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Die Mithras-Kultstätte am Halberg

Januar 2, 2013

So gut wie niemand kennt diese zwei Jahrtausende alte Kultstätte. Der unglaublich ignorante Begriff „Heidenkapelle“ ist in den meisten Karten in diesem Waldstück unterhalb des Halbergs mit seinem Schloß und dem Sendehaus mit Funkturm des Saarländischen Rundfunks eingetragen. Wenn überhaupt. Das ist erstaunlich, handelt es sich doch um – mit den Fundamenten des Römerkastells nahebei – um eines der ältesten historischen Denkmäler Saarbrückens und des Südwestens überhaupt. Als „Heidenkapelle“ qualifiziert wurde dieses im 3. Jahrhundert nach Christus entstandene Heiligtum freilich erst spät. Zu Römerzeiten war dies eine der damals verbreiteten Kultstätten des persischen Lichtgottes Mithras, einer Figur der zarathustrischen Religion. Dachte ich jedenfalls. Aber so einfach ist es doch nicht. Schauen wir uns erst einmal die Kultstätte an, die gar nicht so einfach zu finden ist:

Mithras-Heiligtum am Halberg © Ekkehart Schmidt-Fink

Mithras-Heiligtum am Halberg © Ekkehart Schmidt-Fink

Mithras-Heiligtum am Halberg © Ekkehart Schmidt-Fink

Mithras-Heiligtum am Halberg © Ekkehart Schmidt-Fink

Ohne Hintergrundwissen kommt man hier normalerweise nur zufällig vorbei, weil die vor gut einem Jahrzehnt aufgestellten Wegweiser von der Brebacher Landstraße aus längst verschwunden sind. Es gibt nur noch ein Hinweisschild direkt vor der Kultstätte. Oder aber man entdeckt die sich mitten in einer längeren Sandstein-Felswand öffnende Grotte, weil man als Esskastaniensucher unterwegs ist – wie wir im Herbst 2012 feststellten, als hier ungewöhnlich viele Menschen unterwegs waren.

Mithras-Heiligtum am Halberg © Ekkehart Schmidt-Fink

Mich fasziniert dieser Ort seit ich 1994 nach Saarbrücken gezogen bin: „Persischer Lichtgott“ … In die 3,90 m hohe Naturhöhle hinein wurden parallele Säulenreihen neueren Datums gezogen. Dahinter Nischen und kleine Kammern im Fels sowie eine Tafel als Ersatz des fast 2000 Jahre alten Originals, das im historischen Museum am Schloßplatz ausgestellt ist: Die Tafel ersetzt ein Relief, welches eine Stierszene kultischen Charakters zeigt. Abgesehen davon ist kaum unterscheidbar, was Mithrasheiligtum und was christlich überprägt ist. Die Treppe linkerhand zum Beispiel. Nach der Christianisierung im 6. Jahrhundert ist die Grotte zu einer christlichen Kultstätte umgewidmet worden. Wir sind natürlich unter dem stählernen Gatter durchgekrabbelt, um uns das Innere genauer anzuschauen:

Mithras-Heiligtum Halberg © Ekkehart Schmidt-Fink

Mithras-Heiligtum Halberg © Ekkehart Schmidt-Fink

Mithras-Heiligtum Halberg © Ekkehart Schmidt-Fink

Mithras-Heiligtum Halberg © Ekkehart Schmidt-Fink

Mithras-Heiligtum Halberg © Ekkehart Schmidt-Fink

Mithras-Heiligtum Halberg © Ekkehart Schmidt-Fink

Der Mithras-Kult kam mit römischen Legionären ins heutige Saarland. Diese Religion lehrt, dass Mithras von einem Vatergott ausgeschickt wurde, um die Welt zu retten. Geboren aus einem Stein in einer Felsengrotte, die als „Petra Genetrix“ (Mutterfelsen) angerufen wurde, soll er einen Stier gefangen und auf den Schultern in eine Höhle getragen haben, wo er ihn dann opferte. Aus dem Blut und Samen sei die Erde und alles Leben entstanden. Da die Religion einige Ähnlichkeiten mit dem Christentum aufwies, wurde sie von diesem stark bekämpft, als sich der Kult im 3. bis 6. Jahrhundert im damaligen römischen Reich ausbreitete.

Mehr dazu bald. Es gibt stark divergierende Historikermeinungen zu dieser Art Kultstätte. Das muß ich mir erst in Ruhe durchschauen …

Verwendete Quellen: Klahm, Günther: Saarbrücken. Stadtwanderführer, Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2014, S. 129f

Literatur zum Mithraskult: Hensen, Andreas: Mithras: der Mysterienkult an Limes, Rhein und Donau, Stuttgart 2013; Koepf, Hans: Mithras oder Christus, Sigmaringen 1987; Merkelbach, Reinhold: Mithras: ein persisch-römischer Mysterienkult, Wiesbaden 1998; Schindler, reinhard: Die Mithrashöhle von Saarbrücken. Neubearb. Auflage, Saarbrücken 1989; Ullansey, David: Die Ursprünge des Mithraskults. Kosmologie und Erlösung in der Antike, Stuttgart 1998

Fotos  © Ekkehart Schmidt

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