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Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau

Oktober 20, 2018

Ich habe mit meinem Allerweltsnachnamen kein Problem, weil mir (deswegen?) ein exquisiter Vorname gegeben wurde. Vielleicht geht es anderen Schmidts anders? Oder warum gibt es so wenig Geschäfte und Lokale diesen Namens? Schämen sich die Inhaber und nennen ihr Lokal deshalb lieber „Bei Helga“ oder „Friseur 2000“? Dass es so wenig schmidtsche Läden gibt, fiel mir erst letzten Mittwoch auf, als ich hier abends auf dem Weg zum Gasthaus Löwen vorbei kam. In Freiburg also steht man dazu, sehr schön (wenn auch die Inhaber längst anders heißen, wie ich später lernte). Klar war jedenfalls, dass ich hier am nächsten Morgen nach dem Hotelfrühstück noch einen Espresso trinken würde.

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Am nächsten Morgen schaffte ich es tatsächlich wegen dieses Cafés, schon um 8 Uhr aufzustehen, obwohl mein Zug nach Zürich erst um 10.15 Uhr ging und ich ‚mal hätte ausschlafen können. Die Altstadt war entlang der Bertoldstraße noch sehr verschlafen um diese Zeit.

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Die Schaufenster betonten besondere lokale Spezialitäten, was mich an das „Domcafé“ in Mainz und das „Kaffee Kett“ in Crailsheim erinnerte, die beide ebenfalls Café und exqusite Konditorei sind und wo man bei beiden erst einmal durch die Konditoreiauslagen zu gehen hat, ehe man in den Cafébereich gelangt. So war das auch hier.

Das Haus präsentiert sich als Café und Confisserie und Conditorei und Chocolaterie. mit „Freiburger Spezialitäten“ wie „Rats-Herrenbissen“, „Bertolix-Pastete“, „Freiburger Bobbele“, sowie Tüffelmischungen, Kirsch- und Williamspasteten (mit Kirschen vom benachbarten Kaiserstuhl) und was es sonst an Pralinen gibt. Die „Bobbele“ scheinen etwas sehr originelles zu sein: „Etwas kantig und derb, nach aussen unbeholfen und herb, im Inneren wahr und echt, sind allein Schmidt’s Bobbele die Spezialität, mit Recht“ – So beschrieben die Gründer des Cafés und Erfinder der Bobele die Spezialität des Hauses. Es handelt sich um Haselnussnougat mit fein geriebenem und gewalztem Haselnusskrokant. Die „Münsterspitzen“ sind – an die Turmspitze des Münsters anspielende, trapezförmig zugeschnittene Pralinen mit einer Füllung aus Rum-Trüffelmasse auf Mandelbiskuit.

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Ich bin aber schnurstracks durch. Das ist alles nichts für morgens um 9.15 Uhr. Die Bedienung fragte mich zwar beim später beim Bezahlen, ob ich mir nicht noch etwas mitnehmen möge. Ich hatte eine gute Begründung mit mindestens noch sieben Stunden Zugreise vor mir, ehe ich wieder zuhause sein würde. Nix gut für Schokolade das. Die wären dann ähnlich vermatscht, wie das Haus hier im Laufe der Zeiten (nicht nur durch den zweiten Weltkrieg), wie mir durch ein Foto auf der Speisekarte klar wurde.

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Ursprünglich stand hier das „Haus zur Ampelen“, erbaut 1460. Später heißt es in einem in der Speisekarte zitierten historischen Eintrag einer alten Chronik: „‚Das Becken Hus am Eck‘, besitzt es 1512 Hans Lindner, Brotbeck“. Offenbar wurde hier seit etwa 1520 gebacken. In der Chronik heißt es weiter: „Hier begegnen sich stimmungsvolle Architektur und die exklusive Kunst der Konditoren“. Gotthold Schmidt begründete 1912 das heutige Lokal, führte Baguettes und Croissants ein und entwickelte seit den 1930er-Jahren eigene Rezepte für regionale Spezialitäten. Sein Sohn Armin übernahm das Café und baute die handwerkliche Fertigung weiter aus. Seit 1974 ist der Betrieb verpachtet und wird in Schmidt’scher Tradition weiter geführt, wie es auf der Homepage heißt.

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Seit 1997 leitet Karl Guth mit seiner Frau Claudia das Haus, das ab 7.30 Uhr geöffnet ist und schon 18.30 Uhr schließt. Wahrscheinlich wurde das Café damals modernisiert. Unten wirkt die Inneneinrichtung sehr exquisit und zugleich wie eine Art „gute Stube“, während es oben eher so aussieht, als sei seit den 1980er-Jahren nichts verändert worden, um einen Massenbetrieb zu bedienen. Vielleicht sitzen de Touristen im Sommer eher oben, während unten der Bereich für die einheimischen Schwarzwälderkirschtortenaddicts ist. Sonntags gibt es auch ein Frühstücksbüffet – die Guths haben sich also auch an die heutige Zeit angepasst.

Jetzt im Herbst war oben eigentlich geschlossen, die Treppe hatte man aber zu gehen, um die Toiletten zu erreichen.

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Kurz vor 10 Uhr musste ich dann los. Erst draußen fiel mir auf, dass die Guths offenbar noch das Erdgeschoss des Nachbarhauses angemietet haben und dort eine Art „Café Schmidt-Lounge“ aufgemacht haben. Für wiederum eine andere Zielgruppe. Ja klar, man muss ja sehen, wo man bleibt.

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

Adresse: Bertoldstraße 19A, 79098 Freiburg, Tel.: 0761-36967, kontakt@cafeschmidt.de, Homepage

Café Schmidt_Freiburg i. Breisgau ⓒ Ekkehart Schmidt

From → Cafés

One Comment
  1. Freiburger Bobbele heißen auch die in Freiburg geborenen Kinder, lieber Ekki, und diese müssen als Kür das“Bächlehupfen“ mit quergestellten Beinen über die niedrigen Wassergräben der Innenstadt beherrschen. viele Grüße die kopistin

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