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Fatatri Hussein_Kairo

Mai 21, 2019

Fatatri, also Blätterteigpizzen, sind eine besondere Kairoer Spezialität, die man selten findet. Ich kannte seit 30 Jahren nur das Fatatri Tahrir, bis ich im April zwei weitere Lokale dieser Spezialität kennen lernte. Zunächst das Fatatri Baba Abdou im Quartier südöstlich des Midan Falaky (neben dem Café Ahwa Al-Kabtan), dann das ziemlich touristische und qualitativ vergleichsweise schlechtere „Fatatri Hussein“ am Midan Hussein, neben dem Basar Khan el-Khallili.

Es befindet sich – mitten im Zentrum der Altstadt – in einem Bau aus der Epoche Ende des 19. Jahrhunderts, als hier am Platz zwischen Hussein- und Al-Azhar-Moschee auch Neubauten errichtet wurden.

Fatatri Hussein_Kairo © Ekkehart Schmidt

Ich hätte mich dort kaum hingesetzt, wäre ich nicht mit einer Exkursion für Stadtplaner und Architekten unterwegs gewesen, die am Abend nach einem langen Fußmarsch von der nördichen Totenstadt über den Azhar Park durch Darb el-Ahmar hierher unterwegs gewesen ist ud ein Lokal für einen Tages-Abschluss brauchte. Meine Vorurteile wurden sofort entkräftet, als eine extrem freundliche, dabei authentische Bedienung an unseren Tisch trat, um die Bestellungen aufzunehmen: Hibiskustee, Limonen- und Orangensaft. Kalt und Köstlich. Ich fragte ihn, wie er heißt: Mohammed. Klar…

Fatatri Hussein_Kairo © Ekkehart Schmidt

Fatatri Hussein_Kairo © Ekkehart Schmidt

Fatatri Hussein_Kairo © Ekkehart Schmidt

Dann ging es ans Bestellen der Pizzen und angesichts der Riesenauswahl (mixed cheese, meat, sausage, pastrami, mushroom… oder süß: mozarella honey, kiri honey, raisins and coconut, jam, banane…) überzeugte ich unsere etwa 8-köpfige Gruppe dazu, die simple Variante mit Gibna Rumi zu nehmen („römischem“, also kräftigem europäischen Käse), die dann auch sehr schnell geliefert wurde.

Fatatri Hussein_Kairo © Ekkehart Schmidt

Fatatri Hussein_Kairo © Ekkehart Schmidt

Im Vergleich zu meinen früheren Fatatri-Erfahrungen schmeckte es hier eher nach dickem Pfannekuchen, denn nach feinem Blätterteig. Aber sie werben ja auch mit „Egyptian Pancakes“. Das schöne an dieser Leuchtreklame ist, dass nicht immer die gleichen Buchstaben ausfallen: Bei uns waren es AN…PA. Manchmal bleiben aber auch IAN…PA…K dunkel. Interessantes Phänomen.

Fatatri Hussein_Kairo © Ekkehart Schmidt

Fatatri Hussein_Kairo © Ekkehart Schmidt

Als der an- und abschliessende Tee getrunken und ein halbes Dutzend Anbieter von Hennazeichnungen oder gewebter Teppiche abgewimmelt waren, wurden die Leuchtreklamen und -bänder angeschaltet, die dem Haus ein zunehmend romantisch-orientalisierend-schönes Ambiente bescherten.

Fatatri Hussein_Kairo © Ekkehart Schmidt

Fatatri Hussein_Kairo © Ekkehart Schmidt

Das schöne an der räumlichen Situation hier ist, dass die kleine Gasse im Prinzip verkehrsberuhigt ist und man auch jenseits Tische aufgestellt hat. So fühlt es sich abends – obwohk uner freiem Himmel – fast an, als sässe man in einem Raum. Eher verstörend waren aber die Touristenbusse, die hier alle 15 Minuten vom Basar kommend durch die enge Gasse fuhren: Nach ihrem Rundgang durch den Basar wurden chinesische, amerikanische oder europäische Gruppen offenbar direkt am Basarausgang abgeholt, als könnten diese keine 100 Meter durch echtes Leben laufen. Befremdlich.

Fatatri Hussein_Kairo © Ekkehart Schmidt

Fatatri Hussein_Kairo © Ekkehart Schmidt

Fatatri Hussein_Kairo © Ekkehart Schmidt

Fatatri Hussein_Kairo © Ekkehart Schmidt

In der blauen Stunde zahlten wir, drehten noch eine Runde, schauten vor allem in die  von Napoleon schnurgerade in die Altstadt geschlagene Sharia Muski mit ihren Textilständen, deren anderes Ende am Midan Ataba wir wenige Tage vorher gesehen hatten, und nahmen ein Taxi zurück nach Zamalek.

Der Aufenthalt in diesem Lokal versöhnte mich ein wenig mit dem arg touristischen Basartreiben, auf das ich seit 30 Jahren keine Lust mehr habe. Das lag vielleicht vor allem an Mohammed, der uns sehr humorig-nett bediente. Als Touristen, aber nicht als unwissende wandelnde Geldbeutel, von denen es hier viel zu viele gibt.

Ich war nicht im Innenraum, aber der besteht wohl vor allem aus einem Küchenbereich mit dem Ofen, den der Besucher Fahd Ali auf Google Earth fotografiert hat:

Photo - Fahd Ali_800

Adresse: Haret El Sendekia, El Hussein, Kairo, Tel.: 01097147392 5

Fatatri Hussein_Kairo © Ekkehart Schmidt

From → Gaststätten, Kairo

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