Zum Inhalt springen

Cafe Schroeder_Göttingen

Schroeder… Klingt schön spiessig, nach Gerhard und Hannover, vielleicht Hartz IV oder so. Aber dieses Café hinter der Kirche zog mich letzten Dienstag abends vor allem wegen seiner knalligen gelb-orangenen Farben an. Und weil ohne „ö“. Ich war mit Johann nach vier Stunden Zugfahrt aus Saarbrücken auf dem Weg nach Flensburg hier angekommen und nach dem Check-In im Hotel Berliner Hof sind wir mal eine Runde in die Stadt, einfach die Weender Stra’e stur geradeaus südwärts in die Altstadt, entdeckten eine hypnotische Spirale, spielten auf dem Spielplatz hinter der „St. Jacobi Kirche“ Nachlaufen und versanken dann für einen Kakao mit Sahne (natürlich mit Sahne) und einem doppelten Espresso in diesen Farben unter der Pergola: Papa und Sohn zusammen, mal ohne den Jüngsten, der mit der Mama vorgefahren war.

Drinnen war leer, zwei Räume, von denen der an der Theke cool gestaltet war. Letztlich aber enttäuschend. Aber klar: Was soll ich sagen, anderthalb Monate nach Wiedereröffnung Post-Corona. Das alte Leben des Lokals wird sich erst wieder einfinden müssen.

Ich war froh für diesen Fund, in ruhiger Lage, parallel zur Haupteinkaufsstrasse, scherte mich aber ausnahmsweise nicht um eine besondere Coolness, Historie oder Authentizität des Lokals. Hauptsache uns ging`s gut.

Nur eins noch: Die Inhaberin heisst Jule „Julchen“ Schröder. Mit „ö“. Sie schmeisst das Lokal seit Frühjahr 2011.

Adresse: Jüdenstraße 29, 37073 Göttingen, Facebook-Seite

Cafe Schroeder_Göttingen © Ekkehart Schmidt

Beueler Brauhaus_Bonn

Es gibt in Bonn und Umgebung viele traditionsreiche Brauhäuser: Zu nennen sind das Bönnsch, das Ennert oder das Machold. Auch in Beuel, auf der anderen Rheinseite, nennt sich ein Haus so, aber ich bin skeptisch, ob da wirklich einmal Bier gebraut worden ist. Jedenfalls gab es da letzten Samstag – abgesehen vo Namen – keinerlei Hinweise mehr. Und auch online fand sich nichts zur Geschichte dieser Ruine, die am Ende der sehr belebten Oberen Wilhelmstraße steht. Ich kam mit der Strassenbahn zum Bahnhof Beuel, weil durch die Starkregen-Katastrophe keine Züge linksrheinisch in Richtung Saarbrücken fuhren. Und wartete gut 40 Minuten auf meinen verspäteten IC nach Koblenz. Zeit genug, hier einmal vorbei zu schauen.

Das sah sehr spannend aus, mit Graffitis, dem Rest einer Leuchtreklame und einem offenbar zerstörten und notdürftig instandgesetzten Dach. Ob es hier auch gebrannt hat, wie bei „Weihers Eck„, das ich am Vorabend entdeckt hatte? die Fenster waren zum Teil zerborsten, ich konnte hinein schauen in ein ehedem grossen Lokal, an dem wohl grad gearbeitet wurde. Oder war da nur mal begonnen worden – und Stillstand jetzt?

Was auch immer hier abging, ob Student*innenkneipe oder biederes Lokal: Das Brauhaus Beuel steht wohl seit fünf bis zehn Jahren leer. Mindestens. Am 18.03.2016 wurde es kurzzeitig besetzt, um eine andere Nutzung einzufordern, aber schon einen Tag später polizeilich wieder geräumt. Es gab Überlegungen, hier einen Ort für Kultur einzurichten oder Flüchtlinge unterzubringen, wie der General Anzeiger anlässlich der Besetzung berichtete.

Seitdem passierte wohl nichts mehr und das Haus verfällt.

Adresse: Obere Wilhelmstr. 35, 53227 Bonn

Beueler Brauhaus_Bonn © Ekkehart Schmidt

Schaumburg_Bonn

August Macke ist einer der wenigen Künstler, mit denen ich mich wirklich intensiv beschäftigt habe. Zu den mir wirklich wichtigen Bildern, die der in Bonn lebende Maler erstellt hat, gehört dieser Eindruck der Viktoriabrücke im Regen von 1912 sicherlich nicht. Aber das von seinem Wohnhaus, dem heutigen Museum, aus gemalte Bild gibt mir eine 109jährige Tiefe für einen Versuch, die Kontinuität künstlerischen Schaffens hier am Stadtrand zu beschreiben.

