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Kanecher Ieselsstiffchen_Canach

November 3, 2020

Wenn man als Grenzpendler im Luxemburg-Saarbrücken-Express sein Portemonnaie oder Smartphone vergisst oder verliert, wie ich vor ein paar Jahren und gestern wieder, führt einen der Weg auf eine grüne Wiese bei der uralten Ortschaft Canach zwischen Luxemburg, Sandweiler und Remich: Da hat die Busfirma Emile Weber ihr Depot mit Fundbüro. Da ich keine Lust hatte, in Corona-Home-Office-Zeiten stupide zwei Stunden hin und zwei zurück zu fahren (wenn auch mit ausreichend Lektüre), checkte ich vorher, ob es da nicht ein nettes Dorfcafé gibt. Jawoll: das Kanecher Ieselsstiffchen (zu deutsch: Canacher Eselsstube)!

Es lag an der Hauptstrasse zwischen den Busstationen Canach/ Weber und Canach/ Post. Nach zwei Mal zehn Minuten Fussweg kam ich hier 15.50 Uhr an, freute mich über das abgegebene Smartphone und hatte 25 Minuten Zeit bis zur Rückfahrt: Genug für einen Espresso und ein Gespräch mit dem Wirt, woher der Name stammt und was hier vorher drin war (denn offensichtlich schien, dass ein solcher Name erst vor wenigen Jahren für eine Auffrischung eines Vorgängerlokals erdacht worden ist).

Aber es war zu. Wegen Corona? Nein, schon eine längere Zeit vor dem ersten Lockdown, sagte mir eine Nachbarin. Schade. Ich fragte, ob es noch ein anderes Café im Ort gebe? Nein, erst in Grevenmacher oder in der Stuff in Sandweiler – aber einen Kaffee bekäme man auch in der (portugiesischen) Epicerie, an der ich eben vorbei gekommen war. Gegenüber der alten Zentrale des 1875 entstandenen Busbetriebs, den mein Arbeitgeber etika bei seinen Investitionen in hybride Technologien unterstützt hat. Merci bien, Madame.

Im Fenster hing eine offizielle Ankündigung, dass das Lokal in ein Restaurant umgewandelt und oben zwei Apartmentwohnungen entstehen sollen. Kneipen gehen nicht mehr ausreichend gut bei extrem hohen Immobilien- und Mietpreisen. In den meisten Dörfern rund um Luxemburg, die zu Schlafdörfern wurden, fehlt die Kundschaft. So konnte ich nur einen groben Blick ins Innere werfen und nahm dann doch einen Bus früher zurück.

Vom Inneren kann ich sonst nur einige Fotos anderer aus Google Earth beisteuern. Sie sind von September/ Oktober 2019 und zeigen ein sehr buntes Inneres mit Spielautomaten und Essensangebot. Kann es sein, dass die Eselsstube nur wenige Monate existiert hat? Oder gar schloss und in der Epicerie neu auferstand? Der Gedanke könnte einem kommen, wenn man auf die Facebook-Seite des Lokals geht und im Lebensmittelgeschäft landet. Ich kann mal wieder nur mutmassen…

Und was Esel angeht, eines meiner Lieblingstiere: eigentlich ist Diekirch die Stadt der Esel in Luxemburg. Wenn meine Vermutung stimmt, dass dieses Lokal von portugiesischen Migranten aufgebaut wurde, hätte ich dann doch einen sinnvollen Bezug. Wenn das Grautier auch im Mittelmeerraum kaum noch als Arbeitstier zu finden ist. Es zu verspassen, war vielleicht keine gute Idee.

Adresse: 18, Rue d`Oetrange, 5411 Canach, Luxemburg

Kanecher Ieselsstiffchen_Canach (c) Ekkehart Schmidt

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