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Alte Dorfschänke_Assmannshausen

November 9, 2019

Am 20. Oktober habe ich einen ersten Schritt gemacht, meinen jüngsten Kindern die Faszination Mittelrheintal nahe zu bringen, welche für meine eigene Verheimatung Anfang der 1970er-Jahre – damals von Köln, statt heute von Saarbrücken aus kommend – so wichtig war, dass ich sie weitergeben wollte. Ich war damals beim ersten Besuch 7 oder 8, Johann und Paul sind jetzt 6 und 4 Jahre alt. Und natürlich ging und geht es damals wie heute um Ritter, Burgen und Weinberge an diesem großartigen Rheinabschnitt. Aber nicht um diese etwas spießig wirkende nostalgische Romantik der Pensionäre aus dem Ruhrgebiet und ostasiatischen Touristen, sondern um Abenteuer-Erlebnisse für Jungs.

Ich hatte die „Pension Schuster“ gewählt, eingangs des sehr touristischen Dorfes mit über 800 Jahre Geschichte und entdeckte als Café- und Kneipenfreak natürlich sofort diesen alten Schriftzug 50 Meter weiter die Gasse hoch:

Alte Dorfschänke_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Durch den Ort läuft der Aulhausener Bach, auch Eichbach oder Höllenbach genannt, aus einem engen Tal im Rheinischen Schiefergebirge kurz unterhalb (oder aus unserer Sicht, per Schaufelradschiff von Bingen kommend) oberhalb des Binger Lochs von rechts dem Rhein zu. Am nächsten Morgen sind wir die Gasse hoch, um per Sessellift auf die Höhe zu fahren. Zurück blickend lag da die „Dorfschänke“ genau gegenüber der „Alten Bauernschänke“ an einer platzähnlichen Verbreiterung der Straße, beides Fachwerkbauten.

Alte Dorfschänke_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Schon am ersten Abend bin ich bei einer Zigarettenpause (die Kinder noch beim Abendessen bzw. später im Zimmer tobend) rüber und schaute mir das Lokal mit seinen viele Jahrhunderte alten bemalten Glasfenstern an:

Alte Dorfschänke_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Alte Dorfschänke_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Alte Dorfschänke_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Alte Dorfschänke_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Alte Dorfschänke_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Der Wirt hatte mich bemerkt und kam heraus. Er zeigte sich nicht mißtrauisch, sondern ungewöhnlich positiv, mich sehr offensiv willkommen heißend: „Kommen sie gerne rein, um drinnen zu fotografieren!“. Vielleicht lag es daran, dass da kein einziger Gast anwesend war und er – eine etwas ungewöhnliche Figur mit langen Haaren und auch sonst eher freakig wirkend – sich langweilte. Wir rauchten gemeinsam.

Alte Dorfschänke_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Alte Dorfschänke_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Ich musste aber erstmal zurück in die Pension: Schauen, ob die Kinder schlafen. Dann bin ich bei der nächsten Zigarette gegen 22 Uhr erstmal durch den Vorraum hin zur Theke und bekam dann vom Inhaber die alten Fresken gezeigt.

Alte Dorfschänke_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Alte Dorfschänke_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Alte Dorfschänke_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Alte Dorfschänke_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

Anders als üblich betritt der Gast die Schänke durch den Konzert- und Tanzsaal mit Musikerpodest rechterhand, ehe sich der Raum verengt zum intimeren Thekenbereich. So herum machte sich die Leere des Lokals noch viel deutlicher sichtbar: Hier kehrt wohl kaum noch ein Dorfbewohner ein, um mehrere schöne Stunden in der Gemeinschaft zu verbringen und sich auszutauschen. Die „Alte Dorfschänke“ wirkte auf mich diesbezüglich wie ein Zombie.

Vielleicht war ich einfach nur zur falschen Zeit dort. In der Hochsaison ist es sicher  durchaus einmal voll – voller Touristen. Geworben wird jedenfalls mit Texten wie: „Gute Laune und Livemusik bietet die alte Dorfschänke, Livemusik und Tanz , Essen und trinken..“. Aber die Einheimischen haben sich generell wohl eher zurückgezogen. Was der Name suggeriert existiert heute nicht mehr: Ein kommunikatives Dorfleben mit einem solchen Mittelpunkt.

Die Schänke ist online unsichtbar, auch auf der Webseite des Ortes finden sich viele historische Fotos, aber kein einziges dieses Lokals. Insofern ist mir dessen Bedeutung nicht ganz klar geworden. Es ist sicherlich einige Jahrhunderte alt und war ein Mittelpunkt des Dorflebens. Aber auch unter diesem Namen? Oder ist dieser ein Fake, um Touristen anzuziehen? Nein. Wahrscheinlicher ist ein Namenswechsel.

Meine Kinder interessierte jedenfalls der heftige Güterzugverkehr hinter dem Haus deutlich stärker als Lokale ohne Eis oder andere für sie relevante Attraktion. So sind wir weiter zur Burg Rheinstein, nach Kaub zur Burg Pfalzgrafenstein und nach St. Goar zur Burg Rheinfels.

Adresse: Niederwaldstraße 7, 65385 Rüdesheim-Assmannshausen, Tel.: 06722-2383

Verwendete Quelle:  Wikipedia-Artikel „Assmannshausen

Alte Dorfschänke_Asssmannshausen © Ekkehart Schmidt

2 Kommentare
  1. Danke für diesen erzählerischen sternenpunkt! Die tobenden Kinder im Pensionszimmer, während Papà ganz schnell ein skurilles Gasthaus checkt:herrliche, kostbare Freiheit auf beiden Seiten!

    • Vielen Dank! Es ist tatsächlich wichtiger, als ich dachte, diese Besuche so einzubetten, wie sie sich tatsächlich zugetragen haben – statt so zu tun, als wäre man ein neutraler, zeit- und beziehungsloser Beobachter…

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