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Gaststätte Dominikaner_Köln

Dezember 31, 2019

Am zweiten Weihnachtsfeiertag hatte ich in Köln ein wenig Zeit, rund um den Hauptbahnhof herum zu stöbern, was sich so findet. Ich entdeckte eine offenbar urkölsche Kneipe, tief unten in dem großen Bau des Sozialgerichts eingangs der Straße An den Dominikanern. Genauer gesagt: Ich war fasziniert von der alten, handgearbeiteten Leuchtschrift:

Dominikaner_Köln © Ekkehart Schmidt

Dominikaner_Köln © Ekkehart Schmidt

Dominikaner_Köln © Ekkehart Schmidt

Dominikaner_Köln © Ekkehart Schmidt

Dominikaner_Köln © Ekkehart Schmidt

Die hier abzweigende Marzellenstraße führt an der Kirche St. Maria Himmelfahrt vorbei, die im 16. Jahrhundert entstand und nichts mit dem Dominikanerkloster zu tun hatte, an das nur noch der Straßenname erinnert.

Dominikaner_Köln © Ekkehart Schmidt

Dominikaner_Köln © Ekkehart Schmidt

Es war geschlossen. Aber ich hätte sowieso höchstens 10 Minuten Zeit gehabt, ehe mein Zug vom Elternbesuch zurück nach Saarbrücken ging. Aber etwas Zeit für Details blieb.

Dominikaner_Köln © Ekkehart Schmidt

Dominikaner_Köln © Ekkehart Schmidt

Die Namen des Mönchsordens und des Klosters weiter südlich in der Stadt haben nichts mit dem Kölner Dom zu tun. Die im 13. Jahrhundert gegründeten Dominikaner haben ihre Wurzeln in Norditalien (Wikipedia). Dennoch reizte es, die optische Verbindung in der Spiegelung festzuhalten.

Dominikaner_Köln © Ekkehart Schmidt

Dominikaner_Köln © Ekkehart Schmidt

Der Name der Straße erinnert an das einstige Dominikanerkloster Heiligkreuz, in dem im 13. Jahrhundert der Gelehrte und Bischof Albertus Magnus wirkte und in dem im 14. Jahrhundert zumindest zeitweise hervorragende Vertreter der deutschen Mystik gelebt haben, unter anderem Meister Eckhart und Heinrich Seuse. 1794 beschlagnahmte die französische Besatzung die Konventgebäude und richteten dort ein Lazarett ein, 1804 wurde die parallel zur Straße stehende Kirche abgerissen. Die Klostergebäude wurden zur Kaserne umgewandelt, bis die Post sie in preußischer Zeit erwarb. 1889/92 mussten die noch verbliebenen Klosterreste einem Neubau der Post weichen, die – nach dem Krieg restauriert – heute ein nüchterner Zweckbau ist.

Eine weitere Beschäftigung mit Kloster und Kneipe lohnt sich, wenn ich mir die Kneipenbilder bei TripAdvisor anschaue – beim nächsten Heimatbesuch, ob mit oder (wie diesmal) ohne Kinder. In einer Bewertung heißt es da: „Wenn Sie noch mal erleben wollen, wie es vor Jahren noch war, als man in Kneipen rauchen durfte, dann sind Sie hier richtig. Kölsch und Korn und Zigaretten und leicht schräge Typen. Nach 5 Minuten haben Sie als Nichtraucher erhebliche Kopfschmerzen.“ Andere Besucher nennen die Gaststätte mit ihrem Mobiliar aus den 1950er-Jahren rustikal, urig und gemütlich. Sie scheint bei amerikanischen Touristen, die offenbar häufig im Hotel gegenüber übernachten, recht beliebt zu sein. Vor einem halben Jahr drohte, glaubt man der BILD-Zeitung, die Schließung des Lokals. Aber der Kelch ging an diesem urkölschen Wohnzimmer anscheinend vorbei. Vorerst jedenfalls, denn 2021 läuft der Pachtvertrag aus.

Vor allem interessiert mich beim nächsten Besuch aber Meister Eckart –  nach ihm wurde ich benannt. Er war nicht nur ein Mystiker, sondern auch der erste Autor, der in deutscher Sprache geschrieben hat. Mein Vater bereitete sich damals gerade auf sein Examen vor und offenbar war Meister Eckart prüfungsrelevant…

Adresse: An den Dominikanern 2, 50668 Köln, Tel.: 0221-134807, Homepage

Verwendete Quellen: Eckert, Willehad Paul: Kölner Stadtführer, Köln 1991, S. 100-101; Walther, Tim/ Knieps, Christian: Drama um den „Dominikaner“, BILD, 21.05.2019

Gaststätte Dominikaner_Köln © Ekkehart Schmidt

From → Gaststätten, Köln

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