Zum Inhalt springen

Zehn Jahre Stuttgart 21

Februar 12, 2020

Dieser Bahnhof ist mir so vertraut wie kaum ein anderer deutscher Bahnhof. Nach Köln, Frankfurt/Main, Neunkirchen, Ottweiler, Saarbrücken oder Völklingen. Ich bin ab 1995 einige Jahre sehr oft von Saarbrücken nach Stuttgart gefahren und habe es geliebt, mich alle paar Wochen in diesem imposanten Bau zu bewegen, um von dort für ein Partizipationsprojekt türkischer Migrant*innen zum Rathaus zu fahren. Und bin von dort weiter nach München oder Mailand. Schon ab 1994 gab es Planungen, den Bahnhof komplett umzubauen, alle Schienenverbindungen unter die Erde zu verlegen. Ich war danach fast nur noch auf der Durchreise hier, habe den Baubeginn dieses längst berühmt-berüchtigten Projekts „Stuttgart 21“ am 2. Februar 2010 und die weitere Entwicklung fast nur noch von außen verfolgen können.

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

Ende November und Anfang Dezember war ich dann die ersten Male seit fast 25 Jahren wieder mit etwas mehr Zeit dort und konnte mit der Kamera durch die Hülle meiner Erinnerungen an vielen Dutzend Male benutzte und besuchte Treppen, S-Bahn-Ausgänge, Gaststätten, Kioske, Markthallen und dem Reisezentrum entlanglaufen. Von den gut 80 m nach vorne verlegten Gleis-Enden wird man als Reisender über eine überdachte Brücke über die Tiefbaustelle geleitet, an deren Wänden einem die Vision der Zukunft projiziert wird, und wo man durch kleine, milchig den Blick entfremdende Plastikfenster auf die Baustelle (auf die Brücke links und in Form der halbogenförmigen, rosa erleuchteten Fenster auch zur Haupthallle) schauen kann.

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

Dann erreicht die surreal ihres früheren Innenlebens komplett beraubte Haupthalle, die plötzlich gar nicht mehr rosa, sondern bläulich erleuchtet ist.

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

Die an die Wände applizierten ehemaligen Aufschriften der Lokale wurden entfernt. Aber ihre Schatten an den Wänden des 1914-28 entstandenen Baus sind noch sichtbar. Das fand ich sehr spannend.

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

Da der Hauptbau ja erhalten wird, war mir unklar, wieso die Lokale geschlossen wurden bzw. nicht wieder eröffnet werden. Das Licht changierte je nach Zeit und Blickwinkel von Blau über Rosa zu Orange.

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

Man hat sich erkennbar Mühe gemacht, die extrem unangenehme Situation für Reisende zu erleichtern. Mit Lichteffekten und auf den Boden applizierten Laufführungen.

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

Da habe ich einmal übernachtet. Und hier vielleicht einmal einen Espresso getrunken. Und irgendwo anders die kulinarische Entdeckung gemacht, wie lecker Laugenbrötchen mit Butter oder Frischkäse und Schnittlauch sein können.

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

Nach meiner Veranstaltung von der City herkommend, bot sich ein ähnlich trostloses Bild rechts vom Hauptaufgang zur Halle am ehemaligen Casino für die Bahnmitarbeiter*innen:

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

Acht Milliarden Euro teuer ist das Projekt. 2025 soll es fertig gestellt werden. Bis dahin belastet die Baustelle weiterhin das städtische Leben, nervt Reisende bei ihrem Aufenthalt – und bleibt extrem fragwürdig in seinem Sinn und Nutzen.

Verwendete Quellen: Soldt, Rüdiger: Unterdessen in Stuttgart. Ist der Bahnhof zukunftsreif? Frankfurter Allgemeine Woche 7/2020; Wikipedia-Artikel „Stuttgart 21„, „Stuttgart Hauptbahnhof

10 Jahre Stuttgart 21_© Ekkehart Schmidt

Kommentar verfassen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: