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Café Bar Le Terrage_Paris

Januar 10, 2019

Fast vier Stunden Transitzeit hatte ich heute früh am Flughafen von Algiers. Und dann nochmal zwei in Paris an der Gare de l’Est. Also mal die Gegend im Osten des Bahnhofs erkunden! Und was finde ich als erstes in einer Seitenstraße, die zum Canal St. Martin führt? Ein abgewracktes Café, von dessen Namen nur noch die ersten Buchstaben „Ter…“ zu lesen waren und das nach einer sicher langen Geschichte heute dominant von Algeriern besucht wird, Kabylen, um genau zu sein. Na wenn das mal nicht passte!

Café Bar Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris (c) Ekkehart schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Ich bestellte mir erstmal einen Espresso (für 1,20 EUR an der Theke und 1,50 EUR an meinem Tisch hinten in der Ecke, neben den Türen zum WC und zur Küche) und beobachtete die Szenerie: Drei Stammgäste beim Bier, in einer intensiven Unterhaltung versunken. Ein älterer gediegen gekleideter Herr, ein jüngerer Typ mit Spitzbart und eher ärmlicher Bekleidung, sowie ein junger Dynamiker, der nebenan arbeitete. Der Wirt frisch glatt rasiert, in den späten Vierzigern. Später kam noch eine junge Frau und durfte gratis die Toilette besuchen, eine andere nahm einen Milchcafé und erledigte Orga-Arbeiten.

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Hinten war die Wand rot gestrichen, wohl schon alt.

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

Die Männer sprachen offensichtlich Kabylisch und der Wirt bestätigte es mir. Ich bestellte mir ein Camembert-Sandwich und ging für eine Zigarette raus, wo ich dann auf einem kleinen Aushang den Namen des Lokals fand: Nicht etwa „Terrace“, sondern „Terrabe“, mit männlichem Artikel. Ich fragte nach: Das sei der Begriff für das Teil in einem Automotor, in dem aus Benzin und noch etwas das zu entzündende Gemisch hergestellt werde, meinte er. Also Zylinder oder so? Dazu passten die Dekobilder von Autos an der Wand.

In Lexika fand ich dagegen nur Begriffe wie „Erdbeben“ (aus dem Katalanischen). Die Straße heißt rue du Terrage, ein Begriff, der mit „Behäufeln“ übersetzt wird. Es gibt aber auch einen Édouard de Villiers du Terrage (1780-1855), der sich als Ingenieur und  Archäologe vor allem während Napoleons Expedition nach Ägypten einen Namen gemacht hat: Laut Wikipedia ist die Straße nach ihm benannt – und also die Bar schlicht nach der Straße. Dennoch passt nicht ganz, dass sie „Le Terrage“ heißen soll. Egal, die Stammgäste haben sicher ihren eigenen Namen.

Man kann hier übrigens, neben Kleinigkeiten wie Sandwich und Salaten, für die es keine Karte gibt (was halt im Kühlschrank ist), für 12,50 EUR auch Tajine essen. Die Schale dazu stand als Deko-Element über der Heizung. Sonst gab es keinerlei Hinweise auf arabische Inhaber. Aber vielleicht interpretiere ich da etwas falsch. Die Kabylen sind eine in der in Nordost-Algerien gelegenen Kabylei lebende Untergruppe der Berber. Ihre Sprache ist das Kabylische. Als Nicht-Araber werden sie von den Eroberern Nordafrikas diskriminiert und Versuche, eine kulturelle Eigenständigkeit leben zu können, werden unterdrückt (siehe Artikel in der ZEIT).

Und in Frankeich sind sie unter den dominant arabischen Einwanderern auch eine Randgruppe. Passend zu dieser Nebenstraße haben sie kaum eigenständige Begegnungsorte. Vielleicht ist dies einer, wie das Café Hotel de l’Univers im Viertel Barbès Rochechouart. Zwei Treffpunkte für Einsame und Verlorene.

Café Bar Le Terrage_Paris © Ekkehart Schmidt

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