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Restaurant L’Orient / Syriously_Luxemburg

Februar 1, 2019

Seit 2015 verfolge ich sehr erstaunt und zunehmend bewundernd die Entwicklung einer fünfköpfigen irakischen Flüchtlingsfamilie: Zielgerichtet verfolgt vor allem die junge Mutter ihre Träume eines besseren Lebens, entgegen aller Zweifel meinerseits. Erst gelang es, preiswert eine Villa im guten luxemburgischen Stadtteil Cents zu beziehen, dann die Asylanerkennung zu erhalten – und jetzt werden sie Teilhaber eines Unternehmens, das morgen eröffnet wird: Das arabische Restaurant „L’Orient“ in der rue de Strasbourg 57 im Bahnhofsviertel.

Initiatoren waren sie freilich nicht, aber sie schafften es, Partner von Khadij Lakhdar zu werden, einer seit 15 Jahren in Luxemburg lebenden Tunesierin, die mit ihrem marokkanischstämmigen, in Deutschland aufgewachsenen, Mann Yasser als ausgebildete Köchin schon in Diekirch und nahebei in der Avenue de la Liberté mit dem „Liberty Grill“ erfolgreich Gastronomie betrieben hat. Ich hatte das im Herbst mitbekommen und war ein paar Mal in dem Neubau zu Besuch, in dessen Erdgeschoss die Architekten eine Restauration vorgesehen hatten.

Dieser Teil der Straße wird zur zeit völlig umgestaltet, es entstehen riesige Bürobauten. Nur die historische Garage hat überlebt. Linkerhand von ihr hofft Khadij nun, neben an arabischer Küche interessierten Leuten auch eine Abwechslung suchende Kundschaft von Angestellten der neuen Büroblöcke anzuziehen.

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Weil im Dezember als erstes innenarchitektonische Element ein kitschiges Wandgemälde entstand, hatte ich zunächst etwas Angst, dass sie hier klischeehafte Orientvorstellungen bedienen würden. Heute konnte ich beruhigt feststellen, dass sich das sehr große Lokal in einer guten Mischung aus Zitaten orientalischer Architektur und modernem Ambiente präsentiert. Das möchte ich hier kurz zeigen, ehe ich ab Montag den tatsächlichen Betrieb und die Speisen beschreiben und beurteilen kann.

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

L'Orient_Luxemburg (c) Ekkehart Schmidt

Ich unterhielt mich heute mittag länger mit Khadij, die mir erklärte, was die künftigen Gäste hier erwarten können, während im Hintergrund noch fleissig aufgeräumt, eingerichtet und die Eröffnung vorbereitet wurde. Das von 12-14 Uhr sowie 18-23 Uhr geöffnete Restaurant bietet ein breites Angebot arabischer Küche, mit marokkanischem und syrischem Schwerpunkt: Also Klassiker wie Couscous und Tajine genauso wie Felafel, Kebab, Grillgerichte, Hummus und Salate, dazu Kaffee und Tee à la menthe, aber auch Limonaden und alkoholische Getränke.

Viele Gerichte sind vegetarisch (so auch eine Couscous-Variante), manch andere (fast) vegan. Da werde ich nochmal versuchen, etwas Überzeugungsarbeit zu leisten. Schließlich ist dies ein Lokal, in dem nicht nur Menschen arabischen Hntergrunds, sondern auch Europäer essen werden, von denen einige eher durch klassisch vegane Speisen aus Hülsenfrüchten, denn aus Fleisch angezogen werden. Mittags wird Berufstätigen je ein syrisches und ein marokkanisches Tagesmenü geboten. Die Räumlichkeiten sind freilich auch prädestiniert für Abende in großen Gesellschaften.

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Es gibt sogar einen Außenbereich, der ebenso wie der Innenbereich mit gut 50 Plätzen bestuhlt werden kann. Etwas hier in der Stadt sehr seltenes. Ich bin sehr gespannt, wie sich das entwickelt.

