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Restaurant Ribatejo_Windhaff

August 18, 2019

Windhof (luxemburgisch Wandhaff) ist ein Weiler (Dorf wäre ein zu großes Wort) an der Hauptstraße von Luxemburg zur belgischen Grenzstadt Arlon, der ursprünglich aus nur drei Gebäuden auf einer windigen Anhöhe bestand und bis heute auch nur um eine kleine Reihenhausreihe angewachsener Wohnbebauung besteht, dafür Supermärkte, eine Tankstelle und zwei grössere Industriezonen umfasst, die den Ort vor etwa 20 Jahren völlig verwandelt haben.

Eines der drei Gebäude, vor dem heutigen Bio-Geflügelhof „Windhaff“ stehend, stammt von 1936 und ist schon seit Jahrzehnten eine Pizzeria („Da Vincenzo“). Das dritte Haus beherbergt seit mindestens 30 Jahren ein portugiesisches Restaurant. Es sei, so lange er denken könne, schon immer ein Restaurant gewesen, erzählt mir Guy Meyers, der Leiter des Hofs, der vor allem Bio-Eier produziert. Geöffnet ist es von 6 Uhr in der Früh bis nachts um 1 Uhr. Das ist schn etwas ungewöhnlich für diese Ortschaft an der Kreuzung der in west-östlicher Richtung verlaufenden Hauptstraße mit einer Nord-Süd-Nebenstraße von Koerich nach Garnich

Restaurant Ribatejo_Windhaff © Ekkehart Schmidt

Restaurant Ribatejo_Windhaff © Ekkehart Schmidt

Restaurant Ribatejo_Windhaff © Ekkehart Schmidt

Restaurant Ribatejo_Windhaff © Ekkehart Schmidt

Restaurant Ribatejo_Windhaff © Ekkehart Schmidt

Ich hatte hier vor etwa fünf Jahren bei einem beruflichen Termin schon einmal gegessen. Der Chef einer großen Firma hatte es als Lokal ausgewählt (und nicht die Pizzeria gegenüber). Es war sehr gut, was auch immer ich damals aus der Speisekarte gewählt hatte. Der Name bezieht sich auf den portugiesischen Namen für das Ufer des Fluses Tejo bzw. eine ehemalige Provinz in der Tejo-Ebene nordöstlich von Lissabon, wahrscheinlich die Herkunftsregion der Inhaber.

Als ich jetzt am 20. Juli in der Mittagspause einer Radtour zum benachbarten Bio-Hühnerhof schnell hineinsprang, wollte ich nur einen Espresso trinken, das heißt: Ich das Lokal fotografieren.

Restaurant Ribatejo_Windhaff © Ekkehart Schmidt

Restaurant Ribatejo_Windhaff © Ekkehart Schmidt

Restaurant Ribatejo_Windhaff © Ekkehart Schmidt

Während sich die Pizzeria gegenüber sehr modern präsentiert und alle Spuren der früheren Inneneinrichtung getilgt hat, präsentiert sich das Ribatejo weiterhin sehr bodenständig. Und also sympathisch in meinen Augen.

Restaurant Ribatejo_Windhaff © Ekkehart Schmidt

Von meinem Eckplatz konnte ich in eins der beiden Nebenzimmer schauen: den Restauranttrakt, in dem gerade drei Dutzend Leute portugiesisch-französische Küche genossen. Platz sei für 110 Leute, heißt es auf der Homepage. Neben Arbeitern sitzen hier, wie ich wusste, werktags auch Manager aus der Industriezone nebenan.

Restaurant Ribatejo_Windhaff © Ekkehart Schmidt

Restaurant Ribatejo_Windhaff © Ekkehart Schmidt

Über dem Eingang zum Restaurant-Bereich entdecke ich ein paar Hörner eines Rindes, daneben eine Pferdefigur. Das andere Nebenzimmer wird zur Zeit nicht genutzt – oder aber nur für Glücksspiele. Hier stehen die in portugiesischen Lokalen fast schon obligatorischen Internet-Spielautomaten. Interessant aber auch, dass hier Fotos hängen, die ebenfalls einen Kontext von Pferden und Rindern thematisieren: im Stierkampf. Mir war nicht klar, dass es diesen auch in Portugal zu geben scheint. Später verstand ich den Zusammenhang: Die Provinz Ribatejo lebt, obwohl aufgelöst, als regionale Bezeichnung zum Teil im alltäglichen Sprachgebrauch in Portugal weiter, und ist offenbar weiterhin für seine Pferde- und Stierzucht, seine lebendige Folklore, und eine vielfältige Landwirtschaft bekannt.

Restaurant Ribatejo_Windhaff © Ekkehart Schmidt

Restaurant Ribatejo_Windhaff © Ekkehart Schmidt

Restaurant Ribatejo_Windhaff © Ekkehart Schmidt

Wie also kommt es dazu, dass sich hier so lange, also schon vor der Ansiedlung der Industriezonen Ende der 1990er-Jahre, zwei Lokale halten konnten? Ich habe noch keine klare Antwort. Vielleicht waren beide ursprünglich die einzigen Speiselokale an der Strecke von Luxemburg nach Arlon, genau auf halbem Wege gelegen. Und entwickelten sich deshalb. Die Tradition könnte schon Jahrtausende alt sein, immerhin führte nahebei seit dem 1. Jahrhundert nach Christi eine römische Straße namens Kiem in ost-westlicher Richtung von Trier nach Reims vorbei. Sie gewann im 3. und 4. Jahrhundert an Bedeutung, als Trier imperiale Residenzstadt war.

Die heutige Straße (N6) entstand 1790. Damals entstanden laut Wikipedia die ersten Gebäude. Mit dem Entstehen der Industriezonen veränderte sich die Kundschaft und ermöglichten ein Fortbestehen in den heute viel schwierigeren Zeiten für Restaurants auf dem Land. Ich werde beim dritten Besuch mal genauer bei den Betreibern nachfragen.

Wir sind dann jedenfalls weiter in ein anderes interessantes Dorf nebenan: Koler.

Adresse: 1, Rue de Koerich, 8399 Windhof (Wandhaff)/ Luxemburg, Tel: +352 39 93 97, +352 621 244 936, Homepage

Verwendete Quellen: Wikipedia-Artikel „Ribatejo“ und „Windhof

Restaurant Ribatejo_Windhaff © Ekkehart Schmidt

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