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Das Büdchen_Refrath

Februar 16, 2020

Als Grundschüler und Gymnasiast führte mich der Weg zur Schule morgens immer zur Straßenbahn, erst an die Station Köln-Merheim, dann an die Station Refrath. An beiden Stationen gab und gibt es ein „Büdchen“ – wie man die Kioske an Dutzenden anderen Haltestellen der KVB (Kölner Verkehrsbetriebe) nennt. Später als Praktikant in Frankfurt/ Main lernte ich das dortige Pendant der „Trinkhalle“ kennen (zum Beispiel den Kiosk Parkblick am Ostpark oder die Henninger Trinkhalle an der Eschenheimer Anlage). Nicht zu vergessen ähnliche Verkaufsstände für Zeitungen, Süßigkeiten, Kaffee aus der Thermoskanne und Kaltgetränke, die mir im Ruhrgebiet, Paris oder Brüssel begegnet sind.

Während ich diese Lokale heute auf Reisen höchstens zu später Stunde und zur Not für Zigaretten oder Rotwein aufsuche, drehte es sich damals, 1974 – 84, um Lakritze und andere Süßigkeiten „to go“ in so genannten „gemischten Tüten“. Immer für eine D-Mark oder so, für die ich mir eine individuelle Auswahl an „Salinos“, „Colafläschchen“ oder „sauren Gummibärchen“ zu je 5 Pfennig in einer Papiertüte zusammenstellen ließ. Das erleichterte den Schulweg.

Woher der Name „Büdchen“ stammt? In Saarbrücken fand ich letztens ein „Budsche“ – wohl von „Trinkbude“. Vorgestern kam ich noch einmal an meinem Büdchen vorbei, mit den Kindern die Eltern besuchend, Bruder Roland holte uns nach vier Stunden Zugfahrt ab Saarbrücken hier an der Straßenbahn ab: Es wirkte unverändert. Aber hieß nicht „Büdchen“, sondern schnöde „Kiosk“. 2016 hieß es noch „Addi’s Kiosk“ – es gab wohl einen Pächterwechsel. Sicher nicht der erste. Und 2017 war schon wieder geschlossen und das Büdchen drohte zu vergammeln, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete. aber dann fand sich ein/e neue/r Pächter/in.

Ich machte schnell drei Fotos – es wäre nicht passend gewesen, vor das Thekenfenster zu treten, um zu schauen, ob es im rechten der drei Fenster noch das gleiche (oder ein erweitertes) Angebot an Tütchen gibt. Es ist jedenfalls immer noch das Fenster ganz rechts.

Das Büdchen_Refrath © Ekkehart Schmidt

Das Büdchen_Refrath © Ekkehart Schmidt

Das Büdchen_Refrath © Ekkehart Schmidt

Ich erinnere mich, dass ich öfters auch rechterhand vom Fenster am dicken Baum auf einer Stange saß und von dort auf das Angebot hinter den Scheiben schaute. Wie genau sich das anfühlte – da muss ich mich noch einmal in Ruhe einfühlen. Ich habe hier jedenfalls auch sehr oft auch auf dem Weg nach Köln gesessen, habe Panini-Klebebilder der Bundesliga gekauft und mich auf meine Hotelbesuche zum Autogrammsammeln vorbereitet. Und von hier ging es auch Dutzende Male los in die große Weite Welt: zum Kölner Hauptbahnhof und nach Paris, London, die USA und Portugal… Mehrere hundert Male. Ich war ein guter Kunde.

Im November 2016 bin ich schon einmal den Impuls nachgegangen, die abendliche Szenerie am  damaligen „Addi’s Kiosk“ zu fotografieren. Diejenigen, die dort standen und ein Schwätzchen hielten, leben wohl in einem eher engen Horizont. Oder ist das ein überhebliches Klischee? Es erinnert mich jedenfalls daran, dass ich gleich nach dem Abi aus dieser Welt des wohlhabenden Speckgürtels von Köln weg wollte. Refrath ist ein von Zuzüglern mit guten Jobs in Köln überprägtes ehemaliges Dorf, dessen Altansässige nur in wenigen Lokalen wie der „Ewigen Lampe“ hinter dem Kiosk oder in der „Erholung“ an der alten Taufkirche unter sich bleiben.

Das Büdchen_Refrath © Ekkehart Schmidt

Adresse: Wickenpfädchen 12, 51427, Bergisch Gladbach

Das Büdchen_Refrath © Ekkehart Schmidt

From → Heim Art, Köln, Reisen

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