Nachtrag vom 11. Februar: „Nächste Woche mehr“ hatte ich in der Ursprungsfassung dieses Blogs versprochen, heute war ich wieder da, um jetzt wirklich einmal in der Mittagspause zu essen. 15 Euro fand ich als Preis für das Mittagsmenü eher abschreckend, aber ich wurde eines Besseren belehrt. Qualität hat seinen Preis, den man dann auch gerne zahlt, wenn alles stimmt. So erging es mir heute.

Zur Begrüßung ein marokkanischer Pfefferminztee, von Khadije in hohem Bogen eingeschenkt. so, wie es sein muss, damit Sauerstoff dran kommt.

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Ich genoss die Atmosphäre und freute mich, dass der Raum immerhin mit einem Dutzend Personen gefüllt war, unter Einbeziehung der Schwester der Inhaberin mit ihrem Baby und anderem Personal.

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Dann eine – extra für mich – besonders großzügige Vorspeisenplatte mit syrischem Hummus, süßsaurem Bedendjangemüse und griechischem Zaziki mit Brot. Allein davon wurde ich schon fast satt. wie damals bei meinen Reisen durch Syrien, als ich mir immer Hummus bestellte und vom Brot satt wurde. Arabisches Brot fehlte heute freilich. Das bekämen sie erst nachmittags, hieß es.

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Und schließlich das Hauptgericht: eine wunderbare Tajine mit zwei Hähnchenschenkeln. Was ich als jemand schreibe, der eigentlich kaum noch Fleischgerichte bestellt. Khadije’s Mann blieb länger bei mir, wollte wissen, ob es mir schmeckt. Ihm ist klar, dass es heute – am ersten echten Öffnungstag – so richtig ernst wird. Letzte Woche sei vor allem zum Üben gewesen. Ich konnte ihm kaum Bedenken nennen, außer, dass es wohl schwer wird, diesen riesigen Raum tagtäglich zu füllen.

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Der Preis ist völlig gerechtfertigt, wenn ich ihn mir mittags auch nur alle paar Tage werde leisten können. Viel wichtiger: Ich fühlte mich wohl, nett aufgenommen in einer angenehmen Atmosphäre, in der ein Gast für sich bleiben oder Teil des Ganzen werden kann.

Jetzt bin ich gespannt auf das Gefühl im Außenbereich (Garten wäre ein zu großes Wort), bei Espresso und Zigarette. Immerhin hat Khadije heute schon einmal eingedeckt, weil Freundinnen drum baten:

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Nachtrag vom 18. Februar: Mittlerweile habe ich hier vier Mal gegessen und wurde nie enttäuscht. Die Qualität ist wirklich außergewöhnlich gut und authentisch. Nur gelegentlich wundere ich mich über Kombinationen, die sich mir geschmacklich nicht erschließen: So habe ich hier heute erstmals eine Linsensuppe (arab. Shorbat addes) gegessen, die wunderbar, aber nicht übertrieben gewürzt war – ganz anders als die – pardon – oft etwas faden Linsensuppen, wie ich sie aus türkischen oder portugiesischen Lokalen kenne. Neben dem Teller lagen cross geröstete Stückchen arabischen Brots, was gut passte. Und natürlich ein Stück Zitrone. Aber auch eine Scheibe roten Paprikas, die mich irritierte. Wie am ersten Tag das Tsatziki zum Hummus. Egal: Khadij testet und probiert aus, macht mit den Gästen ihre Erfahrungen…

Und es gibt jetzt auch Desserts, zum Beispiel Mahallebia, so genant „samtene Milch“ mit geraspelten Pistazien. Ersteres für 4, letzteres für 5 Euro.

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Nachtrag vom 21. Februar: Heute habe ich das Lokal erstmals voll erlebt, was mich sehr freute. Zwar bekam ich daher keine Tajine als Tagesgericht mehr, aber stattdessen Hummus, Oliven und Brot als Vorspeise und Hähnchen syrischer Art als Hauptspeise: mit kabsa dajej, einem gewürzten Reis.

Restaurant L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Restaurant L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Restaurant L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Yasser schien auch über den vollen Saal erfreut zu sein, in dem man endlich Geschirrgeklapper, herzhaftes Lachen und luxemburgische, deutsche, französische und arabische Unterhaltungsfetzen mitbekam. Das sei jetzt das dritte Mal, dass mittags über zwei Dutzend Gäste da waren, erzählte er. Gestern allerdings kam nicht ein einziger Gast. Mittags wohlgemerkt.

