Zum Inhalt springen

Mary’s Market_Assmannshausen

November 12, 2019

Manchmal muss auch ein streng über den Süßigkeitenkonsum seiner Kinder wachender Papa  über den eigenen Schatten springen. So am 19. Oktober, dem zweiten Tag unserer Rheintour, als uns die Verkäuferin eines nach einer Sesselliftfahrt angesteuerten „Höllenshops“, dessen Eisschrank wir am Vorabend entdeckt hatten, mitteilte, dass die Eissaison vorbei sei. Das ist eine teuflische Situation für Eltern, wenn sie so etwas zur Steigerung des Durchhaltevermögens eines Vier- und eines Sechsjährigen versprochen haben, im Glauben, dass es in einem Touristenort wie Assmannshausen ja wohl Eis gebe.

Gab es aber nicht. Auch kein anderes Eiscafé. Aber einen Laden gegenüber unserer „Pension Schuster“, der auch eine Aufschrift „italienisches Eis“ hatte, wie ich mich erinnerte. Auch da hatten wir Pech mit Eis, aber dafür Glück mit einer großen Auswahl Süßigkeiten: Gummibärchen, Colafläschchen und die ganze Haribo-Bandbreite bis Maoam. Der Laden wirkte improvisiert, vielleicht ein Nachfolgebetrieb einer alten Cafés-Konditorei? Mein Entdeckertrieb war geweckt, es passte mir also durchaus, da mal reinzuschauen…

Mary's Market_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Mary's Market_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Nein: Offensichtlich war das hier schon einige Jahre ein Laden. Jedenfalls der Patina der Regale nach zu urteilen.

Mary's Market_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Mary's Market_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Ich hatte ein echtes Unikum entdeckt. Und es gab Espresso! Ich bestellte mir einen und beriet die Jungs, die sofort die richtige Ecke hinter der Theke entdeckt hatten.

Mary's Market_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Mary's Market_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Mary's Market_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Zwischendurch kam mein Espresso, den ich mit Blick auf unsere Pension und die Kinder im Rücken zu genießen versuchte. Nach langer Qual der Wahl (bloß nicht etwas schlechteres als der Bruder wählen) wurden zwei Zehnerpack-Vorratspackungen Maoam und Haribo-Rouletten für 1,80 bzw. 1,99 Euro gewählt. Dadurch hatte ich Zeit, mir das Angebot genauer anzuschauen: von Nudeln und Reis über Erbsensuppe in Dosen sowie Tütensuppen und Brötchen über Chips, Zwieback und Schokolade bis Shampoo, Zahnpasta und Waschmittel. Ganz, wie man es von Läden auf Campingplätzen kennt. Nur ohne Gaskartuschen und Schwimmärmelchen.

Der Laden füllt offenbar eine Marktnische in einem Ort ohne Discounter: Ein Tante Emma-Laden für nicht motorisierte ältere Dorfbewohner und Gäste von Ferienwohnungen. Das gefiel mir und ich bestellte mir einen Espresso für 1,69 Euro, aus italienischer Hand sehr gut zubereitet, wie ich durch ein kurzes Gespräch verstand: Mary Zecca, die als Italienerin wahrscheinlich eigentlich Maria heißt, übernahm einen ehemaligen Gemischtwarenladen, der jahrzehntelang von einem Herrn Kaiser geführt worden ist, der neben Lebensmitteln und Farbe auch Fotozubehör führte. Er sei ein begeisterter Fotograf gewesen, erzählte die nette Wirtin vom Hotel Schuster gegenüber, bei der die Jungs schon mehrere Spekulatiuskekse abgestaubt hatten.

Mary's Market_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Auf dem obigen Foto nicht sichtbar, aber hinter der Gebäcktheke anwesend, war ein kleiner Vogel, der sich hinein verirrt hatte und lange nicht mehr den Weg hinaus fand. Wir öffneten die Tür und irgendwann ging auch diese höllisch-vertrackte Geschichte sicher gut aus. Abends trat ich noch ein paar Mal für eine Zigarette vor die Tür, entdeckte diese Spiegelungen, fand aber auch die Zeit, für ein paar Minuten die „Alte Dorfschänke“ rechterhand zu checken, während die Kinder in der Pension auf dem französischen Bett Trampolin sprangen.

Mary's Market_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Mary's Market_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Viele Schilder und Namen (wie der eingangs genannte „Höllenshop“) verweisen auf das jährlich stattfindende Höllengassenfest, das jemand irgendwann als Marketingidee umgesetzt hat. Dabei hat der Name des benachbarten Berges, „Höllenberg„, abgesehen von seiner Steigung für Weinbauern und Spaziergänger nichts teuflisches an sich, sondern stammt laut Wikipedia etymologisch von Halde ab (heldin = mittelhochdeutsch für Steilhang). Er erhebt sich am Südhang des Höllenbachtals, das sich von den Höhen hinunter nach Assmannshausen zieht, und gilt als eine der besten Rotweinlagen Deutschlands. Hätte ich das als – bezüglich deutschen Rotweins – gebrannten Kinds und Skeptikers geahnt, hätte ich darauf verzichten können, meinen eigenen Biowein aus Saarbrücken mitzuschleppen.

Wir schliefen jedenfalls sehr gut, allseits befriedigt. Die Sweeties bildeten tags drauf in Kaub, auf der Burg Rheinfels und im Zug zurück einen guten Vorrat für süße Gelüste, so dass wir nur noch einmal – auf der Burg Rheinstein gegenüber von Assmannshausen – ein Eis brauchten (erfolgreich). Der Großteil der Vorratspackung Maoam landete allerdings in der folgenden Woche bei einem Wutanfall der Mama im Mülleimer. Aber das ist eine andere Geschichte, die hier nicht breit getreten gehört.

Adresse: Niederwaldstraße 6, 65385 Assmannshausen, Tel.: 06722-4149118

Mary’s Market_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Kommentar verfassen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: