor. Er erlebte seine Geburtsstunde in der Hochphase des Zweiten Weltkriegs, als US-amerikanische Soldaten in Italien landeten und die dortige Kaffee-Kultur für sich entdeckten. Da die GIs das italienische Original zunächst als zu stark empfanden, füllten sie es mit Wasser auf, um das Getränk genießen zu können – geboren war der Americano. So lernte ich jedenfalls back in Germany beim oben verlinkten „Roastmarket Magazin“.

Und weshalb war ich jetzt hier? Um zu mir zu kommen. Wie immer auf Reisen. Was nur geht, wenn mich ein Lokal und seine Besucher/innen nicht ablenkt.

Adresse: Via Cesare Battista 17, Padua/ Italien, Tel.: 049-876 1033, Homepage, Fotos auf Google Earth

Milk Bar Pasticceria_Padua © Ekkehart Schmidt

La Caffetteria_Padua

Ich kann zu dieser Bar nichts erzählen, das mit ihr zu tun hätte. Aber es war – abgesehen vom Bricco Caffè im Bahnhof von Padua – das erste Caffè, das ich am späten Abend des 21. Juni entdeckte. In der Sicherheit, dass ich mir das Innere bald anschauen würde, zu viel versprechend war das Äussere.

Mir gefiel der Kontrast zwischen der historischen Architektur eines Gebäudes neben dem Grand Hotel Italia eingangs des in die Innenstadt führenden Corso del Popolo, hinter dem sich mit der Banca Etica die Zentrale der wichtigsten italienisch grün-sozialen Bank befand (wegen der ich überhaupt nach Padua kam – hier sollte eine Summerschool stattfindenund ich hatte Vor-Corona ohne Stornierungsmögichkeit mein Hotel gebucht) – und der tatsächlichen Nutzung mit den dominanten Begriffen „illy“ und „Kebab“.

Aber nach 12 Stunden Zugfahrt machte ich nur erstmal schnell vier Fotos, um dann zu meinem Hotel zu laufen.

Drei Jungs huschten vorbei, ehe ich diesen faszinierenden Dreiklang von Schildern ablichten konnte. Wie genau ist die vielleicht hundert Jahre alte Bezeichnung ganz oben zu entziffern? Latteria Pasticceria Caffè? Ist eine „Latteria“ damals in den 1950ern so etwas wie eine „Milchbar“ gewesen, vor Aufkommen der Eiscafés? Ein Ort, wo sich die Jugend traf? Oder doch nur ein Milchgeschäft. Dazu Gebäck und Espresso im Angebot?

Und dann wurde wohl 1960 aus dem kleinen, schmalen Lokal eine Caffeteria – ein Begriff, den ich bislang nur aus Deutschland kannte – gerne für öde Uni- oder Klinik-Cafés genutzt. Mein Eindruck bei einem späteren Passieren war freilich, dass das kein Lokal war, in das man sich zufällig verirrte, sondern eher ein Stammlokal durchaus zwielichtiger Gestalten. Bahnhofskneipe halt. Oder? Vielleicht auch mit leckeren Croissants ein nettes Frühstückscafé für Touristen kurz vor der Heimfahrt?

Ich konnte nur mutmaßen. Ein Foto auf Google-Maps wirkte später jedenfalls sympathisch. So, wie es von den neuen Pächtern historisch-sensibel war, das alte Schild nicht einfach zu entfernen. Und ging damals weiter in die Stadt, vorbei an der Caffeteria Corso Bar, in diesem so aufregenden Gefühl der Stadteroberung Ausschau haltend nach Entdeckungen – und erlebte dann ein spezielles Abenteuer, was mein gebuchtes Hotel anging, das coronabedingt geschlossen hatte, weshalb ich hilfesuchend gegenüber in die Lilium Pasticceria ging…

Das war eine andere Geschichte, aber mit meinem Wunsch nach baldiger Verheimatung in einem Lieblingslokal gab es eine Verbindung mit dieser ersten Caffeteria. Letztlich fand ich diesen Wunsch dann aber in der Fly Bar Pizzeria erfüllt.

