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Café Königin Louise_Saarlouis

September 24, 2019

Waow, die Organisatoren von Fridays for Future laden mich ein, eine Rede auf ihrer Demo in Saarlouis zu halten. Eine echte Ehre für einen 55jährigen. Man beginne um 10 und gegen 12.30 erwarte man mich und andere Redner*innen. Ich schreibe also – ziemlich nervös – direkt nach dem Frühstück meinen Redetext, drucke ihn im Copyshop aus und nehme den Zug gegen 11. Kaum eingestiegen, ruft mein Ansprechpartner Nico an, etwas aufgeregt: Wo ich denn sei, man habe den Rundgang schon beendet. In 20 Minuten sei ich da. OK. Als mein Zug in Saarlouis ankommt, klingelt es wieder: Nico. Es täte ihm ja furchtbar leid, aber man habe die Demo schon beendet.

Tja. So läuft das manchmal. Ich bin trotzdem am 30. August per mitgebrachtem Rad zum „Kleinen Markt“, traf noch ein halbes Dutzend Leute an. Man sei immerhin 300 gewesen, habe das aber nicht in die Länge ziehen können. OK, dann rede ich halt beim nächsten Mal. Aber wo ich schonmal da bin, fragte ich, ob sie mir ein authentisch altmodisches Café empfehlen können? Ja, sie nannten mir eine krachledern holzvertäfelte Kneipe, deren Thekerin mir aber beim Rausräumen von Stühlen sagte, sie mache erst um 12 Uhr auf. So landete ich um die Ecke bei einem klassischen Konditorei-Café namens „Königin Louise“.

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Ich schlich erstmal ein wenig um die Tische beidseits der Hausecke unter der Markise – alles in Weiß-Grau gehalten, um mich zu entscheiden, ob das „etwas für mich“ ist, also ein echtes, authentisches Lokal mit Geschichte und also auch altmodischem Intérieur. Ein Schaufenster zeigte mir schon, dass hier mit Nostalgie gelockt wird.

 

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Der Verschnitt zwischen Gina Lollobrigida und den Assoziationen an eine Königin französisch klingenden Namens gab den Ausschlag: Ich trat ein und schaute frontal auf eine unwiderstehlich ins Blickfeld gestellte Kuchentheke mit weiteren Kitschfiguren. Ja!

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Innen ist die „Königin Louise“ ein klassisches Konditorei-Café mit einem Einrichtungsstil, der junge Leute sofort abschreckt. Wer das gewesen sei, frage ich die Kellnerin (ich mache da einen feinen Unterschied zur „Thekerin“, was mit deren Selbstverständnis zu tun hat). Aber mehr, als dass Louise eine Königin war, konnte sie mir nicht sagen. Und ich wunderte mich mal wieder über Leute, die sich für ihren Arbeitsplatz offenbar so gar nicht interessieren. Ist der Name nicht das erste? Er gibt doch eine Richtung vor, will etwas andeuten, versucht Kunden anzuziehen…

Naja. Ich schaute mich erstmal in Ruhe um, auf meinen Espresso wartend. Eine cremefarbige, sehr weiblich-bürgerliche Inneneinrichtung mit manchen interessanten – Details, von denen man wie so oft auf die Gesamtkonzeption schließen konnte.

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Dann entdeckte ich einen Treppenaufgang und bin natürlich hoch in die Räume, zu denen mir eine Kellnerin sagte, dass sie am Wochenende voll seien. Dort gibt es neben einer Ecke mit männlicher Club-Atmosphäre wohl vor allem Raum für Veranstaltungen von bis zu 60 Personen. Ob das wirklich nachgefragt wird, kann ich nicht beurteilen.

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Zurück zu Louise: Im Treppenhaus hing eine alte Glasmalerei. Ob sie die Königin oder nur eine Phantasie zeigt?

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Saarlouis, eine Stadt, die 1680 auf Geheiß von Ludwig XIV. als französische Grenzfestung gegen die deutschen Kleinstaaten errichtet worden ist, blickt auf eine lange Tradition als Militär- und Garnisonsstadt zurück. Eine Bastion der vauban’schen Anlage ist nach einer „Louise“ benannt. Alles andere blieb mir erstmal unklar. Aber eine Königin im nie monarchisch geprägten Saarland: Das wär schon was!

Wie es scheint, hatte die Königin jedoch keinerlei echten Bezug zu Saarlouis und Ludwig XIV. Sie lebte als Gemahlin von König Friedrich Wilhelm III viel später und war berühmt geworden, da ihr Leben eng verknüpft war mit den dramatischen Ereignissen im Kampf Preußens gegen Napoleon. So wurde sie zum Symbol für den Wiederaufstieg Preußens und für die Entwicklung hin zum Deutschen Kaiserreich. Sie galt als Hoffnungsträgerin Preußens, nahm sie doch eine Schlüsselstellung im Kampf gegen Napoleons Besatzung ein – etwas, was ihrem Mann nicht gelang.

Da sie früh starb, blieb sie auch in der Vorstellung der nachfolgenden Generationen jung und schön – sie wurde mystisch verehrt. Da werden also beim Namen dieses Cafés  – aus heutiger Sicht – völlig unvereinbare Historien miteinander verknüpft. Die Namensgeber wollten wohl – trotz des Stolzes auf die französische Wurzel der Stadt – die Rückeroberung des Gebietes durch Preußen betonen. Und nutzte merkwürdigerweise nicht die deutsche Schreibweise „Luise“.

Das Café fällt in dieser Ecke mit vielen Cafés und Kneipen auf. Dominiert sie aber optisch nicht. Erst wenn man es betritt, spürt man den Anspruch und die Tradition. Das Lokal zählt mit seinen zwei Etagen zu dem großzügigsten Café der Stadt und auch des Saarlandes. Es gibt – zu Kuchen und Torte – die traditionellen Café-Getränke und eine große Auswahl an biologischem Tee. Ferner scheinen hier viele gerne zu frühstücken und zu Mittag zu essen.

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

Als ich da war, saßen hier aber nur vier ältere Damen drinnen und ein Dutzend junge Frauen draußen. Da ist ein klarer Unterschied. Erstere fühlen sich in einem Refugium wohl, letztere wollen nicht in eine Vergangenheit des Sonnenkönigs oder der Kaisergattin geschickt werden, mit „imposanten Kronleuchtern“ und einer „opulenten Einrichtung“, wie das Café online wirbt. Das scheint ein kleiner Spagat zwischen unterschiedlichen Kund*innen zu sein. Aber es funktioniert wohl, denn das gemeinsame Bedürfnis ist wohl, unter Freundinnen in Ruhe „zu babbele un zu schwätze“.

Meine Reise war also nicht umsonst. Nico freilich hat mich ein paar Wochen später nicht angerufen, ob ich nun am 20. September bei der gr0ßen Demo in Saarbrücken reden mag. Ich war ihm dankbar. Das wäre mir zu groß gewesen. Dafür fragte er Anfang November, ob ich am 3. Januar wieder nach Saarlouis kommen mag: Ja, gerne! Dann werde ich gleich zum Demostart da sein…

Adresse: Sonnenstraße 17, 66740 Saarlouis , Tel.: 06831 / 127 28 65, Homepage

Verwendete Quelle: Königin Luise von Preußen (www.kaiserin.de); Wikipedia-Artikel „Luise von Mecklenburg-Strelitz

Café Königin Louise_Saarlouis © Ekkehart Schmidt

From → Cafés, SaarLorLux

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