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Warndtschenke_Dorf im Warndt

April 8, 2020

Wem der „Warndt“ als ausgedehntem Waldgebiet an der deutsch-französischen Grenze ebenso ein Begriff ist, wie die Kulturlandschaft des „Bliesgaus“, der verbindet mit dem Namen „Warndtschenke“ für ein Lokal die Vorstellung einer Ausflugsgastwirtschaft, in die man müde und doch innerlich erfrischt nach längerer Wanderung einkehrt und sich mit einem kalten Getränk und/ oder einer leckeren, deftigen Speise belohnen kann.

Das war einmal. „Heute fahren die Leute doch mit dem Auto zum Parkplatz am Wald und steigen danach wieder ein“, sagt die Inhaberin der seit 1927 bestehenden Bäckerei und Konditorei „Adolphs Brotladen„, in der ich Anfang April mitten in Coronazeiten als Erfrischung nach längerer Radelei tatsächlich einen Kaffee und eine wunderbar fluffige Nussecke bekam – neben einem freundlichen Gespräch. Der „aus gegebenem Anlass“ geschlossenen „Warndtschenke“ gehe es auch sonst nicht so gut, wie ich nach Ansicht des ungewöhnlich schönen Lokals kurz zuvor vermutet hatte. Da sei an Wochenenden nicht unbedingt der Bär los.

Bevor ich aber schnaufend hier oben auf dem Berg ankam, war mit ein anderes Lokal gleichen Namens in Klarenthal begegnet, das allerdings seit langem „tot“ zu sein schien. Aber ich verstand, dass man damals – wohl vor allem als Städter aus Völklingen oder Saarbrücken – durchaus von weit her losgewandert ist, um die Natur zu erleben. Per Bus kommend…

Warndtschenke_Klarenthal © Ekkehart Schmidt

Warndtschenke_Klarenthal © Ekkehart Schmidt

Das Lokal scheint gut 150 Jahre alt zu sein. Als „Gasthaus Zum Schwan“ (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Lokal in Püttlingen) war es im Besitz der Familie Sauerwein/ Melchior, heißt es auf einem alten Foto im Büchlein „Klarenthal und Krughütte in alten Ansichten“ von 1984. Zum Zeitpunkt des Erscheinens war es als „Warndtschenke“ im Besitz der Familie Dierstein. Was in den 36 Jahren seitdem geschah, dazu fehlt mir jegliche Quelle. Es könnte aber sein, dass die Familie das Lokal damals gerade erst übernommen hatten, nachdem sie die „Gaststätte Dierstein“ am Dorfplatz im nahen Gersweiler aufgegeben hatten oder aufgeben mussten (falls ich einen entsprechenden Hinweis eines Textes von Richard Hilgers richtig interpretiere und es nicht mehrere Wirtsfamilien diesen Namens gibt).

Die zweite Warndtschenke im gut 5 km entfernten Dorf im Warndt wirkte ganz anders als dieses Lokal an einer Kreuzung: Ein schöner Fachwerk-Holzbau unter einem prachtvollen Baum mit Biergarten vor der Tür.

Ich kann nicht viel zum tatsächlichen Leben des Lokals sagen, außer dem, was ich auf deren Facebookseite fand: Es werden viele Veranstaltungen, vom Rockkonzert über Ballermannnpartys bis zum Oktoberfest geboten. um über das lokale vielleicht auch ein überregionales Publikum anzuziehen.

Warndtschenke_Dorf im Warndt © Ekkehart Schmidt

Warndtschenke_Dorf im Warndt © Ekkehart Schmidt

Warndtschenke_Dorf im Warndt © Ekkehart Schmidt

Warndtschenke_Dorf im Warndt (c) Ekkehart Schmidt

Ich wünsche ihm aber bessere Zeiten, weil ich schon lange solche saarländischen Lokale suche, die ein Ziel einer Radtour oder Wanderung sind, ein Ort zur Belohnung. Das Stuhlsatzenhaus an der Uni, als Archetyp  meiner durch die Forsbacher Mühle in der Jugendzeit geprägten Vorstellung, wurde 2019 abgerissen. Ähnliche Lokale fand ich nur mit der Ecluse an der Saar, dem Woll auf den Spicherer Höhen, der Hofkneipe vom Nußweiler Hof oder dem Ponsheimer Hof im Bliesgau.

Diese zweite Warndtschenke hat mindestens 60 Jahre auf dem Buckel (1963 wurde dort der Karnevalsverein „Die Warndtkater“ gegründet), wahrscheinlich ist sie viel älter und sicher gibt es unendlich viele weitere Geschichten lokaler Ereignisse, die hier stattfanden, wie auch unzählige Ausflugs-Anekdoten, von denen ich keine Ahnung habe. Aber ich komme wieder und werde nachfragen. Irgendwann, nach Corona.

Adresse: Gartenstr. 1 · 66352 Großrosseln, Tel.: 06809-7240, Facebookseite

Verwendete Quellen: Hilgers, Richard: Kirwebuwe, frische Baguettes und ein verschwundener Zuckerhut, S. 203 in: Albers, Jürgen/ Blaß, Ursula/ Bubel, Dirk/ Glaser, Harald (Hg.): Saarbrücken zu Fuß, Hamburg 1989, S.198-210; Rixecker, Albrecht/ Scherer, Gertrud/ Debusmann, Hannelore: Klarenthal und Krughütte in alten Ansichten, Zaltbommel/ Niederlande 1984, Tafel 122.

Warndtschenke_Dorf im Warndt © Ekkehart Schmidt

One Comment
  1. Fluffige Nussecke! Wunderbar ! Ich habe auch so eine gefunden. Nussecke ist nicht gleich Nussecke! Danke

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