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Café La Bonne Miche_Bobo Dioulasso

Januar 25, 2019

Um’s Eck dieser imposanten Boulangerie saß ein 70jähriger Belgier im angeschlossenen und doch räumlich und optisch abgetrennten Café. Ich war von einem langen Tag mit Moto-Ausflug müde, aber diese Szenerie durfte ich mir nicht entgehen lassen. Mein erstes Café-Foto machte ich so, dass sein Gesicht hinter einem Stützpfosten der Terrasse verschwand. Und setzte mich an den Nachbartisch. Erst nach einer halben Stunde kamen wir ins Gespräch.

Café Boulangerie La Bonne Miche_Bobo Dioulasso (c) Ekkehart Schmidt

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Was hatte ich denn hier entdeckt? Nahe der Place de la Mairie und der Altstadt mit der berühmten Lehmmoschee. Ich konnte mich nicht von der Assoziation des Begriffs „Miche“ mit „Boule“ (bzw. Boulevard) Miche lösen, jenem berühmten Pariser Boulevard, an dem sich die Protagonisten des französischen Existenzialismus und Akteure des Mai 1968 trafen. Eine Bäckerei-Konditorei mit Café am Ostrand der französisch geprägten Kolonialstadt von Bobo Dioulasso, der früheren Hauptstadt von Ober-Volta. Etwas, das es in der heutigen Hauptstadt Ouagadougou nicht gibt. Ein Lokal, das ich so vorfand, als wären noch keine sechs Jahrzehnte seit der Unabhängigkeit 1960 vergangen. Das Lokal entstand freilich später, 1962, wie mir Paul, der Kellner, erzählte. Es ist eventuell aber erst seit 1990 hier an diesen Ort umgezogen. Ich war mir seiner Antwort nicht sicher.

Wie ich abends im Hotel Villa Bobo aus alten Reiseführern erfuhr, war das hier ein „must“ für’s Frühstück von Rucksackreisenden: frische, heiße Croissants, gute Kuchen… Aber es kommen keine Franzosen und auch kaum noch andere Touristen mehr, seit es auch hier Entführungen und islamistische Anschläge gibt. Erst drei bis vier Tage vor meinem Besuch hier hatte es in Burkina Faso über 40 Tote  „bei Zusammenstößen verschiedener Bevölkerungsgruppen“ gegeben.

Ich betrat das leicht düstere Innere und traf dort auf einen weiteren Mann, der durch seinen Haarschnitt ebenfalls wie ein Relikt wirkte: Ein Burkinabé von etwa 60 Jahren, der sicherlich noch die Zeit kannte, als Bobo ein kleines Mekka französischer Traveller war. Ein ehedem sicherlich cooler Kellner, der hier irgendwie eingeschlafen war, aber hinter seiner Glatze noch eine Art Zopf aufrecht hielt.

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Das Lokal völlig leer, ähnlich eingeschlafen. Aber die Vitrine der Theke zeigte immerhin, dass es wohl Nachfrage nach – so gut es geht – original französischen Croissants, Pain au Chocolat und anderem Gebäck gibt. Nach meiner Bestellung dauerte es aber gut 20 Minuten, ehe Paul meinen Kaffee brachte, mit Serviette drauf, wegen der Fliegen und dem Staub.

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Zeit genug also, um zu beobachten, was sich auf der Straße tat.

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Café Boulangerie Boul Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

Das herzförmige Gitter kannte ich schon von unserem Hotel, der „Villa Bobo“.

Auch der Belgier saß ein wenig dort, als wäre er übrig geblieben. In eine Lektüre vertieft. Nachdem wir eine Weile wortlos nebeneinander gesessen hatten, kamen wir dann doch ins Gespräch – als er aufbrach: Er stammt aus Lüttich und war erstmals 2005 hierher gekommen. Seit etwa einem Jahrzehnt lebt er hier. Die polit-ökonomische Situation sieht er als sehr schwierig. Es gebe jetzt keine gute Führung des Landes, seit zehn Jahren spüre er keinen Esprit mehr, keine Vision, man lasse alles laufen. Im Norden sieht er eine Gefahr kommen, die Angst vor importiertem Extremismus aus Mali und Niger. Dieser finde hier ein fruchtbares Terrain. Er werde wohl nicht mehr lange hier leben wollen.

Aber das „Bonne Mich“ besucht er wohl weiterhin alle paar Tage. Ab und an kommt dann sicher auch ein anderer Gast vorbei, der sich wirklich setzt und schaut und bleibt. Vielleicht auch zum Frühstück.

Adresse: Av. Guillaume Ouedrago, Bobo Dioulasso, Burkina Faso

Verwendete Quellen: AP: Mehr als 40 Tote bei Kämpfen in Burkina Faso, in: Journal, 05.01.2019;  Ham, Anthony et al: Lonely Planet: Afrique de l’Ouest, 1ère Ed. 2006, frz. Paris 2007, S. 154; Manson, Katrina/ Knight, James: Burkina Faso, Bradt Travel Guide May 2006, S. 255

Café Boulangerie La Bonne Miche_Bobo Dioulasso © Ekkehart Schmidt

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