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Syrische Lokale in Saarbrücken

März 7, 2019

Im Frühjahr 2017 fiel mir auf dem Weg zur Bäckerei Sander plötzlich etwas für Saarbrücken völlig Neues ins Auge: eine arabische Bäckerei am Rande des Nauwieser Viertels! Die folgenden Tage war ich dann mehrmals bei „Al Shami“ und probierte verschiedene Backwaren durch. Und habe seitdem plötzlich auch ein Auge für andere syrische Einrichtungen, die seit der exzeptionell starken Zuwanderung ab 2015 vor allem in Burbach, aber auch in Alt-Saarbrücken entstanden sind: Schön! Sie kommen also an, machen sich selbstständig, bauen sich ihre Infrastruktur auf.

Die Inhaberfamilie des Al Shami stammt aus Damaskus, der Mann hatte dort bereits eine Bäckerei. Seine Frau steht an der Kasse. Ich hatte mehrere schöne Gespräche in einer Mischung aus meinem gebrochenen Arabisch und Deutsch und deckte mich 2017/18 mehrmals mit Leckereien für’s Abendessen ein. Es war ein schönes Gefühl, hier als Deutscher einzukaufen und den Inhabern das Gefühl zu geben, dass ihre Backkunst geschätzt wird (ansonsten sah ich zu 80% arabische Kund*innen).

Bäckerei Al Shami_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Ich fand gleich drei Favoriten und holte mir diese mehrfach: Reis mit Fleischstückchen und Erbsen in einem Blätterteig gebacken, sowie frittierte Hackfleischküchelchen und eine besondere Pizza, alles zu annehmbar günstigen Preisen:

Bäckerei Al Shami_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Bäckerei Al Shami_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Gerne habe ich auch die kleinen Pizzen mit einer kräftigen Gewürzmischung (viel Thymian?) gekauft, die mich an meine Reisen durch Syrien in den späten 1980er-Jahren erinnerten. Sie heißen Mankusheh, lernte ich später.

Bäckerei Al Shami_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Und natürlich gibt es hier Süßigkeiten wie Bakhlava, die den Deutschen teilweise schon von türkischen Lokalen bekannt sind:

Bäckerei Al Shami_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Bäckerei Al Shami_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Bäckerei Al Shami_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Davon habe ich nie gekauft, bekam aber immer wieder eine Kostprobe zur Begrüßung geschenkt. Die meisten Süßigkeiten sind übrigens gar nicht so überzuckert, wie man denkt. Merke: Arabische und türkisches Süßgebäck ähnelt sich, letzteres ist aber oft deutlich süßer.

Nachtrag vom 5. Mai: Beim Al Shami gab es einen Besitzerwechsel und auch der Name wurde geändert: Es heißt jetzt Teeba, offenbar in Anlehnung an eine in Syrien sehr bekannte Bäckerei-Marke, wie mir ein syrischer Bekannter sagte: Batisry Teeba (batisry = patisserie). Das Angebot ist gleichwohl unverändert. Und ich bekomme auch immer noch bei fast jedem Besuch eine Süssigkeit geschenkt.

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Adresse: Teeba, Blumenstraße 2/ Ecke Dudweilerstr. 45, 66111 Saarbrücken, Tel. 0157-31199008, Facebook-Seite

In Alt-Saarbrücken hat im Januar 2019 in der Heuduckstr. 57 noch eine syrische Konditorei aufgemacht, die tatsächlich ausschließlich Süßes anbietet: „Muhtar Sweets„. Sehr edel wirkend (hier Eindrücke auf GoogleMaps). Es handelt sich um die vielleicht erste deutsche Niederlassung einer Kette, 2013 in Istanbul entstanden, die mittlerweile weltweit damaszener Süssigkeiten wie Nougat mit Pistazien anbietet.

