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Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau

Oktober 25, 2018

Googelt man den Namen dieses Hauses, findet man Dutzende und Aberdutzende Lokale gleichen Namens, vor allem im südostdeutschen Raum. Vor Ort bin ich letzten Mittwoch in der Freiburger Altstadt neben dem unvermeidlichen Schwarzwälder Hof an einem „Hotel Bären“ und einer „Wolfsfalle“ vorbei gekommen. Das Gasthaus „Zum Löwen“ liegt nicht weit entfernt vom Münster in der Oberen Altstadt, also unterhalb des Hausberges. Mittwoch vor einer Woche kam ich dort spät abends an, das erste Mal seit etwa 15 Jahren wieder hier. Das kleine, familiengeführte Gasthaus in einem historischen Gebäude hatte ich mir wegen des Preises (nur 42 EUR plus 5 EUR Kurtaxe für das Einzelzimmer mit WC und Dusche auf dem Gang), vor allem aber wegen des Gefühls gebucht, dass das hier noch ein authentisches Haus ist. Ich wurde nicht enttäuscht. Vor allem aber begegnete ich einer wirklich obszessiven Leidenschaft meiner Jugend, die mit Udo Lindenberg und Franz Beckenbauer zu tun hat.

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Mich faszinierte zunächst die alte Leuchtreklame am Kasten mit der Speisekarte. Durch die Butzenfenster schaute ich später am Abend, als ich noch einen kleinen Gang um’s Eck machte.

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen (c) Ekkehart schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Wie alt das Haus wirklich ist, konnte ich nicht ergründen, möglicherweise ist es im 2. Weltkrieg zerbombt worden, wie in einem Blog über Freiburgs Altstadt angedeutet. Damals blieben nur die Häuser unmittelbar um das Münster herum verschont.

Das Hotel bietet 17 Zimmer, verteilt auf 4 Etagen. Statt als Gasthaus erlebt man das Haus jedoch zunächst vor allem als Gaststube: Die warme Atmosphäre eines sehr behaglichen Gastraums, schimmert durch die Butzenfenster. Das wirkt herzlich und familiär – natürlich  mit gutbürgerlicher Küche, schließlich ist Freiburg auch eine urdeutsche Touristendestination.

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Am Ende des langen Eingangsflurs, von dem aus es rechts in die Gaststube ging und der – in einer etwas gewagten, aber offenbar genehmigten Interpretation als „separater Raucherraum“ gilt, gelangt man in eine Art Vorhof mit steilem Abgang in den Keller, Weitergang in die Küche und weitere Räume sowie hoch in verschachtelte Treppenhäuser eines alten zweistöckigen Gebäudes, das irgendwann auch nach hinten einen Anbau erhalten hatte. Auf allen drei Ebenen fand sich als das Hotel mit der Gaststube und die Etagen unterienander verbindendes Intérieur-Element ein rot betuchter Tisch, die aber wohl nie benutzt werden. Nur im Erdgeschoss aber fanden sich diese schwarz-weißen Fake-Fachwerkhauselemente.

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

In der Zwischenetage plötzlich gerahmte Widmungen von Udo Lindenberg neben anderen Stars und Sternchen der 1980er-Jahre! Offenbar hat dieses Hotel eine Geschichte, die viel mit der Anwesenheit und Übernachtungen von Musikern und Fußballstars verbunden ist. Das elektrisierte mich. 1987 bin ich Udo auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld begegnet und habe mir kurz vor dem Abflug ein Autogramm in unseren Jordanien-Reiseführer geben lassen. Die Abflughalle war völlig leer, als er plötzlich auftauchte – für einen Flug nach Moskau, wenn ich mich recht erinnere, letztlich ein historisches Konzert vorbereitend. Hey! Das Hotel scheint ja interessanter zu sein, als gedacht.

asthaus Löwen_Freiburg (c) Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Ich hatte Zimmer 68, mit Fenster zum Hof: sehr sauber, ein Doppelbett mit den scheinbar seit Jahren unvermeidlichen Haribo-Päckchen als freundliche Begrüßung. Und keinem irgendwie oben angebrachtem Fernseher! Wunderbar.

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Die zwei Stühle und das Bett mit dem aufgemalten regional wirkenden Blumenmuster sowie der ebenfalls in Fichtenholz (?) gezimmerte Schrank kontrastierten angenehm zum Weiß der Betten und Wände, während mir das Tischtuch eher slawisch oder jedenfalls osteuropäische Assoziationen weckte.

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Beim Frühstück konnte ich einigen Fragen auf den Grund gehen. Was die Stars anging: In der Gaststube fanden sich 60 weitere Autogrammtafeln von Stars und Sternchen, die damals wohl vor allem zum Essen kamen und nicht unbedingt übernachteten, wie mir der Frühstückskellner erklärte. Inhaber Ingo Munkeil hatte das Lokal 1968 mit seiner Frau Uschi und Sohn Christian übernommen. Einige Onkels mütterlicherseits von Ingo waren bekannte Jazz-Musiker (Rolf und Joachim Kühn), so wurde das Gasthaus zum Treff von Musikern. Seit den 1970er-Jahren, vor allem aber in den 1980er-Jahren war die Küche bis nachts um 3 Uhr geöffnet, was für viele ein Grund war, nach Konzerten hier einzukehren. Wer nachts Hunger hatte, landete hier, wo noch Licht brannte.