Adresse: Corso del Popolo, 73, 35131 Padova/ Italien

La Caffetteria_Padua © Ekkehart Schmidt

Fly Bar Pizzeria_Padua

Ob ich je so oft in einer Pizzeria in Italien gegessen habe? Wohl nicht beim ersten Italien-Aufenthalt auf einem Campingplatz in Bardolino 1974 am Gardasee, da waren meine Eltern sehr sparsam. Und danach in der Toskana, Venedig, in Apulien, Rom, der Cinque Terre, der Seiser Alm und Südtirol auch nicht, weil ich/ wir Abwechslung wollten oder zu kurz an einem Ort waren. Während der fünf Tage im Juni in Padua war mir diese auch wichtig, was Cafés anging. Aber mittags habe ich ausschliesslich hier gegessen. Das hier zu erklären versuchen, ist simpel und schwierig zugleich.

Auf den ersten Wegen vom Hotel Pellegrino an der Piazza San Antonio in die Innenstadt kam ich in einer Parallelstrasse zur belebten Via Roma zufällig an einer Ladenpassage vorbei und wäre fast vorbei gelaufen. Aber da es heiss war und hier schattige Kühle lockte, schaute ich kurz hinein und blieb sofort, weil sich da ein Lokal verbarg, das zugleich Caffè, Bar, Gelateria, Restaurant und (abends) Cocktailbar war. Und zwar nur für Einheimische. Jedenfalls in Corona-Zeiten, einen Monat nachdem der Lockdown für Lokale am 15. Mai aufgehoben worden ist.

Die Passage öffnete sich gegenüber eines viel breiteren, ebenfalls galerieartigen Laubengangs (Portikus) mit hier innen stark leuchtenden weissen Säulen der Kirche Santa Maria dei Servi aus dem 14. Jahrhundert. Maria. Mit einer Frau, die irgendwie der biblischen Maria ähnelte, beschloss sich mein Aufenthalt hier fünf Tage später.

Von der anderen Seite kommend, wo sich kaum Lokale befanden, wirkte der Zugang zur Passage namens „Galleria Tito Livio“ ganz anders. Weil man durch die Sogwirkung der sehr harmonisch den Blick in die Tiefe der Entfernung zur nächsten Ecke weit hinten ziehenden Via Roma nicht auf Nebengassen achtete, fällt das Lokal dort nicht auf. Anders von hinten, wo die Strasse Tito Livio eher unharmonisch mit unpassend eingefügten modernen Bauten verläuft und einem jedes Detail ins Auge fällt (die junge Frau in Shorts lief mir erst ins Bild, nachdem ich mich für das Foto postiert hatte). Die Perspektive war plötzlich diejenige der Bewohner des Quartiers.

Die roten Plastikstühle wirkten gewissermassen stilecht für diese Art Lokal, eine Auswahl von gelben und braunen Zuckertüten (Kristall- und Rohrohrzucker) signalisierten mir aber – neben dem Weltladen an der Ecke und in Kenntnis von Unigebäuden nahebei – dass zu den Stammgästen eher wohl junge Leute zählen, die gegenüber den Problemen unserer Zeit eher aktiv aufgeschlossen sind. Eine stylische Bar, etwa auch mit veganen Produkten, war dies aber nicht. Aber die einzige authentische, die ich mit Ausnahme der Caffeteria Bar Corso in der Innenstadt fand, in der sich also – versteckt von den Hauptwegen der Pilger und Touristen – nicht nur die sozialen Schichten, sondern auch die Geschlechter und Generationen durchmischten und öfters auch eine Gruppe alter Männer sass.

Das 1984 eröffnete „Fly“ versteht sich als „American Bar“, was immer das heissen soll. In den USA wird der Begriff kaum genutzt, er entstand wohl in Europa Mitte des 19. Jahrhunderts und bezeichnet eine Bar im „amerikanischen Stil“ oder ein Lokal, das „amerikanische Getränke“ (Alkohol?) serviert, wo man aber jedenfalls an der Theke sitzt. Solche Bars gab es in Europa lange Zeit fast nur in größeren Hotels (Hotelbar).