Wie mir der nette Verkäufer erzählte, hat eine aus Syrien geflohene Familie vor sieben Jahren in der Türkei die erste Konditorei namens „Muhtar“ aufgemacht – ein Familienname, aber nicht der dieser Familie. Offenbar leben Angehörige dieser Familie im Saarbrücker Raum und haben diese Filiale aufgemacht. Die Leckereien erhält man verpackt in schönen Kartons (ab 3, 49 Euro), importiert aus der Türkei. Man kann ihnen neben der Zielgruppe arabische und türkische Kund*innen auch deutsche Kenner und Genießer als Kunden wünschen.

MuhtarSweets_800

Bäckerei Al Shami_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Al Muhtar_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Im Dezember 2018 eröffnete in der Richard-Wagner-Straße 79 in den Räumen der ehemaligen Pizzeria La Chitarra ein Lokal, dessen Namen „Cello – Restaurant und Café“ nicht unbedingt auf arabische Inhaber schließen lässt. Wie zu hören ist, gibt es nicht nur sehr gute arabische und französische Küche, sondern auch Besonderheiten wie einen Schokoladendöner und „Geheimnisse der Araber“ (nur an einem halben Dutzend Angeboten wie diesem ist erkennbar, dass es sich um arabische Inhaber handelt). Vor allem aber scheint die Atmosphäre – genauer gesagt der Service – ganz besonders nett zu sein. Und tatsächlich gibt es ein Cello, das vor arabischen Fayencen hängt (Foto von deren FB-Seite). Es wird allerdings nicht gespielt, stattdessen läuft jedoch oft klassische Musik.

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Cello Café_800

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Ebenfalls kürzlich eröffnete in der Dudweilerstraße der „Alaa-Aldin Market„, ein arabischer Lebensmittelmarkt (jetzt gibt es im L-förmigen Bereich Dudweiler-/ Kaiserstr., der immer stärker von einem türkisch-nahöstlichen Angebot geprägt wird) gleich mehrere Märkte: zwei türkische, ein persisch-afghanischer und nun auch ein arabischer). Wie wenig integriert die Inhaber zu sein scheinen, zeigt sich daran, dass sie nicht die deutsche Form dieses berühmten Namens gewählt haben: Aladin.

Bäckerei Al Shami_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Bäckerei Al Shami_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Ob der Supermarkt überlebt? Ein arabischer Supermarkt namens „Alsham“ in St. Arnual hat nach etwa einem Jahr Existenz im Sommer 2018 geschlossen:

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Die Lage war eigentlich sehr gut und man hat mit dem deutschen Untertitel „Einkaufen und Sparen“ signalisiert, ein Viertelsmarkt sein zu wollen. Denn St.Arnual ist, auch wenn man den Matzenberg mit einbezieht, nicht unbedingt ein Wohngebiet mit vielen Arabern. Aber generell scheint es hier in der Saargemünder Straße ein ganz anderes Problem zu geben, wie mir die Inhaberin des Cafés nebenan sagte: „Hier gibt es zu wenig Laufkundschaft“. Sie sagte das wohl auch mit Blick auf ihr Café.

Natürlich sollte man sich genau überlegen, wo man sein Geschäft eröffnet. Es reicht nicht, dass jetzt plötzlich viel mehr Araber als früher in der Stadt leben. Schließlich leben nicht erst seit 2015 Araber in Saarbrücken, aber die hatten kaum versucht, spezifisch arabische Läden und Restaurants aufzumachen. Zunächst kamen in den 1960er-Jahren viele Arbeitsmigrant*innen aus den Anwerbeländern Tunesien und Marokko, später Flüchtlinge aus Palästina und dem Libanon. Einige wenige fielen schon vor 2015 im Stadtbild auf: So gibt es in der Fröschengasse seit vielleicht 20 Jahren den Änderungsschneider Naim Yacoub und in der Mainzerstraße neben dem „Elefanten“ den Möbelrestaurator Raad Busher.

