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Kiosque Restau_Bobo Dioulassou

Am Ostrand der kolonialen Neustadt, jenseits des Bahnhofs, des Grand Marché und der Altstadt von Bobo Dioulassou hatte ich nach Rundgängen immer einen weiten Weg zurück zur Unterkunft „Villa Bobo“ zu laufen. Vor einem zweiten langen Marsch durch rotstaubige Straßen hab ich Anfang letzter Woche noch einen Nescafé-Stopp in einem durch blaue Plastikplanen sehr speziell abgewrackt wirkenden Café-Restaurant gemacht. Spontan weitere Grenzerfahrungen suchend, irgendwie. Aber auch im guten Gefühl, dass ich einfach nur Lust auf einen Kaffee habe, den ich halt mal da zu mir nehme, wo das Touristen normalerweise nie täten.

Kiosque Restau_Bobo Dioulassou © Ekkehart Schmidt

Kiosque Restau_Bobo Dioulassou © Ekkehart Schmidt

Kiosque Restau_Bobo Dioulassou © Ekkehart Schmidt

Drinnen lief ein winziger Fernseher hinter der Theke. Nur der Inhaber schien hinzuschauen, während die anderen drei Gäste an diesem späten Nachmittag (nach getaner Arbeit?) schläfrig dösten. Er machte mir diensteifrig sofort Platz und so kam ich an seinem Platz zu sitzen, während er hinter der Theke meinen Kaffee zubereitete.

Kiosque Restau_Bobo Dioulassou © Ekkehart Schmidt

Kiosque Restau_Bobo Dioulassou © Ekkehart Schmidt

Voilà:

Kiosque Restau_Bobo Dioulassou © Ekkehart Schmidt

Während das Gerät nach dem überraschenden Einbruch eines „Blanc“ unwiderstehlich schnell wieder alle Aufmerksamkeit auf sich zog, legte ich mir meine Kamera auf die Knie, als würde ich einige Funktionen testen wollen, und lichtete die Kundschaft rechterhand ab. Schon dreist. aber es musste sein, fand ich.

Kiosque Restau_Bobo Dioulassou © Ekkehart Schmidt

Kiosque Restau_Bobo Dioulassou © Ekkehart Schmidt

Der Fußmarsch blieb lang, aber ich hatte mir im Markt eine ausgehöhlte und beschnitzte Kalebasse gekauft, auf  der ich mir zwei Kilometer lang mit den Fingern mein Lied durch die Dämmerung trommelte.

Kiosque Restau_Bobo Dioulassou © Ekkehart Schmidt

Die Freiheitsstatue von Ouagadougou

Beidseits der modernen Avenue Kwameh N’Kruma, die vor Jahrzehnten vom Geschäftszentrum von Ouagadougou zum Flughafen geführt worden ist, befanden sich bis Anfang der Nullerjahre noch weite Flächen des alten „Bancoville“, also der Stadt aus Lehmhäusern, die sich hier seit den Kolonialzeiten  erstreckte. Nicht angemessen für die Hauptstadt des unabhängigen, stolzen Staates Burkina Faso. So wurde das Projekt „ZACA“ initiiert, das die Umsiedlung der Bewohner des hiesigen Bancoville und die Errichtung von Geschäftsgebäuden an Stelle von kleinen Häuschen mit Gärten vorsah.

Das Projekt ging schleppend voran, wird jetzt aber systematisch umgesetzt. Als ich letzten Dienstag nach einem Besuch des Class Café ostwärts durch die Region jenseits der modernen Hotel-, Bank- und Geschäftsgebäude der Avenue eintauchte, gelangte ich in eine Riesenbaustelle. Auf der rückwärtigen Seite der Avenue dann dieses Mural:

Die Freiheitsstatue von Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Die Freiheitsstatue von Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Ob es offiziell initiiert wurde oder illegal entstand? Es ist gezeichnet mit „Marto“, entstand offenbar 2016, die stolze Frau hält aber ein Schild mit dem Datum 30/10/14 unter dem Arm, dessen Bedeutung mir völlig unklar ist.

