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Orangen schänippeln_Bobo Dioulassou

Januar 18, 2019

Seit 50 Jahren weiß ich, wie „man“ Orangen schält. Letzte Woche wurde ich eines Besseren belehrt: Es geht auch anders, als mit einem Messer erst oben einen Kreis einzuritzen, dann rundum Schnitte nach unten zu machen, um dann die Schale entlang dieser Schnittstellen zu entfernen. In Burkina Faso schnippelt man/frau Orangen (wie auch Auberginen oder Zucchinis) in eher bedächtigen, schnell ausgeführten, aber vorsichtigen Schnitten, bei denen jeweils nur Schalenstücke von der Größe eines Fingernagels abgetrennt werden. Aber nicht nur das: Sie werden dann auch ganz anders verspeist, als ich es für „normal“ empfand. Ganz abgesehen davon, dass diese Frucht hier eher gelb denn orangefarben ausfällt.

Wenn Saison ist, sitzen überall Frauen am Straßenrand oder laufen durch Märkte bzw. von Café zu Café, um Orangen zu verkaufen.

Grand marché Rood Wooko_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

Grand marché Rood Wooko_Ouagadougou © Ekkehart Schmidt

In Bobo Dioulassou trat eine Orangenverkäuferin in einem Café nahe des Hotels Villa Bobo an unseren Tisch vor einer Schnellküche und demonstrierte, was ich als „schänippeln“ bezeichnen würde.

Orangen schänippeln_Bobo Dioulassou © Ekkehart Schmidt

Orangen schänippeln_Bobo Dioulassou © Ekkehart Schmidt

Orangen schänippeln_Bobo Dioulassou © Ekkehart Schmidt

Und dann? Ja dann wird die Frucht an den Mund geführt, um sich mit leichtem Druck den Saft einzuführen. Wenn der Händedruck keinen Saft mehr austreten lässt, wird die Frucht weggeworfen.

Orangen schänippeln_Bobo Dioulassou © Ekkehart Schmidt

OK… Aber wieso wird die Frucht dann überhaupt beschnippelt? Das hat sich mir noch nicht entschlossen. Aber es war ein überraschendes Aha-Erlebnis: Nicht alles selbstverständlich erscheinende wird in anderen Kulturen ähnlich praktiziert. So, wie mir auch erklärt wurde, Rotwein müsse unbedingt gut gekühlt getrunken werden.

Natürlich schnappte ich mir dann auch eine Orange und demonstrierte – unter ängstlicher Kommentierung, mich bloß nicht zu schneiden – wie ich diesen Vorgang kenne. Und merkte dann, dass die so isolierten Orangenschnittchen gar nicht so fruchtig prall schmeckten, wie ich das kenne. Vielleicht ist das der Hintergrund: Die saftig-perfekte Ware wird exportiert, während die Einheimischen gelernt haben, wie man aus den eher drögen Früchten geringerer Qualität noch einen kleinen Gewinn zieht. Bloß: Wieso vorher die Schale entfernen? Um den Saft besser heraus pressen zu können?

Und was passiert dann mit den abgeschnippelten Schalen? Im Iran beschnippelt man die dann weiter, noch kleiner und macht Orangenmarmelade daraus. Hier werden sie zumindest auch erstmal im Behälter gesammelt. Ach: Hier könnte ich immer weiter ins Detail zu gehen versuchen … Vielleicht nutzt man sie hier ähnlich?

Orangen schänippeln_Bobo Dioulassou © Ekkehart Schmidt

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