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Nice Bar_Luxemburg

August 6, 2019

„It’s better not to stay here“, sagte mir der Kellner unverblümt, aber wohlesonnen, nachdem ich mir an der Theke einen Espresso bestellt hatte. Er dachte wohl, ich hätte mich hierher „verirrt“. Ich bekam den Espresso trotzdem, trank ihn und ging dann tatsächlich schnell wieder, weil mir die Szenerie tatsächlich etwas gefährlich erschien.

Das muss ungefähr vor fünf bis acht Jahren gewesen sein, als ich mich nach einer Reise nach Äthiopien hier einmal hineingetraut habe. Nicht, weil afrikanische Lokale abschreckend gewesen wären – nach drei Reisen nach Äthiopien ganz im Gegenteil. Sondern weil damals gerade einer der vielen Höhepunkte der medialen Aufregung über die Drogenverkaufsszene der rue de Strasbourg hochgekocht war, in der immer wieder dieses von Nigerianern frequentierte Lokal unweit meines Arbeitsplatzes in Luxemburg genannt worden war.  Irgendwas hat mich tatsächlich immer abgeschreckt, einmal hinein zu scheuen, dabei wirkte es von außen eigentlich denkbar harmlos. Hier ein GoogleEarth-Bild vom Herbst 2009:

GoogleEarth2009

Seit 2015 ist das Lokal „tot“. Wie auch die Pizzeria bzw. dessen Nachfolgelokal nebenan. Damals wurde eine nigerianische Drogenhändlerbande mit einem Großhändler und 18 Straßenhändlern in ihrem rückzugsort in Wasserbillig verhaftet – und das Café Nice flog als Umschlagsort auf.

In der Nachbarschaft hat man nun einen „Blick“ auf das Thema „Dealer mit Migrationshintergrund“ (mehr dazu hier), aber dieses wirklich exemplarisch multikulturelle Viertel hält das aus, von ausländerfeindlichen Ressentiments ist unter den hier lebenden und arbeitenden Chinesen, Engländern, Franzosen, Italienern, Kurden, Luxemburgern und Portugiesen nichts zu spüren.

Nice Bar_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Nice Bar_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Es bedurfte damals tatsächlich – und irgendwie bei den Fotos heute auch – etwas Mut, Unverfrorenheit und Naivität, hier hinein in diese Bar zu gehen, von der mir bis heute nicht klar ist, ob sie nach Nizza benannt war oder mit dem Begriff einer „netten“ Bar vom hier jahrelang praktizierten Business einer nigerianischen Drogenbande abzulenken.

Nice Bar_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Nice Bar_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Nice Bar_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Das komplette Haus steht nach einer Razzia und Schließung der Lokalität leer, ist vielleicht auch polizeilich gesichert – denke ich mir angesichts der rot-weißen Bänder in zwei Fenstern. Etwas weiter oberhalb in der Straße gab es ein Restaurant, das zunächst als „Orient Express“ firmierte, dann in ein kamerunisches Lokal umgewandelt wurde, ehe es 2018 plötzlich schloß, nachdem in einer mir unbekannten Aktion die Scheiben zerstört worden waren. Jetzt hängt dort ein Hinweis darauf, dass auch hier  – aber eher in der kleinen Passage am Eingang – eventuell ein Hotspot der geschickt agierenden Dealer gewesen ist, die nie selber Drogen bei sich hatten, sondern Kunden weiter verwiesen.

Nice Bar_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Nice Bar_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Die Szene existiert noch immer, ist zum Teil in die Avenue de la Liberté und die Avenue de la Gare ausgewichen, besteht aber auch unweit des Café Nice noch immer. Im Letzebuerger Land wurde das im Juli 2019 detailliert beschrieben. Als Minister Bausch jedoch im September 2019 von der „Nigerianischen Mafia“ sprach, gab es Unmut seitens unbescholtener Nigerianer vor Ort.

Adresse: 53, rue de Strasbourg, Luxemburg

Nice Bar_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Verwendete Quelle: Kurschat, Ines: Don Quijote im Drogensumpf, Letzebuerger Land, 5. Juli 2019

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