Rechterhand der Brücke habe ich von Sommer 1988 bis Januar 1994 in der Hunsrückstrasse gelebt, kam aber sehr selten durch diesen merkwürdigen, engen Abschnitt am Ende des Hochstadenrings. Auf dem Weg zum Bahnhof für die Fahrt zur Uni in Köln, lief ich allerdings sehr häufig 30 m entfernt vorbei. So kann ich mich überhaupt nicht erinnern, was hier früher war. Jedenfalls kein schwarzdüsteres Etablissement unbekannter Nutzung namens „Schaumburg“. Irgendwann entstand nebenan eine Moschee. Jetzt ist alles im Wandel: Die Viktoriabrücke wird verbreitert und durch die Baustelle wirkt die Ecke noch abgewrackter, als vorher schon. Oder cooler, berlinesk. Viele Graffiti und ein Haus mit der Aufschrift „Stadtaffe Die Bar“.

Letzten Freitag kam ich hier – nach der ersten Entdeckung im August 2020 – erneut vorbei und fragte eine Frau, die da grad ihr Fahrrad abstellte: „Nein, da ist einfach eine Wohnung“. Okay? Und nebenan die „Schaumburg“? Hat das zu? „Ja, seit Anfang Februar, die haben`s nicht gepackt“, sagt die Nachbarin.

Was war das denn einmal? Eine Bar oder Disko? „Nee, einfach eine Halle und je nachdem…“, antwortete sie – schien es also nicht genau zu wissen. Und was war das für eine Kundschaft? „Skaterszene“. OK. Zurück in Saarbrücken war heute also genauer zu recherchieren. Ich fand Hinweise auf eine Art gemeinsames Kunst-Studio oder Galerie, begründet 2015, Ende 2019 sollte mit einer Vereinsgründung eine neue Etappe im „Schaumi“ beginnen, doch dann kam 2020 und beendete alle Ambitionen vorläufig:

„Schaumburg started as a joined arts studio in 2015 and quickly turned into self governed safehaven for a rather rare and unapreciated, uncomercial stance in art and culture.We thrive to serve only those practices that otherwise don´t see the light of day within the capitalistically minded arts community. 2020 was the fateful year that sealed the beginning of the end of existance for the venue as is at the current location and prompted the rise of an ascociation that will migrate the spark of ideas that gave this material home it´s edge. We shall prevail for time to come and keep on serving those who seek to be different and free. Join us in our endevor and become a member today – partake and create with us our new programme for 2021.“

Drei Künstler*innen waren dort dominant aktiv: Zsuzsi Rakosfalvy, Pablo Giménez und Dominika Nicoll Rogalska. Ich nehme an, es war eine Art offenes Atelier/ Ateliergemeinschaft mit eher privatem Ausschank, keine Gaststätte. Jedenfalls nahm man noch im September 2020 an den „Offenen Ateliertagen“ teil. Es gab aber auch andere, abwechslungsreiche und vielfältige Nutzungen. Zum Beispiel fand hier im März 2020 ein Plattenflohmarkt statt und zumindest 2016 gab es innen einen Skaterpark, wie Fotos aus dem General Anzeiger zeigen. Ob das eine Art Installation war oder längere Zeit genutzt wurde? Jedenfalls passt das, neben dem Macke-Haus und der „Fabrik 45“ einer weitere, eher subkulturelle Location rund um die Brücke.

Die Skaterszene stehe in Verbindung mit Frida`s Café um die Ecke, rief mir die Nachbarin noch zu. Ah! Da war ich im August 2019 mit meinem Freund Georg. Ich denke jetzt aber, dass der Hinweis auf Skater*innen (die ja gelegentlich auch als Künstler*innen aktiv sind) eher in die Irre fürhrt.

Woher der Name wohl kommt, auf was er Bezug nimmt? Auf die Burg, den Landkreis bei Hannover, eine Persiflage auf den Bonner Sitz des Bundespräsidenten, das „Palais Schaumburg“ oder ein altes Adelsgeschlecht? Der Zusammenhang ist eher indirekt, wie jemand auf World Orgs schreibt:

„Eine ehemalige Werkstatt, die als Atelier für verschiedene Künstler genutzt wird. Gelegentlich gibt es extravagante Veranstaltungen mit Musik und Performance.Der Name kommt von der nahen Viktoriabrücke. Zitat: Prinzessin Viktoria von Preußen, vollständiger Name Friederike Amalia Wilhelmine Victoria von Preußen VA (* 12. April 1866 im Neuen Palais zu Potsdam; † 13. November 1929 in Bonn) war ein Mitglied des Hauses Hohenzollern und durch Heirat Prinzessin zu Schaumburg-Lippe.“

Auf der Facebook-Seite stand am 1. Februar, die Nutzung werde beendet, „die Schaumburg geht an ihre Besitzer zurück“. Vorher wurden noch Einrichtungsgegenstände verkauft. Wenn die Baustelle der Viktoriabrücke beendet ist, mache bestimmt wieder „was“ auf, sagte die Nachbarin noch. Obwohl: Daran lag die Schliessung ja eher nicht begründet. Corona war es auch nur unmittelbar. Scheinbar soll hier gebaut werden, wie es dort am 14. Januar in einem Abschiedsschreiben hiess:

Die Halle am Hochstadenring 49a wird in Kürze wieder an den Besitzer übergeben um in den kommenden Monaten einem Neubau weichen. Wir sind froh über die Möglichkeit an dieser Stelle in unserer durch Gentrifizierung und Kommerz entstellten Stadt noch ein kleines bisschen Freiraum geschaffen zu haben. Das war nicht immer einfach aber durch den Einsatz von vielen ist es dennoch immer irgendwie gut gegangen. Leider war es uns vergönnt in unserem letzten Jahr mit euch nochmal diesen Raum einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seit der Eröffnung der Schaumburg im Oktober 2015 hat sich sehr viel um uns herum verändert, die Kulturszene ist quasi tot und es ist nicht absehbar wann es wieder weiter geht und wie das dann aussehen wird. Was sicher ist, ist das der Schaumburg e.V. weiter existiert und euch in Zukunft weiterhin eine Anlaufstelle für Kunst und Kultur jenseits von Kommerz und Kapitalismus bieten wird.

Adresse: Hochstadenring 49a, 53119 Bonn, Tel.: 01515-1877881, Webseite, Facebook

Schaumburg_Bonn © Ekkehart Schmidt

Hotel Cafe Weihers Eck_Bonn

Direkt am Bonner Stadthaus kann man durch die Maxstrasse in die quirlige Café- und Restaurantszenerie der Bonner Nordstadt eintauchen, die ich als Student in den späten 1980ern gut kannte. Seitdem komme ich hier nur noch gelegentlich durch, wenn ich Freunde und Freundinnen wie Georg und Dagmar aus alten „Orientzeiten“ besuche. So auch gestern. Unsere Clique bestand aus Leuten, die Orientalistik, Arabistik oder Islamwissenschaften studierte und viel durch den Nahen Osten reiste. Wir machten hier auch Party, aber erst viel später konnten wir hier auch türkisch und arabisch essen.

Am 28. Juni 2019 brannte es in der Gaststätte Weihers Eck an der Maxstraße. Zwei Jahre später, im April 2021, wurde vor dem Bonner Amtsgericht ein 51-jähriger wohnungsloser Bonner wegen fahrlässiger Brandstiftung zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Die Einzelrichterin sah es als erwiesen an, dass der gebürtige Sauerländer als Hotelgast den Brand mit einer nicht richtig ausgedrückten Zigarette verursacht hatte, so der General Anzeiger. Nachdem mir der Inhaber eines Ladens nebenan davon erzählte, entdeckte ich auch den provisorischen neuen Dachstuhl, der mir sonst kaum aufgefallen wäre:

Das Hotel mit insgesamt neun Zimmern im Dachgeschoss war bei dem Brand völlig zerstört worden. Auch die darunter liegende Gaststätte wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Nachbarn hatten kurz darauf eine Spendenaktion gestartet, um dem beliebten Gastwirt Cemil Okatan unter die Arme zu greifen, der das Lokal seit 25 Jahren betrieben hatte. Dabei kamen immerhin 2575 Euro zusammen.

„Cemil ist so ein Typ, der jedem hilft und immer ein offenes Ohr hat“, begründete der Initiator laut dem Karnevalisten-Medium „Kamelle“ seine Aktion. Er lebt mit seiner Familie an der Weiherstraße, war Stammgast im Weihers Eck und kennt Okatan seit gut 20 Jahren. Das Geld sei als Übergangshilfe für die nächsten ein, zwei Monate gedacht. „Das Geld ist nur ein kleiner Tropfen, aber man fühl sich nicht ganz so verloren“, dankte Okatan den Spendern. Ein Schmelztiegel sei „Weihers Eck“ gewesen, an dem sich Arbeiter, aber auch Professoren getroffen hätten, ungemein wichtig für die Bonner Altstadt, heisst es.

Mir fielen vor allem die alten gusseisernen Platten auf, von denen ein halbes Dutzend an der Aussenwand hängen und mir zeigen, dass das Haus sicherlich gut ein Jahrhundert auf dem Buckel hat – unter welchem Namen auch immer. Der heutige Name bezieht sich auf die Weiherstrasse, die hier abzweigt.

Der Döner scheint hier sehr gut gewesen zu sein. Auf Facebook fand sich 2010 eine Beschreibung, die ihm wie Haute-Cuisine huldigt: „Der € 3,- Döner to go war heute der Hammer: Perfekt ausbalancierte Verhältnisse von Salat, knusprigem Fleisch und Soßen. Kein Durchsuppen auf die Finger, kein Rausfallen aus der Dönertasche. Sogar die scharfe Soße war so verteilt, dass sie keine Hardcore-Schärfe in einem kleinen Bereich der Tasche verursachte sondern eine wohlige Würze im Gesamtarrangement verantwortete!“

Auf der fensterlosen Hauswand wurden in riesigen Projektionen Fussballspiele übertragen: Public Viewing 2016 mit Dönerteller. Vor der Tür gab es auch Open-Air-Musik. Ich war nie in diesem 1994 entstandenen Lokal, zog Anfang des Jahres nach fünf Jahren in Bonn nach Saarbrücken um. Die folgenden Fotos stammen von der Facebook-Seite.

