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„Black Friday“ und „Kauf-nix-Tag“

November 19, 2019

Black Friday Amazon

Sie wollen, dass wir nicht aufhören zu kaufen. Sie geben immer neue Anreize, versuchen  uns zu verführen, auch Dinge zu kaufen, die wir nicht wirklich brauchen. „Geiz ist geil“ würden sie nie sagen, sie beeinflussen subtiler und geschickter, arbeiten mit allen psychologischen Tricks: Marketingmanager und Geschäftsinhaber locken mit Schlussverkäufen und Rabatttagen wie dem „Black Friday“ diese Woche. Wir sollen mehr konsumieren, als uns gut tut. Dem sollte man widerstehen lernen, finde ich.

Sie stellen Lockvögel in die Auslage und sprechen letztlich „niedere“ Instinkte an: Wo sonst alles so teuer ist, kann Ich viel sparen, vielleicht sogar etwas fast umsonst kriegen… Und dann gehen wir mit den Ladenhütern nach Hause – für einen kurzen Kick, ein schnelles Glück. Dabei sind wir nicht nur potentielle Konsumenten, sondern vor allem Schüler, Beschäftigte oder Rentner, Eltern, Ehemänner und Omas, Sportlerinnen, Spaziergänger, Freizeitkünstlerinnen oder Hobbygärtner. Wir müssen eigentlich gar nicht etwas kaufen, um glücklich zu sein. Vor allem nicht deswegen, weil es „billig“ ist. Das ist nur ein Reagieren auf einen schnellen Reiz, der uns einen kurzfristigen „Kick“ gibt.

Genau dieses Gefühl. dass hier etwas auf die Spitze getrieben sollte uns eher dazu bringen, uns von dieser – natürlich durchaus legitimen – Beeinflussung zu befreien. Die einen nennen es „Konsumterror“, die anderen „einmaliges Sonderangebot“. Der „Black Friday“ wurde vor gut 15 Jahren in den USA erfunden und kam vor einigen Jahren hier an. Dort ist der letzte Freitag im November der Tag nach dem Erntedankfest, an dem sich viele Amerikaner frei nehmen (Brückentag) und der Handel den Beginn der Weihnachtseinkaufssaison mit vielen Rabatten und Schnäppchen einleitet. Hier ist es der letzte Samstag im November.

Widerstand zu leisten ist zwecklos, schließlich leben wir in einer Marktwirtschaft mit Wettbewerb, in dem Anbieter um die Gunst der Nachfrager buhlen (müssen). Aber  widerstehen geht, das wäre übrigens auch eine gute Übung.

Sein Leben auf Konsum auszurichten, lenkt vom Wesentlichen ab: sich auf sich selbst und seine Familie zu besinnen, den wahren Bedürfnissen wie Selbstliebe, Liebe und Freundschaft zu anderen, sowie Anerkennung. Statt jetzt einen coolen Mantel zu kaufen, könnte ich mich fragen, warum ich eigentlich immer neue Kleidung kaufe, obwohl die alte noch tragbar ist. Also nicht besinnungslos, sondern bewusster konsumieren, unsere Verhaltensweisen als  Konsumjunkies entgiften, uns von dumpfer Fremdbestimmung befreien und die Autonomie unserer Großeltern zurück gewinnen, die dagegen resistent waren.

Nach dem Vorbild des „Veggie Day“ könnte man einen Tag mal nicht konsumieren. Nicht nur auf Fleisch verzichten, sondern auf jeglichen Kauf. Das ist der Gedanke der 1992 vom kanadischen Künstler Ted Dave initiierten Gegenbewegung, des „Kauf-nix-Tags“. In Deutschland wurde der Aktionstag in den 2000er Jahren vom Verein „Narra e.V.“ und dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac initiiert. Unvorstellbar? Das kann man machen, ohne ein negatives Gefühl des Verzichts zu erleben, indem man sich klar macht, worin ein Gewinn liegen könnte.

Am wichtigsten finde ich, dass man dadurch eine gewisse Demut und Dankbarkeit erlebt: für das, was sonst ohne unser Zutun und durch anderer Leute Arbeit immer und überall verfügbar ist. Gegen Geld. Und was wir zu oft verschwenden. Da jetzt der Herbst beginnt, könnte ein Einkehren und Innehalten, das Erleben von Ruhe und Gelassenheit bei einem Spaziergang, ja sogar eine Vorbereitung auf den natürlichen Stillstand des Winters durch Aktivitäten wie Einmachen eine gute Alternative sein.

Wir lernen durch diese aggressive Werbung des „Black Friday“: Jeder sollte überlegt(er) einkaufen und vor allem nur das nötigste. Wir könnten beginnen, bevorzugt lokal und saisonal, bio und fair sowie frisch statt eingemacht zu kaufen. Und wer weiter denkt, kann auch weniger Lebensmittel aus der Aufzucht von Tieren und Fisch nur noch aus verantwortlichem Fischfang kaufen. So konterkarieren wir diesen Anreiz zum „Überkonsum“. Oder einfach einmal die folgende Liste auf sich wirken lassen:

Kauf-nix-Liste

Ich wünsche euch einen schönen, zufriedenen Samstag ohne Billigkonsum! Und auch eine entsprechende Folgewoche: einige Anbieter haben den Freitag auf eine ganze Woche ausgedehnt…

Eine Kurzfassung des Textes wurde im Letzebuerger Journal veröffentlicht. Siehe dazu auch das Gespräch mit mir für den SR.

Verwendete Quelle: Wikipedia-Artikel „Black Friday„.

From → Anders leben

2 Kommentare
  1. Uh. Die Kauf nix Liste liest sich hart. Danke für den Beitrag. Lesenswert 🙂

    • Ist ja kein Muss, es soll kein Verzicht gepredigt werden! Aber ein bisschen sensibler werden, widerstehen, Demut üben…

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