Und auch der kleine Markt eines irakischen Christen, genannt „Bagdad“, besteht schon seit vielen Jahren in der Johannisstraße 21, neben dem (offensichtlich) marokkanischen Friseursalon „Casablanca„. Auch türkisch-libanesische Läden wie der „City Bazar“ in der Mainzerstraße 133 oder der „Yüksel Markt“ in Malstatt haben bislang die – vergleichsweise geringe – Nachfrage nach spezifisch arabischen Lebensmitteln befriedigt: In einem Sortiment, das einem Sammelsurium von Waren aus der ganzen Region glich, mit bislang eher kleinen Regalen mit spezifisch arabischen und persischen Waren.

Auch libanesische Imbisse wie das „Beirut“ in der Dudweilerstr. oder  das ähnlich altansässige Restaurant „Kerwan“ in der Katholisch-Kirch-Straße am St. Johanner Markt oder das im Mai 2016 eröffnete Restaurant „Habibi“ gegenüber der City Bazars an der Ecke Heinrich-Böcking/Mainzer Str.  (FB-Seite)  oder das von schon vor bald einem Jahrzehnt von einem Marokkaner gegründete Restaurant „Al Kasbah“ in der Martin-Luther-Straße 26 wurden nicht von kürzlich gekommenen Flüchtlingen, sondern von lang ansässigen Migrant*innen eröffnet. Gleiches gilt für das das „Zucker&Zimt„, erfolgreich geführt von einem deutsch-sudaesischen Paar, oder das  „Deutsch-Französische Restaurant“ im Deutsch-Französischen Garten, das auch als „Restaurant Fyruse“ firmiert und libanesische Inhaber hat. Und der „Maghreb Night Club“ an der Brebacher Landstraße ist auch nicht neu, falls ich mich nicht täusche.

Ich bin jetzt jedenfalls noch einmal herum geradelt: Im Unteren und Oberen Malstatt/ Rastpfuhl und nach Burbach. In Malstatt hatte ich schon 2017/18 mehrere neue arabische, wohl syrisch geführte,  Restaurants entdeckt, in Burbach einen Imbiss, zwei Teestuben und einen Versammlungsort eines Vereins:

syrische Lokale in Saarbrücken (c) Ekkehart Schmidt

syrische Lokale in Saarbrücken (c) Ekkehart Schmidt

Das Restaurant „Arabisches Haus“ in der Breitestr. 47 besteht hier offenbar am längsten (Eindrücke auf Google Maps). Mittlerweile ist es unten nicht mehr hässlich grün gestrichen (jedenfalls in mitteleuropäischer Ästhetik). Im Februar 2018 machte dann in der Nr. 69 in noch das „Restaurant Al Baraka“ auf (Eindrücke auf Google Maps). Im September folgte in Nr. 25 das „Al Sohhi Restaurant“ (Eindrücke auf Google Maps). Gegenüber des Yüksel Market besteht mit dem „City Restaurant“ offenbar noch ein syrisches Lokal, auch mit Lieferservice, wie mir später zugerufen wurde.

Am Cottbusser Platz überraschte mich damals durch seine Größe, sehr gute Lage und den deutsch-englischen Namen der bis heute existierende „Syrien Market“. Solch große arabische Schriftzüge sind für Saarbrücken etwas völlig Neues:

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Eingerichtet ist der Laden in der Lebacher Str. 31, der sich auch „Frischmarkt“ nennt,  aber sehr spartanisch: Im Wesentlichen werden frisch eingeführte Kisten verschiedenster Importwaren nur aufeinander gestapelt. Der Anteil an frischem Obst und Gemüse ist eher gering, aber das bekommt man ja auch anderswo.

Ebenfalls im Oberen Malstatt machte wohl schon 2016 an der Ecke Lebacher Straße/ Leipziger Straße das „Damascus Restaurant“ (Eindrücke auf Google Maps) auf. Es wirkte 2019, als wäre es geschlossen (jedenfalls dem Türschloss nach zu urteilen):

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

In Reaktion auf diesen Post rief mir ein Leser zu, dass das Lokal wohl tatsächlich schon seit zwei Jahren geschlossen ist. Etwa 2017 machte am Cottbusser Platz das „Orient Restaurant“ auf: Letztlich sind das aber Imbisse, die neben Shawerma und Fellafel andere arabische Klassiker der Schnell- und Garküchengastronomie bieten.

Orient Restaurant_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Orient Restaurant_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Orient Restaurant_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Orient Restaurant_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Etwas weiter oberhalb gab es bis vor kurzem mit dem „Marrouche“ einen ähnlichen Imbiss mit syrischem Inhaber. Dieser scheint gerade umgewandelt zu werden, ob wegen guten erfolgs oder nicht, kann ich nicht sagen. Jedenfalls ist der Name neu: „Sit Alsham„, zu deutsch etwa „Mädchen aus Damaskus“:

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Zwischen Cottbusser Platz und Leipziger Straße finden sich an der Lebacher Straße neben Speiselokalen aber auch ein Konditor, eine Metzgerei, zwei Bekleidungsgeschäfte für Frauen, ein arabischer An- und Verkaufsladen und ein Barbier mit arabischen Inhaber*innen:

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

In der vor sieben Monaten von Syrern eröffneten Teig- und Süßwaren-Bächerei „Haftaro“ erinnerte mich das Angebot stark an das Al-Schami im Nauwieser Viertel. Ich nahm mir überbackene Salzgebäckstücke mit und aß sie unterwegs: Sehr lecker. Das Haftaro liegt direkt neben einem Barbier, der die Räume einer ehemaligen Tankstelle nutzt. Beim Wort „Arafat“ sollte man übrigens nicht an den PLO-Führer, sondern an einen heiligen Berg bei Mekka denken.

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Besonders rührend empfand ich die Schreibfehler der „Zentral Metzgerei“:

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Der Gebrauchtwarenladen „Hashar“, wie auch ein Bekleidungsgeschäft für Frauen in der ehemaligen Apotheke am Cottbusser Platz, tragen unklare Namen.

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

In Burbach hatte  ich schon 2017 das „Ugarit“ und das „Palmyra“ entdeckt, beides nach berühmten syrischen Orten benannte Tee- und Shishalokale, in denen man eher unter sich bleibt:

syrische Lokale in Saarbrücken (c) Ekkehart Schmidt

syrische Lokale in Saarbrücken (c) Ekkehart Schmidt

Palmyra Café_Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Arabesque

Nahebei, in der Bergstr. 9 besteht mindestens seit 2018 das offenbar gut geführte Restaurant „Arabesque“ (Foto aus Google-Maps). Was der 2016 in der Bergstr. 69 entstandene „Syrisch-deutsche Kulturverein Saar“ in Burbach genau macht, weiß ich nicht. In einer Notiz der Saarbrücker Zeitung hiess es 2017, man wolle den Neu-Zuwanderern adäquate Unterstützung geben und plane Sprachkurse, eine Sprechstunde und Hilfestellung bei Formularen und Behördengängen. Aber ich werde sowieso bald nochmal herumfahren und schauen und versuchen, mehr herauszufinden. Zumal der Vorsitzende, der ehemalige Richter Hosin Berhou, der in einem Porträt der Publikation „Spuren der Einwanderung“ (S. 68) beschrieben wird, auch Inhaber des „Palmyra“ ist.

syrische Lokale in Saarbrücken (c) Ekkehart Schmidt

syrische Lokale in Saarbrücken (c) Ekkehart Schmidt

Weiter stadtauswärts fand ich noch neben der „Moschee Zum Löwen“ das Restaurant „Dama Rose“ (das Schild wurde unbeholfen mit „Dama Roße“ beschriftet), also einen Imbiss, dessen Inhaber ihn wohl „Rose von Damaskus“ nennen wollte. Ob hier ein Zusammenhang zum (geschlossenen) Lokal „Die Rose von Damaskus“ besteht, das ich im August 2019 in Sulzbach fand?