Ich war zuletzt öfters in dem 100 m weiter an der Kreuzung der Maxstrasse mit der Heerstrasse liegenden, ähnlichen Lokal „Döner House Mangal“ bei Ömer, wo es nicht ganz so fleischlastig, aber ähnlich herzlich zugeht.

Adresse: Maxstraße 31, 53111 Bonn

Hotel Café Weihers Eck_Bonn © Ekkehart Schmidt

Kunstherz Café_Saarbrücken

Die Kinder froh und der Papa ebenso? Naja fast. Irgendwie zog es mich da nie hinein. Klar: Wohnt man vor Ort, besucht man selten ein Museumscafé. Heute war das deswegen anders, weil die Kinder auf dem Vorplatz des Saarlandmuseums ihre neuen Longboards ausprobierten. Wie schon gestern abend bei der Ankunft auf dem Weg von der Mama zum Papa. Da war uns ein einsamer Skater aufgefallen, der den immer gleichen Sprung übte. Das war sympathisch, dachte man an die Aufregung der letzten Wochen über abendlichen Lärm hier, der einen Teil der Anwohner nervte, während ein anderer Teil sie Eroberung des Platzes mit seinen wunderbar glatten Platten als passende Bereicherung empfand.

Heute waren wir in der faszinierenden Ausstellung von Claire Morgan gewesen, die mir kindgerecht erschien – und deren Besuch wegen des Vorplatzes sehr geeignet für eine Kombination von Papa- und Kinderwünschen. Da kam mir der ergänzende Gedanke: Warum mich da nicht auf einen doppelten Espresso hinsetzen, während die Kinder ihre Runden drehten?

Mir erschien die edle Aufmachung des Inneren aller bisherigen Cafés hier immer etwas gewollt und abschreckend für Nicht-Kurator*innen, Nicht-Kunstausflügler*innen aus Stuttgart oder Frankfurt sowie Nicht-Wichtigtuer*innen. Interessant: Weil ich selbst in Frankfurt oder Stuttgart gar kein Problem damit habe, mich in dortige Museumscafés zu setzen. Etwas wichtigtuerisch…

Ohne das mir gelungen erscheinende Photo des Skaters, beobachtet vom Sohnemann, den späteren Blick von oben durch ein feines Gitterwerk hinunter auf die Terrasse des Lokals, die dadurch wie verpixelt wirkte, sowie die dominante Schwarz-Weiss-Stimmung hätte ich es nicht als ein Thema für meinen Blog erachtet.

2019 hatte das Saarlandmuseum mit Mike Mildenberger und Alexander Cron neue Pächter für das frühere „Café Schönecker“ gefunden. Ihr „Kunstherz“ soll Café, Deli und Bar in einem sein. Doch bevor die beiden im Frühjahr 2020 starten konnten, brach die Pandemie aus. Kurz nach der Eröffnung im Oktober kam dann der zweite Lockdown… Erst am 1. Juni – parallel zur Neueröffnung der Modernen Galerie – konnten wieder Gäste empfangen werden. Ich war nie im Schönecker, dafür in dessen Vorgänger, dem „Archipenko“. Nun also ein weiterer Wiederbelebungsversuch.

Von innen schaute ich nur kurz um die Ecke, dann setzte ich mich draussen an den Ecktisch mit bestmöglichem Kinderbeaufsichtigungsblickwinkel.

Vom Ausgang bietet sich ein Blick zur Hochschule für Musik und dem Staatstheater dahinter: drei Künste in einer Reihe. Und der Baum von Giuseppe Penone, den ich von der documenta kannte.

Leider hatte ich nur kurz Ruhe: Die Jungs knallten erst mehrmals die eiserne Wasserflasche auf den metallenen Tisch und fuhren – trotz Ermahnung – in kurzen Abständen mehrmals mit Anlauf auf ihren Longboards gegen Stühle und Tische, rumpelten und knallten, bis ich wütend und laut wurde – Ruhe für die anderen Gäste einfordernd… (die sich wohl ihren Teil dachten). Es wurde plötzlich heiss und wir beschlossen, ein eis zu essen und an die Saar zu fahren.

Adresse: Bismarckstraße 11-15, 66111 Saarbrücken, Tel.:+49-681-509-80-265, Homepage, Insta

Landgasthaus Römerhof_Gonnesweiler

Es war einmal eine Hofstätte im Nirgendwo zwischen Gonnesweiler und Bosen-Eckelhausen hoch im Norden des Saarlandes. Ein einzelnes Haus weit entfernt von den Dörfern der Umgebung in einer Wald- und Wiesenlandschaft. Dann machten die Besitzer eine Bäckerei auf, was mangels Laufkundschaft schon ziemlich mutig war. Aber diese Geschichte kenne ich nicht.

