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Per Moto um die Barrages_Ouagadougou

Oktober 12, 2018

Als überzeugter Radfahrer war es schon eine starke Umstellung, mich plötzlich eine Woche lang nur noch per Motorrad zu bewegen. Aber in der riesig in die Fläche wachsenden Hauptstadt von Burkina Faso gilt es von A nach B ständig, viele Kilometer zu überwinden. Busse und Taxis existieren so gut wie nicht (mehr). Noch vor ein paar Jahren war das anders, da boomte das Taxigeschäft. Doch dann kam die Yamaha 80 auf den hiesigen Markt, offenbar so billig, dass sie sich viele leisten konnten. Das emblematische Moped japanischer Herkunft wurde dann durch chinesische No-name Produktionen verdrängt, die noch billiger waren. Seitdem sieht man kaum noch ein Taxi. Für Fremde ist das ziemlich einschränkend.

Mein Ausflug vom Vorort Tampouy in die Innenstadt bedeutete Mitte August also, mich von David, dem Bruder meiner Gastgeberin, erst gute 10 km hinbringen und dann abends für weitere 15 km abholen zu lassen. Zurück länger, weil er mir die Barrages zeigen wollte, jene 1963 errichtete Trinkwasser-Stausee-Anlage im Norden der Stadt, die den Fluss zu drei Seen werden lässt, welche unseren Vorort derart von der Stadt abtrennten, dass es nur zwei Zugangswege gab.

Entsprechend dicht war in diesen Nadelöhren der Moto- und Radverkehr. Sehr beeindruckend, zumal wir genau zum Sonnenuntergang die Barrages überquerten. Ich riskierte, in voller Fahrt die Kamera aus der Seitentasche zu friemeln um zu fotografieren.

Per Moto um die Barrages_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Per Moto um die Barrages_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Per Moto um die Barrages_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Per Moto um die Barrages_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Statt des Sonnenuntergangs ergab sich zufällig das viel interessantere Motiv der Motofahrer*innen im Gegenlicht. Mais voilà:

Per Moto um die Barrages_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

In mal stockender, mal brausender Fahrt ging es weiter über den Damm zwischen der zweiten und dritten Barrage, dann westwärts auf der rue 23.02 am Ufer entlang.

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Per Moto um die Barrages_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Per Moto um die Barrages_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Per Moto um die Barrages_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Per Moto um die Barrages_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Rammie aus Ghana zeigte in einem Blogeintrag sich sehr beeindruckt von diesem täglichen Gebrause von Motos und Radlern:

„Everyone rides them – men, women, and children. There’s an entire lane dedicated to these cyclists (jedenfalls gelegentlich) and they have the right of way on the streets. I’m particularly impressed by the women riders. Some of these women not only have their babies strapped to their backs and another child or two with them, they also carry their goods – from crates of eggs to baskets full of produce. And they ride under the scorching sun. Students on their way to school, workers on the way to the office, traders off to the market. I’m equal parts impressed and terrified. “What if one of the children fall off? Or your basket of goods fall off? Or you get knocked over by a car that’s not paying attention?” But for the women of Ouaga, it’s business as usual. The office workers are in their business casual outfits, women old enough to be my mother or even grandmother are in their cloth skirts and tops and riding like they’ve been doing it their whole lives – which they have. They’re not kidding when they say Africans are resilient. We’ve been finding ways of making things work for us no matter the circumstances in which we find ourselves. We’re willing to work hard to earn our place in the world. Rain or shine, we’re out there working to make our lives better.“

Und der Vielreisende Graham war in seinem Blog Biker babes of Burkina Faso voller Bewunderung für den Fahrstil der Frauen, die er auf ihren Motos als keineswegs unterdrückt empfand. Sie geben ihnen tatsächlich viel Freiheit.

Zugleich zeigt die Unfallstatistik der Stadt für 2017, dass Zweiräder am stärksten in Unfälle verwickelt sind: An den 6452 registrierten Unfällen waren zu 97 Prozent Fahrräder und Motos beteiligt. Es gab dabei 6881 Verletzte bzw. (in gut 80 Fällen) Tote. Am unfallträchtigsten sind neben der täglichen Rushhour die Samstage und Sonntage.

Am Nordrand der Barrages rauschten dann auf der – erst seit wenigen Jahren durch ein Sumpfgebiet führenden – Straße verschiedenste weitere Eindrücke an mir vorbei: Skurrile Bäume vor verdrecktem Ufer, ein Fischer, ein Flickschuster, Obstverkäufer und fliegende Händler am Straßenrand, rechts Landwirtschaft – und dabei immer diese Frau vor uns, die mit der rechten Hand lenkte, während sie mit der linken Hand freihändig ihren Einkauf balancierte…

Per Moto um die Barrages_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Per Moto um die Barrages_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Per Moto um die Barrages_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Per Moto um die Barrages_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Per Moto um die Barrages_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Per Moto um die Barrages_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Eine denkwürdige Mischung archaischer Eindrücke, die im Strom hunderter rasender chinesischer und japanischer Mopeds an mir vorbei rauschten. In einem traurigen Gefühl, wahrzunehmen, wie dieses Idyll mit Plastikmüll und einer starken Zufuhr von Stickstoff und Phosphor verschmutzt wird. Letzteres führt zu einem unmäßigen Wachstum von Wasserhyazinthen – worüber auch Medien wie Burkina24 und lefasonet berichten.

Per Moto um die Barrages_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

One Comment
  1. wow! spannende eindrücke! tolle bilder!
    lg daniel

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