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My Kebab Bahnhof_Völklingen-Wehrden

Januar 4, 2021

Ich mag Wehrden, mochte diesen Vorort von Völklingen, jenseits der Saar und der Hütte, seit der ersten Begegnung 1994. Gerade wegen seiner leichten Schmuddeligkeit, weil hier die Strukturkrise nach Schliessung des alten Werks so sichtbar war, weil die ehemalige Fischersiedlung trotz Überprägung durch Arbeiter noch Dorfcharakter hat und vor allem, weil hier so viele Migrant*innen aus der Türkei leben und eine vielfältige Infrastruktur aufgebaut haben.

Aber nach 16 Jahren beruflicher Beschäftigung mit Migrationsfragen kam ich in den letzten elf Jahren nur noch selten hier vorbei, jetzt mit anderem Blick und Interesse: Kneipen wie „Zum Kraftwerk“ besuchend, mich letztlich auch in der „urdeutschen“ Saar verheimatend. Am 29. August 2020 kam ich hier per Rad auf dem Weg nach Geislautern mit den Gastwirtschaften „Rosselschänke„, „Geislauterer Hof„, „La Taverna“ und „Alte Post“ vorbei – und entdeckte etwas leicht irritierendes:

„Kebab“? OK, davon gibt es hier in Völklingen einige, auch türkische Restaurants mit breiterem Angebot, wie der „Bingöl Grill“ nahebei an der Mündung der Rossel (die hinter dieser Ruine vorbei fliesst). Aber Bahnhof? Mir war zwar bewusst, dass links der Saar noch eine stillgelegte Bahnlinie existiert, aber sie blieb mir in Wehrden immer so gut wie unsichtbar.

Ich recherchierte und lernte, dass hier (vielleicht genau an dieser Stelle) der 1907 entstandene Bahnhof von Wehrden stand. 1974 wurde er abgerissen. Am Zebrastreifen über die Hallerstrasse erinnert jedenfalls nichts mehr an ihn – bis auf eine alte, von Kletterpflanzen eroberte alte Bahnhofslampe und eben dem Namen dieses Lokals. Es liegt gegenüber des grossen Komplexes von „Kaufland“ an einem Parkplatz, an dem heute zwei Betriebe stehen: „Tip Win Sportwetten“ und der Kfz-Mechaniker-Betrieb „pitstop“. Hier dominiert das Auto.

Aber seit wann bestand „My Kebab Bahnhof“ und wie lange ist das Lokal schon geschlossen? Es wirkt nicht so – und das weiss ich aus meiner damaligen Beschäftigung mit türkischen Selbstständigen, als stamme das Lokal schon aus der Bahnhofszeit. Oder präziser ausgedrückt: Es gab hier vielleicht schon einen Imbiss oder ein „Büdche“, aber sicher nicht mit Döner-Angebot. Ich vermute, dass der türkischstämmige neue Inhaber irgendwann den Namen des Vorgängers („Trinkstube Bahnhof“ oder so) übernahm, obwohl es keinen mehr gab – die Lokalität in der „mental map“ der Wehrdener aber noch mit dessen früherer Existenz belegt war.

Ich radelte jedenfalls weiter, kam in Geislautern auch am ebenfalls schon lange geschlossenen „Schnellimbiss R. Schank“ vorbei und lernte, dass diese Lokalitäten an den Wegen der (längst Auto fahrenden) Arbeiter zur Hütte und zurück nach Hause von Bedeutung waren: Für den schnellen Hunger und ein Bier vor oder nach der Schicht. Bis auf das „Uhl“ in Ludweiler und das Bistro „Gleis 13“ am Bahnhof in Völklingen hat keine überlebt.

My Kebab Bahnhof_Völklingen-Wehrden © Ekkehart Schmidt

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