Zum Inhalt springen

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso

Februar 24, 2019

Meine Gastgeberin war mit der Wahl dieses Hotels nicht wirklich „d’accord“, misstraute vielleicht meiner Erfahrung, konnte aber jedenfalls keine Alternative bieten. Die Villa Bobo lag dann – nach einer sechsstündigen Busfahrt von Ouagadougou Anfang Januar tatsächlich etwas sehr weit außerhalb der Innenstadt von Bobo Dioulasso im Vorort Koko, wir sind aber von der Busstation per Taxi für 1000 Franc Cfa (1,80 EUR) schnell angekommen.

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hinter dem Metalltor am Rand des staubigen Platzes öffnete sich – wie ich es mir erhofft hatte – ein kleines Paradies. Wir hatten geklopft und ein alter Mann, den wir später oft vor der Tür sitzen sahen,  öffnete uns, leitete uns hinein in einen wunderbaren Garten mit einem Haus, das im tropischen Grün so weit verschwand, dass ich dachte, es habe zwei Stockwerke. Aber nein: nur eins.

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Der Weg führte nach wenigen Metern zu einem Wintergarten linkerhand, sowie rechterhand einem strohgedeckten Pavillon, hinter dem man einen Pool ahnen konnte. Eine Europäerin saß dort im Bademantel und grüßte (eher zurückhaltend). Sonst war kein Gast zu sehen. Das Hotel bietet gerade einmal fünf Zimmer: vier mit einem Doppelbett unter Moskitonetz und ein Großraumzimmer, mit drei solchen Betten: Platz für insgesamt über ein Dutzend Personen. Klein, aber fein also.

Wir hatten etwas zu warten, ehe der Besitzer kam: ein älterer Europäer, hager, klein und verschmitzt, dessen höflich- gediegene Art der Ansprache mir zugleich imponierte und mir ein gutes Gefühl gab, hier nicht nur gut aufgehoben zu sein, sondern auch gute Gespräche führen zu können. Etwas anderes merkte ich am Akzent und fragte bald nach: Tatsächlich war er ein Deutscher, Peter aus der Pfalz. Genauer gesagt: Kirchheim-Bolanden, gar nicht weit vom Saarland. Wir erzählten gleich los, was man dann so austauscht… Und die Überraschung wurde noch gesteigert: Er hat ca. 2008 das Goethe Institut in Ouaga gegründet und etwa bis 2011 geleitet, ehe er nach Kigali/ Rwanda ging und dort einige Jahre das Goethe Institut leitet. Oder erst zehn Jahe dort ann Ouaga – ich werfe das jetzt durcheinander. Danach übelegt er jedenfalls, ob er nach Istanbul gehen sollte, entschied sich aber hierher zurück zu kommen, auch wegen einer Frau. Und übernahm das etwa 2011 von einem Franzosen namens Xavier aufgebaute Hotel.

Aber es gab erstmal ein Problem mit einer Überbuchung von jemandem, der sehr herrisch („impérativement“) ein Zimmer für sich, seine Frau und zwei Kinder telefonisch gebucht hatte, dann aber nicht mehr zurückrief. Die von einem Motorradunfall stammenden Rückenschmerzen meiner Begleiterin gaben ihm dann den Ausschlag, uns doch – nach zwei Filterkaffee der Arabica-Sorte, die er sehr lobte, bzw. Tee und Pltzchen mit Pfefferminzgeschmack dann doch Zimmer 1 zu geben.

Während ich begeistert von einem paradiesischen Traveller-Hotel war und es mich wenige Minuten nach Bezug des Zimmers wieder rauszog, blieb meine Begleiterin auf dem Bett. Nicht nur für kurz, sondern für ein bis zwei Stunden. Mit Smartphone. Ein Rückzug, wie ich ihn schon in Ouagadougou beim Pavillon Vert erlebt hatte. Es gibt also zwischen Afrikanerinnen und Europäern offenbar eine sehr unterschiedliche Energie bei Reisen, wie auch eine andere Wahrnehmung der Qualität von Hotels. Sie hat in ihrem Heimatland Burkina Faso so gut wie nie in einem Hotel übernachtet. Wenn ein/e Burkinabé reist, übernachtet sie/ er wohl fast immer privat. Ein Hotel hatte sie in Ouagadougou wenn, dann deswegen besucht, weil sie mit Freund*innen den Pool benutzen wollte, also etwas, das es nur in Hotels gibt.

Vor allem zog es sie nicht raus in den Garten oder um’s Eck. Das machte ich dann alleine: Sehen, wo wir sind. Und fand Setu im Café Resto Tonus.

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Im Wintergarten und dem zu den Zimmern führenden Flur hingen überraschend viele Kunstwerke von hoher Qualität. Kein Touristenkitsch. Besnders beeindruckend zwei wie ein Schild wirkende Masken mit einem Durchmesser von gut einem Meter, eine am Ende des Flurs, eine andere, ganz ähnliche bei uns im Zimmer. Das Zimmer wurde freilich dominiert von dem großen Bett mit Moskitonetz.

