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Imbiss Bar Rosticceria Brennero

Juli 28, 2020

Wer kennt ihn nicht: Den mit 1370 m niedrigsten und einzigen Alpenübergang, bei dem man nur einmal hoch und wieder runter fahren muss? Er ist zwar kein mythischer Pass (Hannibal querte die Alpen weiter westlich), ist aber mindestens seit der Römerzeit als Handelsroute von Bedeutung und seit den 1950er-Jahren für Millionen mitteleuropäischer Familien war der Brenner der Ort, an dem man endlich das Land, in dem die Zitronen blühen erreicht hatte: per Zug oder Auto.

Ausgestiegen ist da – vor allem seit dem langwierigen Bau der Brenner-Autobahn von 1959 bis 1975, die fast nur aus Brücken besteht, und dem Inkrafttreten des Schengener Abkommens – kaum mehr jemand. Klar: Das ist jetzt Italien, aber „noch nicht richtig“. Erstmal noch eine Stunde weiter fahren… Ich erinnere mich an mehrere Zugdurchfahrten und zumindest eine per Anhalter: Der Ort wirkte trostlos, wie ein grauer Schatten seiner früheren Bedeutung. Genau deshalb zog er mich jetzt an.

1867 entstand der Bahnhof, der wohl mehrfach umgebaut wurde und wohl immer auch ein Gebäude war, in dem seit 1918, seitdem hier die Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien entstand (das alte Tirol zerteilend), ausgesprochen viele Grenzposten, Zöllner, Carabinieri und anderen Offizielle untergebracht waren: Er ist jedenfalls sehr massiv. Aber auch wenn man vom Gleis auf den Vorplatz tritt, überraschen einen große Gebäude jenseits der alten Strasse.

 

Auf der Fahrt ins Pflerschtal stiegen wir hier am 12. Juli aus, hatten eine Stunde Umsteigezeit und wählten schnell dieses Lokal, das sich offenbar in der Aussendarstellung nicht entscheiden kann, ob es Bar, Caffè, Imbiss, Restaurant oder Rosticceria ist. Oder alles gleichzeitig. Es war eine gute Wahl: Eine Gaststätte mit sehr interessantem historischen Vorgängerbau, der auf einem Wandbild innen mit Blick auf „gute alte Zeiten“ beschworen wurde.

Nach vorne schaute man auf den imposanten Bahnhof, nach hinten ging es zur anderen von zwei Straßen der Ortschaft Brenner/ Brennero, rechts nach Italien, links nach Österreich. Wir bestellten – neben meinem obligatorischen Espresso – eine sehr leckere regionale Kräuterlimo, sowie drei Mal das Tagesgericht Spinatknödel und einen Salat. Um sicher zu sein, dass auch die Kinder Appetit haben, gab es dazu noch eine Lasagne.

 

Beides war sehr lecker, die Spinatknödel in Buttersosse ein echtes Erlebnis. Totale Complessivo: 55 EUR, darunter durchaus unfaire 9 EUR für die Limoflasche. Geschenkt. Ansonsten gibt es Schnitzel, Gulasch…, aber keine Pizza. Offenbar ist es ein Lokal mit dezidiert österreichischer Küche.

Es war nicht viel los, Corona liess grüßen. Drinnen sass niemand, aber ich schaute mir das Lokal genauer an, in dem sonst sicherlich nicht nur durchreisende Touristen, sondern auch der eine oder die andere Einheimische sitzt – jedenfalls eher, als in den etwa vier weiteren Lokalen, die deutlich touristischer und weniger authentisch wirkten. Das Lokal firmiert auch unter „Bar Brenner“ oder schlicht „Leos“, wahrscheinlich nach dem aktuellen Wirt so benannt.

Im hinteren Trakt findet sich ein riesiges Regal mit Wein, der hier und in den anderen Lokalen zu gehobenen Preisen angeboten wird (offenbar kommen viele Reisende auf dem Rückweg nach Hause erst hier auf die Idee, sich etwas Flüssiges als Souvenir zu kaufen. Oder Leder, offenbar (aber nicht hier). Witzig, dass da ausgerechnet zwei leere Bitburger-Flaschen standen, als ich mal auf die Toilette bin.

In der vorderen Schankstube zog mich dieses Wandbild an. Der freundliche Wirt erzählte, dass sich hier mindestens seit 1898 ein Pavillon befunden hat, in dem man sich vor allem seit der Grenzziehung 1918 amüsierte – wahrscheinlich gab es hier etwas, das man anderswo in Italien oder Österreich nicht bekam: Glücksspiel, Tanz oder andere Eskapaden…?

Irgendwann ist der Pavillon dann abgerissen worden und durch dieses Lokal ersetzt worden. Die alten Zeiten waren vorbei, es begannen für ein Menschenleben neue – bis zum Schengener Abkommen vor 35 Jahren. Da hatte man sich dann wieder neu zu definieren und das Angebot anzupassen. Vielleicht ist der Name deshalb etwas unspezifisch? Er soll wohl sagen: Hier gibt es alles, was du suchst.

Auf der Rückfahrt eine Woche später befriedigten wir nebenan bei da Andrea unsere Lust auf eine Pizza. Das war auch sehr gut, aber die Butter an den Spinatknödeln schmecke ich auch zwei Wochen später noch auf meiner Zunge.

Adresse: Via Karl von Etzel 16 Brenner, 39041 Brennero/ Italien, Tel.: +39 0472 631300

Verwendete Quelle: Dietrich Höllhuber, Florian Fritz: Reiseführer Südtirol, Michael Müller Verlag, 7. Aufl. 2018, S. 104f

Imbiss Bar Rosticceria Brennero © Ekkehart Schmidt

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