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Von der „Brasserie A Central“ zum „Paname“_Luxemburg

Dezember 20, 2018

Mein Café finden! Das war in Luxemburg ab Juni 2008 das wichtigste in der Mittagspause: Eine neue Stadt, ein neues Viertel, in dem ich viel Zeit verbringen würde, nachdem ich hier eine neue – erst meine zweite – Stelle antrat. Und ich bin immer noch da. Aber schon seit langem verbringe ich die kostbare Stunde mittags nicht mehr an der Place de Paris, wo ich mit der „Brasserie A Central“ meinen ersten Fixpunkt zur Sozialisation gefunden hatte. Sondern im „Le Relax„, was eine andere Geschichte ist, aber wo die Atmosphäre so ähnlich ist, wie in der Brasserie A Central: mit dominant portugiesischer Arbeiter- und Serviceangestellten-Klientel.

Der Platz liegt im Zentrum des neuen Stadtviertels mit architektonisch stark französischer Prägung, das nach Schleifung der Festung jenseits des Grund auf dem Plateau Bourbon rund um die Avenue de la Liberté in Richtung Bahnhof entstanden war. Mein neues Stammcafé hieß damals noch anders, Luxemburg war eine Kleinstadt und es gab noch keine portugiesischen Einwanderer.

Das Aufnahmedatum der Karte oben kenne ich nicht. Aber man sieht ein Café. Vorher, zur Zeit des 1. Weltkrieges befand sich hier ein Geschäft für Glas, Bilder und Spiegel, das einen Bombeneinschlag erlitt:

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Am 4. Juni 2009 habe ich vielleicht das erste Mal bewusst eine luxemburgische Gaststätte fotografiert, mein Mittagscafé:

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Ich musste damals sehr sparsam sein, ich glaube kaum, dass ich hier oft gegessen habe. Ein oder zwei Espresso sollten reichen, um zur Ruhe zu kommen. Bei einer Zeitung. Ich aß wohl Butterbrote, die ich mir morgens in Saarbrücken geschmiert hatte. Die Kundschaft war eine für mich schwer identifizierbare Mischung aus Portugiesen und Menschen aus portugiesischen Kolonien wie den kapverdischen Inseln und Brasilien. Ihnen wurde gelegentlich ein Musikabend oder ähnliches geboten. Die Fotos von 2009 oben zeigen die neuen bunten Stühle, die es ein Jahr vorher noch nicht gab.

2012 habe ich her auch einmal gezeichnet, mit Rocio von der ASTM, die heute wieder in Peru lebt:

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Aus irgendeinem Grund hörte ich auf, hier regelmäßig hinzugehen. Vielleicht, weil die „Casa Fabiana“ eröffnet wurde, als erstes Bio-Restaurant im Quartier. Dann fand ich für mich das „Le Relax“ als neues Stammcafé. Irgendwann verschwand das Lokal hier. Und plötzlich begannen Sanierungsarbeiten. Im Januar und Februar 2015 habe ich noch einmal fotografiert. Dabei ging es mir um die Platanen.

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Aber ich entdeckte, dass während der Sanierungsarbeiten – die sich als Komplettentkernung entpuppten – die alte Café-Beschriftung aufgedeckt worden war: „Café du Po…“ konnte ich entziffern. „Café du Pont“? Also Café der (imposanten) Neuen Brücke weiter nördlich?

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Ich habe es noch nicht herausfinden können. Ende Mai 2015 wurde das Gebäude komplett verhüllt, es sah nun aus wie der Kokon einer Raupe:

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Kurz nach Neujahr 2016 entpuppte sich ein grauer Schmetterling:

Paname (c) Ekkehart Schmidt

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

Nichts buntes, sondern ein völlig auf die Bedürfnisse einer internationalen Angestellten-Kundschaft schwarz-grau metropolitan eingerichtet (Fotos). Durchaus cool und mit gutem Angebot für die Mittagspause, wie für den Abend. Aber nicht mein Ding. Immerhin gibt es wieder – wie vor einem Jahrhundert – eine Markise vor der Caféfront. Aber soziologisch gesehen verkehren hier jetzt völlig andere Leute.

Die Brasserie A Central ist ausgewichen. Ja, es gibt sie noch: Am Ende der Rue Glesener, 300 m weiter,  hat sie ein neues Domizil gefunden. Zur Vollständigkeit reiche ich im Januar ein paar Fotos nach.

Adresse: 50 Rue Sainte Zithe,  Place de Paris, Luxemburg, Tel.: +352 24 87 31 62,
Webseite

Von der Brasserie A Central zum Paname_Luxemburg © Ekkehart Schmidt

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