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Café Mamer_Altrier

Oktober 26, 2019

Ohne beruflichen Termin wäre ich vorgestern wohl nie in Altrier (auf luxemburgisch „op der Schanz“) aus dem Bus gestiegen. Gut, dass ich einen früher nahm, um mir das 164-Seelen-Dorf an der Hauptstraße zwischen Luxemburg und Echternach, ein paar Kilometer östlich von Junglinster, noch kurz angucken zu können. Anlass war die Eröffnung eines Naturata-Bio-Supermarktes, dessen Bau von meinem Arbeitgeber etika finanziert worden ist. Ob er neben der Kirche und dem „Café Mamer“ zu einem neuen Kommunikationstreff dieses ein wenig nach edlem Schlafdorf wirkenden Ortes wird? Das nächste Mal werde ich mein Rad mitnehmen: von hier oben auf der Höhe („Schanz“) gibt es schöne Fernblicke in eine unverbaute Wald- und Felderlandschaft.

Ein Wanderweg ins Müllerthal kreuzt die Hauptstraße, die seit 1959 am Dorf vorbei führt. Damals hatte das „Café Mamer“ wohl noch auswärtige Gäste, die einen Zwischenstopp machen. Falls es da schon existierte. Die Wirtin konnte mir das am Donnerstag nicht sagen. Jetzt ist es jedenfalls ein reines Dorfcafé. Offiziell gibt es noch einen auf die Inhaberfamilie verweisenden Zusatz: „Café Mamer-Weyerich“.

Café Mamer_Altrier © Ekkehart Schmidt

Café Mamer_Altrier © Ekkehart Schmidt

Café Mamer_Altrier © Ekkehart Schmidt

Zuerst dachte ich, das Café sei „tot“, spitzte durch ein Fenster und entdeckte eine Kegelbahn. Aber kein Licht an. Dann fragte ich ein auf der Straße gegenüber spielendes Mädchen, ob schon geöffnet sei. Sie lief dann gleich zur Tür, um für mich zu fragen. Die Tür war offen und schon stand da die Wirtin, eine echte gutbürgerliche „Dame“, die mich gar nicht so fragend anschaute, wie ich befürchtet hatte. Ja, es ist offen, herzlich Willkommen. Sie hatte an einem Tisch gesessen und Papierkram erledigt. Ich fragte angesichts eines Tresens ohne Kaffeemaschine nach einem Kaffee: Es gab nur Espresso. Perfekt. Noch besser: Sie ging dafür ins Hinterzimmer (eine Küche scheint es nicht zu geben) und ich konnte schnell und halbwegs in Ruhe das Lokal fotografieren.

Café Mamer_Altrier © Ekkehart Schmidt

Café Mamer_Altrier © Ekkehart Schmidt

Neben dem Hauptschankraum führte eine Tür zu einem Raum mit perfekt erhaltener Kegelbahn.

Café Mamer_Altrier © Ekkehart Schmidt

Café Mamer_Altrier © Ekkehart Schmidt

Café Mamer_Altrier © Ekkehart Schmidt

An der Kegelbahn gab es einen eigenen Schankraum, eingerichtet wie eine Schankstube, nur mit anderen Tischen und Stühlen als vorne.

Café Mamer_Altrier © Ekkehart Schmidt

Café Mamer_Altrier © Ekkehart Schmidt

Café Mamer_Altrier © Ekkehart Schmidt

Café Mamer_Altrier © Ekkehart Schmidt

Café Mamer_Altrier © Ekkehart Schmidt

Ich bekam meinen Espresso und als ich fragte, wie alt das Lokal ist, bat sie mich zu ihr an den Tisch – wir unterhielten uns. Sie sei ja seit zwei Jahren in Pension und das Café habe es eigentlich so lange schon gegeben, wie sie denken kann. Sie sei immer ab 15 Uhr da, aber eigentlich ist erst ab 17 Uhr geöffnet. Meine Vermutung, dass hier wenig Gäste kommen, trog. Am meisten los sei Montag, Mittwoch, Freitag und Sonntag. Es gebe einen „Stamminet“, wie der Stammtisch auf Luxemburgisch genannt wird.

Ich musste dann bald los, mich natürlich fragend, welche Art Gesellschaft sich hier bald einfinden würde, eintretend durch diese klassische Windschutz-Tür. Das war halt wieder einmal nur so eine kurze Stippvisite…

Café Mamer_Altrier © Ekkehart Schmidt

In Altrier ist durchaus etwas los, wie eine eigene Seite „Altrier“ bei mywort.lu beweist: Zumindest gibt es die „Schanzer Fëscherfrënn“, einen Anglerverein, der auf dieser Lokalseite zum Mitmachen regelmäßig Texte postet. Und neben der Kirche und dem Café mit dem Biomarkt einen neuen Dorftreffpunkt. Im Gespräch mit der Wirtin wurde aber auch klar, dass die Leute weiter nach Echternach fahren werden. Mit dem Auto, weil der Busbahnhof zu weit von der Innenstadt entfernt ist, um Einkäufe zu schleppen. Naja: Der hiesige Supermarkt-Standort wurde wohl auch eher für Auswärtige auf der Heimfahrt vom Büro ausgewählt. Vielleicht wird er also eher ein Fremdkörper neben der Kirche sein, während das Café Mamer das Dorfzentrum bleibt.

Adresse: 45, Op der Schanz, L-6225 Altrier

Café Mamer_Altrier © Ekkehart Schmidt

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