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Zum Hirsch_Ottweiler

Mai 29, 2020

Als wir 1997 nach Ottweiler zogen, könnte es noch geöffnet gewesen sein. Ich kam hier täglich auf dem Weg zum Bahnhof vorbei. Als ich 2003 weg zog, war es längst geschlossen. Es gab – glaube ich – erst einen Versuch, es als Jugendkneipe zu führen und nach dessen Scheitern die Möglichkeit, das geschlossene Lokal für Hochzeiten und andere „Events“ tageweise zu vermieten. Lief auch nicht.

Offenbar ist dieses sicher hundert, vielleicht hundertfünfzigjährige Haus (und Lokal?) 1988 saniert worden und hat dann vielleicht ein Jahrzehnt funktioniert. Ich nehme jedenfalls an, dass es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet wurde, als der Bahnhof entstand. Vielleicht kamen Ausflugsgäste aus Neunkirchen und Saarbrücken, um in den nahen Wäldern Natur zu erleben? Oder ist der spiessig wirkende Name, der an die berühmten Gemälde vom „röhrenden Hirsch“ über dem gutbürgerlichen Sofa denken lässt, einfach nur ein damals üblicher Name für eine Kneipe, in der Stahl- oder Bergarbeiter vor oder nach der Fahrt zur Grube bzw. Hütte einen zwitscherten?

Manchmal habe ich geträumt, ich könnte das Lokal übernehmen und was cooles draus machen. Aber das hätte ich mich nicht wirklich getraut. Und wenn, dann wäre der Gastronomie-Traum sowieso einer gewesen, den ich in Istanbul oder so hätte umsetzen wollen. Was in Ottweiler freilich echt fehlt, ist ein Bio-Restaurant oder zumindest eines, das auch vegane und vegetarische Speisen anbietet, wie ich heute im „Nassauer“ feststellen musste. Das Fleisch ist von „Metro“. Ja super… Es gab genau ein vegetarisches Gericht: Schupfnudeln mit Gemüse. Die hatte ich dann halt zu nehmen (und gierte trotzdem danach, etwas vom Schnitzel der Kinder abzukriegen, ich gebe es zu – aber sie tilgten alles).

Schon vor 20 Jahren hatte der „Hirsch“ nur dieses eine kleine Schild, glaube ich. Kein Schild über der Tür, oder? Aber ob die ehemalige Eingangstür überhaupt schon zugemauert war und man schon damals nur durch den Hauseingang daneben hinein kam, weiss ich nicht mehr. Viel interessanter war damals etwas weiter unten der perfekt sortierte, altbackene „Kruschtladen“ namens „Eisen Schaefer“: Das war der letzte Laden, den ich in Baumarktzeiten erlebt habe, der wirklich noch jede Schrauben- und Scharniergrösse sowie alles von der Giesskanne zum Heizstrahler bot, was es aus Eisen zu kaufen gab. Er ist auch seit einem Jahrzehnt zu.

Die Zukunft ist wohl, dass die Gaststube zu einer Wohnung umgebaut wird. Gaststätten halten sich hier nur schwer. Auch das griechische Lokal „Hellas“ und das Eiscafe „Venezia“ im Haus Schlossstr. 25 nebenan scheinen der Konkurrenz des sich sehr gut entwickelnden Schlossplatzes 200 m weiter die Strasse runter nicht gewachsen zu sein. Hier gab es schon einmal einen Inhaberwechsel: Das Eiscafé hiess vorher „Da Angela“ und statt des griechischen Lokals befand sich im 1. Stock die „Pizzeria Da Giovanni“.

Von ehedem sechs bis sieben Lokalen rund um den Bahnhof haben nur die zwei und das Restaurant „Am Denkmal“ überlebt (die Bahnhofsgaststätte wird gerade komplett saniert).

Adresse: Bahnhofstr. 25, 66564 Ottweiler

Zum Hirsch_Ottweiler  © Ekkehart Schmidt

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