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Grand Marché_Bobo Dioulasso

März 3, 2019

Es erstaunt mich schon sehr, wie wenig Reiseführer Märkte als Sehenswürdigkeiten benennen. Sie sind meist auf historische Gebäude fixiert, nicht auf das echte Leben, wie es sich gerade in Märkten erleben lässt. Selbst Bobo Dioulassso macht da keine Ausnahme, obwohl der Grand Marché dort das Herz des städtischen Lebens – ökonomisch wie gesellschaftlich – dieser zweitgrößten Stadt von Burkina Faso ist. Der 1952 entstandene Markt liegt genau auf halbem Weg zwischen dem kolonialen Bahnhof und der Altstadt mit ihrer berühmten Lehmmoschee. Rundum das 4 Hektar große Geviert in der Mitte der dreieckigen Kolonialstadt befindet sich alles, was man braucht: Hotels, Restaurants, Apotheken und auch ein Supermarkt.

Ich habe mich dem Markt diesen Januar vom Bahnhof her auf der rue Coulibaly genähert, bin geradeaus durch ihn durch und dahinter die rue weiter zur Altstadt gelaufen. Der Markt sieht beidseitig ganz ähnlich aus und kündigt sich beidseits schon hunderte Meter vorher gleich an: Mit vielen Ständen beidseits der Straße, zunehmender Passantendichte und einem stärker werdenden Verkehr an Warentransportfahrzeugen.

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

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Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

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Das Geviert ist vollständig überdacht.

Gut 3.200 Stände soll es hier geben und also herrscht hier eigentlich wohl immer extrem reges Treiben, aber ich war hier an einem Sonntag kurz vor der Schließung angekommen. Mir war nicht ganz klar, welcher Teil der Bauten von 1952 stammen, weil es nach einem Brand 1998, als der Markt völlig zerstört wurde, bis 2001 einen Umbau und danach erneut mehrmals Brände gegeben hat, in denen Teile zerstört worden sind (zuletzt 2013, 2016 und 2018). Der Stil wird jedenfalls neo-sudanesisch genannt, eine Begrifflichkeit, die aus der Zeit stammt, als die ganze Sahelzone „Sudan“ genannt wurde. Sehr befremdlich die Werbung für den Telefonanbieter „itel“ und den Maggi-Konkurrenten „Jumbo“ oben auf den historischen Lehmtürmen.

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

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In vielen Bereichen war schon nichts mehr los. Auch die Halle der Metzger war schon sauber aufgeräumt (was mir ganz recht war).

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Man betritt zunächst ein äußeres Karree, gelangt von dort in einen überdachten Bereich und dahinter wieder in einen Bereich unter freiem Himmel, ehe es durch ein Tor mit zwei Türmchen aus Lehm wieder hinaus geht.

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart SchmidtGrand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Getrockneten Fisch in dieser Menge habe ich noch nie erlebt. Ausgerechnet in einem Land der Sahelzone. Erstaunlich.

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Die östliche Pforte wurde gerade geschlossen, aber ich durfte noch durch. Jenseits ein ähnliches Bild wie am westlichen Eingang: Geschäftiger informeller Trubel weiterer Händler*innen, Taxis und anderen Anbietern von Transportkarren und Motorrädern.

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

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Hier gab es unter anderem Hibiskusblüten (für Bissap) und Ingwer zu kaufen.

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Tags drauf bin ich wieder hin, wieder vom Bahnhof kommend und in der rue Coulibaly schon vor’m Markteingang neue faszinierende Angebote entdeckend, von Chilli über Kolanüsse, getrocknete Datteln aus dem Niger, Maniok, Sorghum, Zubereitungen für Soßen auf der Basis von Karité-Butter, Baobab-Blätter bis getrocknetem Fisch.

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

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Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Ehe ich in die Tiefen des jetzt in vollem Betrieb befindlichen Marktes ging, in dem es neben Fleisch und Gemüse natürlich Textilien und Schmuck und manch Kunsthandwerkliches zu finden gibt.

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

Und dann das beste, nachhaltigste Erlebnis: Plötzlich ein touristisch wirkender Stand mit Kunsthandwerklichem, wie Kalebassen, Untersetztern, Schmuck etc. (sonst hier, mangels Touristen völlig abwesend), eine nette Frau, eine Kontaktaufnahme, in der ich Interesse äußerte und dann tauchte da plötzlich der deutsche Leiter unseres Hotels Villa Bobo auf, begrüßte mich und die ihm bekannte Verkäuferin und sagte ihr augenzwinkernd, dass sie mir korrekte Preise machen solle. Das wirkte beidseitig. Besonders schön die Begegnung mit der Tochter der Verkäuferin, „Fanta“, die gerne fotografiert werden wollte.

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

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Ich erstand drei Kalebassen, zwei Untersetzer zu deren stabiler Positionierung, einen Suppenlöffel und zwei Untersetzer für heiße Töpfe. Dazu bekam ich eine Rassel geschenkt. Zusammen etwa 8 Euro.

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

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Nachdem ich auf die Fotografiererei angesprochen worden war, beschränkte ich mich dann nach diesem arbrausch auf Fotos der Sonnenschutztücher.

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

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Wieder ostwärts draußen hatte ich noch einen schönen Blickkontakt mit einer Frau, die auf dem Kopf ihr Angebot an Tüchern preishielt, dann ging’s erfüllt zurück zum Hotel. Nach kurzem Stopp in einem abgewrackten Café namens Kiosque Restau.

Grand Marché_Bobo Dioulasso  © Ekkehart Schmidt

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Es heißt, es gebe etwa 20 Märkte in der Stadt. Ich habe keinen anderen gesehen, der Grand Marché dominiert die Innenstadt derart, dass die anderen, die sich mit Ausnahme eines kleinen Marktes am Bahnhof, eines Fruchtmarktes in der Nähe des Flughafens und eines nicht täglichen Marktes für gebrannte Tonwaren in der Altstadt, eher Quartiersmärkte sind, die sich in den Vierteln am Stadtrand finden.

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Verwendete Quellen: Därr, Erika (Hg.)/ Baur, Thomas/ Göttler, Gerhard: Reise Know-How Wesafrika, Band 1: Sahelländer, Bielefeld, 6. Aufl. 2003, S. 545; https://melchoublog.wordpress.com/2014/06/12/les-sites-touristiques-de-bobo-dioulasso/

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