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TOTAL THEATRE [in]VISIBLE – [un]SICHTBAR

Mai 16, 2014

Plakate kündigten es an: Auf dem Landwehrplatz findet eine Performance statt. Irgendwie mit Wasser. Also hin, letzten Mittwoch. Mit Kamera. Da sind noch viele andere Männer mit Kamera. Aber nur eine Frau. Ich sehe einen riesigen Kohlehaufen, eine Stahltreppe, von der Wasser rinnt, ein Schlauch und ein Sofa, aus dem es so heftig plätschert, dass bald ein See entsteht. Nach einer Weile bemerke ich eine Frau am Rand des Zuschauerkreises, die sich mit Wasser aus Ihrer Handtasche die Beine wäscht. Es wirkt sehr surreal und ich beginne reflexartig zu fotografieren. Erst später frage ich mich, was dieses urbane Installations- und Performance-Projekt von Angie Hiesl und Roland Kaiser mit einem macht. Als Mann und als Frau sicherlich unterschiedlich.

Zwei junge Frauen und zwei ältere Männer: Die Frauen in unifarbenen Kostümen, die aus ihnen Barbiepuppen machen, die Männer völlig unauffällig angezogen. Später lese ich bei TOTAL THEATRE, jenem grenzüberschreitenden Projekt, in dessen Reihe „Transit“ die Performance erarbeitet wurde, dass hier das Thema „Wasser“ aus dem Blickwinkel der Großregion behandelt wird: Wasser als Element, als Lebensquelle, als Grundlage industrieller Entwicklung, als Handelsweg, als verbindendes oder trennendes Element, Wasser in ruhender und in fließender Form, in Kreisläufen, in sichtbaren oder unsichtbaren Leitungssystemen, und im alltäglichen urbanen Leben. Die Tänzerinnen Helena Miko und Amandine Petit, der Schauspieler Heiner Take und der Musiker Gerno Bogumil verfolgen und hinterlassen Spuren des Wassers: „Sie untersuchen offensichtliche und versteckte Bedeutungen, die das Element im modernen urbanen Leben der Grande Region spielt“, heißt es. Sie „verwandeln den öffentlichen Raum, verändern seinen Rhythmus und verflüssigen sein Erscheinungsbild“.

TOTAL THEATRE [in]VISIBLE – [un]SICHTBAR © Ekkehart Schmidt

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Was in der Konzeption völlig unerwähnt bleibt, ist die nackte Haut der beiden Frauen, die zumindest dezent, gelegentlich aber auch fast obszön mit ihren erotischen Reizen spielen – freilich mit komplett stoischem Gesichtsausdruck.  Oder ist das gemeint, wenn es heißt: „Mitten im Alltagsleben legen sie Verstecktes frei, schärfen den Blick der Zuschauer auf ihre urbane Umgebung, fordern Wahrnehmungsmuster heraus und verrücken Realitäten“? Entsteht der voyeuristische Reiz, dem zunächst nachgegangen zu sein ich mir eingestehen muss, erst in der Phantasie des Betrachters? Ich war sicher nicht der einzige Mann, der sich gegen den starken Reiz zu wehren hatte, nach den Slips zu schielen.

TOTAL THEATRE [in]VISIBLE – [un]SICHTBAR © Ekkehart Schmidt

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Manche Zuschauerin fragte sich, warum die Darstellerinnenoffensichtlich erotische Reize einsetzen, ohne damit etwas originär Persönliches ausdrücken zu wollen. „Billiges Getue“ oder „Effekthascherei“ habe ich seitens einiger Freundinnen gehört, anschließend haben wir uns länger unterhalten.  Da ist seitens mancher (oft zufälliger) weiblicher Zuschauerinnen egal welcher kultureller Herkunft, aber auch bei den Männern,  ein Widerstand entstanden oder zumindest kurz spürbar geworden, den man verstehen und zulassen sollte. Dann freilich hat die nur in diesen Teilen provokante, ansonsten eher gefällige, wenn auch skurrile Performance etwas Interessantes freigelegt. Nur nicht zum Thema Wasser. Wurde dies bezweckt? Auf jeden Fall sollte gezielt irritiert werden. Das ist gelungen.

TOTAL THEATRE [in]VISIBLE – [un]SICHTBAR © Ekkehart Schmidt

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Die Uraufführung war am Dienstag, 13. Mai 2014 auf dem Landwehrplatz/Max-Braun-Platz in Saarbrücken. Weitere Termine sind der 14. und 16. Mai, jeweils von 16-18 Uhr. Anschließend wird die Performance in Zusammenarbeit mit den anderen, im Rahmen von TOTAL THEATRE kooperierenden, Theatern der Großregion noch in anderen Städten von Thionville bis Luxemburg aufgeführt.

In Luxemburg findet die Performance am 4. und 5. Juli von 16-18 Uhr sowie am 6. Juli von 11-13 Uhr auf der Place Léon XIII in Bonnevoie statt. Der Eintritt ist frei.

Mehr zur Performance: Saarbrücker Staatstheater. Infos zu TOTAL THEATRE.

 

TOTAL THEATRE [in]VISIBLE – [un]SICHTBAR © Ekkehart Schmidt

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