Die Freiheitsstatue von Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Die Freiheitsstatue von Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Die Gasse hier, parallel hinter den glänzenden Spiegeln der Hauptstraße nordwärts führend, bot eine für viele dieser nur potemkinsch-fassadenartigen Szenerien typische Rückseite mit linkerhand kleinen, schmutzigen Cafés und Speiselokalen, rechterhand Baustellen. Umso überraschender dieses moderne Mural, dessen Bedeutung sich mir noch nicht erschließt. Auf welches Datum in der Geschichte des Landes hier wohl Bezug genommen wird? Kritisch oder propagandistisch? Politische Graffitis habe ich bei meinen zwei Aufenthalten in  Ouaga nur drei Mal gesehen: „Justice for Norbert“, ein Spruch zum Revolutionär Sankara und zwei unleserlich gemachte Inschriften. Dies hier war aber das einzige Mural. Es kann also eigentlich nur ein Stück offizieller Propaganda sein. Wie auch immer: Es sprach mich sehr an.

Die Freiheitsstatue von Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

La Pause Traiteur_Paris

Vom Treffpunkt einsamer Kabylen bin ich gestern in diesem toten Winkel von Paris noch schnell die rue du Faubourg Saint Martin östlich der Gare de l’Est hoch gelaufen, weil ich fühlte, dass da noch etwas zu entdecken war. Und verblüffenderweise hatte der Fund, den ich machte, genauso mit meiner eben zu Ende gehenden Reise nach Burkina Faso zu tun, wie das Café vorher.

La Pause Traiteur_Paris © Ekkehart Schmidt

La Pause Traiteur_Paris © Ekkehart Schmidt

Auf der Schiefertafel eines etwas undefinierbar wirkeden Lokals fiel mir das Wort „Bissap“ und dann „Sandwich Omelette“ ins Auge: zwei aus den zwei Wochen in Ouagadougou völlig vertraute Begriffe. Der Hibiskussaft, den meine Gastgeberin produzierte, genauso wie mein tägliches Frühstück im Kiosk Café bleu auf der anderen Straßenseite. So blieb ich stehen und überlegte etwas unschlüssig, ob da noch die Zeit vor Abfahrt des Zuges nach Saarbrücken bleibt, auch hier noch kurz hinein zu schauen: 30 Minuten.

Da öffnete schon eine Frau mit buntem Turban die Tür, einladend strahlend, ob ich nicht hineinkommen möge. Sie hätten sicher etwas, was mir munden würde (oder so ähnlich). „Bon, alors le mot ‚Bissap‘ m’as fait hésiter“, sagte ich und ging also sofort auf sie ein und in’s Lokal. Ob sie aus Burkina Faso stammt, wo ich gerade herkomme? Nein, ihr Vater stamme aus Guinée/ Conakry (und ihre Mutter sei Französin). Da war noch eine Frau, die am Laptop gesessen hatte, jetzt aber zu uns kam: Jennifer Doudou. Sie sei aus Martinique. Bissap kenne man überall dort. Ihr Restaurant biete eine Küche aus der ganzen Welt, oder zumindest der afrikanisch geprägten, verstand ich.

„Eh bien“, jetzt war ich drinnen und fühlte mich wohlig – warum also nicht ein Sandwich für die Reise mitnehmen? Es gab welche mit Hühnchen, Rindfleisch oder vegetarisch. Ich bekam in kleinen Schälchen drei Häppchen zum Kosten: alles sehr lecker, aber da ich kein Fleisch aus konventioneller Produktion mehr esse, bestellte ich die vegetarische Variante für 5.45 EUR und setzte mich linkerhand an einen von zwei Tischen. Das Lokal war ziemlich zugestellt von Kühlschränken und Theken. Während meine Bestellung zubereitet wurde, genoss ich die warme Atmosphäre, zückte meine Kamera und machte heimlich Fotos.

La Pause Traiteur_Paris © Ekkehart Schmidt

La Pause Traiteur_Paris © Ekkehart Schmidt

La Pause Traiteur_Paris © Ekkehart Schmidt

La Pause Traiteur_Paris © Ekkehart Schmidt

La Pause Traiteur_Paris © Ekkehart Schmidt

La Pause Traiteur_Paris © Ekkehart Schmidt

Ich bekam mein Sandwich und eine Flasche Bissap eingepackt, verabschiedete mich und wollte draußen noch ein Foto vom Lokal machen. Aber die beiden standen da hinter der Tür. So machte ich Alibifotos eines Anti-Macron-Plakats und wartete. Aber sie schauten mir länger als nur ein paar Sekunden nach und dann kam die Frau mit Turban raus, um eine Zigarette zu rauchen. Jennifer schaute auch und es ergab sich ein schönes Foto.