Ich versuche mir nur vorzustellen, was es in dieser Einöde bedeutete, dass nahebei 1973-75 der 120 ha große Bostalsee als künstlicher See erbaut wurde, der dann „am, auf und unter Wasser rein alles bietet, was man sich  für Frei- und Ferienzeiten nur wünschen kann“, wie es Fred Oberhauser ausdrückt. 1975/76 wurde das Gelände hinter der Staumauer geflutet. Und plötzlich war hier alles anders.

Die 200 Meter vom Südost-Ufer entfernte Bäckerei produzierte weiter, aber es muss dann wohl durch die Nähe des Sees der Gedanke aufgekommen sein, dass hier ökonomisch mehr möglich sein könnte: Eine Gastwirtschaft für die ersten Ausflügler und Feriengäste am See! 1977 wurde neben der Bäckerei ein „Landgasthaus Römerhof“ eröffnet. Vor dem dann (später oder zugleich) ein „Biergarten“ eingerichtet wurde. Wahrscheinlich schon damals von der Familie Knop, deren Sohn Stefan heute das Lokal führt.

Das noch immer völlig alleine frei stehende Restaurant liegt etwas versteckt und weitab der Hauptstraße inmitten einer wunderbaren Naturlandschaft: Wiesen und Felder so weit man sehen kann. Nahebei eine Mariengrotte. Zu beobachten sind Raben und Falken, gelegentlich auch Rehe – jedenfalls ausserhalb der Saison, sagte uns die Kellnerin. Sonst sei denen hier zu viel menschliches Treiben. Aber dazu später.

Römerhof (c) Ekkehart Schmidt

Römerhof (c) Ekkehart Schmidt

Römerhof (c) Ekkehart Schmidt

Römerhof (c) Ekkehart Schmidt

Römerhof_Gonnesweiler (c) Ekkehart Schmidt

Römerhof_Gonnesweiler (c) Ekkehart Schmidt

Im November 2019 kamen wir hier erstmals vorbei und machten eine Pause in diesem doch sehr altbacken-gutbürgerlich (oder altdeutsch-nostalgisch?) wirkenden Lokal, zu dem es auf dieser Seite des Sees, fernab des Freizeitzentrums auf der anderen Seite, keine Alternative gibt. Es sei denn, man ist Gast in der sehr teuren Seezeit-Lodge nahebei. Damals erkundigten wir die Gegend, in die meine jüngsten Kinder mit ihrer Mutter eben erst umgezogen waren.

Letzten Mittwoch war ich ein zweites Mal zu Gast – wieder mit den Kindern, die mittlerweile im nahen Walhausen wohnen und hier Stammgäste geworden sind. Die Kellnerin begrüsste sie: „Es gibt heute kein Wassereis…“. Erst später erfuhr ich den Kontext: Die Mama, in Sorge um zu viel Sucht nach Süssem, hatte vor ein paar Tagen kein Eis gewollt. Da seien sie auf eigene Faust zur Kellnerin gegangen, um zwei Wassereis zu erbetteln. Das war schon nicht mehr „lustig“, verstand ich später.

Jetzt machten wir einfach nur Stopp auf unserer Tour per Lastenrad, hungrig vom Schwimmen.

Der Römerhof ist ein gemütlicher Biergarten mit Kuchen- und Speisenangebot. Aber kein Restaurant im üblichen Sinn. Es gibt die Terrasse draussen und einen doppelt so grossen Innenraum. Draussen werden wohl eher Ortsfremde sitzen wollen, drinnen eher Einheimische. Dort ist es sehr rustikal mit bemerkenswert vielen ausgestopften Tieren, wie wir vor  Corona erlebten:

Römerhof_Gonnesweiler (c) Ekkehart Schmidt

Römerhof_Gonnesweiler (c) Ekkehart Schmidt

Römerhof_Gonnesweiler (c) Ekkehart Schmidt

Römerhof_Gonnesweiler (c) Ekkehart Schmidt

Römerhof_Gonnesweiler (c) Ekkehart Schmidt

Römerhof_Gonnesweiler (c) Ekkehart Schmidt

Römerhof_Gonnesweiler (c) Ekkehart Schmidt

Römerhof_Gonnesweiler (c) Ekkehart Schmidt

Die Preise sind zivil, wenn auch nicht billig – das liegt weniger am gebotenen Standard, denn an der Kundschaft. Es gibt Salatteller, kleinere Gerichte wie Kräuterbutterbaguette, Strammer Max oder Spargeltoast „zur Brotzeit“, zu Preisen zwischen  3,90 und 8,40 Euro, Hauptgerichte, das heisst fünf Schnitzelvarianten, Hackbraten, Fleischkäse mit Spiegelei oder Burger zu Preisen zwischen 9,90 und 13,40 Euro. Wir haben immer nur in die Kuchenvitrine geschaut: Bienenstich und Käsekuchen scheinen der Renner zu sein, es gibt aber auch Torte – alles „aus eigenener Herstellung“ natürlich.

