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Reiterklause_Dudweiler

August 17, 2019

„Klause“? Das klingt so nach Einsiedelei oder jedenfalls einem abgeschiedenen Ort. Und tatsächlich bezeichnet das aus dem Lateinischen stammende Wort claudere: „schließen“ nicht nur den abgeschiedener Aufenthaltsort eines Einsiedlers (Klausners) oder mehrerer Eremiten oder einen Engpass im Sinne der Einengung eines Flusstals, sondern auch eine „Einzelsiedlung, meist eine Gaststätte (veraltet)“, so Wikipedia.

Ich bin am vorgestrigen Feiertag einmal von Saarbrücken aus die Sulzbachstraße hoch bis Altenwald und zurück geradelt, auf der Suche nach „toten“ Gatstätten und was sich sonst so findet. Nach drei Stunden, auf der Rückfahrt, geriet ich bei Sulzbach in einen Regenschauer, suchte weitere Kilometer nach einem mich anziehenden Lokal, während ich langsam durchnässte, fand dann aber erst nach der Überraschung eines Elefantenmurals um Viertel vor 4 am Ortseingang von Dudweiler ein Schild: „Reiterklause“. Das klang interessant. Es ging rechts ab in ein – erstaunlich – grünes Gelände zur Reitanlage Hirschbach, nahe dem gleichnamigen, ehemaligen Grubengelände.

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Reiterklause_Dudweiler (c) Ekkehart Schmidt

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

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Der hiesige „Klausner“ heißt offenbar Kurt. Jedenfalls hieß es, auf meine Frage, ob geöffnet ist, von Teilnehmern eines kleinen, privaten Grillfestes an der Rückseite: „Ja, ist denn der Kurt nicht da?“ Nein. Offenbar nicht. Unten hing eine verwischte Schiefertafel an einer Tür. Ich öffnete sie und schaute in die Reithalle. Also die Treppe hoch. Aber da war abgeschlossen.

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Die Männer und Frauen bereiteten ein Turnier vor, das dieser Tage stattfindet: Sie hatten den Reitstall gesäubert, den Kuchenstand, die Meldestelle und den Richterstand geordnet und entspannten gerade. Aber dann stand er plötzlich doch da: Kurt Petri, ein älterer, etwas gedrungener weißbärtiger Mann, der das täglich geöffnete Lokal wohl schon lange führt. „Ei, wenn Sie etwas wünschen, mache ich auf!“

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Glück gehabt! Ich wünschte einen Kaffee zum Aufwärmen. Während er die Maschine im Hinterzimmer anschmiss, es rappelte und dampfte, fragte ich ein wenig nach: Die 50 x 20 m große Reithalle entstand 1968, drei Jahre, nachdem sich der Verein gegründet hatte. Die Klause ist also wohl schon gute 50 Jahre alt. Ich bekam meinen Kaffee, nachdem ich schon heimlich Details und den Blick in die Reithalle fotografiert hatte. Hier gab es Pferdebilder, Hufeisen und Pferde-Zeitschriften. Wer hier wohl sonst so sitzt? Mütter, die das Training der Töchter beobachten? Oder die Reitschülerinnen auf eine Cola nach dem Training?

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Etwas altbacken alles, aber zum Ort passend. Liebevoll dekoriert, gar nicht wirklich spiessig. Und sehr faire Preise: Mein großer Kaffee sollte nur 1,50 Euro kosten. Ich gab dankbar 2 Euro. Die anderen Preise sind auch sehr zivil. Es gibt nur keine „durchgehend warme Küche“ mehr. Stattdessen Kuchen, Nüsse oder Chips.

Das Wichtigste ist hier aber natürlich der Blick n die Reithalle! Was sich hier wohl schon für Gespräche ergeben haben? Natürlich ging es wohl meist um die Reitkarriere oder entsprechende Fachsimpeleien.  Vielleicht saß hier aber auch schon manch gelangweilter Papa oder gestresste Mama, die ihren Tag vielleicht lieber anders gestaltet hätten.

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

Kurt erzählte noch, als er mein Interesse spürte, dass ein Teil der Stallungen eine historisch interessante Geschichte habe: Bereits um 1900 waren hier Grubenpferde, die unter Tage eingesetzt wurden, untergebracht. Aus dieser Bausubstanz ging dann wohl der Reitverein hervor, der neben der Halle auch über eine sehr weitläufige Reitanlage mit  einem Springplatz von 80 x 50 m, einer großen Graskoppel sowie weiteren Ausläufen und Paddocks verfügt.

Das hatte sich für mich – wie so oft –  zufällig schön gefunden hier. Nach all den toten Lokalen zwischen Jägersfreude und Altenwald war es beruhigend, noch ein lebendiges Lokal zu finden, in dem sich alltags Menschen begegnen. Aber man muss schon suchen, abseits der Hauptstraße.

Adresse: In den Rodhecken 2, 66125 Saarbrücken, Tel.: 06897 – 7 72 66

Verwendete Quellen: reitsport-dudweiler.de, Wikipedia-Artikel „Klause

Reiterklause_Dudweiler © Ekkehart Schmidt

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