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Ich bin dann zurück in die Innenstadt, müde. Doch dann entdeckte ich in der Ludwigstraße noch zwei  arabischen Modeläden, von denen einer sein Sortiment noch um Telefonkarten etc. erweitert hat, und gegenüber des Multiplexkinos „Cinestar“ zwei mir völlig neue Café-Restaurants, die wohl abends Kinokundschaft bedienen:

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Was „Kankusheh“ heißt, wußte ich zunächst nicht, das Lokal scheint libanesische Inhaber zu haben. „Tyros“ ist jedenfalls eine Stadt im Süden des Libanon. Die Bilder auf dem Fesnster zeigen allerdings eine andere Stadt, vielleicht das aramäisch-christliche Dorf Maalula in Syrien. Natürlich: Es ist nicht zwingend, dass der Name einen Hinweis auf die Herkunft gibt. Er soll ja auch deutsche Kund*innen anlocken.

Später lernte ich in einer Reaktion auf diesen Blog: „Es heißt nicht Kankusheh sondern Mankusheh. Das ist dieses Thymian-Brot was Sie am Anfang als die kleinen Pizzen mit einer kräftigen Gewürzmischung bezeichnet hatten. Das ist die typisch arabische Manakish.“

Endlich wirklich zurück in der Innenstadt fiel mir dann noch das große, edel aufgemachte „Damas-Restaurant“ in der Europagalerie am Hauptbahnhof (FB-Seite) auf. Es scheint ein Nachfolger des Lokals in der Leipziger Strasse zu sein. Und in der Viktoriastraße 15 die „Leckeria“, ein grad erst am 29. März neu eröffnetes syrisches Lokal an der Stelle eines früheren arabischen Imbisses. Hier gibt es neben Shawerma (statt Döner), Pizza und „türkischen“ Teigschiffchen so manche arabische Leckerei, von Hummus bis Babaghanough:

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

Meine Dokumentationsaufgabe scheint also ein Fass ohne Boden zu sein. Aber das freut mich sehr, fielen doch in der Innenstadt bislang vor allem Shishabars mit „orientalischen“ Namen auf: Bislang wurden die meisten im Regionalverband wohl von türkisch- bzw. kurdischstämmigen Inhabern betrieben, möglicherweise sind jetzt noch einige von Arabern gegründete dazu gekommen, so vielleicht der „Orient Palast 2“ in der Eisenbahnstr. 56 oder die 2014 eröffnete und bald wieder geschlossene „Arabesk Cocktail & Shisha Bar“ in der Cecilienstr. 12. Die gut zwei Dutzend Shishläden der Stadt sind wirklich ein Thema für sich. Es ist auch kein guter Moment, dort zu recherchieren. In der Dudweilerstraße gibt es wohl  eins mit syrischen Inhabern, wie man seit dem Winter 2018/19 durch starke Aufmerksamkeit erregende Messerstechereien und Razzien im Kontext der Drogenszene an der Johanniskirche weiß.

Und ahnt, wie schwer die Integration syrischer Flüchtlinge ist, sozial und beruflich. Was das Berufliche angeht, so spielt sich kaum etwas so sichtbar im öffentlichen Raum ab, wie bei diesen Beispielen aus der Gastronomie. Und selbst da täuscht oft der äußere Eindruck: So bäckt im scheinbar türkischen „Istanbul“ in der Dudweilerstraße ein Syrer die Pizzen. Neu angekommene Syrer und Iraker sind sicherlich eher bereit, zu geringen Löhnen und in eher prekären Verhältnissen zu arbeiten, als die Türken der zweiten und dritten Generation.