La Pause Traiteur_Paris © Ekkehart Schmidt

La Pause Traiteur_Paris © Ekkehart Schmidt

Die Frau linkerhand aus Martinique hat das Lokal vor einem Jahr eröffnet, vor allem als Catering-Unternehmen. Dann verkaufte sie auch aus dem Fenster heraus für Laufkundschaft, ehe sie die Guinéefranzösin einstellte. Auf Google Earth fand ich ein Foto vom März 2018, auf dem man die damalige Situation erahnen kann.

googleearthapril2018

Gemeinsam bei einer Zigarette wurde ich gefragt, ob ich die Fotos professionell verwende oder auf Facebook poste. Aber der Blick auf die Uhr zeigte: in 8 Minuten fährt mein Zug! Ich musste laufen, es wurde knapp, sonst hätte ich diesen Blog erwähnt. Im Zug Metz – Forbach aß ich zwei Stunden später mein Sandwich.

La Pause Traiteur_Paris © Ekkehart Schmidt

Ich versprach, beim nächsten Paris-Besuch wieder zu kommen. Und den Bissap „verkaufte“ ich meinen Kindern heute als Original-Mitbringsel aus Burkina. Schon korrekt, wie ich finde. Stimmte ja auch fast. Und schmeckte auch nur ein wenig frisch-saurer, als das etwas überzuckerte Original.

Adresse: 186 bis rue du Faubourg Saint Martin, Paris, Mail: m.me/lapausetraiteur, Tel.: +33 9 81 43 45 26,  FB-Seite

La Pause Traiteur_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris

Fast vier Stunden Transitzeit hatte ich heute früh am Flughafen von Algiers. Und dann nochmal zwei in Paris an der Gare de l’Est. Also mal die Gegend im Osten des Bahnhofs erkunden! Und was finde ich als erstes in einer Seitenstraße, die zum Canal St. Martin führt? Ein abgewracktes Café, von dessen Namen nur noch die ersten Buchstaben „Ter…“ zu lesen waren und das nach einer sicher langen Geschichte heute dominant von Algeriern besucht wird, Kabylen, um genau zu sein. Na wenn das mal nicht passte!

Café Bar Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris (c) Ekkehart schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Ich bestellte mir erstmal einen Espresso (für 1,20 EUR an der Theke und 1,50 EUR an meinem Tisch hinten in der Ecke, neben den Türen zum WC und zur Küche) und beobachtete die Szenerie: Drei Stammgäste beim Bier, in einer intensiven Unterhaltung versunken. Ein älterer gediegen gekleideter Herr, ein jüngerer Typ mit Spitzbart und eher ärmlicher Bekleidung, sowie ein junger Dynamiker, der nebenan arbeitete. Der Wirt frisch glatt rasiert, in den späten Vierzigern. Später kam noch eine junge Frau und durfte gratis die Toilette besuchen, eine andere nahm einen Milchcafé und erledigte Orga-Arbeiten.

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Hinten war die Wand rot gestrichen, wohl schon alt.

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Die Männer sprachen offensichtlich Kabylisch und der Wirt bestätigte es mir. Ich bestellte mir ein Camembert-Sandwich und ging für eine Zigarette raus, wo ich dann auf einem kleinen Aushang den Namen des Lokals fand: Nicht etwa „Terrace“, sondern „Terrabe“, mit männlichem Artikel. Ich fragte nach: Das sei der Begriff für das Teil in einem Automotor, in dem aus Benzin und noch etwas das zu entzündende Gemisch hergestellt werde, meinte er. Also Zylinder oder so? Dazu passten die Dekobilder von Autos an der Wand.

In Lexika fand ich dagegen nur Begriffe wie „Erdbeben“ (aus dem Katalanischen). Die Straße heißt rue du Terrage, ein Begriff, der mit „Behäufeln“ übersetzt wird. Es gibt aber auch einen Édouard de Villiers du Terrage (1780-1855), der sich als Ingenieur und  Archäologe vor allem während Napoleons Expedition nach Ägypten einen Namen gemacht hat: Laut Wikipedia ist die Straße nach ihm benannt – und also die Bar schlicht nach der Straße. Dennoch passt nicht ganz, dass sie „Le Terrage“ heißen soll. Egal, die Stammgäste haben sicher ihren eigenen Namen.

Man kann hier übrigens, neben Kleinigkeiten wie Sandwich und Salaten, für die es keine Karte gibt (was halt im Kühlschrank ist), für 12,50 EUR auch Tajine essen. Die Schale dazu stand als Deko-Element über der Heizung. Sonst gab es keinerlei Hinweise auf arabische Inhaber. Aber vielleicht interpretiere ich da etwas falsch. Die Kabylen sind eine in der in Nordost-Algerien gelegenen Kabylei lebende Untergruppe der Berber. Ihre Sprache ist das Kabylische. Als Nicht-Araber werden sie von den Eroberern Nordafrikas diskriminiert und Versuche, eine kulturelle Eigenständigkeit leben zu können, werden unterdrückt (siehe Artikel in der ZEIT).

Und in Frankeich sind sie unter den dominant arabischen Einwanderern auch eine Randgruppe. Passend zu dieser Nebenstraße haben sie kaum eigenständige Begegnungsorte. Vielleicht ist dies einer, wie das Café Hotel de l’Univers im Viertel Barbès Rochechouart. Zwei Treffpunkte für Einsame und Verlorene.

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Gestern war die Yalda-Nacht

Die längste Nacht des Jahres muss wohl – jedenfalls auf der Nordhalbkugel – für die Menschen schon immer etwas sehr ambivalentes gewesen sein: bis zum 21. Dezember wurde es immer später hell und immer früher dunkel. Wusste man denn, ob das aufhört, sich wieder umkehrt? Dass sich in dieser Nacht des 21. auf den 22. die Wintersonnenwende vollzieht?

Im längsten Teil der Menschheitsgeschichte nicht. Dieses Naturphänomen zu erleben, hatte also etwas zutiefst beunruhigendes. Erst als in frühen Kulturen die Astronomen feststellten, dass mitten im Winter eben doch der Keim eines neuen Frühlings lag, gab es wohl Beruhigung. Aber dieser kosmische Moment war natürlich zu würdigen, musste gefeiert werden. Als Naturfest bzw. Jahreszeitliches Fest gehören die Sonnenwendfeiern zu den ältesten Feste der Völker und Kulturen und werden bis heute von den Mitgliedern vieler ethnischer Religionen weltweit begangen: von den Hopi-Indianern bis zum Stamm der Kalash in Pakistan. In China, Japan und Korea ist der Winter die Jahreszeit des Yin und der Sommer des Yang. Diese Nacht markiert den Wechsel vom Yin in das Yang. Es ist auch die Zeit, in der die Ahnen zurückkehren und ihre Familien besuchen (ähnlich in der Ukraine).

Mir ist ein solches Fest erst durch das Zusammenleben mit einer Iranerin begegnet – später fand ich auch in Europa Analogien. Bita, die Mutter meiner jüngsten Kinder, feierte gestern zugleich 30 Jahre Ankunft in Deutschland. Da gab es eine spannende doppelte Symbolik.

Die Yalda-Nacht, persisch-aramäisch Schab-e Yaldā (persisch شب يلدا, /‚Nacht der Geburt‘) wird in der „längsten und dunkelsten Nacht des Jahres“ gefeiert. Im iranisch-zoroastrischen Kalender entspricht dies der Nacht vom 30. Azar (Feuer) auf den 1. Dey (Schöpfer). Zugleich ist Yalda auch das Fest am „Vorabend der ersten vierzig Tage des Winters“. Das Fest stammt ursprünglich aus dem Zoroastrismus, d. h. aus dem vor-islamischen Glauben der iranischen Völker, wird aber auch von den heute mehrheitlich muslimischen Völkern des iranischen Kulturkreises und Zentralasiens gefeiert (u.a. in Afghanistan und Tadschikistan). Es handelt sich dabei um die Geburt des (vorzarathustrischen Sonnengottes) „Mithra“.

Der einheimische iranische Name des Nachtfestes ist Schab-e Tschelle(h) („Nacht der Vierzig Tage“). Dies war ursprünglich kein Fest, sondern ein religiöser Brauch, um sich in der längsten und dunkelsten Nacht des Jahres gegen das Böse zu schützen. In der zoroastrischen Tradition waren Nachtstunden eine Zeit der Dämonen und anderer böser Handlanger des satanischen Ahriman. Zudem wurde geglaubt, dass die dunklen Mächte in der längsten und dunkelsten Nacht des Jahres besonders stark und aktiv seien, und den Menschen wurde entsprechend empfohlen achtsam zu bleiben und den Schutz in der Menge mit vertrauten Freunden und Verwandten zu suchen. Aus diesem Brauch entwickelte sich das Familienfest, wie es heute noch besteht. Bita lud mich, ihre zwei ältesten Söhne und zwei Freundinnen gestern zu sich ein, um gemeinsam Chello Kebab vorzubereiten und ihr persönliches Fest zu feiern: Sie erinnere sich an den Moment der Ankunft hier, als wäre es gestern, erzählte sie. Sie habe sich als 15jährige für den Flug mit ihrem Vater und der Schwester als Flüchtlinge bewusst weiße Kleider angezogen. Also etwas „jungfräuliches“, unschuldiges, freies.