Nachtrag vom 26. Februar: Heute habe ich einmal Couscous probiert: sehr gut, wirklich ein Genuss. Schön zu sehen auch, dass eine grosse Tischgesellschaft im Lokal war, wenn auch wenige Einzelgäste.

Restaurant L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Nachtrag vom 14. März: Couscous gibt es in verschiedenen Varianten, was die Gemüsebeilagen und Soßen betrifft, aber auch die Fleischbeilage: Hier mit Hähnchenschenkel:

Restaurant L’Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Im Juni 2019 wurde erstmals eine luxemburgische Zeitung auf das Lokal aufmerksam. Der Text im Letzebuerger Land beginnt sehr gut beobachtet mit der Bemerkung, dass es Lokale gibt, die von Leuten neu eingerichtet werden, die sich schon einen Namen gemacht haben und Lokale von Leuten von Außerhalb, die Schwierigkeiten haben, sich einen guten Namen zu machen oder nicht sehr transparent bezüglich ihres Konzepts sind…

Der Autor „GD“ hat beobachtet, dass das Lokal eine Weile geschlossen war und es danach auch Änderungen der Karte gab, insbesondere gibt es kein (marokkanisches) Couscous mehr, dafür mehr syrische Spezialitäten. Hummus und Shawerma würden immer noch mit Generösität serviert.

Eine eigene Internetseite gibt es noch nicht. Aber sie geben auf einer neuen Visitenkarte die Facebookseite des Lokals Syriously an. Das ist kein Fehler. Ursprünglich wollte Khadij mit dem Lokal gemeinsam das Restaurant „Les saveurs de l’Orient“ aufmachen (wie es jetzt plötzlich auf der Visitenkarte genannt wird). Aber da hat es offenbar unterschiedliche Vorstellungen oder Missverständnisse gegeben, wie mir Yasser erklärte. Aber die scheint man gerade zu bereinigen.

Nachtrag vom August 2019: Nach einem sehr ärgerlichen Erlebnis im Mai, als wir als große Gruppe nach klaren Bestellungen sehr nachlässig und schlecht bedient wurden, bin ich nur noch einmal dort gewesen, um – wohlwollend – bestimmte Dinge anzusprechen. Schon in den Wochen vorher gab es ernste Probleme: Das Lokal war wochenlang geschlossen, wegen technischen Störungen in der Küche, wie Yasser sagte (Khadij war nicht mehr anwesend). Aber wohl auch unterschiedlicher Vorstellungen zwischen den beiden. Nicht gut für wohl gesonnene etwaige Stammkunden. Das Lokal lief offenbar auch danach so schlecht, dass man nun den Namen geändert hat und ganz auf den gut eingeführten Namen „Syriously“ setzt:

Restaurant L'Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Ich bleibe ein wenig beleidigt, dass man auf meine damaligen guten Ratsschläge nicht gehört hat und Lehrgeld zu zahlen hatte. Aber vielleicht überwinde ich das bald.

Für Liebhaber der arabischen Küche ist natürlich zu erwähnen, dass es in Luxemburg neben dem ähnlichen Restaurant „Phenicia“ in der Rue André Duchscher 5 im Bahnhofsviertel und dem Chiche in Hollerich noch das „KichenEck“ in der Avenue Pasteur in Limpertsbierg gibt, das auch wegen seiner entspannten Cafébar-Atmosphäre sehr zu empfehlen ist.

Adresse: 57, rue de Strasbourg, 2561vLuxemburg, Tel.: 00352-24 87 3500, Mail: orientluxembourg2019@gmail.com

Verwendete Quelle: GD: Léndroit, Letzebuerger Land, 7. Juni 2019

Restaurant L’Orient_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

2 Kommentare
  1. Das klingt spannend.

    • Ist es auch. Spannend für mich ist vor allem ganz pragmatisch, ob es gelingt, ausreichende Gäste anzuziehen.

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