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Oma’s Teestübchen_Borkum

August 9, 2019

Außerhalb des Orients habe ich zuletzt mit 16 ausgiebigst und regelmässig Tee getrunken. Damals war es sehr cool, sich ein Service mit Bambusdesign zu kaufen und in der Clique zuhause Vanilletee zu trinken. Jedenfalls in Refrath bei Köln. Es war die Zeit, in der Jungmänner, die etwas auf sich hielten, öffentlich strickten.

Zum Frühstück gab es natürlich Filterkaffee. In Cafés gingen wir nicht. Und die hatten  nördlich der Alpen auch noch keine itaienischen Espressomaschinen. Das änderte sich durch mein Austauschschuljahr in einem Vorort von Paris. In der Mittagspause ging ich in eine Brasserie und trank einen Café zum Sandwich oder Croque Monsieur. Zeitgleich lernte ich den Cay in türkischen Teestuben lieben und trank auf Reisen täglich ein Dutzend der kleinen Gläschen. Unter Männern, im Mittelpunkt des Viertels- oder Dorflebens.

Natürlich hatte ich von der ostfriesischen Teekultur gehört, ehe ich jetzt letzten und diesen Sommer in Borkum Urlaub machte. Der Pro-Kopf-Teekonsum scheint hier der weltweit höchste zu sein. Aber wenn es mich dürstete, eine Pause vom Strand- und Radfahrurlaub zu machen, dann brauchte ich einen Espresso. Oder eine Zigarette an der Terrasse unseres Hotels Windrose (auf der Terrasse war es verboten, weil der Qualm hoch in die Zimmer ziehen würde). So schaute ich ein halbes Dutzend Mal morgens und abends den urigen Bahnhhofspfad hinunter zu dieser Teestube, die sicherlich vor allem von Frauen frequentiert wurde.

Oma's Borkumer Teestübchen © Ekkehart Schmidt

Oma's Borkumer Teestübchen © Ekkehart Schmidt

Oma's Borkumer Teestübchen © Ekkehart Schmidt

Oma's Borkumer Teestübchen © Ekkehart Schmidt

Da das von 11 – 18 Uhr geöffnete Lokal meistens sehr voll war, habe ich nur ein halbes Dutzend Mal hereingeschaut, bin aber erst am letzten Tag letzte Woche kurz vor der Schliessung kurz hinein. Wirklich letzte/ letzte und kurz/ kurz. Ohne etwas zu bestellen, einfach nur, um schnell ein paar Fotos der altertümlich eingerichteten Teestube mit viel Atmosphäre zu machen. Mich fragend, ob das jetzt authentisch oder nur sehr geschickt von den Inhabern Alexandra und Marcus Fokken wie zu „alten Zeiten“ eingerichtet ist?

Oma's Borkumer Teestübchen © Ekkehart Schmidt

Oma's Borkumer Teestübchen © Ekkehart Schmidt

Oma's Borkumer Teestübchen © Ekkehart Schmidt

Das „Lindt“-Schild ist natürlich phantastisch. Aber nicht das Wesentliche: Das ist die riesige Tee-Auswahl, die für die einen sicherlich phantastisch, für die anderen entsetztlich sein mag. Denn: Hier kommt keiner durch, der einen simplen „schwarzen Tee“ bestellen will. Die Auswahl beginnt bei Darjeeling, bietet sicherlich viele Vanillevarianten und endet bei Gummibärchengeschmack.

Oma's Borkumer Teestübchen © Ekkehart Schmidt

Nach einer Minute war ich wieder draußen, ohne einen Tee oder den opulenten Windbeutel gekostet zu haben. Das Wesentliche ist hier also nicht dokumentiert, Dazu empfehle ich die Fotos bei yelp. Und ich kann auch nichts zur Qualität der Speisen und des Service sagen.

Dazu zwei Bewertungen, zunächst „TraellerMehl“ bei  tripadvisor:

„An das Café schließt sich der Teeladen an, in dem alle auf der Karte stehenden Teesorten käuflich erworben werden können. Darüber hinaus gibt es dort alles an ‚Tee-Schnickschnack‘, letzteres natürlich zu entsprechenden Touristenpreisen. Die Preise für den Tee sind dagegen in Ordnung (…) Die Kuchenauswahl ist am späten Nachmittag schon etwas mau, schon allein deswegen sollte man auf die berühmte Windbeutel zurückgreifen. Diese werden mit reichlich Sahne garniert. Das Café nimmt keine Reservierungen an, da es zu fast jeder Tageszeit brechend voll ist. Dies schlägt sich leider in einem entsprechenden Lärmpegel wieder. Der Service ist dementsprechend beschäftigt, dies rechtfertigt aber nicht die Ruppigkeit und das Desinteresse mancher Kräfte. Das Café ist eingerichtet wie Oma’s Stube, was erst einmal sehr schön ist. Unschön ist aber die Tischanordnung, bei der man direkt auf Schoß der Nachbarn sitzt. Insgesamt auf der kulinarischen Seite ein lohender Besuch, Service und Ambiente lassen aber zu wünschen übrig.“

Ganz anders Brainchililand ebenda:

„Gemütliche Stube wie bei Omma Hansen. Sehr nette Chefin, die uns sogar hat sitzen und zu Ende Kartenspielen lassen, obwohl schon Schließzeit war. Köstlicher Tee in allen Schattierungen und Unterschattierungen, Hammer Windbeutel!!! Bedienung des Kellners vorher war leider nicht freundlich und verhuscht – passte nicht so zur Tee-Tied. Gut, daß die herzliche Chefin später noch um die Egge kam! Hatten also ein nettes Stündchen und sind mit Lust auf mal wieder Tee heimgeradelt. Dange.“

Das Thema bringt mich zum Nachdenken. Kann es sein, dass ich in Mitteleuropa meist auf den schnellen Espressokick aus bin und völlig verlernt habe, in aller Ruhe mit Freunden ein Kännchen Tee zum Gespräch zu trinken? Sind Espressojunkies wie ich traurig vereinsamte Gestalten (ob Mann oder Frau)?

Das ist eine schwierige Frage. Ähnlich der nach dem Nachtleben der Oma-Figur vor der Tür. Es gibt ein Seemansgarn, das davon erzählt, dass sie jetzt abends hineingeholt wird, weil sie zu oft nachts den Ort erkundet haben soll.

Adresse: Bahnhofspfad 3, 26757 Borkum, Tel.:04922-990162, Homepage

Oma’s Teestübchen_Borkum © Ekkehart Schmidt

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