Weiß-grün war auch unser Tisch: Kräuter, Salat, Zwiebeln, Ayran (statt Dugh) und Reis. Ehe das Kebab mit den Tomaten aus dem Ofen kam.

Gestern war die Yalda-Nacht © Ekkehart Schmidt

Gestern war die Yalda-Nacht © Ekkehart Schmidt

Gestern war die Yalda-Nacht © Ekkehart Schmidt

Gestern war die Yalda-Nacht © Ekkehart Schmidt

Interessanterweise stammt das Wort „Yalda“ ursprünglich aus Zweigen der frühen christlichen Kirche des Ostens im Reich der Sassaniden im Iran. Im mittelaramäischen Dialekt, wie er von dieser Ostkirche verwendet wurde, bedeutet Yalda wörtlich Geburt und wurde im kirchentechnischen Sinn als Begriff für die Geburt Christi verwendet. Obwohl nicht klar ist, wann und wo der christliche Begriff ins Persische übernommen wurde, wurde Heiligabend in der frühen Kirche in der Nacht zur Wintersonnenwende zelebriert, in eben derselben Nacht wie Schab-e Tschelleh. Es wird angenommen, dass diese Gemeinsamkeit dazu führte, dass der Name des christlichen Festes so auf das einheimische Fest übertragen wurde. Heute feiern die Christen drei Tage später das Fest von Christi Geburt – nach geschickter Überprägung bestehender Feste.

Im Iran finden sich in der Yalda-Nacht Freunde und Verwandte in den Häusern der Ältesten zusammen, wo sie die Nacht über gemeinsam feiern. Traditionell werden zu diesem Anlass vor allem Melonen, Granatäpfel, rote Trauben und Backobst gegessen: Früchte, die man sich vom Sommer aufgehoben hat. So wie in Deutschland ehedem die Äpfel für den Weihnachtsbaum.

Man sitzt zusammen und liest aus dem Dīwān des Dichters Hafis vor, dessen Verse im Sinne einer Art  Orakelbefragung oder Weissagung interpretiert werden (ganz ähnlich den Vogelorakeln auf Marktplätzen).

Ein weiterer Brauch ist das Entzünden eines großen Feuers, das Licht und Hoffnung repräsentiert. Die Menschen freuen sich, dass das Licht neu geboren wird und sich gegen die Dunkelheit durchsetzt, denn nach der Yalda-Nacht werden die Tage wieder länger. Und drei Monate später wird dann Nowruz, das Frühlingsfest gefeiert.

Verwendete Quelle: Wikipedia-Artikel „Yalda-Nacht“ und „Feste zur Wintersonnenwende

Gestern war die Yalda-Nacht © Ekkehart Schmidt

Von der „Brasserie A Central“ zum „Paname“_Luxemburg

Mein Café finden! Das war in Luxemburg ab Juni 2008 das wichtigste in der Mittagspause: Eine neue Stadt, ein neues Viertel, in dem ich viel Zeit verbringen würde, nachdem ich hier eine neue – erst meine zweite – Stelle antrat. Und ich bin immer noch da. Aber schon seit langem verbringe ich die kostbare Stunde mittags nicht mehr an der Place de Paris, wo ich mit der „Brasserie A Central“ meinen ersten Fixpunkt zur Sozialisation gefunden hatte. Sondern im „Le Relax„, was eine andere Geschichte ist, aber wo die Atmosphäre so ähnlich ist, wie in der Brasserie A Central: mit dominant portugiesischer Arbeiter- und Serviceangestellten-Klientel.

Der Platz liegt im Zentrum des neuen Stadtviertels mit architektonisch stark französischer Prägung, das nach Schleifung der Festung jenseits des Grund auf dem Plateau Bourbon rund um die Avenue de la Liberté in Richtung Bahnhof entstanden war. Mein neues Stammcafé hieß damals noch anders, Luxemburg war eine Kleinstadt und es gab noch keine portugiesischen Einwanderer.

