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Verschenkbörse_Saarbrücken

September 14, 2019

Das letzte Mal sei es schon stark aus dem Ruder gelaufen, hieß es bei der Vorbesprechung vor zwei Wochen. So war ich durchaus etwas aufgeregt oder in gespannter Erwartung, als ich heute früh um 9 Uhr mit zwei Kartons zuvor ausgemisteter Sachen durch die Halbergstraße zur eli.ja Kirche radelte. Nach den Erzählungen der anderen von Transition Saarbrücken und der Jugendkirche sei bei der letzten Verschenkbörse manches abhanden gekommen, was gar nicht zum Verteilen gedacht war. Vor allem sei den ganzen Tag lang weiter angeliefert worden, was man nicht mehr in den Griff bekam. So hatte man nach Abschluss der Veranstaltung gute vier Stunden aufzuräumen.

Das sollte uns nicht mehr passieren. Jetzt hatten wir einen Dienstplan mit über einem Dutzend Freiwilligen und klaren Aufgaben. Angeliefert werden konnte – nachdem wir aufgebaut hatten – von 10 bis 12 Uhr, und zwar nur an einer Abgabestelle. Danach hatten die Leute bis zur Öffnung der Tore um 11 Uhr zu warten, während wir den Inhalt von gut 50 Kartons und Tüten ordentlich auf Tische verteilten: Herrenkleidung, Damenkleidung (2 überladene Doppeltische), Kinderkleidung, Schuhe, Spielzeug, Deko-Artikel, Küchenbedarf und ein Tisch mit CDs, Schallplatten, DVDs und kleinen Abspielgeräten.

Die zu verschenkenden Artikel standen im Hauptschiff, während in einem Nebenschiff die Anlieferung war und sich die leeren Kartons stapelten. Im anderen Nebenschiff entstand eine gemütliche Sitzecke neben einer Kaffeetheke sowie ein Kiosk, den mittags die Leute von Foodsharing mit geretteten Lebensmitteln bestückten: Es gab Bretzeln und belegte Brötchen, Bananen, hunderte winzige Tomaten, Champignons, Möhren, Kohlrabi und einen Spitzkohl, den ich mir mitnahm (neben einer Luftpumpe, einem Brotmesser, zwei Bettbezügen, gestrickten Kinderpuschen und einem coolen Skateboard-Sweatshirt für Sechsjährige).

Verschenkbörse_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

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Es war faszinierend, wie viel innerhalb einer Stunde zusammen kam. Es gab viele Gespräche, so mit einer Frau, die gerade eine Wohnungsauflösung hinter sich gebracht hatte und uns Kartons voller Geschirr und Krimskramskrempel anvertraute, die sie unmöglich hätte in den Müll werfen können.

Verschenkbörse_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

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Verschenkbörse_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

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Verschenkbörse_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Um 11 öffneten wir 80 Leuten, die geduldig gewartet hatten und keineswegs den Saal stürmten, wenn auch spürbar war, dass viele, die selber oft sehr viel angeliefert hatten, gerne schon mal geguckt hätten. Aber wir waren diesmal streng mit den Regeln. Und das disziplinierte: Ich hatte ja selbst dauernd überall interessante Sachen gesehen, von denen ich nicht wollte, dass sie mir jemand wegschnappt.

Verschenkbörse_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

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In den vier Stunden bis 15 Uhr waren immer rund 100 Personen im Saal, stetig neue, aber auch viele Leute, die gut zwei Stunden blieben.

Verschenkbörse_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Verschenkbörse_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Verschenkbörse_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Verschenkbörse_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

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Es gab Leute, die gute zwei Kubikmeter mitnahmen, manches Gerangel unter Kindern – aber insgesamt war die Atmosphäre ruhig, nett, unchaotisch und viele Menschen erhobenen Hauptes demütig-dankbar. Überwiegend Frauen.

Verschenkbörse_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Verschenkbörse_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Verschenkbörse_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Am Ende waren gut 80 Prozent der Sachen weg. Den Rest bringen wir zur Diakonie und einer Kleidertauschbörse am 21. September im Café Schniss in der Gersweilerstraße. 80 zu 20 war auch etwa das Verhältnis zwischen Menschen geringen Einkommens und konsumkritisch engagierten jungen Leuten, die kamen, obwohl sie sich ihren Bedarf auch hätten kaufen könnten. Die einen geben weg, was sie nicht mehr brauchen, die anderen holen, was sie brauchen? Gebende und Nehmende. So dachte ich vorher. Nein: Trotz mancher, die nur anlieferten und wieder gingen, waren es die „Bedürftigen“, die am meisten gaben und sich anderes, aktuell benötigtes – deutlich weniger – nahmen.

Nun war aufzuräumen, auf dass hier bald wieder Gottesdeienste stattfinden können: Alles einpacken, Müll aussortieren, die Kartons zerkleinern und zum Container bringen…

Verschenkbörse_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Verschenkbörse_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Danke an Bazhaq, David, Didi, Ekkehart, Eric, Mira, Nora und Uschi von Transition, den mir namentlich nicht bekannten Frauen von foodsharing, sowie Anika, Daniel, Helene, Isabell und Stephanie von eli.ja. Und natürlich Pfarrer Christian Heinz, mit dem wir nach erfolgreich geschlagener Schlacht 16.30 Uhr in der Kirche (!) glücklich und zufrieden noch ein oder zwei Radler bzw. Nauwieser Drittel tranken. Auch das ein Erlebnis für sich, Klischees aufbrechend und ein wohliges Gemeinschaftsgefühl erzeugend, wie die ganze Veranstaltung.

Nach dieser neunten (oder schon zehnten?) Verschenkbörse haben wir das jetzt organisatorisch im Griff und wollen diese schöne Erfahrung  künftig jeden März und September wiederholen. Bücher ließen wir diesmal nicht zu: Wir führen auch unsere Bücherverschenkbörsen fort.

Verschenkbörse_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

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