Das passt hier nicht wirklich. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass Inhaber Azem Fetaj ein Albaner ist. Was eher passt: Hier werden alle Bedürfnisse in Bezug auf Getränke und Speisen befriedigt, je nach Tageszeit andere. Diese Bar ist jedenfalls schon früh am Morgen geöffnet und bietet zugleich Nachtleben. Ich kam darauf, weil die mir am interessantesten erscheinende (erste) Pizza am 22. Juni „Kosovarja“ hiess. Aber zunächst glaubte ich deshalb darauf schliessen zu können, dass er aus dem Kosovo stammt. Durch ein Wandbild und ein daran anknüpfendes Gespräch mit der Kellnerin klärte sich dieses etwaige Missverständnis.

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Sie war von dort! Aber eigentlich vom Küstenort Durres, von wo sie vor zehn Jahren hierher kam. Innen ist das Lokal dreigeteilt, links die Gelateria und der Pizza-Ofen, mittig die Theke und rechts ein edel eingerichteter Bereich, der sogar noch einen rückwärtigen Raum hat, in dem die Familie zu Mittag isst und man sich abends wie in ein Séparée zurückziehen kann.

Ein faszinierend realistisches Gemälde zeigt den ehemaligen Königsort Kruje bei Tirana mit einer Statue des berühmten Freiheitskämpfers Skanderbeg davor (in Wirklichkeit steht sie unten im Tal). Da war ich mit meinem Sohn Tom vor acht Jahren im Hotel Panorama und wir stiegen in einem unvergessenen Erlebnis den Berg hoch zu einem Bektashi-Heiligtum.

Ich hatte jedenfalls meinen Ort gefunden, mich in Padua zu verheimaten – und es wurde halt irgendwie doch nicht die Pasticceria Lilium, von der ich das am ersten Abend gedacht hatte. Beim zweiten Mal im Fly wählte ich eine scharfe „Pizza Inverno“, die eigentlich hätte „Inferno“ genannt werden müssen. Beim dritten Mal verzichtete ich mit einer „Pizza Vegetariano“ dann mal auf Fleisch.

Fünf Mal war ich hier. Nicht nur wegen der fairen Preise für Pizzen zwischen 5 und 6 EUR, Espresso für 1 EUR und Bibita (Bitter Lemon) für 2,30 EUR. Und lernte, dass man zum Caffè/ Espresso extra sagen muss, etwas mehr Wasser zu bekommen, damit er nicht derart „kurz“ und stark ist, wie ich es nicht gewohnt bin. Beim letzten Mal sass da an dem Tisch, an dem ich mich vor fünf Tagen erstmals hierher setzte, eine Frau. Ich nenne sie mal „Maria“, weil ich kurz zuvor einen Stein mit einer Aufschrift diesen Namens sah. Ihre Eleganz faszinierte mich. Aber ich wagte weder Foto noch eine direkte Ansprache. Und lernte, dass ich den Augenblick nutzen sollte – Carpe diem. Das verstand ich aber erst, als sie plötzlich ging.

Und dann kam der Gedanke, den ich schon ein- oder zweimal anderswo umgesetzt hatte, Ausdruck meiner Einsamkeit: Ich folge ihr einfach mal! Sehen, was passiert. Das war eine Stunde lang interessant und aufregend, aber zuletzt frustrierend, weil ich verstehen musste, dass ich nie gelernt habe, attraktive Frauen in dieser richtigen Mischung eines offensiven Ausdrucks von Interesse und zugleich einer vorsichtigen Distanz, sie nicht zu irritieren oder zu beschämen, anzusprechen. Sie ging die Via Roma nordwärts…

An der Piazza dell`Erbe setzte sie sich in ein Lokal, um Zeit zu überbrücken, nachdem ein sie interessierendes Geschäft noch geschlossen war. Warum traute ich mich nicht dazu? Ich folgte ihr nur danach weiter, bis sie ein Rad nahm und entschwand.

Für immer. Man könnte sagen: She just flew away. Dennoch schön!

Adresse: Galleria Tito Livio 4, Padua/ Italien, m.me/flybarpizzeria, Tel.: +39 049 877 4860, Facebook

Fly Bar Pizzeria_Padua © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn

aSamstag-Morgen freute ich mich im Zug auf eine heimatliche Rückkehr, auf ein Herumstöbern in meinem Bonner Wohnquartier von 1989-94. Oder besser gesagt „unserem“ Kiez, da ich mich mit zwei alten Freunden aus der Zeit traf. Dagmar ist ausgewandert, wohnt im Sommer aber immer noch jenseits der die Bahntrasse querenden Viktoriabrücke, Georg jenseits der Südstadt. Ihn lernte ich erst nach meinem Umzug nach Saarbrücken so richtig kennen, er war aber damals auch schon öfters hier. Beide sind die einzigen vor Ort verbliebenenFreunde aus dieser Zeit, in der es noch den Begriff „Hauptstudium“ gab (heute: Master).