Ich fragte und lernte: In der alten Bäckerei nebenan buk man noch bis 2015 weiter Brot und Gebäck, mit dem per Lieferwagen die umliegenden Ortschaften versorgt wurden. Woher jetzt die „selbstgebackenen Kuchen und Torten“ kommen, war mir aber nicht ganz klar. Vielleicht einfach aus der Küche. Aber auch diese Preise waren OK: je 2,40 Euro für Bienenstich, Apfelstreusel oder Käsekuchen (20 Cent mehr als 2019). Gleiches galt für die Getränke: Kaffee, zwei (große) Kakao damals und Sprite heute für je 1,60. Der doppelte Espresso (der eher nach Eduscho-Kaffeemaschine schmeckte) kostete 3 Euro. Ach so: Bier gibt es natürlich auch: Karlsberg oder Krombacher das 0,5 l Ur-Pils bzw. das 0,5 l Glas Weizen für 3 Euro – oder eine kleine Flasche Bitburger zu 1,90 Euro.

Ich hätte ja noch ganz andere Fragen gehabt, ob hier ein Opa Jäger gewesen ist, oder so. Bewerten mag ich das aber nicht. Wer bin ich, mir das anzumassen?

Es gab und gibt hier jedenfalls ein sehr diverses Gaststättenleben mit Einheimischen und Auswärtigen, einmaligen Kurzbesucher*innen im Urlaub, Stammgästen und Leuten wie uns.

Dieser Blick von der Terrasse in die Felder war jetzt verändert: In Corona-Zeiten haben sie auf die Rückseite des „Willkommen“-Schildes mit Karlsberg-Werbung ein „Auf Wiedersehen“-Schild mit Krombacher Werbung appliziert. Es passiert also durchaus etwas. So alteingesessen und auf Traditionen und ein bestimmtes Angebot beharrend das Lokal auch sein mag, so hat die erzwungene Schliessung vielleicht auch bewirkt, sich etwas zu bewegen. Ob sie das alles überleben werden, fragte ich zum Abschied: „Ja, klar“, das war keine Frage.

Adresse: Römerhof 1, Nähe Bostalsee, 66625 Gonnesweiler, Tel.: 04968-526323, M: 0171-4017700, roemerhof-baeckerei@t-online.de

Verwendete Quellen: Oberhauser, Fred: Das Saarland, DuMont Kunst-Reiseführer, Köln 1992, S. 251, XY: Römerhof feiert 40-jähriges Bestehen, Saarbrücker Zeitung, 13.11.2017

Bereler Stuff_Bäreldeng

Es ist schon lange her, dass ich mal wieder mit dem Bus Nr. 10 hier durch gefahren bin. Vor zehn Jahren habe ich einen Master-Kurs an der damals noch in Walferdange ansässigen pädagogischen Fakultät der Uni Luxemburg evaluiert und nahm die 10 jeden Freitag oder Samstag. Damals fiel mir kurz vor der Kurve über die Alzette, ausgangs dieser ewig langen Strasse aus der Innenstadt durch Beggen und Bereldingen (frz.: Bereldange, luxemburg.: Bäreldeng) auf, wie viele sehr unterschiedliche Lokale hier die verschiedensten Trink- und Essbedürfnisse befriedigen. Aber da reizte mich nichts.

Letzten Freitag war die Station „Police“ auf dem Weg zum Biohof Clees-Haff in den Wiesen zwischen Bereldange und Steinsel die Haltestelle, von der aus ich rüberlaufen wollte. Ich hatte noch etwas Zeit und setzte mich unter die blauen Schirme dieser wohl schon alten und jedenfalls alteingesessenen Dorfkneipe, eines langgezogenen Strassenortes, der seinen dörflichen Charakter längst verloren hat, um einen Espresso zu trinken. Das Cafê als Relikt eines anderen Zusammenlebens. Von den Hügeln schaute ich später zurück auf diesen von Neubauten der Finanzmetropole überprägten Ort, dessen Zuzügler überall (nur nicht hier) essen und trinken:

Weil da einige Männer unter den blauen „Diekirch“-Sonnenschirmen sassen, traute ich mich nur, Fotos von der Seite zu machen, ehe ich in ihr Blickfeld kam. Offenbar gibt es hier eine gute italienische Küche mit ordentlicher Pizza (auch to-go). Und die Tische innen wirken, als habe man einen hohen Anspruch. Draussen aber ist noch die „Stuff“.

