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Diebe am Döner House Mangal_Bonn

September 10, 2020

Ach wie schön, mal wieder in einer meiner vier ehemaligen Heimatstädte zu sein und nach einem Biergartennachmittag mit Dagmar und Georg abends ein Lokal in der Bonner Nordstadt anzusteuern, in dem wir uns im letzten Jahrzehnt schon oft mit anderen Orientfreaks zum Essen und Erzählen getroffen haben: Das Lokal von Ömer heisst offiziell „Döner House Mangal“, aber das sagt wohl niemand.

Man ist und isst bei Ömer, einem Kurden, der vor 30 Jahren in der Gastronomie der ehemaligen Bundeshauptstadt angefangen hat, der irgendwie all die Jahre immer – und auch Corona – überlebt hat. „Bei Ömer“ heisst aber auch, dass man sich an der Kreuzung der Heerstrasse mit der Dorotheenstrasse in einem Geviert dreier Lokale türkischer, spanischer und italienischer Küche befindet, die alle miteinander zu tun haben: „Mangal“, „Que Sera“ und „Borsalino“.

Wir betraten das Lokal und bestellten uns – nach schöner Begrüssung – einen Teller Vorspeisen, dazu zwei Suppen und Ayran.

Dann setzten wir uns und waren gute zwei Stunden in unseren Gesprächen absorbiert, während uns eine Speise nach der anderen serviert wurde. Georg übersetzte mir das Graffiti: Gecenin Drami ist oder war für jemanden das Drama einer Nacht.

Die Mercimek Corba war ungewöhnlich, vom Standard der türkischen Erbsensuppe, die ich zwischen Hamburg und Kars hunderte Male gegessen habe, abweichend. Nicht nur im kräftigen Gelb, sondern auch in der Konsistenz: Der neue Koch habe da heute erstmals Paprika und anderes Gemüse untergemischt, sagte uns der uns sehr zugeneigt, authentisch freundliche Kellner.

Es dämmerte und wurde Abend. Wir bekamen ein Familiendrama von Söhnen erzählt, die sich an der Kasse eines dieser Lokale vergreifen, um sich ihre Drogen zu finanzieren. Mit hilflosem Vater. Dann wurden wir selbst heimgesucht von einem raben-, oder elsternartigen Vogel, der offenbar oben auf dem Dach des Hauses lebt und sich daran gewöhnt hat, sich unten bei den Gästen zu bedienen:

Ach: Bonn! 1994 bin ich nach vier Jahren fortgezogen, wie vorher 1988 nach vier Jahren aus Marburg, und davor zehn Jahren in Refrath, nach fünf Jahren Teheran – um für ein Jahr nach Kairo zu gehen, und danach in Köln zu studieren, ehe es nach Saarbrücken ging. Einige sehr wenige Lokalitäten nehmen mich auch drei Jahrzehnte später in dieser persönlichen Vergangenheit noch heimatlich auf. Dies war ein Bonner Beispiel.

Teşekkürler, Malava, Spas und سوپاس !

Adresse: Heerstr. 111, 53111 Bonn

Diebe am Döner House Mangal_Bonn © Ekkehart Schmidt

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