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Marché Toecin Yaar_Ouagadougou

Februar 3, 2019

Die Existenz dieses sehr organisch verschachtelten silbrigen Dächergewirrs neben Häusern, die an einen alten Dorfkern erinnerten, mitten im Muster des ansonsten schachbrettartig aufgebauten Vorortes Tampouy – nach meiner Rückkehr aus Ouagadougou auf einem Satellitenfoto entdeckend – hat mich  im August so elektrisiert, dass gleich der Wunsch entstand, mir das nochmal genauer anzuschauen.

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Ich war damals ohne genaue Kenntnis, wo ich eigentlich bin, tagelang durch Tampouy gelaufen, alles erkundend, bin aber die große Ausfallstraße Avenue Yatenga nie über das Café Pyramide hinaus gelaufen. Gegenüber schien nichts besonderes zu sein, abgesehen von einigen am Straßenrand hockenden, sehr ärmlich wirkenden  Händlern. Die folgenden Fotos zeigten genau dort den Beginn der interessanten Strukturen. Was mir nicht bewusst war.

Also bin ich am 2. Januar wieder zum Café, querte die Straße, geriet in eine Szenerie von Metzgern an Arbeitstischen unter freiem Himmel, Hühner köpfend etc., ein aus meiner Sicht „schlimmes Gemetztel“ (was ich nicht fotografiert habe, stattdessen die Transportkäfige der Hühner aus Palmzweigen).

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Und plötzlich ging’s ab. Linkerhand: ein Gewühl von hunderten von Menschen und Motorrädern, die sich in eine Staubstraße hineindrängten: ein Markt! Direkt an der Straße war das nicht wirklich erkennbar, der Markt beginnt erst hinter einigen Häuserzeilen.

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Ich konnte das alles erst nicht richtig überschauen: linkerhand einige Abbruchhäuser, aber auch Neubauten, rechterhand dann bald eine in den Markt führende Straße, in der ich mir erstmal ein Café suchte, ehe ich mich in dieser sehr unübersichtlichen Situation weiter orientieren wollte.

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Ich fragte eine Weißkohl-Verkäuferin, wo ich hier einen Nescafé bekommen könne und sie wies mir den Weg: schräg gegenüber von ihrem Stand. „Ah, Merci“ – ob ich ihr auch einen bringen dürfe? Ja, gerne – sie war genauso spontan wie ich und so hatten wir eine schöne Begegnung. Ihr Glas holte ich später wieder ab und brachte es zum „Café“ zurück, einer kleinen, unsauberen Bude. Aber der Nescafé schmeckte super. Mit Blickkontakt zu ihr.

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Ich ließ noch die Szenerie der Gemüse und in Tütchen verpackter Gewürze oder geschälter Knoblauchzehen verkaufenden Frauen auf mich wirken, in aller Ruhe. Der Markt am nordöstlichen Stadtrand von Ouaga ist offenbar – in den informellen Zwischenbereichen – auch Verkaufsort für viele Bäuerinnen vom Land.

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Zimt und Somboula, dann Paprika und wilde Aubergine (wie grüne Tomaten wirkend):

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou (c) Ekkehart Schmdt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Dann bin ich los, rein unter die Silberdächer, traute mich aber nicht, da zu fotografieren. Es sah dort auch mehr oder weniger so aus, wie auf dem Marché Snkariaré, den ich vor kurzem besucht hatte. Erst als ich wieder auf einer Querstraße heraus kam, machte ich wieder Fotos. Ich hatte mittlerweile gelernt, immer vorher zu fragen, ob das OK ist. Spätestens nach dem folgenden Foto, als mich die sich zu ihrer Schale bückende ältere Frau in deutlichen Worten darauf hinwies, dass das nicht okay ist, nicht zu fragen.

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Ich bin dann zurück zur Hauptstraße, dabei einen Weg durch den östlichen Bereich mit der völlig ungeordneten Struktur wählend: Ich kam durch abgerissene Gebäude, zwischen denen noch Marktstände aufgebaut waren, aber selbst für die hiesigen Verhältnisse eher von sehr informeller Art. Überlebensökonomie. Dominant Gewürzverkäuferinnen, aber auch ein Maggi-Stand. Und dann eine Frau, die offenbar Kräuter und Hölzer der traditionellen Medizin verkaufte. Sehr archaisch.

Ob das hier die Überreste des alten, etwa im Zeitraum 1986-96 entstandenen Marktes sind? Ich lernte später, dass etwa 2013 ein neuer Markt aufgebaut wurde, wahrscheinlich der Bereich mit den schachbrettförmigen „Hangards“ mit silbernen Dächern.

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou (c) Ekkehart Schmidt

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Exakt 2.599 Händler gab es im alten Markt. 3.500 Plätze bzw. Verkäufer sollen im neuen Markt geschaffen worden sein, dabei scheint aber ein Problem der Zuteilung entstanden zu sein: Presseberichte erwähnen Demonstrationen und Sit-Ins von gut 700 Händler*innen, die trotz ausreichender Lokalitäten keinen Platz im neuen Markt gefunden haben.

Wie das Problem gelöst wurde, weiß ich nicht. Aber ich erkläre mir so die Zweiteilung des Marktes: Wer keinen Platz gefunden hat, verkauft aus dem Ruinengelände des alten Marktes heraus. Das betrifft noch immer offenbar mindestens hundert Händler*innen. Vorrangig Frauen, zum Beispiel ältere, die Zutaten der traditionellen Medizin anbieten und nicht genug Umsatz machen, um anders als von hier aus verkaufen zu können.

Zwei Tage später bin ich noch einmal 100-200 m weiter und entdeckte den Viehmarkt, der wahrscheinlich – ursprünglich ähnlich isoliert am Stadtrand – auch schon seit einem halben Jahrhundert besteht und ebenso von der Stadtentwicklung überrollt worden ist.

Verwendete Quellen: Guy Serge Aka: Toecin Yaar: les commerçants dénoncent « une vente illégale des boutiques et hangars », faso24, 08.06.2016; Hugues Richard Sama: Attribution des hangars de Toécin Yaar : le maire marchande avec les commerçants ouaga.com, 12.08.2016; Tankoano, Mamouda: Marché de Toecin Yaar: L’attribution des places continue de faire des gorges chaudes, le pays, 22.07.2017

Marché Toecin Yaar_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

From → Märkte, Ouagadougou

One Comment
  1. Absolut beeindruckend!

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