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Café Au Bon Coin_Mamer

Mai 17, 2019

Gut, dass ich mich nicht an die Bar gesetzt habe. Das wäre sehr teuer geworden. Auf der raumfüllenden Schieferwand stehen klare Regeln der Preisgestaltung (für ein Bier, nehme ich an): 1,50 Euro für den oder die, der oder die eben grad noch da war; 3 Euro für Leute, die man heute Abend schon gesehen hat; 5 Euro für Gäste, die schon länger nicht mehr da waren und 10 Euro für solche wie mich, die noch nie hier waren.

Jedenfalls war ich nie drinnen. Am Café Au Bon Coin kam ich in den letzten Jahren aber schon öfters vorbei, im Bus auf der ewig langen Route d’Arlon aus der Stadt heraus in Richtung Capellen oder Windhaff fahrend. Und es als in mein Beuteschema passend wahrnehmend. Bezüglich alter authentischer Cafés. Letzte Woche hatte ich auf dem Rückweg erstmals Zeit, an der Haltestelle „Baerendall“ auszusteigen: Mittagspausenzeit im Regen. Endlich würde ich mir dieses Überbleibsel anderer Zeiten anschauen können! Wahrscheinlich ein intimer Ort, in dem ich sofort auffalle.

Café Au Bon Coin_Mamer © Ekkehart Schmidt

Café Au Bon Coin_Mamer © Ekkehart Schmidt

Café Au Bon Coin_Mamer © Ekkehart Schmidt

Café Au Bon Coin_Mamer © Ekkehart Schmidt

Café Au Bon Coin_Mamer © Ekkehart Schmidt

Da stand tatsächlich ein Aufsteller, es würde also etwas zu essen geben. Das Plat du jour ist mit 10,50 Euro relativ preiswert. Kotelett war aus, so nahm ich „Aigles de poulet avec frîtes et riz“. Es gibt à la carte auch Steak und anderes brasserietypisches, aber auch portugiesische Spezialitäten wie Bifana, Tosta mixta, Sandes presunto, Muscheln oder Francezinhas. Überraschend, dass unter dem diese bewerbenden Schild ein Poster des TNL hing. Aber klar: Das Théâtre National du Luxembourg liegt am anderen Ende der Straße, nur hätte ich hier in meiner Voreingenommenheit kein Publikum dafür vermutet.

Café Du Bon Coin_Mamer (c) Ekkehart Schmidt

Café Au Bon Coin_Mamer © Ekkehart Schmidt

Café Au Bon Coin_Mamer © Ekkehart Schmidt

Das Essen passte zu meinem stereotypen Bild, aber sehr lecker. Ich sündigte mit Genuß. Und hier saßen auch ausschließlich Arbeiter, wohl von den vielen Baustellen, auf denen moderne Büro- und Wohngebäude hochgezogen werden, die den ehedem dörflichen Vorort Mamer optisch stark umwandeln. Es gab die unvermeidlichen zwei Bildschirme mit Werbung der Lotterie nationale und Zubito, aber auch eine überraschend große Zeitungsauswahl: Wort, Journal, Le quotidien, Tageblatt und Luxbazar. Das Publikum scheint also durchmischt zu sein: Neben Arbeitern auch Bewohner des Ortes, für die das hier ein gemeinschaftsstiftender Ort geblieben ist, in dem man bei einem „Bofferding“ aber auch mal in Ruhe die Zeitung liest.

Café Au Bon Coin_Mamer © Ekkehart Schmidt

Café Au Bon Coin_Mamer © Ekkehart Schmidt

An der Theke wurden die Unterhaltungen französisch- und portugiesischsprachig geführt. Ich fragte nach und erfuhr, dass dieses wohl sicher 50 Jahre alte Lokal vor einem Jahr neue Pächter bekommen hat, offenbar eine portuiesische Familie, die das nicht mehr sehr attraktive Lokal übernommen und saniert haben, ihm vor allem einen frischen Geist eingehaucht haben, der viele Leute anspricht.

Café Au Bon Coin_Mamer © Ekkehart Schmidt

Nach dem Espresso schaute ich mir die hinteren Räumlichkeiten mit Kegelbahn an und war erstaunt, dass da auch ein Schlagzeug neben einer recht edel sanierten Theke stand –  mit weiteren Gästen. Keine Möglichkeit, das zu fotografieren. Ich muss also zurück kommen. Schön!

Adresse: 84 Route d’Arlon, 8210 Mamer, Luxemburg, Tel.: +352 27 62 18 40

Café Au Bon Coin_Mamer © Ekkehart Schmidt

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