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Vom neuen Leben des „Cappucino“_Ouagadougou

November 8, 2018

Die Avenue Kwame Nkrumah gilt als eine der wichtigsten Geschäfts- und Vergnügungsstraßen der Hauptstadt von Burkina Faso und ist insofern nicht nur ein häufiges Ziel von „Expads“ und den wenigen Touristen bei ihrem Aufenthalt in Ouagadougou, sondern offenbar auch ein Dorn im Auge mancher Fundamentalisten. Was erstere anzieht, stößt letztere ab: Neben guten Hotels und Nachtclubs auch Cafés mit Ausschank von Alkohol internationaler Qualität.

Im Januar 2016 kam es hier in diesem, ein wenig an den amerikanischen Wilden Westen des 18. und 19. Jahrhunderts wirkenden, Viertel  zu einem international beachteten Anschlag von Al Qaida auf das Splendid Hotel und zwei Café-Restaurants, die Istanbul Patisserie und das „Cappucino“ (siehe dazu ntv und  DIE ZEIT). Es gab 27 Tote (folgende drei Fotos aus Trip-Advisor und dem Tagesspiegel).

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17 Monate später, im Juni 2018, wurde es neu eröffnet (siehe Europe 1). Wenig später, an einem Augusttag, habe ich mich von David, dem Bruder meiner dortigen Freundin, morgens am Class Café absetzen lassen, um die Innenstadt zu erkunden. Wir verabredeten uns dann abends um 18 Uhr am „Cappucino“, um wieder zurück in unseren Vorort zu fahren. Wir hatten die Avenue Nkrumah und dieses Lokal gewählt, weil man sich hier nicht verlieren kann und jeder den Ort kennt.

Vom neuen Leben des "Cappucino"_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Vom neuen Leben des "Cappucino"_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Abends kam ich also hierher und fotografierte es – im Wissen um die jetzt massiv erhöhte  Sicherheitsstufe des Cafés – nur zwei bis drei Mal schnell „aus der Hüfte“. Sehend, dass vor die Terrasse des weiß-grauen Gebäudes eine Absperrwand errichtet worden ist, an der ein Polizist stand. Mit dem ich keinen Ärger wollte. Von Norden und Süden her prangen drei riesige Werbeschilder der kamerunischen Biermarke „Beaufort“ an der Außenwand.

Vom neuen Leben des "Cappucino"_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Vom neuen Leben des "Cappucino"_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Vom neuen Leben des "Cappucino"_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Vom neuen Leben des "Cappucino"_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Ich wurde beim Eintreten nicht kontrolliert, wohl aber David, als er eine halbe Stunde später kam. Er hatte seinen Ausweis zu zeigen und durfte dennoch nicht hinein. Ich trank einen der allerbesten Espresso in Ouagadougou, bewunderte die Einrichtung, die hier wie von einem anderen Stern wirkte, schaute mir aber auch an, wer hier saß: ein paar Personen westlicher Herkunft und etablierte Burkinabé.

Vom neuen Leben des "Cappucino"_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Vom neuen Leben des "Cappucino"_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Vom neuen Leben des "Cappucino"_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Vom neuen Leben des "Cappucino"_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Vom neuen Leben des "Cappucino"_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Vom neuen Leben des "Cappucino"_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Heute scheint im „Cappucino“ rein äußerlich wieder Alltag eingekehrt zu sein, aber psychologisch ist wenig verarbeitet, wie ein Interview mit einer Überlebenden zeigt. Was hat der von außen kommende Anschlag (wahrscheinlich ausgeübt von einem aus Mali/ Libyen im Norden eingedrungenen Kommando) ansonsten bewirkt?

Schon immer war das Lokal ein von Ausländern bevorzugtes Lokal. Jetzt scheinen fast nur noch westliche Ausländer Zutritt zu bekommen. Das bisherige entspannte Lebensgefühl im und vor dem Lokal wurde zerstört. Die seit Jahrhunderten in erstaunlicher Friedfertigkeit zusammen lebende christliche und muslimische Bevölkerung wurde schockiert und plötzlich aufmerksam gemacht auf einen offenbar „sündigen“ Ort. Und die tendenziell eher autoritäre Regierung hat eine Rechtfertigung für „Sicherheitsmaßnahmen“ bekommen. Wahrscheinlich ist auch der Espressopreis gestiegen. Das kann ich nicht beurteilen. Teuer genug war er: etwa das fünffache des Normalpreises.

Meiner Gastfamilie brachte ich jedenfalls – auch für mich sündhaft teure   „Eclairs“ mit (1500 Francs CFA pro Stück, also 2.50 Euro), die dankbar, fast gierig, angenommen wurden… Das „Cappucino“ ist eben auch in Bezug auf ihre Konditoreiprodukte eine „erste Adresse“.

Adresse: Avenue Kwame Nkrumah, Parcelle 20 Lot 1140 Section 005, Ouagadougou, Burkina Faso, Tel.: +226 60 72 44 44/45

Vom neuen Leben des „Cappucino“_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

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