Dagmar gab mir den Tipp, das 2017 völlig umgestaltete Macke-Haus zu besuchen und Georg, der mich am Bahnhof abholte, kam gerne mit an die Ecke Bornheimer Strasse/ Hochstadenstrasse. Aber erstmal setzten wir uns ins – oder genauer gesagt vor das – Café Frida an die Ecke Taunusstrasse, um zu klönen. Offenbar bin ich hier damals aus der Hunsrückstrasse weiter innen selten vorbei gekommen (zum Bahnhof zur Uni in Köln oder zur Innenstadt bin ich immer hinten rum, oder ich hatte keinen Blick für Kneipen und Metzgereien). Jedenfalls war diese Ecke, 100 m linkerhand der damaligen Wohnung, eher fremd, denn vertraut).

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Vielleicht war ich deswegen gleich elektrisiert angesichts dieser wunderbar original erhaltenen Metzgerei, vor der das Café Biertischgarnituren aufgestellt und per Palisadenzaun mit bunten Fähnchen zur Strasse abgetrennt hatte (Corona halt), weil diese Ecke im Vergleich zum Anfang der 1990er-Jahre einen völlig anderen Charakter bekommen hatte. Die liebevolle Gestaltung des etwa dreijährigen Café als Nachfolger von Kneipenbetrieben akzentuierte die aus einer ganz anderen Zeit stammende, stimmige Optik der Metzgerei. Erstaunlicherweise harmonisch.

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Ein ziemlicher Kontrast – und plötzlich war die äusserlich authentisch erhaltene Metzgerei mit ihrer perfekt komplementären Farbharmonie von Gelb und Türkis viel interessanter als das Retro-Café, dessen Gebäude eh grad renoviert wurde und daher fotografisch weniger anziehend war. Georg ging es ähnlich – und so hatten wir unsere Freude an diesem Fund. Uns in dieser sehr schönen gemeinsamen Spleenigkeit bestätigend.

Wir entdeckten, dass da bei Frida mal ein Zigarettenautomat war, an dessen „Schatten“ man die ehemaligen Farbgebungen entdecken konnte. Die Graffiti-Tags müssten neu sein, oder?

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Dann entdeckten wir, dass die Metzgerei geschlossen hat, weil der Inhaber Thomas Runkel im Mai gestorben ist. Dritte Generation…

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

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Unterhalb des wunderschönen Hakens für Hundeleinen („Wir dürfen hier nicht rein“) standen noch Grabkerzen.

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

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Ob er der Mann linkerhand auf einem der beiden Fotos im Schaufenster ist? Und wer ist der beim Geissbock? Er in jungen Jahren oder sein Vater?

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Uns faszinierte die Harmonie der Mosaiksteinchen, einem Element der Fassadengestaltung, das ich auch von Kneipen aus dem Saarland kenne – farblich passend im wunderbare Komplementärkontrast auch die gelbe Jalousie. Auf die Scheibe hatte jemand dem Verstorbenen eine berührend liebevolle Widmung geschrieben:

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

Noch ein Blick ins seit dreieinhalb Monaten verwaiste Innere, dann sind wir weiter – nach einer schönen Stunde, in der wir uns in unserer gemeinsamen Begeisterung für solche Funde als Freunde neu gefunden hatten.

Café Frida und Metzgerei Runkel_Bonn © Ekkehart Schmidt

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Zum Weinkrug_Bacharach

Eine Weinstube war nicht unbedingt das, was ich letzten Montag zum Mittagessen mit meinen kleinen Kindern suchte. Aber sehr viele Lokale hatten – branchentypisch – montags geschlossen. Und wir waren am Südrand des Ortes im Rhein baden und so war „Zum Weinkrug“ das erste sich in der nordwärts führenden Oberstrasse anbietende Lokal.

