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Hotel Topas_Frankfurt/ Main

November 22, 2020

„Das Internet zerstört Dein Leben“ hiess es einmal auf einem Aufkleber an der Ampel vor meiner Haustür. Das klang damals überzogen, aber bedenkenswert. Nun: Mein Bloggen unter anderem über Hotels hat zumindest mein altbewährtes Prinzip zerstört, mich in oft besuchten Städten zu verheimaten, indem ich mir ein „Stammhotel“ suche und möglichst auch ein Lieblingscafe suche. Das war dann schön, mich an frühere Aufenthalte zu erinnern, kleine Rituale zu wiederholen und Veränderungen wahr zu nehmen.

Seit einem Jahrzehnt suche ich mir in Städten wie Frankfurt/ Main, Paris oder Berlin jetzt immer ein neues Hotel – fast manisch auf der Suche nach dem ultimativ-authentischen alten Hotel, in dem die Zeit stehen geblieben ist. Für einen neuen Blog…

OK, so ganz bin ich meinen alten Idealen nicht untreu geworden: Wenn ich mal in Frankfurt bin, suche ich mir fast immer ein Hotel am Hauptbahnhof. Das Quartier hat sehr unterschiedliche Seiten, je nachdem, ob man ostwärts, südwärts oder nordwärts herumschaut oder für eine Nacht wohnt. Nach vielen Nächten im Osten und Süden (Hotel Apollo, Hotel Monopol und Pension Alpha) habe ich jetzt drei Mal im Gallusviertel unmittelbar nördlich des Bahnhofs übernachtet: im A&O Hostel, im Columbus Hotel und zuletzt am 15./ 16. Oktober mit meinen kleinen Kindern im Hotel Topas (um das Senckenbergmuseum zu besuchen).

Man kann hier rund um die Niddastrasse günstige Zimmer finden, in einer Umgebung mit vielen alteingesessenen italienischen, eritreischen oder iranischen Lokalen und Geschäften. Mein Fixpunkt ist hier die „Bar Mereb„. Im Osten und Süden des Bahnhofs ist der Kontext eher türkisch und afghanisch bzw. osteuropäisch.

Der Teil des Gallusviertels unmittelbar am Bahnhof wird aber gerade einem starken Umwandlungsprozess unterzogen wird: Neue Skyscraper verändern alles. Und hier ist eine andere Kundschaft: Leute, die berufliche Termine auf der Messe haben. Da muss die Optik stimmen: Auch an unserem seit mindestens 20 Jahren bestehenden Hotel wurde gerade die Fassade aus der Gründerzeit renoviert, nachdem das Innere schon 2015 völlig neu gestaltet worden war. Es wirkte unscheinbar neben der dominant bunten Ecke mit dem schon seit langem nicht mehr im Ursprungszustand bestehenden Cafe Ludwig: Das ist nach einer „zwielichtigen“ Übergangsphase heute eine Art Bar für junge Leute, nichts mehr für einen Kaffeeklatsch unter Omas.

Diese Tour war die erste mit meinen Kindern, bei denen wir unsere Räder mitnahmen. Das war cool, wir sind von hier aus zum Museum, zum Main und den persischen Lokalen „Hani“ und „Persia“ – was sich ganz anders anfühlte, als würde man zu Fuss gehen oder die U-Bahn nutzen. Die Räder durften wir im kleinen Innenhof abstellen, alles kein Problem.

Die Lobby nüchtern, mit bunten Möbeln aber um Frische und Modernität bemüht. Meine Kinder liebten den Aufzug hoch in den 5. Stock dieses Hotels mit 45 Betten, während mir die Winkelecke vom Aufzug zum Flur gefiel:

Die Zimmer typisch pragmatisch, also langweilig. Der grosse Flachbildschirm zog die Kinder freilich magisch an und ich musste aufpassen, sie zu disziplinieren: Wir schauten zwei Tierfilme, darunter einen beeindruckenden über die Rettung von Orang Utans – einem Thema, das uns am nächsten Morgen beim Frühstück erneut aufgetischt wurde.

Coronabedingt gab es zum Frühstück kein Büffet und ich machte nur ein Foto vom Gang zum Frühstücksraum. Eine sehr nette Kellnerin fragte uns nach unseren Wünschen und brachte die dann sehr exakt (6 Brötchen, 4 Stück Butter, 2 mal Honig, 2 mal Schokocreme…). Natürlich gab es nur Nutella, keine Bio-Schokocreme ohne Palmöl. Aber ich sprach das Thema an (Orang Utans), erklärte es und packte dann das vorausschauend mitgebrachte Glas Bio-Schokocreme von Samba aus.

Beim Check-Out sprach mich Karim Nadi, der türkischstämmige Rezeptionist dann auf das Thema Palmöl an. Ich erklärte die Problematik und er nahm es wirklich ernst, war dankbar für den Hinweis, sagte sogar, er würde schauen, ob er von Samba Hotelpackungen bekommen könne. Waow!

Der Inhaber des Hotels, Bernhard Žamberk, könnte aus der tschechischen Republik stammen. Das blieb mir ebenso unklar, wie die Bedeutung des Hotelnamens. Dieser erschien mir zunächst türkisch – wegen des netten Rezeptionisten und dem Wort „Top“ (türkisch: Geschütz) und „as“ (AS ist eine häufige Endung von Firmennamen, ähnlich AG). Aber eher ist es nach einem Edelstein benannt, den es auch in Böhmen gibt.

Wenn das Haus auch nach der Fassadensanierung schön weiss glänzen wird und vielleicht gar ein „Schmuckstück“ wird, würde ich es denn im übertragenen Sinne doch nicht als diamantenen Geheimtipp benennen wollen. Aber ein empfehlenswerter Mineralstein (oder Kristall) ist es in Bezug auf Lage und Preis-Leistungsverhältnis eben doch unbedingt: Wir haben in Coronazeiten im Doppelbett nur 44,50 EUR incl. Frühstück bezahlt (sonst wird es etwas teurer sein).

Nein: Das Internet zerstört nicht – ebensowenig wie Covid – mein Leben, sondern erweitert es. Ich finde virtuell viele Antworten auf meine Fragen und sammele Erkenntnisse, die ich rein analog nicht erhalten hätte. Und zumindest was Frankfurt angeht, bleibe ich meiner alten Idee des Mich-Verheimatens treu, weil ich bei fast jeder neuen Hotelerfahrung auch wieder an früheren Hotels vorbeikomme.

Adresse: Niddastr. 88, 60329 Frankfurt/ Main, Tel.: 069-23 80 58 20, info@hoteltopas.de, Homepage

From → Hotels, Reisen

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