In der schwülen Hitze des Tages war ich froh, in eine blaue Schattenwelt zu kommen, bestellte einen Espresso und beobachtete die Männer nebenan und die Frau vorne. So, wie ich mit einem freundlichen Nicken begrüsst worden war, als würde man mich kennen, verstand ich: Die Leute sind hier, weil sie sich Kommunikation wünschen

Das fühlte sich gut an. Kühl, schattig, heimelig – wenn ich letztlich auch als Fremdkörper betrachtet wurde, aber nicht ablehnend, eher neugierig. Der Kellner war gerade dabei, den grossen Flachbildschirm für das EM-Spiel Schweden – Slowakei aufzubauen. Er platzierte ihn, etwas wackelig, auf einem Stuhl und kam dann mit den Kabeln. Aber ehe er sie anschliess, machte er ein Spässchen mit einem der Kunden, platzierte das Kabelende an dessen Herz, wie ein Doktor, der den Puls misst. Dieser ging drauf ein, aber nicht ohne zu sagen, dass das etwas gefährlich sei, weil er da schon etwas eingebaut habe – so verstand ich es jedenfalls. Aber wunderbar diese Frotzeleien, ein nicht ganz ernst gemeintes, wenig aggressives Sich-Lustig-Machen über jemanden. Danach ging das Gespräch weiter.

Ich ging auf die Toilette und machte ein paar Fotos des erstaunlich edlen Innenraums – die ich zuhause durch Impressionen der Facebook-Seite des Lokals ergänzte:

Die Kegelbahn war mir gar nicht aufgefallen, das Schild draussen hatte ich nicht recht wahrgenommen und sah auch keinen Eingang, aber sie existiert. Und es gibt sogar einen Kegelclub:

Es fiel mir hier auch auf, dass hier in vier Sprachen geredet wird (deutsch, Luxemburgisch, französisch und italienisch). Die Portugiesen scheinen sich eher 100 m entfernt im „Café des bons amis“ zu treffen, da, wo es rechts zur ehemaligen Uni und links zu meinem Bauernhof geht:

Schön, diese Erfahrung, an alte Erlebisse anzuknüpfen. Wenn auch nur so ganz kurz. Aber ich hoffe sehr, bald wieder hierher zu kommen.

Adresse: 35 Route de Luxembourg, 7240 Walferdange/ Luxemburg, Tel.: +352 26 33 22 22, Homepage

Novinophobie

Ein Schild, ein Wort, ein Zustand, der einen Teil meines Lebens spiegelt: Novinhophobie. Erst verstand ich das vorletzten Samstag nicht, am Bahnhof Kobern-Gondorf an der Mosel auf Susanne wartend. Der Groschen fiel erst nach einer Weile: Vino = Wein. Zunächst faszinierte mich diese reliefierte Aufschrift eines offenbar sehr alteingesessenen Weinbauern und ich fragte mich, ob es aus den 1940er-Jahren stammt? Und was „Moselhaupt“ bedeuten mag. Dann sah ich die Schiefertafel.

Cooles Marketing eines kleinen Weingutes ohne Homepage, das mich sofort ansprach. Das ist natürlich nur ein Spass: Eine solche Angstneurose entwickelt ein Weintrinker in Mittel- und Südeuropa so gut wie nie. Höchstens harte Alkoholiker, denen aber egal ist, welchen Stoff sie bekommen. Ich muss freilich zugeben, dass ich das auch kenne. Ich schaue immer, dass genug „Camino Tinto“ da ist. Also zwei Flaschen meiner spanischen Stammmarke. Für meinen – ja – täglichen Bedarf und einen etwaigen Besuch. Und wenn ich verreise, ohne zu wissen, ob am Zielort Bioläden sind, nehme ich mir für den ersten Abend guten Wein mit. Tankstellenwein ist nur die absolute Notlösung. Biertrinker werden das Thema eher weniger kennen – an ordentlichem Bier ist selten Mangel, egal wo man ist.

Zu meiner Ehrenrettung: Ich schaue auch, dass immer genug Klopapier, Körnerbrot, Käse und Kaffee da ist. Und Moselhaupt? Der Inhaber heisst Linus Haupt, wohl in einer langen Generationenabfolge.

Adresse: Weingut Moselhaupt, Bahnhofstraße 48, 56330 Kobern-Gondorf, moselhaupt@t-online.de, Tel.: 02607-221

Novinophobie ⓒ Ekkehart Schmidt

Köpi_Kobern-Gondorf

Ich mache es kurz: Köpi steht für die 1858 in Duisburg entstandene Biermarke „Königs Pilsener“, die jetzt zur „Bitburger“-Gruppe gehört. Lokale diesen Namens gibt es nicht nur im Ruhrgebiet, sondern auch an der Mosel, wo mir dieses wohl coronabedingt- oder schon vor-corona-tote Lokal vor zehn Tagen begegnete.

Was sich die Marketing-Leute der Brauerei wohl dabei gedacht haben, solche Bierhäuser auch hier aufzubauen? Es gibt Lokale diesen Namens ausserhalb des Ruhrgebiets in Aachen, Neu-Isenburg oder Münster. Wahrscheinlich dachten sie hier an den Tagestourismus südwärts ins Grüne, so entstand 2016 nahebei in Koblenz auch ein „Köpi“. Aber das sind alles Spekulationen.

