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Ine Stolz: Alte Seele Afrika

Dezember 3, 2018

Grand Marché_Ouagadougou (c) Ekkehart Schmidt

Ine Stolz war 25 Jahre als Agrarexpertin in der “Entwicklungs”hilfe tätig. Während die Kolleg*innen Karriere machten, arbeitete sich die aus dem Saarland stammende einstige Pflanzenschutzforscherin desillusioniert “immer weiter nach unten”, bis sie an der Basis angekommen war: Bei den Bauern in Madagaskar, Burkina Faso oder im Sudan. 2017 veröffentlichte sie ein Buch „Alte Seele Afrika. Taten und Sachen – Entwicklung und Hilfe“, das ich empfehlen möchte.

Es ist aus zwei Gründen erfrischend, hat aber auch einen Grundansatz, der etwas befremdlich wirken könnte: Auf 192 Seiten benennt sie in ernüchternder Klarheit unsere Heuchelei und Verantwortung an manch afrikanischem Elend, beschreibt aber auch unverhüllt dortige Unzulänglichkeiten. So beschreibt sie einen Einsatzort in Burkina Faso, dessen Bewohner*innen offenbar ganztags das selbstgebraute Bier “Dolo” trinken. Beides geschieht anekdotisch, aber wohl durchdacht. Sie weiß, wovon sie spricht, wenn sie etwas wohl ausgewählt exemplarisch benennt und erzählt dies aus der fiktiven Perspektive einer seit Jahrtausenden wiedergeborenen Seele, die immer neu erlebt, wie menschliche Gier die eigene Lebensgrundlage zerstört.

Die Ernüchterung über diese Form heuchlerischer Entwicklungs”hilfe”, die schlecht durchdacht oder ganz offensichtlich eine lediglich europäischen Interessen dienende „Hilf“ ist, ist nicht neu. Ich ahnte das alles. Aber Ine Stolz bringt es auf den Punkt: Die meisten Entwicklungsprojekte in Afrika zerstören mehr, als sie nützen (außer den sie umsetzenden NGOs). Ihr unkonventionell, aber mit Herzblut geschriebenes Buch liest sich sehr leicht und mit Gewinn, gerade wenn sie über den oft zermürbenden „Projektkrampf“ schreibt. Eine Pflichtlektüre für alle die heute Entwicklungsprojekte planen. In Luxemburg hat diese Ernüchterung dazu geführt, eien integrativen, partizipativen und also nachhaltigen Ansatz zu verfolgen. Zum Beispiel in der Arbeit der ASTM, von Frères des Hommes, Chrëschte mam Sahel oder SOS Faim.

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