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Motos am Café Express_Ouagadougou

Oktober 11, 2018

Frauen orientieren sich anders als Männer, stärker an „Landmarks“ orientiert, als an Strukturen – zum Beispiel einer Stadt. Mangels Stadtplan und Aufsicht von oben war ich im August dennoch sehr dankbar für ein sehr markantes Gebäude im Vorort Tampouy. Optisch und zugleich funktionell auffällig: Ein Eckhaus an einer wichtigen Abzweigung der Hauptstraße „Avenue Yatenga“, auf dem Schilder ein Café und eine Metzgerei bewarben: Das „Café Express“ und die „Boucherie de la place“, die zugleich mit einem großen Schild auf ihr Hackfleisch („Viande haché“) aufmerksam machte. Rechterhand ein Fischverkäufer („Poissonnerie“). Davor noch ein Grillstand, der abends „Poulet roti“ anbot: Grillhähnchen.

Nadège, meine Gastgeberin, auf deren Motorrad-Rücksitz ich täglich durch Tampouy gefahren wurde, bog hier öfters ab, selbst wenn es nicht unbedingt der schnellste Weg zu ihr, ihrer Mutter, meinem Hotel oder dem Restaurant Savane Plus war, wo wir oft zu Mittag aßen. Ich wusste jedenfalls: Hier muss ich einmal einen Espresso trinken. Dazu kam es dann aber doch nie. Denn nur einmal war ich hier in Ruhe, aber da hatte ich auf sie zu warten, auf dass sie mich abholt und wollte nicht riskieren, dass sie mich übersieht. Es war erst mein zweiter Tag in Burkina Faso und ich wollte vom „Café Pyramide“ einmal die Straße hochgehen (die einzige asphaltierte in weiterer Umgebung), während sie ihre Cousine nach Hause brachte, mit der ich dort den Nachmittag verbracht hatte. Erst sie, dann mich.

Ouagadougou (c) Ekkehart Schmidt

Motos am Café Express_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

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Café Express

Motos am Café Express_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Motos am Café Express_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Avenue Yatenga, an der Einmündung der rue Yaon rechterhand (die Straße linkerhand hat keinen Namen, evtl. Kilwin) blieb ich eine Weile, um die Szenerie im doppelten Sinne aufzunehmen: optisch-sinnlich und fotografisch. Unaufhörlich brausten hier die Motos vorbei, mit und ohne Anhänger, mit einem, zwei oder drei Passagieren (auch Mütter mit Baby auf dem Rücken), gelegentlich ein Fahrrad, selten ein Auto, eher LKW. Manche hielten am Stand eines Straßenverkäufers, um sich etwas zu essen zu kaufen, zum Beispiel gegrillte Maiskolben. Ununterbrochen kamen auch fliegende Händler vorbei : Ein kleiner Mikrokosmos, den in Gänze wahrzunehmen kaum möglich war. Aber ich kann nur empfehlen, an solchen Plätzen einfach einmal eine halbe Stunde stehen zu bleiben (falls grad kein Café da ist).

Motos am Café Express_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Motos am Café Express_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Motos am Café Express_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Motos am Café Express_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Zurück am Café entdeckte ich eine Branche, von deren Existenz ich bislang nichts wusste: Motowäscher, die mit einem Schlauch oder einer Hochdruckspritze  bewaffnet den braunen Dreckstaub entfernen.

Motos am Café Express_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Zwei Stunden nach meinem ersten Spaziergang kam ich in der Dämmerung zum Treffpunkt zurück. Es ist viele Jahre her, dass ich mich so abhängig von einer Person fühlte, die mich zurück in den sicheren Kontext eines Hotels bringt. Nicht, dass ich hier Angst verspürt hätte, ganz im Gegenteil. Nur diese Unsicherheit, was wäre, wenn ich nicht abgeholt würde und in einem Ort ohne Straßennamen und kaum Taxis nicht hätte sagen können, wo ich hin will. Eine wichtige, existenzielle Erfahrung. Aber Nadège kam mit ihrem Moto und alles war gut. Nur habe ich hier keinen Espresso getrunken – einer von mehreren Gründen, warum ich zurückkehren muss.

Motos am Café Express_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Motos am Café Express_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Motos am Café Express_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

Anstelle einer Adresse: GPS-Punkt: 12.389667, -1.575992

Motos am Café Express_Ouagadougou ⓒ Ekkehart Schmidt

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