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Zum Niebes_Völklingen

Februar 9, 2020

Eine Pferdemetzgerei! Und zudem eine Gaststätte? Die Kombination hat es früher offenbar häufiger gegeben. Mir sagte einmal jemand, dass es beim Bau eines Hauses Mitte des 20. Jahrhunderts wenig besseres gab, als solche Betriebe als Untermieter zu haben. Also Kneipe und Metzgerei. Weil: Das laufe immer gut, die Miete würde also gezahlt werden (das war zu Zeiten, als es noch kein Billigfleisch beim Discounter gab). Eine Pferdemetzgerei ist dann freilich schon etwas Besonderes in einem Land, in dem vor allem Rinder, Schweine, Hühner oder Fisch gegessen wird.

Zum Niebes_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Zum Niebes_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Hierzulande wird Pferdefleisch als Nahrungsmittel eher selten gegessen, anders als in Frankreich, in Teilen Österreichs und der Schweiz. Aber es gibt durchaus einige Gerichte der deutschen Küche, die traditionell mit Pferdefleisch zubereitet werden, zum Beispiel der Rheinische Sauerbraten. Und ich erinnere mich, in Köln-Mülheim und am Münchner Viktualienmarkt einmal am Schild eines Pferdemetzgers vorbei gekommen zu sein. Ich lernte später, dass schon in der Steinzeit Pferdefleisch gegessen wurde, dass alle großen Reitervölker wie die Hunnen, Mongolen und Indianer Pferdefleisch aßen und dass das Fleisch von jungen Pferden nur leicht anders als Rind schmeckt. Erst das Fleisch älterer Pferde hat die charakteristisch dunkle Farbe und den typischen etwas süßlichen Geschmack. Je älter das Tier, desto zarter ist sein Fleisch.

Ich bin hier schon öfters vorbei gekommen, aber nie eingetreten. Pferdefleisch ist halt nicht nur für Flexitarier etwas irgendwie anstößig-ekliges. Früher als „Armeleuteessen“ verschrien, sind es heute vor allem emotionale Vorbehalte – aber zu Unrecht, schließlich haben viele in wenigen Wochen mal wieder kein Problem, Lammfleisch zu essen. Wahrscheinlich ist nur die Kirche schuld: Ab 732 galt im Abendland ein Pferdefleischverbot (vergleichbar mit dem Schweinefleischverbot im Islam). Das Verbot von Papst Gregor III. hielt sich 1100 Jahre, ehe es hinterfragt und schließlich aufgehoben wurde. In Frankreich lag der Höhepunkt des Pferdefleischverzehrs in den 1950er und 60er Jahren. Seither ist er stetig fallend und beträgt heute kaum mehr als 2 % des gesamten Fleischverbrauchs. Pferdefleisch wird dort aber nach wie vor in den Fleischregalen fast aller Supermärkte angeboten.

Wenige Kilometer von der Grenze entfernt kam ich Mitte Januar also wieder einmal hier vorbei, abends. Niebes neben Al Capone und Antalya.

Zum Niebes_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Zum Niebes_Völklingen © Ekkehart Schmidt

  Zum Niebes_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Die Firma wurde 1898 von Johann Niebes gegründet, 1907 wurde in der Poststraße 38 Eigentum erworben, seitdem ist hier der Firmensitz. 1935-60 folgte Reinhard Niebes als Inhaber, sein Sohn Reinhard leitete die Firma von 1960 bis zu seinem Tod 1976, von 1976 bis 1998 war seine Frau, Adele Niebes, Chefin des Familienunternehmens. Diese übernahm im Jahr 1998 die Gaststätte (von der mir nicht klar ist, ob sie schon immer nebenan bestand) und seitdem leitet ihr Sohn Roland mit seiner Frau Meike die Metzgerei, die wohl weitläufige rückwärtige Räume hat.

Die Pferdemetzgerei hat somit schon fünf Generationen erlebt. Roland und Meike „führen sie in ein neues Zeitalter“ heißt es in einer Quelle. Was immer das heißt. Die Firmenphilosophie sei bis heute „erstklassige Qualität zu bezahlbaren Preisen“. Die Stärken des Unternehmens seien: Eigene Schlachtung, eigene Produktion aller Fleisch- und Wurstwaren, Herstellung der hauseigenen Salamisorten im Naturverfahren.

Zum Niebes_Völklingen © Ekkehart Schmidt

Der Gedanke, dass die Zigtausend jährlich in Deutschland sterbenden Pferde statt zum „Abdecker“ zur Metzgerei geführt werden könnten, wäre ein interessanter Weg zur Co2-Reduzierung der Fleischproduktion. Ich nehme mir also vor, beim nächsten Besuch in Köln Rheinischen Sauerbraten zu probieren. Und in Völklingen zu checken, was es mit der Kneipe auf sich hat.

Adresse: Poststr. 38, 66333 Völklingen

Verwendete Quellen: Alles Profis: Roland Nibes Pferdemetzgerei, Wikipedia-Artikel „Pferdefleisch„. Mehr: Becker & Bredel: Wir machen alles selbst – von Hand, Saarbrücker Zeitung, 5. Oktober 2018

Zum Niebes_Völklingen © Ekkehart Schmidt

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