Es handelt sich wohl um ein alteinsässiges Lokal mit alter Geschichte und vielen früheren Namen. Online habe ich leider nichts gefunden.

Köpi_Kobern-Gondorf ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schaack-Graas_Mersch

Letzten Samstag, fast exakt 5 Jahre nachdem ich dieses Lokal erstmals entdeckt hatte, kam ich hier wieder vorbei – leider mit den Kindern im Bus sitzend, auf dem Rückweg vom ersten Schwimmbad-Besuch seit anderthalb Jahren. So konnte ich nicht schauen, ob da ein Aushang „in eigener Sache“ hing. Am 15. Juni 2016 war ich hier unterwegs gewesen, um Flyer zu unserer 20-Jahr-Feier im Kass-Haff, nahebei in Rollingen, zu verteilen. Und machte einige Fotos. Das Café wirkte unverändert. Nur die Rolläden waren heruntergelassen. Ein Menetekel? Immerhin müsste die Inhaberin, Victorine Schaack-Graas, in einem Monat ihren 102. Geburtstag feiern. Oder doch nur eine der Pandemie geschuldete vorübergehende Schliessung?

Beide Besuche zeigten mir meine Schwäche schlechter Organisation auf. Beim ersten Mal habe ich viel zu spät mit der Werbung begonnen und hoffte, das mit Flyern in so viel Geschäften und Lokalitäten wie nur möglich in Mersch noch auszugleichen. Beim zweiten Mal reiste ich im Glück an, meinen Kindern ein Highlight zu bieten, hörte dann aber, dass ich den Timeslot 18.30 – 20 Uhr am Vortag gebucht hatte (wir kamen dann doch noch hinein und ich wurde durch ein selten erlebtes derartiges Strahlen aus Kinderaugen belohnt).

Fast alle Lokale und alten Gebäude in Mersch sind saniert und für meinen nach Authentizität Ausschau haltenden Blick uninteressant geworden. 2016 entdeckte ich vor dem Café aber noch ein anderes faszinierendes Gebäude neben einer Chocolaterie: das „Maison Binsfeld“, ein laut industrie.lu offenbar von 1948/49 stammendes Gebäude eines Textilgeschäftes, das mindestens seit 2014 geschlossen ist (wahrscheinlich viel länger).

Man beachte die Modernisierung des Namenszuges, die sicherlich fachmännisch erfolgte, nur schimmerte nach einigen Jahrzehnten doch die Original-Typographie durch. Beim Café Schaack-Graas hat frau dagegen den sicherlich ursprünglich auch aufgemalten Namen durch historisierende metallene Lettern ersetzt. Der Aufkleber am Fenster wirkt wie 70er-Jahre-Design. Auch die Jalousie über dem Fenster rechts wirkt alt, ersetzte aber nach 2009 eine ältere, weniger farbenfrohe, wie auch damals deutlich höher wuchernde Pflanzen einen Sichtschutz boten.

Als Victorine Schaack-Graas 2019 ihren 100. Geburtstag feierte, erschien im Luxemburger Wort eine Würdigung von 70 Berufsjahren in diesem offenbar landesweit bekannten Lokal. Ich kann zur Geschichte des Lokals nichts originäres beitragen, zitiere also das Wort:

„Geboren wurde die rüstige Hundertjährige an einem 19. Juli in Differdingen. Ihre Schwester ist 18 Monate jünger. Als junges Mädchen arbeitete sie in Paris und Brüssel und anschließend beim Richter Heuertz in der Stadt. In den Kriegsjahren lernte Vicky Graas auf dem Hingerhaff bei Mersch ihren späteren Ehemann, den Bäckermeister und Wirt Arnold Schaack, kennen. Mit verschmitztem Lächeln erzählt sie von ihrer Hochzeitsreise, welche die beiden im kalten Winter 1944 per Fahrrad von Differdingen nach Mersch in die Rue Grand-Duchesse Charlotte antraten, wo sie alsdann das Café und die Bäckerei betrieben (…) Nachgefragt gibt sie das Geheimnis ihres Altwerdens bekannt: möglichst oft mit guten Freunden bei einem `Lëtzebuerger Pättchen a Lëtzebuerger Ham` über alte Zeiten sprechen. `Dat hëlleft garantéiert, gleewt mir`, so eine resolute Hundertjährige. Keiner widersprach.“

Ein Pättchen ist ein Trinkgefäss von 0,25 l und ein Ham ist Schinken. Klingt nach einem gutbürgerlich-gemütlichen Kleinstadt-Lokal, das sich aus einer Bäckerei heraus zu einer Institution des Zusammenlebens entwickelt hat. Vielleicht beherbergte der rechte Teil des Hauses früher die Bäckerei?

Ich hoffe, es dauert nicht wieder fünf Jahre, ehe ich endlich einmal über die Schwell trete…

Adresse: 53 Rue Grande-Duchesse Charlotte, 7520 Mersch / Luxemburg

Café Schaack-Graas_Mersch ⓒ Ekkehart Schmidt