Hier konnte man bis in die frühen Morgenstunden badischen Spezialitäten und sonstige bekannte regionale Gerichte (Schweinshaxe mit Sauce Beéarnaise), aber auch internationale Speisen bestellen und dazu badische Weine aus Freiburg und der näheren Umgebung wie dem Kaiserstuhl genießen. Oder ein Bier der heimischen Brauerei Ganter. Übernachtet hat nur ein Teil der hier verewigten Stars von Ivan Rebroff, Peter Alexander und Udo Jürgens (der immer Forelle bestellte)  und Peter Maffay über Gianna Nannini bis zu den Fußballern Bernard Dietz, Udo Lattek  und Franz Beckenbauer.

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Heute ist die Gaststube nur noch von 12 bis 1 Uhr geöffnet. Und natürlich kann ich die heutige Bedeutung nicht ermessen. Aber das berührte mich stark, war ich doch von 1977-1980 intensivst als Autogrammjäger unterwegs, der vor allem Fußball-Bundesligisten in ihren Kölner Hotels vor Spielen gegen den FC auflauerte. Der FC Freiburg spielte damals übrigens keine Rolle, ist hier aber mit Postern voller Autogramme sehr präsent: „Wir steigen niemals ab“ und so.

Ich bin wieder hoch, putzte mir die Zähne, packte meinen Rucksack, schaute im Flur noch einmal zum Schwabentor und ging um 9 Uhr raus und ab zum Café Schmidt sowie zum Bahnhof, um mittags in Zürich ein Seminar zu besuchen.

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Zurück zu Hause checkte ich aber die Frage nach den „tierischen“ Wirtshausnamen: Offenbar verdanken wir sie den Pilgern und Fernhändlern des Mittelalters. Herbergen mussten zur Verköstigung und Nächtigung parat sein.  Da beide Gruppen unterwegs waren, benannte man die Unterkünfte nach Heiligen, die irgend etwas mit dem Reisen zu tun hatten. Aber nicht deren Namen wurden verwendet, sondern ihre Attribute. Für den mittelalterlichen Menschen waren sie nämlich aussagekräftiger als der Name. Diese Symbole bilden den Grundstock der Wirtshausnamen. Der Löwe steht für den Evangelisten Markus, der Ochse für Lukas, der Engel für Matthäus und der Adler für Johannes. Sie zeigen in ihren Evangelien den richtigen Weg. Namen wie „Zum Löwen“ können sich aber auch auf Attribute oder Wappentiere der regionalen Herrscher bezogen haben.

Der Namensforscher Konrad Kunze hat eine noch weiter gehende Erklärung: Früher sind Häuser v.a. im badischen Raum gern markiert worden, mit Symbolen – sogenannten Hausmarken, später bekamen sie Bilder, die Hauszeichen, bevor sie in einigen Gegenden Namen bekamen. So habe es in Freiburg 1516 ein Gesetz gegeben, nach dem jedes Haus einen Namen haben müsse, der zur Straße hin gut sichtbar sei. Die ersten Hausnamen seien aber um 1150 in Köln aufgetaucht. Anderswo mussten die Häuser Nummern haben. Außer bei Apotheken und Gasthäusern seien die Hausnamen aber mittlerweile in Vergessenheit geraten. Gasthäuser hätten schon bei den alten Römern Namen gehabt, doch das sei in Mitteleuropa nicht weitergeführt worden. Nicht zuletzt, weil es hier im Mittelalter kaum Gasthäuser gegeben habe. Die einzigen Reisenden seien damals Pilger gewesen – und die nächtigten zumeist in Klöstern. Folgerichtig bekamen später die ersten Gasthäuser auch Namen, die auf biblische Legenden zurückgehen. Wie zum Beispiel auf den „Raben“, der den biblischen Propheten Elias in seiner Verbannung mit Brot und Fleisch versorgt habe.

Doch nicht immer stimme die These des biblischen Ursprungs, meint Kunze. So sei die Meinung weit verbreitet, dass die gängigen Namen „Adler“, „Engel“, „Löwen“ und „Ochsen“ auf die Symbolzeichen der vier Evangelisten zurückgehe. Doch er habe hier Zweifel. So seien die Namen deutschlandweit sehr ungleichmäßig verbreitet. Den Ochsen gebe es zum Beispiel nur in Baden-Württemberg und der Schweiz, während der Löwe weit verbreitet sei. Zudem sei ihm nicht einleuchtend, wie aus dem Zeichen des Lukas, dem Stier, nun der Ochsen geworden sei.  Kunze zufolge sind die meisten Gasthausnamen wohl schlicht und einfach aus den ehemaligen Hausnamen entstanden seien. Je nach Dialekt und Region hieß ein Gasthaus dann „Hirsch“, „Hirschen“ oder „Zum Hirschen“.

Der Frühstückskellner konnte mir jedenfalls nur sagen, dass dieses Hotel seit über 40 Jahren existiert. Was davor war, werde ich noch herauszufinden versuchen.

Adresse: Herrenstraße 47, 79098 Freiburg im Breisgau, Tel.: 0761 / 36 88 99-0,
E-Mail: info@hotelloewen.de, Homepage

Verwendete Quellen: Von Adlern, Ochsen und Löwen: Oberschwäbische Wirtshausnamen, barockzentrum.de, 05/2017; Schöneberg, Mario: Von Engeln, Löwen und Ochsen. Gasthäuser und ihre Namen, Badische Zeitung, 28. 10.2008

Gasthaus Löwen_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

From → Gaststätten, Hotels

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