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2 x 10 Minuten „Escale“ in Boromo

Januar 19, 2019

Sechs Stunden im Bus und nur ein Stopp von zehn Minuten… Und das zwei Mal in drei Tagen. Eine schwere Geduldsprobe für einen Raucher wie mich – aber die zehn Minuten hatten es in sich! 365 Kilometer ziemlich öder Strecke durch die Trocken- und später Feuchtsavanne liegen zwischen Ouagadougou und Bobo Dioulasso.

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

Gegen die Langeweile half bei meiner Hin- und Rückfahrt für je etwa 9,50 Euro mit der Busgesellschaft „Rakieta“ vor zwei Wochen nur, die Kamera stets gezückt zu halten, um zwischen endlos sich aneinander reihenden Bäumen und Feldern in einem staubigen Gelände, dessen Farbe von Ocker zu Rot changierte und nur ein bis zwei Mal eine Anhöhe oder einen Fernblick bot, alle zehn bis 15 Minuten vielleicht doch plötzlich etwas anderes zu entdecken und abzulichten versuchen: Dörfer mit Märkten und Moscheen, archaisch wirkende Weiler und Gehöfte mit Speicherhäuschen aus Lehm und Stroh, ab und an ein Gewässer, an dem Lehmziegel produziert, Wäsche gewaschen, das Vieh getränkt oder gefischt wurde.

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

Es gab eine kurze Passkontrolle, bei der alle Reisenden auszusteigen hatten (was zum Qualmen von zwei „Hamilton“ reichte), dann gelangten wir auf halber Strecke in die Kleinstadt Boromo. Der überwiegend muslimische, von Menschen der Ethnien Marko und Mossi, aber auch Bobo und Dioula bewohnte Ort mit gut 32.000 Einwohnern, liegt im Zentrum mehrerer Nationalparks, in denen noch Elefanten leben (Video und Reisebericht). Deshalb kommen hier gelegentlich auch Touristen vorbei.

Für mich aber war letztlich der Ausstieg an der Busstation schon die Reise wert, wenn auch der Busbegleiter klar in seiner Ansage war: Die „Escale“ dauere „dix minutes“. Zehn Minuten und keine mehr.

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"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

Dutzende Frauen, Mädchen und Jungs belagerten sofort die Bustüren und boten Getränke und Proviant an: Nüsse, Kekse, Brot und Obst. Plötzlich brach das wahre, knallbunte Leben über den Reisenden, der diese fremde Welt drei Stunden lang nur durch verblichene Fenster zu erfassen versucht hatte.

Die Aufgabe für diejenigen der 50 Passagiere, denen das nicht reichte, lautete nun, sich da durch zu drängeln, die Lage zu checken, schnellstmöglich einen den jeweiligen Geschmack ansprechenden Sandwich-Stand zu finden, sich etwas zubereiten lassen, eventuell noch einen Nescafé zur Zigarette zu trinken oder eine Toilette zu finden – dann aber schnell zurück, um den geparkten oder wegen anderer ankommender Busse ein kurzes Stück weiter gefahrenen Bus (und nicht einen anderen, falschen…) rechtzeitig vor der Weiterfahrt wieder zu erwischen. Prioritäten setzen, also. Sich spontan im Gewimmel zurecht finden und keine zu wählerischen Entscheidungen treffen.

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

Zurück im Bus wurde kurz gefragt: „Hat jeder seinen Nachbarn, seine Nachbarin?“ Und weiter ging’s, damit die Norm, die Strecke in exakt sechs Stunden zu schaffen – wichtig für den guten Ruf der jeweiligen Firma – auch eingehalten wird. Nach dem Verspeisen des Sandwichs mit doch ziemlich zähen und zu groß geschnittenen Fleischbrocken folgte eine weitere zweieinhalbstündige Geduldsprobe, ehe das Ziel erreicht war. Im Gespräch mit einer französischen Bronzegiesserin in der „Villa Bobo“ hörte ich mehr zu jenem riesigen Steinbruch, der mich acht Kilometer vor Bobo Dioulasso überrascht hatte: Dort gebe es ein spannendes Wohn-Projekt mit Landwirtschaft des Künstlers Ferme Samandoulougou.

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

Die Rückfahrt drei Tage später verlief genauso, nur schaute ich diesmal südwärts aus dem Bus, konzentrierte mich darauf, archaische Speicherhäuschen zu fotografieren  und entschied mich in Boromo diesmal nicht für ein Fleisch-Sandwich und eine Flasche Wasser, sondern für ein Baguette, das halb mit Avocadopaste, halb mit Thunfisch in Tomatensoße belegt war. Dazu ein Nescafé.

Busstation in Bobo Dioulassou © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

Da wir auf der Rückfahrt den frühen Bus nahmen, dominierten in Boromo zur Mittagszeit die Brot- und Sandwichverkäuferinnen:

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

Das Sandwich schnell gesichert, blieb Zeit für einen Nescafé und zum Suchen von Fotomotiven und auch ein erneutes Reflektieren über die sich hier zeigende Armutsökonomie. Wenn hier auch ständig Nachschub potentieller Kunden herrscht, so sind die Verdienste doch sicherlich sehr gering, ein bis zwei Euro am Tag, wenn dieser gut verlaufen war.

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

"Escale" in Boromo © Ekkehart Schmidt

Zurück in Ouagadougou war erstmal das Ruhebedürfnis groß. Mit etwas Abstand könnte ich mir aber auch vorstellen, noch einmal diesen Bus zu nehmen, dann aber in Boromo auszusteigen. Mit deutlich mehr Zeit als zehn Minuten… Um Menschen zu schauen. Und Elefanten? Naja, eher weniger interessant, finde ich.

Verwendete Quellen: Wikimedia: Erstes Fotos der Busstation; Wikipedia-Artikel „Boromo“ (deutsch) und Boromo (englisch)

„Escale“ in Boromo © Ekkehart Schmidt

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