Viele versuchen nach der Flucht, ihre Berufserfahrungen, ihr Know-how und ihre Talente auch in Deutschland zu nutzen. Oft geht das nur informell, weil die Sprachkenntnisse nicht ausreichen oder deutsche Regularien dagegen stehen. So ist der Syrer George al-Awabdeh, der in der Heimat Philosophielehrer war, hier gezwungen, auf dem Bau zu arbeiten.

Während sein Landsmann Anas al-Kuteifan seine technische Erfahrung im „Repair Café“ des Vereins Weltverbesserer einbringt, hat Hussam Afour in Dillingen schon seinen eigenen Laden aufgebaut: „Wie neu“. Hier bekommt man hochwertige Gebrauchtwaren zu fairen Preisen. Unterstützt wurde Afour durch die Bundesinitiative „Perspektive Neustart“. Die hierzulande vom IQ-Netzwerk Saar umgesetzte Initiative berät auch den Syrer Rezan Sedo, der einen Online-Versand für arabische Bücher aufbauen will.

Bereits aus den Startlöchern heraus ist Basma Kaldi, die das „Orient Catering Saar“ aufbaut, schon erste Großkunden von Zuhause aus mit arabischen Speisen bedient hat, von ihrem Unternehmen mangels Stammkunden aber noch nicht leben kann. Mit den Aufträgen kaum hinterher kommt dagegen Abdaljalel Saymos, der im Sommer 2018 in Illingen die wohl erste syrische Käserei in Deutschland eröffnet hat. Täglich verarbeitet sein Team in der Käserei „Cham Saar“ bis zu 200 Kilo Käse der Sorten Chalali und Baladia  (siehe eine schöne Reportage im luxemburgischen Tageblatt vom 18. März 2019).

Im Juli 2019 hörte ich, dass es weitere neue Lokale gibt: Mittlerweile gibt es in Burbach oder Malstatt ‚Die Prinzen‘ (Arabische Süßigkeiten)“ und den „Orient Supermarket“. Ich muss also noch einmal losradeln…

Die anfangs beschriebene Bäckerei Al-Shami ist mir trotz vieler anderer Beispiele noch immer am sympathischsten, weil die Mischung des Angebots, der Lage und der Kundschaft stimmt: Sie sind wenigstens halbwegs interkulturell angekommen, ein Teil der Stadt geworden, für die Diversität immer normaler wird. Und ich bekomme bei jedem Kauf etwas geschenkt.

Araber in Saarbrücken sind nicht mehr nur Besucher aus Forbach und tunesische oder marokkanische Arbeitsmigrant*innen der 1970er-Jahre und ihre Kinder. Die vor gut drei Jahren gekommenen syrischen und irakischen Flüchtlinge beginnen mittlerweile mit bald drei Dutzend Lokalen die Stadt deutlich stärker zu bereichern und zu prägen. Nicht nur kulinarisch.

Syrische Lokale in Saarbrücken © Ekkehart Schmidt

5 Kommentare
  1. In Burbach gibt es noch den Ensar-Markt (Burbacher Straße 32), einen riesigen Lebensmittelmarkt in den ich auch gerne gehe, wenn ich meine Mutter in Gersweiler besuche.

    • Danke. Ist der denn ein syrischer Laden? Es gibt ja neben den kurdisch-türkischen auch viele iranische Läden und Imbisse. Hier habe ich mal nur die syrischen (und libanesischen) Lokale recherchieren wollen.

      • Oh, ok, das weiß ich leider nicht. Ich glaube aber eher nicht syrisch. Sorry.

  2. eyad permalink

    Es heißt nicht Kankusheh sondern Mankusheh.. Das ist dieses Thymiane Brot was Sie am Anfang als die kleinen Pizzen mit einer kräftigen Gewürzmischung bezeichnet hatten. Das befindet sich auf de 4ten Bild. Das ist die typisch arabische Manakish „Der Ihnaber hat das hier anscheinend irgendwie falsch geschreiben“

    Mittlerweile gibt es in Burbach oder Malstatt Die Prinzen (Arabische Süßigkeiten, dann das Orient Supermarket.

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