Das Aufnahmedatum der Karte oben kenne ich nicht. Aber man sieht ein Café. Vorher, zur Zeit des 1. Weltkrieges befand sich hier ein Geschäft für Glas, Bilder und Spiegel, das einen Bombeneinschlag erlitt:

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Am 4. Juni 2009 habe ich vielleicht das erste Mal bewusst eine luxemburgische Gaststätte fotografiert, mein Mittagscafé:

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Ich musste damals sehr sparsam sein, ich glaube kaum, dass ich hier oft gegessen habe. Ein oder zwei Espresso sollten reichen, um zur Ruhe zu kommen. Bei einer Zeitung. Ich aß wohl Butterbrote, die ich mir morgens in Saarbrücken geschmiert hatte. Die Kundschaft war eine für mich schwer identifizierbare Mischung aus Portugiesen und Menschen aus portugiesischen Kolonien wie den kapverdischen Inseln und Brasilien. Ihnen wurde gelegentlich ein Musikabend oder ähnliches geboten. Die Fotos von 2009 oben zeigen die neuen bunten Stühle, die es ein Jahr vorher noch nicht gab.

Aus irgendeinem Grund hörte ich auf, hier regelmäßig hinzugehen. Vielleicht, weil die „Casa Fabiana“ eröffnet wurde, als erstes Bio-Restaurant im Quartier. Dann fand ich für mich das „Le Relax“ als neues Stammcafé. Irgendwann verschwand das Lokal hier. Und plötzlich begannen Sanierungsarbeiten. Im Januar und Februar 2015 habe ich noch einmal fotografiert. Dabei ging es mir um die Platanen.

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Aber ich entdeckte, dass während der Sanierungsarbeiten – die sich als Komplettentkernung entpuppten – die alte Café-Beschriftung aufgedeckt worden war: „Café du Po…“ konnte ich entziffern. „Café du Pont“? Also Café der (imposanten) Neuen Brücke weiter nördlich?

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Ich habe es noch nicht herausfinden können. Ende Mai 2015 wurde das Gebäude komplett verhüllt, es sah nun aus wie der Kokon einer Raupe:

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Kurz nach Neujahr 2016 entpuppte sich ein grauer Schmetterling:

Paname (c) Ekkehart Schmidt

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Nichts buntes, sondern ein völlig auf die Bedürfnisse einer internationalen Angestellten-Kundschaft schwarz-grau metropolitan eingerichtet (Fotos). Durchaus cool und mit gutem Angebot für die Mittagspause, wie für den Abend. Aber nicht mein Ding. Immerhin gibt es wieder – wie vor einem Jahrhundert – eine Markise vor der Caféfront. Aber soziologisch gesehen verkehren hier jetzt völlig andere Leute.

Die Brasserie A Central ist ausgewichen. Ja, es gibt sie noch: Am Ende der Rue Glesener, 300 m weiter,  hat sie ein neues Domizil gefunden. Zur Vollständigkeit reiche ich im Januar ein paar Fotos nach.

Adresse: 50 Rue Sainte Zithe,  Place de Paris, Luxemburg, Tel.: +352 24 87 31 62,
Webseite

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Grand Café_Luxemburg

Die Finanzkolonie Luxemburg wird immer mehr zur Fake-Stadt. Kaum noch etwas in der Café-Restaurant-Welt ist hier, was es zu sein vorgibt. Meist wird gar nicht groß rumgemacht und vorgegeben, ein authentisches traditionsreiches Lokal zu sein. Das Alte, peinlich milieubehaftete Kleinbürgerliche  hat keinen Wert mehr, nur coole globale Modernität hat im kurzfristigen Denken von Investoren eine Chance, umgesetzt zu werden. So präsentieren sich heute die Lokalitäten des Bahnhofsviertels wie die der Oberstadt als für die Wohnbevölkerung zunehmend entfremdete Orte. Es verbleiben kaum noch echte Kneipen und Cafés, als familiengeführte Orte des sozialen Austauschs: Immer mehr von ihnen werden fremdbestimmt durch Gesellschaften aufgekauft, unter Renditeaspekten verwandelt und zum ökonomischen Erfolg geführt, der meist ein lokalpsychologisches Desaster bedeutet. Welches wiederum niemanden zu stören scheint.

Das ist tatsächlich auch weniger augenscheinlich, als man denken würde, fällt kaum auf. Schaut man hinter die Kulissen sieht man:  Schlaues Marketing, teure Innenarchitekten und Business. Die Stadt ist ja auch tatsächlich in drei Jahrzehnten durch die Finanzwirtschaft derart kolonisiert worden, dass das Flair und der besondere, spezifisch lokale Anstrich der Lokale der Belle Epoque oder der 1950er-Jahre quasi systematisch vernichtet wurde.

Banker, die nach zehn Jahren London und 5 Jahren Shanghai oder 5 Jahren Frankfurt und zehn Jahren Dubai jetzt plötzlich hier einen weiteren Karriereschritt tun, sollen ihr Geld in Lokalitäten ausgeben, in denen sie sich wohlfühlen. Lokalkolorit ist wichtig, aber bloß nichts wirklich authentisches. Das würde abschrecken.

