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Café Léiwenger Stuff_Livange

Januar 23, 2019

Selten hab ich mich so gut und aufmerksam, ja liebevoll bekocht gefühlt, wie heute mittag in Livange (Léiweng). Aber das hatte Folgen… Livange ist ein altes Bauerndorf, das suburbanisiert wurde, aber noch immer nur 300 Einwohner hat. Viele alte Bauernhöfe wurden umgewandelt in Kinderkrippen oder Restaurants. So entstand im Jahr 1930 die „Léiwenger Stuff“, der Mittelpunkt des Dorfes.

Ich hatte einen Termin ein paar Hundert Meter jenseits der Bahnlinie nach Bettembourg bei einem sehr modernen Reparaturzentrum für Elektrobusse und hatte mir schon vorab gedacht, dass ich hier zu Mittag essen möchte. Der Kontrast der Welten war stark. Aber ich fühlte mich hier – nach einem unangenehmen Marsch durch den Schnee – sofort wohl.

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Der Name „Stuff“ (Stube auf deutsch) verspricht eine heimelige, intime Atmosphäre – und diese Stuff erfüllte diese Erwartung vollkommen. Schon der Eingangsbereich mit Wasserschale für Hunde und handgeschriebenem Speiseplan deutete darauf hin, dass ich mal wieder ein wirklich authentisches Lokal gefunden hatte, ein echtes Relikt aus anderen Zeiten, das irgendwie überlebt hat.

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Ich setzte mich an den Tisch zwischen Hauptgaststube und Hinterzimmer, bestellte einen Espresso und sprach dann die Wirtsfrau Denise Kayser, die das Lokal 2011 übernommen hat, darauf an, ob und was es zu Essen gebe: Bratwürste oder Spaghetti Bolognese. Ich nahm letzteres und hatte etwas zu warten, weil das hier halt nur eine „petite restauration“ ist und jede Bestellung bedeutet, dass die Küche anzuschmeißen ist, um genau dieses Gericht jetzt ohne Vorbereitung zuzubereiten ist. Hier kann man gut spontan essen. Nicht im Sinne von schnell, sondern wirklich von gut. Es gibt keine richtige Karte, dafür Schiefertafeln, auf denen Würstchen, Pommes, Choucroute oder Salat zu Preisen um die 3.50 Euro standen.

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

So hatte ich eine halbe Stunde, um die Atmosphäre zu beobachten: Etwa acht Männer, davon sechs deutlich über 60, tranken hier ihr Bier, betreut von einem Kellner mit grauem Bart und Zopf. Sie schienen sich alle zu kennen, aber selbst wenn nicht, wurde dennoch miteinander geschwätzt: „Wie isset mit Dir? Alles an der Rei?“. In einem Radiobeitrag von RTL am 26.7.2016 im Rahmen der Serie De klenge Bistro wurde das ganz nett beschrieben: „Et kann een ëmmer emol duuschtereg oder hongereg ginn“… Für den Fall haben sie „e puer kleng, léif Lokaler erausgesicht, déi nach authentesch sinn an d’Bistro-Kultur um Liewen halen.“ Da hieß es seitens eines Gastes: „Mir schwätzen vill, dat es flott“. Betont wird die „agréable“ Atmosphère und dass „anständig und léif serviert“ wird.

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Ein großer runder Tisch bietet deutschsprachige Zeitungen (Wort, Journal, Tageblatt un die BILD) und so mancher Pensionär setzt sich an diesen KLesetisch und verbleibt dort eine Weile. Der Fernseher ist aus, so kann man sich ungestört unterhalten. Es gibt auch keine Wettautomaten oder Internet-Glücksspiel-Pôles.

An der mit Spirituosen und etwas kitschigen Riesen-Korkenziehern in Silbern und ähnlichem behängten Theke, die ich – wie üblich nur heimlich und nicht ganz optimal ablichten konnte –  wiesen auch zwei Zettel auf: Chips 1, 30 und Chocolat 1,80. Keine Erdnüsse, dem Klassiker in Deutschland.

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Es kommen Leute aus dem Dorf und „von auswärts“, also den Nachbardörfern Roeser und Hesperingen, auch Portugiesen und andere Ausländer. Oft setze man sich auch auf der Terrasse zusammen und erzählen. Heute, im Winter aber natürlich nicht. Und die heutigen Gäste waren auch keine Raucher. So war ich zwei Mal alleine draußen. Dann kam Denise und bereitete mit Servietten, Untersatz und geriebenem Käse mein Essen vor. Kaum stand es wunderbar heiß vor mir, kam sie auch schon wieder und brachte eine weitere Schale als „Nachschlag“.

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Der „Gesellschaftsraum“ war leer. Aber gelegentlich scheint er auch noch genutzt zu werden.

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Vom Hinterzimmer ging es zu den Toiletten, mit einem Foto von Denise mit dem Sänger Fausti Cima sowie einer alten, ausrangierten Musikbox, die Songs aus den 1980ern anbot, unter anderem „Weil es Dich gibt“ von Peter Maffay:

Léiwenger Stuff (c) Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Und natürlich ist das hier nicht immer leer. Man kann hier seinen Geburtstag oder seine Pensionierung feiern (und dazu spezielle Menüs bestellen). Und Vereine treffen sich zu Mitgliederversammlungen: die Angelsportler, der Verein „Mototravel“ oder die „Fédération Luxembourgeoise des Amateurs de Billard“ waren zuletzt hier.  Offenbar versucht man auch immer wieder, gesellige Tanzveranstaltungen zu organisieren, so gab es zuletzt den „Al Hirschebal“ der 2. Equipe vum HC Bierchem (Handballer), am 13. Oktober einen „Haxenowend“, also „Danz & Unterhaltung an eng gudd Haxe“, begleitet vom Zwei-Mann-Orchester J&M und auch sonst am Wochenende „Events“. Das nächste ist am 2. März 2019 der traditionelle Fuesbal, also Fastnachtsball namens „Den Eile`spigel am Jumm“, organiséiert vum „AFC Eile`spigel“, mit „Präismaskeball und flotter Fuesmusek“, wieder mit dem Orchester J&M.

Die Tage des Lokals scheinen aber gezählt: Denise sagte mir, dass das Haus „so gut wie sicher an Chinesen“ verkauft worden sei. So ist zu befürchten, dass hier bald ein chinesisches Restaurant entsteht, obwohl es gegenüber mit dem „Jasmin“ schon eins gibt. Und damit keinen Dorftreff mehr…

Ich habe mir anschließend noch ein wenig das Gebäude angeschaut, mit der verschneiten Klappe für die Bierfässer-Zufuhr und alten Stalltüren, hinter denen sich heute Wirtschaftsräume des Lokals befinden.

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

Und lernte dann an der Bushaltestelle der Linie 195, die in 18 Minuten die Stadt erreicht, eine Kapverdianerin kennen, wir beide frierend. Aber das ist eine andere Geschichte. Ach ja, die Folgen des reichlichen Essens: Nachmittags fiel ich ein wenig ins „Suppenkoma“, hatte mich einfach ungewohnt stark abgefüllt.

Adresse: 14, rue de Bettembourg, 3378 Livange, Luxemburg, Tel.: +352 26 51 27 32, Handy: 661 92 72 66

Café Léiwenger Stuff_Livange © Ekkehart Schmidt

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