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Gasthaus Hensler_Bous

Januar 28, 2021

Heute habe ich erstmals in 26 Jahren an der Saar einen Ausflug nach Bous gemacht, jenem Ort hinter Völklingen, durch den ich von Saarbrücken aus sicher hundert Mal per Zug durch und auf der anderen Saarseite tausende Male per Bus auf dem Weg zur Arbeit in Luxemburg vorbei gefahren bin – ohne jemals auszusteigen. Ich hatte ihn mir kleiner vorgestellt, die am Bahnhof vorbei führende Hauptstrasse wirkte rund um den Abzweig zur Saarbrücke nach Wadgassen jedoch erstaunlich städtisch. Der schon im 9. Jahrhundert entstandene Ort ist zu einem recht ausgedehnten Arbeitervorort des Stahlstandorts Völklingen angewachsen.

Nein, der wegen des „ou“ französisch klingende Name hat nichts mit Hugenotten zu tun, erklärte mir Nicole, die ebenfalls einen französisch klingenden Nachnamen hat (ihr Vater stammt tatsächlich aus dem nahen Ludweiler, wo ein Fürst französische Glaubensflüchtlinge ansiedelte). Sie nahm mich mit auf einen spannenden Rundgang zu alten Bunkern und toten Gaststätten. Der Name des Ortes mit immerhin 7.000 Einwohnern ist eher keltischen Ursprungs und bezieht sich auf die Lage der Gemeinde zwischen zwei Hügeln, fand ich später bei Wikipedia heraus: In frühen urkundlichen Erwähnungen ist häufig vom Ort Bouza die Rede. Somit hat der Name seinen Ursprung nicht im romanischen Sprachraum.

Zurück an der Hauptstrasse fand ich ein altehrwürdiges, aber wohl schon lange geschlossenes Lokal: eine Gaststätte mit Beherbergungsangebot („Fremdenzimmer“), wohl aus der Zeit, lange bevor die Autobahn gebaut wurde und Bous noch mit überregionalem Durchgangsverkehr frequentiert wurde. Das denke ich mir zumindest, nachdem ich am Bahnhof einen „Luxemburger Hof“ entdeckte. Oder brauchten Besucher des Mannesmann-Röhrenwerks gelegentlich eine preiswerte Unterkunft? Alles falsch, wie ich später lernte.

Mir gefiel vor allem das Schild mit dem Besteck über Kreuz – eine früher übliche Darstellungsform des Speisenangebotes, die man kaum noch sieht. Und das weisslich verblichene Schild einer früher das Haus beliefernder Brauerei, über das dann einfach ein neues Schild der Schloss-Brauerei montiert wurde.

Online war nichts herauszufinden, ausser dass die Brauerei Schloss Bräu seit 1997 nicht mehr existiert. Gut vorstellbar, dass das Lokal seit 20 Jahren geschlossen ist und niemand die Energie aufbrachte, die alten Schilder abzumontieren. Nicole nannte mir jedenfalls noch ein anderes familienbetriebenes Lokal, das schloss, nachdem ein Mitglied des Betreiberpaares starb und es für das andere zu viel wurde.

Nachtrag vom 29. Januar 2021: Es liess mich ja nicht zur Ruhe kommen, so gar nichts herauszufinden. So bin ich heute in die Stadtbücherei und fand drei dicke heimatgeschichtliche Bände einer Bouser Ahnengeschichte von Anton Fery – mit alten Fotos und Beschreibungen von Gaststätten. Und siehe da auf Seite 1049 fand ich unter der Überschrift „Gaststätte Ney, später Gaststaette Loew und Gaststätte Hensler“:

„Am 6. Februar 1874 wurde der Gaststättenbetrieb durch das Ehepaar Joseph Ney und Margaretha Barra eröffnet. Joseph Ney, der, wie alle seine Nachkommen, den Wirtberuf als Zweitberuf ausübte, war von Beruf Schmied. Im Jahre 1905 wurde das Gasthaus von ihrer Tochter Anna Ney verh. mit Jakob Loew übernommen und 1907 um einen Saalanbau erweitert. Anna Loew, die 1914 durch Krankheit ihren Mann verlor, der ebenfalls den Schmiedeberuf ausübte, führte die Gaststätte bis 1941 tatkräftig weiter. Sie war weit über die Grenzen als Wirtin mit goldenem Herzen und Humor bekannt. Ihr Sohn Emil Loew verh. mit Anna Wagner übernahm ab 1941 die Wirtschaft. Weitere Wirtsleute waren Else Becker und Anni Feix. Im Jahr 1973 wurde das „Gasthaus Hensler“ vom „Musikalischen Wirt“ übernommen.“

Yeah! Von wegen digital findet sich alles… Aber ein Kenner des Hauses fand diesen Text digital und ergänzte, dass das Lokal ab 1981 nur noch für Familienfeierlichkeiten genutzt wurde (siehe unten).

Und übrigens: Der „Luxemburger Hof“ hiess ursprünglich „Luxenburger Hof“ (also mit „n“, nach dem gleichnamigen Besitzer Johann Luxenburger und wurde erst später nach dem nahen Grossherzogtum umbenannt. Jetzt weiss ich, dass das Lokal vor 146 Jahren geöffnet wurde und wie ein dort abgedrucktes Foto zeigte, sich einiges geändert hat: Zwischen den beiden Gebäuden rechts wurde ein weiterer Bau eingefügt und der Haupteingang war dann nicht mehr im Haus rechts, sondern links.

Jetzt würde ich nur noch gerne wissen, wann es geschlossen wurde (mir ist zu den letzten 40 Jahren nichts bekannt). Und wieso der erste „Hensler-Wirt“ den Beinamen „musikalisch“ trug.

Adresse: Saarbrücker Str. 68, 66359 Bous

Verwendete Quelle: Fery, Anton: Unseren Ahnen auf der Spur (Teil 2). Die Vorfahren der Bouser Familien, dargestellt in 1478 Ahnentafeln, Bous 2013, S. 1049

Gasthaus Hensler_Bous © Ekkehart Schmidt

2 Kommentare
  1. Stephan Forster permalink

    Hallo Ekkehart,
    das Gasthaus Hensler in Bous war bereits im Jahr 1981 nur noch für Famileinfestlichkeiten geöffnet worden. Also war die „Hensler-Ära“ ab 1973 relativ kurz.
    Ich stamme aus Wadgassen. Einen der Söhne kannte ich damals ganz gut.
    VG Stephan

    • Hallo Stephan, hab herzlichen Dank für die Info, das kann ich gleich einarbeiten. Vielleicht melden sich ja auch noch andere Leute!

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