Ein trauriges Beispiel hierfür lässt sich an der Place d’Armes bestaunen, die von einheimischen einfach Plëss genannt wird. Hier findet sich ein „Grand Café“, dessen äußere Optik viel verspricht, vor allem Authentizität.

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Eröffnet wurde das Café vor genau 171 Jahren am 16.12.1847 von Jean Winandy, der vorher schon das „Café de Paris“ betrieben hatte. Allerdings nicht hier, sondern gegenüber des Hauses, das später zum Palast des Grand Duc wurde, also neben dem heutigen „Bistrot de la presse“. Das Lokal wurde eines der prestigeträchtigsten Etablissements der Stadt. Es sollte gemäß den Vorstellungen seines Gründers  „le rendez-vous de toutes les classes de la société noble“ werden (man beachte, dass er innerhalb der so genannt noblen Gesellschaft der Stadt mehrere Schichten ausmachte). Damals war Luxemburg noch eine Festungsstadt, das Land war eben erst acht Jahre unabhängig.

Um 1864 gab es hier Konzerte und Variététheater, aber schon 1867 zog das Lokal hierher um an den Platz, der nach Abzug der Truppen der ehemaligen Garnisonsstadt zum „Salon“ der nun bürgerlich werdenden Stadt wurde. 1868 bestätigte das Satiremagazin „d’Wäschfra“, dass das Grand Café tatsächlich weiterhin Treffpunkt „angesoffener Elegans“ sei. Bei folgendem historischen Foto kann ich nicht sicher sagen, ob es am alten oder neuen Standort entstanden ist.

Grand Café_Luxemburg

Nach Schleifung der Festungsstadt zwischen 1893 und 1895 entwickelte sich die Stadt und dehnte sich über die Altstadt und der sie umgebenden Schlucht aus. Damals entstand auch der Neubau des Grand Café am heutigen Platz. Der Architekt Charles Mullendorf ließ sich von Pariser Brasserien inspirieren, wie den „Folies Bergères“, aber auch von ähnlichen Häusern in Nizza, Biarritz und Ostende. Eröffnet wurde der eine echte Revolution für die Belle Epoque darstellende Bau am 22. Dezember 1894: Ein Café auf zwei Etagen! Die Mezzanine-Etage wurde als was besonderes gesehen, ebenso die Beschriftung und die Qualität der Lampen innen.

Grand Café_Luxemburg

Vergleicht man dieses historische Bild von 1940 mit den obigen Fotos, würde kein Zweifel daran aufkommen, dass es sich hier um ein Lokal handelt, das all diese Zeiten überdauert hat. Dem ist aber nicht so. Das Lokal sah zwischendurch fast ein halbes Jahrhundert lang völlig anders aus.

1905, nach dem Tod des letzten Inhabers, Léon Schmit, ging das Haus auf die Familie Harpes-Schmit über, die es 1915 renovierten. 1956 erfolgte ein weiterer Umbau, ebenso Anfang der 1970er-Jahre, diesmal verlor es nicht nur seinen Namen, sondern – offenbar aber erst in den 1980er-Jahren – auch die Fassade mit den Fayencen und wurde von einer Brasserie in ein Restaurant verwandelt: das „Restaurant L’Académie“. Die Fayence-Keramik der Fassade gelangte ins Museum der Stadtgeschichte. Die Küche muss wohl gute vier Jahrzehnte sehr gut gewesen sein, wurde schnell vom Gault et Millau-Führer ausgezeichnet. Hier ein Foto von 1996, eines von mehreren, die während der Umbaumaßnahmen auf großen Stellwänden am Platz veröffentlicht wurden (von der Stadt oder den Architekten?).

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

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Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Bis September 2014 konnten Einheimische und Touristen insbesondere das berühmte „Fondue bourguignonne“ probieren. Zu schade, dass ich nie eingetreten bin, obwohl ich hier schon seit 2008 regelmäßig vorbei kam. Ich hatte einfach immer zu sparsam zu sein, wenn es um Restaurantbesuche in der Mittagspause ging.

Erst als mir Ende August 2015 auffiel, dass das „Académie“ geschlossen war und offenbar Umbauarbeiten anstanden, habe ich zur Kamera gegriffen:

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Ein grosses Plakat kündigt an, dass hier eine Art „Remake“ des Grand Café enstehen soll: Ist das ernst gemeint?

