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Uploading Total Théâtre

Januar 19, 2013

Total_Theatre_schriftzug„Theater entsteht zwischen Künstlern auf der Bühne und den Zuschauern in einem Augenblick. Es ist ein Moment leibhaftiger Kommunikation in einem Raum. Das ist in Belgien nicht anders als in Luxemburg, in Deutschland nicht anders als in Frankreich“, begeistert sich Andreas Wagner, Dramaturg am Théâtre National de Luxembourg (TNL). Wenige Tage vor der Pressekonferenz, auf der die mittels einer Förderung durch die Europäische Union im Rahmen von INTERREG IV ermöglichte vertiefte Zusammenarbeit von sechs Theatern der Großregion präsentiert werden soll, hat er schnell noch einen Text runtergehauen. Der Saarbrücker kann so etwas in beneidenswerter Leichtigkeit. TOTALTHEATRE heißt das Projekt, an dem seit 2004 gearbeitet wird.

Die beteiligten Theater aus Eupen, Lüttich, Luxemburg, Saarbrücken, St.Vith, Trier und Thionville, deren Zuständige für Öffentlichkeitsarbeit sich diesen Dienstag in Luxemburg trafen, kennen die Situation am Rand großer Kulturräume, weitab der Metropolen Berlin, Brüssel und Paris. Aber sie sind sich selbst dieser Grenzlage bewußt und versuchen genau daraus ihre Kraft zu ziehen: „Die Magie des Momentes ist unsere große Gemeinsamkeit. Sie zu teilen in einem gemeinsamen Raum, dem Raum der Großregion, ist das Ziel von TOTALTHEATRE; denn das Theater der Zukunft dies und jenseits der Grenzen spricht viele Sprachen in einem geographischen Raum“, schreibt Andreas (Foto unten mit Pascale Biever).

TOTAL THEATRE 23.01.13, Foto: Ekkehart Schmidt-Fink

Und fährt fort: „Dieser Raum ist durchzogen von sprachlichen, kulturellen, institutionellen und geographischen Grenzen. Das spüren wir im Theater vielleicht stärker als anderswo, denn unser Verhältnis zur Sprache ist so sensibel. Wo die Betonung zur Nuance wird, das Licht zum Halbschatten, die Bewegung zur Geste, betreten wir den Raum des Theaters. Je feiner und genauer wir diesen Raum erforschen, ihn durchschreiten, desto sicherer können wir ihn gemeinsam gestalten. Nur so können wir im großen und disparaten Zusammenhang der Großregion bestehen und ihn künstlerisch urbar machen.“

Der künstlerische Fortschritt soll im Rahmen des Projektes mit dem institutionellen Fortschritt einhergehen. Eine ständige künstlerische Zusammenarbeit ist das Ziel der institutionellen, strukturbildenden Zusammenarbeit von TOTALTHEATRE. „Wir wollen einen neuen künstlerischen Raum schaffen, in dem sich Künstler und Publikum begegnen“, erklärt Andreas weiter. Dazu wurden vier Aktionsfelder  unterschieden: Netzwerkbildung, Voneinander Lernen, Förderung zeitgenössischen Theaterschaffens sowie Information und Mobilität des Publikums. Die ab diesem Frühjahr umgesetzten Aktivitäten sollen mit einer Stärkung der Kapazitäten der Theater auf den Ebenen der Förderung des künstlerischen Nachwuchses, der Weiter- und Fortbildung des künstlerischen und technischen Personals, dem Aufbau eines funktionierenden Theaternetzwerks und der Mobilisierung des Publikums durch gemeinsame Maßnahmen der Kommunikation und Mediation einhergehen (mehr dazu hier).

Auf wirtschaftlichem Sektor, auf der Ebene der Grenzgänger, in der Mobilität zwischen Wohnorten dies- und jenseits der Grenzen, im Tourismus und der Freizeitkultur ist das Überschreiten der Grenzen längst zum Alltag geworden. Auf der Ebene der Theater möchte, ja muss man von dieser Dynamik profitieren, liegt doch in den vier beteiligten Ländern ein „riesiges eigenständiges kreatives Potential“, betont auch Peggy Hamann, Koordinatorin des von 2012 bis 2014 laufenden Projektes.

Die Französin (Foto unten), die ebenfalls seit Jahren in Saarbrücken lebt, aber in Luxemburg arbeitet, hat sich schon im Rahmen ihrer vorherigen Arbeit für den Verein Kulturraum Großregion dafür engagiert, fern kultureller Kraftzentren wie Paris und Berlin, am Rande, aber in der gemeinsamen Erfahrung der Grenzen, die Tür zu den Nachbarn in Arlon, Esch, Forbach, Metz, Saarlouis oder Wasserbillig aufzustoßen. Jetzt hat sie gemainsam mit Andreas ein Programm entwickelt, mit dem die beteiligten sechs Theater ihre Arbeitsmethoden einander bekannt machen, sie zusammenführen und dem Theater der Großregion einen Platz in ihren Häusern einräumen. Damit möchte man die überlieferte Auffassung des Theaterbetriebs verlassen und diesen dort gestalten, wo sich die Menschen unserer Region befinden.

TOTAL THEATRE 23.01.13, Foto: Ekkehart Schmidt-Fink

„Eine kulturelle Identität unserer Großregion kann nur erreicht werden, wenn es gelingt, die geistigen Ressourcen, die im kulturellen Reichtum unserer Region schlummern, in einen dynamischen kreativen Prozess umzuformen, der nach Außen und Innen wirkt“, hat Andreas im Antrag an die EU getextet. Und er träumt und lebt tatsächlich die Vision von der Identität der Menschen der Großregion, die im Theater ihre Bühne findet. Mehr zur Philosophie des Projektes hier.

Die bisherige Zusammenarbeit soll auch durch eine Mobilisierung des Publikums und der politischen Entscheidungsträger zu einer Veränderung der kulturellen Landschaft der Großregion führen, der konsequent mit der Erschließung der Schnittmenge aus Lothringen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Wallonien und der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens als künstlerischem Arbeitsfeld verbunden ist. Das ist sehr ehrgeizig. Die Erfahrungen der ersten Versuche der Zusammenarbeit seit 2004, die im Rahmen des Kulturhauptstadtjahrs Luxemburg 2007 vertieft und später fortgesetzt wurden, lassen diesen Ehrgeiz tatsächlich nicht als ein Hirngespinst erscheinen. Finanziell sind durch die EU-Förderung in Höhe von gut 2 Millionen Euro jedenfalls beste Bedingungen für ein erfolgreiches „Uploading“ oder Intensivieren der Idee gegeben.

Andreas und Peggy haben neben den Intendanten und Dramaturgen der Häuser in der Vorbereitung der Pressekonferenz am kommenden Mittwoch auch in den Öffentlichkeitsarbeiter/innen Constance aus Eupen, Ellen aus Saarbrücken, Judith aus St.Vith, Louise aus Thionville, Marjorie und Pierre aus Lüttich sowie Pascale aus Luxemburg begeisterte Mitstreiter gefunden. Jetzt gilt es, auch die Schauspieler und Techniker der Theater sowie das Publikum für diese Vision zu gewinnen. Man darf vorsichtig optimistisch sein.

Webseite TOTALTHEATRE

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