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Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler

Juni 15, 2019

Ulrich. Da denke ich sofort an Jan Ulrich, einen meiner Sporthelden (nach Steffi Graf, Boris Becker und vielen Fußballern), dessen Absturz freilich nachhaltig desillusionierend war. Als ich da heute im Zug vorbei fuhr, dachte ich aber auch an den Kauf eines Mountainbikes für meinen ältesten Sohn vor etwa zwölf Jahren im Fahrradgeschäft nebenan. Damals wohnten wir in Ottweiler und das Radgeschäft war das beste in der Gegend um St. Wendel.

Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler © Ekkehart Schmidt

Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler © Ekkehart Schmidt

Beide sind heute geschlossen, es gibt im Dorf nur noch eine Apotheke mit einem Inhaber namens Ulrich und eine Backstubb. Ich muss hier nächstes nochmal aussteigen, vor allem, um zu schauen, was auf dem blauen Schild neben der leeren Vitrine dieses schon seit einigen Jahren „toten“ Lokals steht.

Das Haus wird mit seinen 230 qm heute für 88.000 Euro angeboten (vor einigen Jahren noch für 98.000). Auf der Webseite von Immobilienscout24, in der es zum Verkauf steht, fand ich wunderbare Fotos des Inneren in klassischem Stil Eiche rustikal, bei denen man sich vorstellen kann, wie hier das Dorfleben einen Fixpunkt hatte, einen Ort für Unterhaltungen und ein Gemeinschaftsgefühl:

Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler

Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler

Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler

Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler

Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler

Wie „spießig“ auch immer das war, es ist ein Verlust für den Ort, aber ein Gewinn für meine Sammlung „toter Gaststätten“. Eine andere Immobilienagentur schlägt mutigen euten vor, hier ein Tanzlokal einzurichten. Hmm? Da habe ich doch gerade vor ein paar Wochen ein totes Tanzlokal in Walhausen etwa 10 km weiter nördlich entdeckt…

Die Geschichte mit dem wunderschön himmelblauen Rad für meinen Sohn war übrigens insofern einprägsam, als er noch am selben Abend irgendwoher eine Spraydose mit Goldfarbe nahm und das nagelneue Rad damit besprühte. Er wollte es verschönern oder in Besitz nehmen. Seine Mutter regte sich jedenfalls sehr darüber auf. Ich ärgerte mich auch, aber ein wenig verhaltener: So ein teures Rad (das dann kaum benutzt wurde) so „zu entwerten“… Ihm ging’s scheinbar zu gut, kein Respekt vor dem hohen Preis…

Oder haben wir ihm etwas aufgedrängt, was er im hügeligen Ottweiler nicht brauchte? Er ist jedenfalls ein sehr guter Fußballer geworden, aber kein Radfahrer und erst recht kein Jan Ulrich.

Adresse: Oberlinxweilerstraße 4 , 66606 Sankt Wendel

Gasthaus Ulrich_Niederlinxweiler © Ekkehart Schmidt

5 Kommentare
  1. Kerstin Lenssen permalink

    Würden wir heute in solch ein Gasthaus einkehren? Verwöhnt von „Event-Gastronomie“ und jedem Hype in der Großstadt hinterher jagend? Der eine so, der andere so. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich mit meinem Rennrad in einem kleinen Ort im Süden Frankreichs Pause mache: guter Kaffee, kaltes Bier, freundliche Worte „woher, wohin, wie viele Kilometer…“ bonne Route. Das ist echt und da ist es egal, wie es aussieht. Diese Ansprache findest du selten in den Style Buden….

  2. ich finds gut, dass dein/euer sohn sein fahrrad sich zu seinem fahrrad gemacht hat.
    hellblau ist, glaube ich, keine so gute farbe für einen männlichen teenager, da ist das
    umsprühen quasi schon drin. 🙂

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