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Grand Café_L'Académie_Luxemburg (c) Ekkehart Schmidt

Da ich die vermutete Komplett-Entkernung unbedingt dokumentieren wollte, ging ich in eine Unterhaltung mit den Arbeitern und erreichte, einmal kurz hinein schauen zu dürfen und „nur privat“ ein paar Fotos zu machen, das Versprechen gebend, diese nicht irgendwie zu veröffentlichen. Das habe ich dann hiermit gebrochen. Pardon.

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Aber es ist längst kein Geheimnis mehr, dass das schon damals als „denkmalgeschützt“ deklarierte Gebäude bis auf die Fassaden des 2. und 3. Stockwerks völlig umgestaltet worden ist. In einer zumindest zweifelhaften Interpretation: Man hat den Zustand von vor über 50 Jahren durch Komplettzerstörung des Baus wieder hergestellt. Allerdings nur optisch und nur was die Fassade betrifft. Der Umbau sollte schon 2016 fertig werden, es dauerte aber bis 2017.

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Die Architekten des kernsanierten Baus, das Büro Tetra Kayser Associées haben in Zusammenarbeit mit dem Museum für Stadtgeschichte und dem Service de l’Architecture der Stadt die großen Schaufenster und die Fayenceschilder rekonstruiert, aber weder das Innere, noch arabeske Dekoelemente außen.

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Für das Innere war der Architekt Rodolphe Mertens verantwortlich: Er schuf einen Vorraum, der fast völlig in Schwarz gehalten wurde, dominiert von historischen Aufnahmen, sowie einem weiteren Raum dahinter sowie das Obergeschoss, die mit ihren Holzverstrebungen ähnlich unverhüllt zeitgenössisch, dafür wenigstens etwas originell wirken. Ich hatte keine Lust, diesen unglaublichen und nur halb – durch die Fassade – legitimierten Fake zu dokumentieren, dazu kann man beschönigende Fotos auf Explorator schauen.

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Ein Phönix aus der Asche? Nee. Natürlich macht es keinen Sinn, das Etablissement der 1950er-Jahre wieder auferstehen zu lassen. Heute leben und arbeiten die meisten Wohlhabenden nicht mehr im Stadtkern, sondern in den Außenbezirken und modernen Bürokomplexen. Sie kommen hier nicht mehr mittags oder abends vorbei.

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt

Also gibt es hier zwar Kaffee, aber keine Zeitungen und kein geselliges Zusammensein mehr. Stattdessen Produkte der Firmen „Red Beef Thionville“ und „Semecourt“, die sich als französiche Familiebetriebe geben. Sie waren wohl verpflichtet, das „Original-Äußere“ zu rekonstruieren (millimettergenau). Innen aber geht es nicht um Kaffeehausleben, sondern um den Verkauf von Fleisch vom „Four à charbon végétale“ und irgendwie tun sie auch so, als sei das bio zubereitet.

Vermarktet wird das so:

„The Red Beef has fitted out the Grand Café with very chic décor that evokes the Belle Époque establishment that used to occupy the spot. The almost-black walls, wood, brass and marble features give the place a prestigious air.

The menu is based on Red Beef’s line-up: the focus is on grilled meat, prepared in an oven fired by planted-based charcoal, and cooked at 700°, accompanied by salads and fries. The sauces are homemade. Fish and large salads are also available. The sommelier, Dominique Rizzi, plays a big part in the café’s success. Continuous service (last order at midnight). Huge terrace on the Place d’Armes.“

OK. Es ist relativ teuer, die Küche ist ganztags geöffnet, der Espresso kostet 2,50 Euro, es scheint ökonomisch ein grandioser Erfolg zu sein, aber ich wollte nie wieder hin. Die „Sanierung“ widerspricht völlig dem heute eigentlich praktizierten Grundsatz der Denkmalpflege: „Erhalten, statt Simulieren“.

Adresse: 11, Place d’Armes, L-1136 Luxemburg, Tel. 352-26270292, www.redbeef.lu

Verwendete Quellen: Clarinval, France: Le Grand Café redynamise la place d’Armes, Paperjam, 11.04.2017; Coubray, Céline: Le Grand Café en Phénix du Centre-Ville, Archiduc, 23.01.2015; Philippart, Robert L.: Hôtels, Cafés, Restaurants de la Belle Époque Luxembourg, Brain & More, Luxemburg, novembre 2018,  S. 25-27; Welter, Patrick: Kein Fake! Denkmalschutz: Hauptsache authentisch, Lëtzebuerger Journal, 07.12.2018

Grand Café_Luxemburg ⓒ Ekkehart Schmidt