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Strandhafer auf Borkum

August 14, 2019

Ein Gras im Sand. Was kann daran interessant oder gar – über die Optik hinaus – erstaunlich sein? Vieles. Jedenfalls wenn man sich einmal genauer mit der Grasart „Strandhafer“ beschäftigt. Wir sind erstmal nur mehrfach durch sie durch gelaufen geschaut, Ende Juli August am weiten, menschenleeren Borkumer Nordstrand. Die Fahrräder hinter den Bauernstuben auf Ostland, am Sturmeck oder Seeblick vor den Dünen absstellen und auf hinüber in Richtung Meer.

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Auf dem Rückweg war ich gerade dabei, Serien von bizarr im Sand verwehten Möwenfedern zu fotografieren. Eine hing in einem Busch Strandhafer fest. Dann fand ich den Kontrast zu den vom Wind geformten Sandwellen sehr schön und schließlich fiel mein Blick auf eine grün-gelb gefärbte Pflanze, die auf dem flirrend heissen, weissen Sand halluzinierende Schatten warf. Plötzlich war mein Interesse geweckt. Zunächst einfach optisch, als fotografische Herausforderung.

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Welch eine Variationsbreite sich bot! Die Kinder liefen halb durch die Dünen, was sie nicht wirklich durften, weil das hier alles Naturschutzgebiet ist. Aber ich war durch mein Tun ganz absorbiert…

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Der Wind drückt manche Halme runter, wedelt sie hin und her, so dass Strichspuren entstehen:

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Strandhafer ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Süßgräser. Die Gattung kommt mit drei Arten an den Küsten des Atlantiks und seiner Nebenmeere in Europa, Nordafrika und Nordamerika vor, wurde aber auch anderswo eingebürgert. An Küsten und auf Inseln kommt dem bis zu 120 cm hoch wachsenden Gras eine besondere Rolle für den Aufbau und die Stabilität von Dünen zu. Es ist maßgeblich an der Bildung der bis zu 25 Meter hohen Weißdünen beteiligt. Ferner wird er aufgrund seines ausgedehnten Wurzelwerkes im Rahmen von Küstenschutzmaßnahmen als Erosionsschutz zur Befestigung von Dünen und Flugsandfeldern angepflanzt.

Klingt erstmal banal: „ausgedehntes Wurzelwerk“. Aber hier wird es spannend: Der Strandhafer ist ein so genanntes Rhizomgeophyt, das Horste bildet, die ihrerseits durch reich verzweigte unterirdische Triebe dichte Rasen entwickeln können. An jedem der vielen ruhenden Knoten bilden sich je vier Wurzeln, die sich ihrerseits reich verzweigen können. Die Art bildet sowohl horizontale als auch vertikale Rhizome aus. Der Hauptwurzelhorizont liegt etwa einen Meter unter der Oberfläche, zuweilen bis zu zwei Meter. Das Wurzelsystem einer einzelnen Pflanze kann einen Radius von fünf Metern in mehreren Etagen durchwurzeln und erreicht einschließlich der Feinwurzeln mehrere Kilometer Länge. Dieses ökologische Wunder wurde mir erst durch ein Schild und spätere Recherchen klar (Quellen unten).

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Ebenfalls erstaunlich ist, dass der Strandhafer eine auf bewegten Sand angewiesene Pionierpflanze ist. Die Blätter und Halme brechen die Kraft des Windes und zwingen den verwehten Sand zum Absetzen. Sein Wurzelwerk bindet den Sand. Das Gras ist auf diese Weise maßgeblich an der Bildung der bis zu 25 m hohen Dünen beteiligt.

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

Strandhafer ist sogar auf eine regelmäßige Übersandung angewiesen. Ohne diese stetige Sandzufuhr würde er absterben. Also irgendwie das Gegenteil der Pflanzenansprüche, die man gemeinhin kennt. Der angewehte Sand wird durch Niederschläge entsalzt und hat einen Düngeeffekt, indem er die Pflanze mit Phosphor, Kalium und Calciumcarbonat beliefert. Verrottendes organisches Material stellt eine zusätzliche Stickstoffquelle dar. Bleibt die regelmäßige Zufuhr aus, tritt ein Nährstoffmangel ein. .

Die Ausbreitung des Strandhafers erfolgt in erster Linie vegetativ. Wird er nach Stürmen vom Sand, der sich zwischen seinen Halmen fängt, verschüttet, durchwächst er den Sand schnell und bildet zusätzliche Wurzelausläufer in der neuen Sandschicht. Stockwerk um Stockwerk baut er so die Weißdünen auf. Der Strandhafer ist in der Lage, pro Jahr bis zu 1 m Sand zu durchwachsen. Der Hauptwurzelhorizont liegt etwa einen Meter unter der Oberfläche, zuweilen bis zu zwei Meter. Das Wurzelsystem einer einzelnen Pflanze kann einen Radius von fünf Metern in mehreren Etagen durchwurzeln und erreicht einschließlich der Feinwurzeln mehrere Kilometer Länge.

Im Nachhinein lernte ich auch etwas über die Verfärbungen: Die jungen Rhizome sind weißlich und verfügen über gelblich-weiße, abgestorbene Schuppenblätter. Alternde Rhizome sind hohl und verfärben sich gelb bis braun. Strandhafer gibt es auch als Topfpflanze. Oder in Plastik, wie beispielsweise im Hotel Windrose auf Borkum. Eine „Tiefenbohrung“, wie ich sie liebe: Mir begegnet etwas an einem bestimmten lokalen Ort, etwas erregt meine Aufmerksamkeit und ich forsche dem nach.

Verwendete Quellen: BUND: Strandhafer; Schutzstation Wattenmeer: Strandhafer; Wikipedia-Artikel Gewöhnlicher Strandhafer und  Strandhafer; Strandhafer auf Borkum © Ekkehart Schmidt

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