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Meine Intuition erwies sich aber glücklicherweise als richtig: Die Kinder hatten Spass an einem kleinen Brunnen im Innenhof, den man per Hand schön manipulieren konnte. Und klauten sich Weintrauben von den hier wuchernden Reben. Es war hier zudem wunderbar schattig.

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Auf der doppelseitigen, fast unübersichtlichen Speisekarte der angebotenen „regionalen Winzerküche“ fanden wir Pfannekuchen und Bratkartoffeln und bestellten letzteres, einmal mit Bratwurst, einmal mit Spiegeleiern und hatten einen fast schon zu kitschigen Blick durch Weinreben hoch zur im 12. Jahrhundert erbauten Burg Stahleck, in der wir übernachtet hatten. Perfekt, um vor der Heimreise zur Ruhe zu kommen.

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Der Hof bzw. die ehemalige Hofeinfahrt trennt die rustikale Weinstube bzw. Restaurant links vom modern im Vintage-Stil eingerichteten Verkaufsladen eines Weinguts rechts. Beide gehören als Familienbetrieb seit langem zusammen.

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

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Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Das Weingut Karl Heidrich ist über 500 oder 650 Jahre alt – je nach Quelle. Egal wie: Das ist eine ungewöhnliche lange Kontinuität, die aber nicht erstaunlich ist: In Bacharach gab es wohl schon vor einem Jahrtausend einen bedeutenden Holz- und Weinhandel. Und offenbar gibt es hier auch schon seit einigen Jahrhunderten einen Gutsausschank unter dem Namen „Zum Weinkrug“, wenn das auch der Herr nicht klar sagen konnte, der uns zwar nicht bediente, aber offenbar zum Haus gehörte: „Ich kann nur bestätigen, dass es 1920 vorne eine Straussenwirtschaft gab, damals befand sich dort die Küche und man hat aus dem Fenster ausgeschenkt“. Auch auf der Homepage wird dazu nichts verraten. Das Weingut dominiert offenbar den Ausschank, der Verkaufsladen scheint heute aber in einer ehemaligen Metzgerei untergebracht zu sein – jedenfalls wenn ich mir die Fliesen betrachte.

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Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Seit dem 28. Mai ist hier jedenfalls – nach der in all diesen Jahren, inklusive der Weltkriege, vielleicht längsten Schliessung – wieder geöffnet. Die Maskenpflicht wurde entspannt gehandhabt: Der junge Kellner, Sohn des Chefs, vermittelte generell eine wohltuende gelassene Gastfreundschaft: Hier waren wir richtig!

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Und es passte wunderbar, dass wir auch Traubensaft bekamen, nachdem wir eine Woche zuvor in Remerschen an der Mosel bei Sunnen-Hoffmann zwei Flaschen probiert hatten – hier zwar nicht bio, aber dennoch lecker. Wir waren am Tag zuvor durch die Weinberge zur Burg hoch gelaufen und so konnten die Kinder in anderer Weise als der Rotwein bevorzugende Papa auf den Geschmack eines echten Naturprodukts kommen. Das Weingut nennt „die steilsten Toplagen Bacharachs“ als Anbaufläche, genauer fragte ich nicht nach.

Immerhin heisst es bezüglich der Produktionsmethode auf der Homepage: „Dass für uns der Qualitätsgedanke absolute Priorität hat, ist selbstverständlich. Um aber auch einen Beitrag zur Schonung der Umwelt zu leisten, erzeugen wir unsere Weine nach der Methode des umweltschonenden Weinbaus – auch unter Verzicht auf größere Erntemengen.“

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Egal. Ich war sehr froh, hier einen guten Ort gefunden zu haben, an dem ich meinen Kindern etwas über Landwirtschaft vermitteln konnte: Ob gespritzt wird, oder nicht… Und über historische Ladenschilder, wie dieses wunderbar originelle an einem Tattoo-Laden nebenan, der früher vielleicht einmal etwas mit Fischen zu tun hatte.

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt

Adresse: Weingut Karl Heidrich, Gutsausschank „Zum Weinkrug“, Oberstr. 16-18, 55422 Bacharach, Tel.: 06743-93060, Homepage

Zum Weinkrug_Bacharach © Ekkehart Schmidt