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Klarenthaler Treff_Klarenthal

April 13, 2020

Von Krughütte kommend war ich Mitte März erstaunt, dass es in Klarenthal keine -Gastwirtschaft mehr gibt. Von der Höhe hinab radelnd, fand ich nur noch einen Döner-Imbiss namens „Dersim Kebab“ vor der Schule, ehe es runter in’s Tal ging, wo der Ort auch Dorfcharakter hatte, es aber mit der ehemaligen „Ratsschenke“ nur noch eine so eben noch sichtbare Reminiszenz an alte Zeiten gab. Der Name „Klarenthal“ klang für mich bislang immer nach einem Ort, in dem das saarländische Leben noch existiert. Gemeinschaftsbezogen, mit Kneipen und Vereinen als Treffpunkten.

Stattdessen ein verblichenes „Bistro 2000“, der genannte Imbiss, eine Apotheke, ein Blumen- Dekoatelier und eine Schnapsbrennerei: Also tote Hose mit grünem Lichtblick, aus dem es lecker roch.

Klarenthaler Treff_Klarenthal © Ekkehart Schmidt

Klarenthaler Treff_Klarenthal © Ekkehart Schmidt

Klarenthaler Treff_Klarenthal © Ekkehart Schmidt

Klarenthaler Treff_Klarenthal © Ekkehart Schmidt

Die Wahl des Namens „Dersim“ ist übrigens ein sehr klares politisches Statement: In der Türkei gibt es offiziell keinen Ort eines solchen (osmanischen bzw. kurdischen) Namens, sondern nur „Tunceli„. 2006 habe ich in dieser sehr symbolträchtig-bekannten, grünen ostanatolischen Kleinstadt in den Bergen übernachtet und kurdischen Widerstandsgeist erlebt. Ein bisschen wie hier.

Aus dem Tal ging es hinter der früheren Ratsschenke auf der Hauptstraße wieder hoch auf eine nächste Anhöhe mit einer Kreuzung mit der Warndtstraße und der Fenner Straße. Ich entdeckte eine Art dritten Dorfmittelpunkts mit einem Blumenladen und drei Gaststätten. Oder waren es vier oder fünf? Während sich die Warndtschenke und das griechische Restaurant „Corfu“ in unveränderten alten, fast historischen Gebäuden befanden, lag der „Klarenthaler Treff“ in einem Altbau, bei dem die Architektur des Erdgeschosses vor einem oder zwei Jahrzehnten sehr unangepasst verändert worden ist.

Klarenthaler Treff_Klarenthal © Ekkehart Schmidt

Klarenthaler Treff_Klarenthal © Ekkehart Schmidt

Klarenthaler Treff_Klarenthal © Ekkehart Schmidt

Klarenthaler Treff_Klarenthal © Ekkehart Schmidt

Der „Treff“ teilte sich die Erdgeschossfläche, die wohl ursprünglich für eine Bank oder einen Supermarkt geschnitten worden war, mit „Gino’s Eck“, einem „Stehcafé“ und einem Lokal namens „Mardin“ (nach einem ebenfalls kurdischen Ort). Eines der letztgenannten war wohl früher einmal „Gino’s Eck“, nur hat man das Schild nicht entfernt. Jedenfalls stand das komplette Erdgeschoss leer.

Klarenthaler Treff_Klarenthal © Ekkehart Schmidt

Ob der „Klarenthaler Treff“ einmal eine Art Gemeindezentrum war? Die noch erkennbare Theke wirkte zumindest nicht wie ein typischer Kneipenttresen, also als Zentrum des Geschehens rund um den Wirt. Einen solchen fand ich dann im „Corfu“ – welcher wiederum auch seiner Funktion beraubt war, seitdem aus dieser vermutlich ehemaligen Kneipe ein Restaurant wurde:

Klarenthaler Treff_Klarenthal © Ekkehart Schmidt

Klarenthaler Treff_Klarenthal © Ekkehart Schmidt

Das „Corfu“ hatte bei meinem Besuch am 17. März den ersten Tag auf. Ausgerechnet zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Krise. Es handelt sich um einen Nachfolgebetrieb zum griechischen Restaurant „Hellas“. Ich trank ein Bitter Lemon und bekam vom Wirt – der nicht aus Korfu, sondern von dem der Insel gegenüberliegenden Hafenort Igoumenitsa stammt – die vorläufige Speisekarte gezeigt. Er war guter Dinge, aber wir ahnten schon, dass der Zeitpunkt sehr unglücklich sein würde. Etwas unterhalb  der Anhöhe, in einem Abzweig der Hauptstraße, befindet sich noch das „Restaurant Italia“. Beide sind die einzigen verbliebenen Lokale – neben dem anfangs genannten Imbiss.

Vor einem Jahrhundert gab es in der Hauptstraße noch das „Gasthaus Zum Weissen Rössel“ (mit einem angebauten großen Saalbau) und in der Warndtstraße das schon vor dem 1. Weltkrieg bestehende „Gasthaus Peter Duchêne“ (1983 abgerissen).

Adresse: Warndtstraße 37, 66127 Saarbrücken-Klarenthal

Verwendete Quelle: Rixecker, Albrecht/ Scherer, Gertrud/ Debusmann, Hannelore: Klarenthal und Krughütte in alten Ansichten, Zaltbommel/ Niederlande 1984, Tafel 111 und 124.

Klarenthaler Treff_Klarenthal © Ekkehart Schmidt

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