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Das Bad war eine Wucht, es bot nicht nur eine Badewanne und alles, was man braucht in guter Qualität, sondern im Laufe eines Tages auch wunderbare Lichtspiele in passendem, neokolonialem Ambiente. Ich fühlte mich ein wenig, wie sich wohl Europäer vor einem Jahrhundert gefühlt haben mögen: Eine Oase der Bequemlichkeit in einer Umgebung mit eher archaischen sanitären Anlagen. Das meine ich ausdrücklich ohne Wertung.

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Die Küche bot ebenso alles, was man als Traveller braucht: Neben Spüle und Herd, auch ausreichend Geschirr und einen Kühlschrank mit einem Grundvorrat an Wasser, Säften und Bier. Der Hotelier hatte mir erklärt, dass einfach die verbrauchte Zahl an Getränken auf einem Zettel einzutragen sei. Abgerechnet werde am Schluss des Aufenthaltes.

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Jetzt zog es mich aber zum Pool. Die Frau war mir noch einmal begegnet, jetzt mit zwei Freundinnen, allesamt Mitte 20 aus Frankreich, darunter eine Frau, die ich im Transitbereich des Flughafens Algier kurz kennen gelernt hatte: Hallo! Sie zogen jetzt in die Stadt. Das Becken war mir ganz allein! Aber das Wasser war eisekalt, was mich sehr überraschte. Ich hatte mir das bei der Buchung anders vorgestellt. Trotzdem sehr erfrischend.

Hotel Villa Bobo_Bobo dioulasso (c) Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Der Wintergarten war von hier aus wunderbar versteckt hinter exotischen Blättern zu ahnen. Die Abenddämmerung betonte das von innen kommende Licht. Ich trocknete mich ab und studierte dort lange die ausliegenden Reiseführer: Lonely Planet, Bradt… – voller Infos, die ich nicht hatte, wenn auch ein Jahrzehnt alt.

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Nachdem die jungen Französinnen abgereist waren, blieb ab der zweiten von drei Nächten noch eine pensionierte Französin im Haus: Sie kommt seit ein paar Jahren jeweils für mehrere Wochen, um in den hiesigen Werkstätten Bronzen zu gießen. Nicht viel mehr als ein Hobby zum Zeitvertreib, behauptete sie. Aber egal: Wir hatten einen schönen Austausch abends, während meine Gastgeberin…

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Die ästhetisch sehr ansprechenden kleinen Weihnachtsbaumkügelchen stammen von einer deutschen oder norwegischen Familie, die hier Weihnachten gefeiert hat, erzählte Peter. Er war dann weg, er wohnt ein paar Häuser weiter. Das Frühstück im Wintergarten bereitete ein junger Mann.

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Ein Kännchen Kaffee, frisch gepresster Orangensaft, knackige frische Baguette, Butter, Marmelade und Frischkäse sowie eine Papaya zum auslöffeln: Perfekt. Ich begegnete Peter später noch im Grand Marché, aber nicht mehr im Hotel.

Er hatte erzählt, dass er jetzt schriftstellerisch tätig ist und sich vor allem mit der französischen Kolonialzeit und der Rezeption afrikanischer Masken durch europäische Künstler beschäftige. Picasso vor allem. Die Französin hatte mir seinen Nachnamen Stepan verraten. Zurück zu Hause fand ich, dass er unter anderem 2005 ein Buch „Icons of Photography: The 20th Century„, 2006 „Photos that Changed the World“ und 2008 „50 Photographers You Should Know“ herausgegeben hat. Noch wichtiger vielleicht waren aber seine Publikationen von 2005 und 2007 zu afrikanischen Masken sowie deren Einfluss auf die moderne Kunst: „Spirits Speak: A Celebrations of African Masks“ sowie  „Picasso’s Collection of African and Oceanic Art : Masters of Metamorphosis„. Beeindruckend, was man auch von Bobo aus umsetzen kann.

Er empfahl uns Lassina Bagayogo als Guide für Ausflüge und wir erlebten zwei schöne Touren mit ihm und einem Kollegen durch die Altstadt von Bobo sowie zum archaischen Dorf Koumi und einem kleinen Primärwald-Überbleibsel „La Gringuette“. Am letzten Morgen schlüpfte ich noch schnell in das große, verlassene Dreibettzimmer. Für die Vollständigkeit.

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Die Nacht kostete im Doppelzimmer 15.000 Franc CFA pro Nacht, also etwa 22 Euro, das Frühstück pro Person 2.000, also 3,50 Euro.

Adresse: Secteur 04/ Koko, rue 35, porte 292, Bobo Dioulasso. Zwischen Clinique Exalab und Direction Générale des Transports (Av. Charles de Gaulle)

Hotel Villa Bobo_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

3 Kommentare
  1. Sehr interessant, danke, vor allem was Kunst betrifft. Falls du dich für afrikanische Kunst die in Europa entstanden ist, interessieren solltest. Im Saarburger Cafe urban sind derzeit Arbeiten von Oni okeke aus Nigeria zu sehen, der 13jahre in der Region lebte und leider vor kurzem verstarb. Persönliche Begleitung durch diekopistin inklusive!

Schreibe eine Antwort zu diekopistin Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: